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Larp lebt von Geschichten, die erzählt und erlebt werden. Wir haben mit Carmen gesprochen, Vollblut-GSC und Cosplayerin. Als Avatar des Weißen Drachen begeistert sie so zum Beispiel Spielende auf dem DrachenFest. Aber was bedeutet es eigentlich, Vollblut-GSC mit viel Rampenlicht zu sein? Wir haben sie gefragt!

Sogenannte Festrollen oder GSC stehen oft im Mittelpunkt eines Larp. Sie sind Motivator*in, Antagonist*in, lebende Legende oder fieses Mastermind. Aber vor allem sind sie oft hohen Erwartungen ausgesetzt. Carmen ist leidenschaftliche GSC und Cosplayerin und liebt es, Teil einer Geschichte zu sein und Spielenden unvergessliche Momente zu bescheren, doch das kann auch anstrengend sein.

Carmen ist Jahrgang 1993 und seit 2011 begeisterte Larperin und ebenso lange auch Cosplayerin. Bekannt wurde sie als mit Cosplays im The Witcher-Universum vor allem mit ihrer Darstellung der Herzogin von Toussaint. Als studierte Historikerin und Kulturwissenschaftlerin arbeitet sie als Archivarin.

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Interview

b.a.fotoarts / Mircalla Tepez
b.a.fotoarts / Mircalla Tepez

Teilzeithelden: Du hast Deine Zeit im Larp meist in geschlossenen Settings verbracht, zum Beispiel Vampire Live. Das DrachenFest war Dein erstes klassisches Fantasylarp, was waren Deine Eindrücke?

Carmen: Ich gebe zu, ich war zu Beginn sehr erschlagen. Vor allem von der schieren Menge an Spielenden und der Größe des Orgateams, das notwendig ist, um ein Larp dieser Ausmaße zu stemmen. Aber zum Glück gab es gleich ein paar bekannte und neue Gesichter, die sich rührend um mich gekümmert und mich aufgefangen haben. Davon ab war ich sehr begeistert von den Bauvorhaben, denen ich ab Samstag vor der Spielzeit beim Erstehen aus dem Nichts zuschauen konnte. Auf einer simplen Wiese so viele Landmarker nur für das Spiel zu errichten, ist schon ziemlich bemerkenswert in meiner Wahrnehmung.

Teilzeithelden: Wie wird man eigentlich Avatars-Darsteller?

Carmen: Ich persönlich war wohl sozusagen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Als die Rolle des Weißen Avatars recht kurz vor Con neu besetzt werden sollte, hat mich ein Orga-Mitglied des DrachenFest auf dem kurzen Dienstweg angefragt. Er spielt seit 2016 in einer von mir geleiteten Vampire Larp Gruppe, kennt mich als Orga, SL und NSC und hat gefragt, ob ich zufällig in, von damals aus gerechnet, acht Wochen Zeit hätte einzuspringen. Damals befand ich mich in der Übergangszeit zwischen zwei Jobs, hatte am Con-Termin frei und war entsprechend flexibel. Also dachte ich, ich versuche es einfach.

Als Darstellerin vorgeschlagen wurde ich wohl unter anderem, weil ich, wenn ich etwas zusage, sehr zuverlässig bin und andererseits über die persönliche Ebene die Vermutung im Raum stand, ich könnte menschlich sowie auch von meinem Darstellerinnen-Verhalten her gut mit dem Lager harmonieren.
Um die Frage also zu beantworten: Es scheint eine Abwägung aus praktischen Überlegungen, Verfügbarkeit und der persönlichen Chemie mit der Gruppe, die einen neuen Avatar bekommen soll, zu sein, die den Ausschlag geben. Aber ich fürchte, es gibt keine offizielle „Avatar-Checkliste“, die ich euch exemplarisch vorlegen könnte. *lacht*

Teilzeithelden: Was war für Dich die größte Sorge, aber auch die größte Vorfreude?

Carmen: Meine mit Abstand größte Sorge war es, das Lager zu enttäuschen. Ich war nie zuvor auf dem DrachenFest, ich kannte zu diesem Zeitpunkt keinen der Lagerspieler und wusste auch nicht wirklich, in was für eine OT-Stimmung ich da hinein kommen würde. Immerhin wusste das Lager ja auch nicht, was für eine Person ihnen da vor die Nase gesetzt wird.

Große Vorfreude habe ich bezüglich des Glaubens-Themas als Spielschwerpunkt empfunden. Ich liebe Religionsspiel, egal ob im Larp oder im Pen and Paper!

Außerdem war ich ziemlich angetan von der ganzen Larp-Artillerie des Lagers, die ich schon im Vorfeld auf Bildern hatte bewundern dürfen – und natürlich von dieser fantastischen Lager-Kapelle mit Bleiglas-Avatar-Abbild, auf dem dann auch noch trotz der Kürze der Zeit mein Gesicht montiert wurde. Darauf, das alles in echt zu sehen, habe ich durchaus hingefiebert.

Aber trotz allem dominierte bis zu den Aufbautagen die Mischung aus Respekt vor der Rolle, Versagensangst und Sorge rund um unbekannte OT-Befindlichkeiten.

Teilzeithelden: Wie hast Du Dich auf Deine Rolle vorbereitet?

Carmen: Ich habe als allererstes meinen DrachenFest-Kontakt „genervt“, um an die Glaubens-Unterlagen zu kommen, damit ich mich umgehend in die IT-Gedankenwelt des Lagers einlesen konnte. Davon ab habe ich versucht, schon im Vorfeld Kontakt zu meinem Lager und allem voran dem Darsteller meines Sidekicks (And. Der Red.: Jede*r Avatar*in auf dem DrachenFest hat eine sogenannten Sidekick, der die Darsteller*innen unterstützen und entlasten soll), dem lieben Orm, aufzubauen, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, was wichtig ist um dem Lager trotz Kurzfristigkeit meines Einspringens einen halbwegs passenden Avatar zu mimen. Nach alledem habe ich dann nochmal Königreich der Himmel geschaut und beschlossen, dass König Balduin, abzüglich Maske und Lepra, eine exzellente Stil-Inspiration für meine Interpretation meines Avatars sei.

Teilzeithelden: Was war anders als erwartet, sowohl was Deine Vorbereitung auf die Rolle anging als auch Deine Erwartungen an eine Großcon?

Carmen: Oh, ich glaube diese Liste ist lang. Ich habe völlig unterschätzt, wie gerne das Lager seinen Avatar hochspielt. Ich denke, das kommt daher, dass ich inhärent mit Hochstatus-Figuren Sorge habe, meine IT-Gefolgschaft OT zu belasten. Aber das hat mir das Lager sehr schnell ausgetrieben.

Hinzu kommt, dass ich mir auch nicht vorstellen konnte, wie gerne die Spieler mit einem Avatar interagieren. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, immer von der Minute, in der ich das Spiel betreten habe, bis zu dem Zeitpunkt, wenn ich zum Schlafen den Spielbereich verlassen habe, dauerhaft eingebunden gewesen zu sein – die gelegentlichen Pausen nach Eigenbedarf ausgenommen. Das hatte ich mir so nicht vorstellen können.

Gleiches gilt für die Präsenz von Kindern im Spiel. Natürlich habe ich gesagt bekommen, dass Kinder Teil der Con sind. Aber da das in meinen üblichen Settings Vampire, Witcher und Call of Cthulhu einfach so gut wie nie ein Thema ist, da fast alle Veranstaltungen dieser Genres ab 18 sind, hatte ich keine Vorstellung davon, wie das mit Kindern im Larp denn aussehen würde. Ich war ehrlich gesagt sehr angetan davon, wie schön das Spiel zwischen Teilnehmenden aller Alltagsklassen hin und her ging und auch davon, wie gut selbst die Jüngsten im Lager betreut wurden.

Teilzeithelden: Wie zeitaufwendig ist diese Aufgabe eigentlich in Vor- und Nachbereitung?

Carmen: Ich bin jetzt natürlich erst taufrisch in der Avatar-Position, aber ich glaube, sie ist so aufwendig, wie man sie sich machen möchte – bzw. es hängt davon ab, was man als „Aufwand“ begreift sowie natürlich welchen Hintergrund man hat.

Wenn man wie ich komplett von außen in die Welt des DrachenFests kommt, hat man natürlich vieles nachzulesen, selbst wenn man sich Hilfe sucht, die den Input auf das eigene Lager hin kondensiert. Aber Begriffe wie der Weltenwacht-Hintergrund, die verschiedenen Attribute der Avatare, ihre Verhältnisse zueinander, die IT-Funktion des DrachenFests und so viel mehr sind allesamt nicht selbsterklärend und müssen sich einfach angelesen bzw. über die Erzählungen erfahrender SL und/oder Spielender gelernt werden.

Dann möchte man natürlich, wenn man das alles und vor allem die eigene Rolle begriffen hat, ein passendes Auftreten konzipieren: Kleidung, Make-up, sowie Sprechweise und auch Gestik wollen angepasst und geübt werden. Das ist aber für sich genommen eigentlich nicht aufwendiger als bei jedem anderen Hochstatus-NSC auch.

Diffiziler wird es dann, wenn man sich als Avatar des Glaubens das Ziel setzt, die einzelnen Gruppen mit ihren jeweiligen Glaubenssystemen personalisiert abzuholen. Das ist dann wieder ein ganz schöner Büffelaufwand, den ich in Nachbereitung meines ersten DrachenFests und Vorbereitung des Kommenden angeregt habe. An dieser Stelle auch nochmal ein großes Dankeschön an das Lager, das mir fleißig Infos zukommen lässt, damit ich versuchen kann, meinem Ehrgeiz gerecht zu werden.

Davon ab gibt es natürlich gelegentliche Calls für SL – immerhin sind Avatare auch Teil der IT-SL – an denen man teilnimmt und man will sowohl als Darsteller, man ist irgendwo ja auch ein bisschen Dienstleister nach meinem Verständnis, als auch einfach Mensch den Kontakt zu den Spielenden des eigenen Lagers pflegen. Das macht natürlich auch riesig Spaß, aber wenn man eine Zeit-Aufwand-Rechnung aufstellt, kommt das sicher als großer, maximal variabler Faktor in die Rechnung mit hinein. 

Teilzeithelden: Das klingt wirklich sehr intensiv. Wie ist dann der typische Tagesablauf für Dich auf dem DrachenFest?

Carmen: Mein Wecker ging jeden Morgen zwischen 6 und 7. Wenn es besonders warm war, hat mich die Hitze im Zelt auch schon früher geweckt. Der erste Gang führte dann meistens zum Frühstück und dann in den kleinen Schminkbereich für NSC. Dort trifft man neben unseren grandiosen Make-up-Damen auch oft schon die anderen Avatare. Als Freizeit-Modell und Cosplayerin habe ich mein Make-up soweit selbst übernommen. Manchmal gab es zum Morgen dann auch noch ein kurzes Briefing.

Ich versuche gleich morgens um 9 am Lager zu sein um wahlweise (je nach Wetter und finaler Spieleinstiegszeit) zur „Morgen-Obacht“ mit dem Lager auszurücken – oder einfach da zu sein, damit wer zurückkommt, die Möglichkeit hat, nach dem ersten Sieg oder der ersten Niederlage sofort seinen Avatar anzuspielen. Im Lager selbst verbringe ich die allermeiste Zeit im Ratszelt. Gegen 11 etwa war spätestens dann mein Sidekick vor Ort an meiner Seite – und die phänomenale Crew des Aynhorns hat uns mit dem ersten Kaffee und den ersten Apfelpfannkuchen des Tages den Morgen versüßt.

Üblicherweise werden morgens die durch Wettbewerbe und Banner-Siege errungenen Dracheneier als Punktemarker im Garten unserer Kapelle ausgegeben.
Danach geht es dann auch schon wieder ins Ratszelt, wo ich für IT-Audienzen zur Verfügung stehe, Plotimpulse ausgebe und ansonsten auch einfach der sehr angenehmen Gesellschaft unserer Ratsmitglieder frönen sowie den Spielideen unserer Lageristen folgen darf.

Mit meinem Sidekick hatte ich zuletzt die Vereinbarung, dass ich gegen 22 Uhr „Feierabend“ mache. Er bleibt dann meist noch etwas länger, ich bin dafür dann wieder morgens früh direkt am Platz.

So hat das Lager ein Zeitfenster in Ruhe nächtlichen Unsinn zu betreiben, den man dann im Zweifel morgens dem Avatar beichten könnte, so zumindest unsere Idee.
Feierabend bedeutet tatsächlich eiligen Schrittes zur Dusche zu gehen, noch etwas zu essen und dann ins Bett zu fallen, um am nächsten Morgen irgendwie mit dem Tatendrang des Lagers Schritt halten zu können und dabei noch irgendwie würdig auszusehen.

Teilzeithelden: Was hilft Dir auf der Con zum Runterkommen?

Carmen: Ruhe, liebe Menschen, nette Worte, ganz profan im OT mit meinem eigenen Namen oder Künstlernamen angesprochen zu werden und Kopfhörer samt Spotify-Playlist. Gerade die Möglichkeit, mich auch mal im Lager für eine Viertelstunde in eine abgeschirmte Fläche zurückzuziehen, wo sich nur wenige Menschen befanden und man OT sein konnte, tat mir wirklich gut.

Teilzeithelden: Nicht selten entsteht um exponierte Spieler*innen ein Personenkult, wie sind hier Deine Erfahrungen?

Carmen: Spannende Frage! Tatsächlich habe ich schon nach einem Mal Avatar-Sein bemerkt, dass man sofort anders und mehr wahrgenommen wird. Auf fast jeder Con, die ich seitdem besucht habe, wurde ich auf die Rolle angesprochen oder habe von irgendwo ein „Ehre der Weißen!“ zugerufen bekommen. Ich gestehe, dass mich das immer wieder irritiert. Ich bin wohl naiv davon ausgegangen, dass das bei einem so kleinen Lager wie unserem nicht derart ins Gewicht fällt – und habe mich geirrt. Es gab auch schon Kniefälle im OT. Ich habe ehrlich keine Ahnung, wie man damit umgehen soll. Die Leute meinen das ja alles wahnsinnig lieb und anerkennend, oder wahlweise auch lustig. Aber es fühlt sich dann doch ein wenig nach einer kommunikativen Sackgasse an. Ich begegne meinen Mitspielenden so viel lieber auf Augenhöhe mit einem „Hallo, ich bin Carmen“, statt mit einem künstlichen Gefälle, das durch den Bezug auf die Rolle manchmal zu entstehen scheint. 

Teilzeithelden: Wie geht man damit um und verhindert man vor allem Höhenflüge, denn jeder freut sich in der Regel über Anerkennung?

Carmen: Oh, wenn ich das schon so wirklich wüsste… Ein klein wenig Larp-Bekanntheit hatte ich ja schon vorher durch meine Fotos, die ich seit 2012 als Mircalla Tepez ins Netz werfe. Ich glaube, meine Devise war im Zweifel immer weglächeln und kommunizieren, dass ich auch nur ein Larper wie alle anderen auch bin, allenfalls dadurch abgegrenzt, dass ich diesen diffusen Drang habe Bilder zu schaffen und hoffe durch das Verteilen davon im Internet Gleichgesinnte vor oder hinter Kameras für noch mehr Fotoprojekte zu finden.

Natürlich freue ich mich riesig über Komplimente und Anerkennung. Aber tendenziell bin ich im realen Leben eine eher introvertierte Person, die beides gar nicht so gut annehmen kann – und noch immer damit hadert, dass all diese Dinge, die ich mein Leben lang getan habe, früher zu Schulzeiten Grund für Ausgrenzung waren, aber jetzt von Leuten bewundert werden. Das ist für mich nach wie vor ein verblüffender Perspektivwechsel.

Ich schätze, meine Antwort auf deine Frage ist also: Einfach introvertiert sein. Das wiegt sich dann auf. *lacht*

Teilzeithelden: Du treibst Dich sonst vornehmlich auf Witcher-Larps und Vampire-Larps herum, was macht hier für Dich den Reiz aus?

Carmen: Ich denke, beim Vampire ist es einfach meine Liebe zum Creature-Acting und die Tatsache, dass es so viel mehr Spaß macht, sich fürchterlich zu benehmen, wenn man dabei besonders gut angezogen ist. Mein Erscheinungsbild suggeriert Leuten oft eine gewisse Erwartungshaltung, die man im Vampire exzellent durch Kleidung unterstreichen kann, um diese dann wiederum mit Knurren, Fauchen und monströsem Kreischen sowie den passenden Bewegungen zu brechen. Außerdem teile ich meinen Geburtstag mit Anne Rice, nehme also an, das Thema ist einfach Vorsehung. *lacht*

Witcher als Setting hat für mich eine sehr persönliche Dimension. Ich habe die ersten beiden Spiele gemeinsam mit meinem Cousin gespielt. Er verstarb, bevor wir den dritten Teil zusammen beginnen konnten. Witcher 3 Jahre später endlich zu spielen, hatte für mich etwas mit Trauerarbeit und innerer Selbstversöhnung zu tun. Dann habe ich dabei auch noch Charaktere – namentlich Iris von Everec, Herzogin Anna Henrietta und Yennefer von Vengerberg – kennengelernt, in denen ich gewisse Facetten von mir gesehen habe und die ich dann via Cosplay weitergehend entdecken und verarbeiten wollte.

All diese Gefühle und was ich daraus für mich gemacht habe, nehme ich in das Setting mit, wenn ich larpe und aus irgendeinem Grund bereitet mir das schlicht und ergreifend Freude.
Davon ab mag ich die Dichte, die man in geschlossenen Settings erzielen kann. Ob Intrigen, Religionsspiel oder Magiesystem: All das kommt mir in Witcher und Vampire kondensierter vor, als in den meisten offeneren Events, die ich kennengelernt habe.

Außerdem mag ich die Düsternis, Melancholie und trügerische Hoffnung, die beiden Spielwelten innewohnt sowie schlicht und ergreifend die dazugehörige Deep Lore einfach gern.

Teilzeithelden: Was ist für Dich der größte Unterschied vom DrachenFest zu Vampire oder Witcher-Larp?

Carmen: Ich würde hier zuvorderst die Settingdichte nennen. Vampire und Witcher sind beide in sich geschlossene Welten, die selten bis nie aufgebrochen werden. Auf dem DrachenFest trifft man Charaktere aus allen denkbaren Fantasywelten, deren Darsteller sichtlich darum bemüht sind, die doch sehr verschiedenen Hintergründe irgendwie miteinander zu harmonisieren. Das Setting der Con hilft dabei natürlich sehr. Aber für mich als notorischer „geschlossene Settings“-Spieler war es eine Erfahrung, in die ich mich etwas einfühlen musste, wenn da Sigmariten neben stark historisierend gestalteten Figuren und DSA-Abenteurern agieren, und man als NSC versuchen möchte in der Interaktion ihnen allen gerecht zu werden.

Teilzeithelden: Viele Deiner Rollen sind NSC, GSC oder Supportrollen. Vermisst Du manchmal die Freiheit des SC-Daseins?

Carmen: Manchmal. Dann baue ich mir einen SC und stelle oft fest, dass es mich frustriert, mich „machtlos“ zu fühlen, wenn Leute, die ich mag, eine nicht so gute Con haben, weil mir die Werkzeuge fehlen, sie sanft wieder abzuholen, weil ich ja genauso wenig wie sie weiß, wo die Reise am Ende hingehen soll.

Unter dem Strich bin ich wohl eine Mischung aus Community-Larperin und Möchtegern-Schauspielerin. Beides kann ich als NSC oder GSC besser ausleben als ein normaler SC. Wenn ich doch mal SC bin, rutsche ich so überproportional oft in Mentorenrollen für andere SC, dass Orgas mich dann doch wieder als GSC nutzen.

Eine Con geht für mich gedanklich als eine „gute“ Con ein, wenn ich das Gefühl habe, alle hatten Spaß und ich habe dort, wo es in meiner Hand lag, dazu beigetragen, dass Mitspielende ein schönes Erlebnis hatten. Ich spiele zwar auch gerne extreme Emotionen und Entwicklungen, weiß aber, dass ich keine Freude daran habe, wenn ich im Nachhinein sehe, dass ich mein Gegenüber damit OT vielleicht überrollt habe. Ich schätze, dadurch erklärt sich meine starke, etwas ungeplante, aber deutliche Tendenz vom SC hin zum NSC/GSC.

 

Artikelbilder: © b.a.fotoarts, NinaE Portraits, stanpeed, Thomas killian soulcatcher photography, Mircalla Tepez
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Lidia Strauch

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