Rom und China, die beiden berühmtesten Kaiserreiche der Antike, dominierten jahrhundertelang ihre Kontinente. Begegnet sind sie sich nie… Doch für alle, die wissen wollen, wie ein Treffen zwischen Rom und China hätte aussehen können, schlagen wir drei Filme vor, die den Kampf der Kaiserreiche auf die Leinwand bringen.
Es ist, frei nach Jane Austen, eine universell anerkannte Wahrheit, dass Nerds, die zwei Dinge kennen, wissen wollen, welches davon gewinnen würde. Sei es in Comics, bei Magic the Gathering oder eben in Filmen, es ist immer unterhaltsam, wenn zwei unerwartete Dinge aufeinander treffen. Dahinter steckt keine Neigung zur Gewalt, sondern einfach die Freude daran, etwas neues zu sehen, und sich vorzustellen, wie in einem Wettstreit beide Seiten ihr Bestes zeigen.
Das kann sich natürlich auch auf historische Crossover beziehen, die so nie stattgefunden haben. In diesem Artikel betrachten wir dafür das Römische Kaiserreich und das Kaiserreich China. Rom dürfte allseits bekannt sein: eine militärische und Handelsmacht, die vor zweitausend Jahren den Mittelmeerraum beherrschte, Europa von England bis Arabien eroberte und durch Gesetze, Verwaltung und Gelehrtentum die europäische Kultur bis heute prägt: Kaiser, Gladiatoren, Legionäre – man kennt es.
China ist hierzulande zwar ein Begriff, dazu sind aber meist deutlich weniger Details und eher diffuse Klischees bekannt. Das Thema kann hier nur angerissen werden, aber auf jeden Fall war das chinesische Kaiserreich ebenso eine Großmacht wie das römische. Die chinesischen Kaiser sahen sich als Träger des Mandats des Himmels, göttlich zum Herrschen bestimmt. Dazu befehligten sie gigantische Heere in einem riesigen Reich, das durch ein hochentwickeltes System von Verwaltung und Bürokratie geordnet wurde. Das chinesische Kaiserreich bestand grundsätzlich über Jahrtausende, wobei es immer wieder erobert oder von innen gestürzt wurde. Bis zum Ende des Kaiserreiches im zwanzigsten Jahrhundert sah sich jede neue Dynastie, wie unterschiedlich sie politisch oder kulturell auch waren, aber als nächste Generation des Kaiserreiches, das so eine durchgehende Kette bildet. Die Nachfolger des römischen Reiches, wie die Heiligen Römischen Kaiser oder die Kaiser von Byzanz sahen sich zwar ebenso, in Europa hat sich diese Sicht aber nicht durchgesetzt.
Das moderne China ist aber eine Weltmacht, mit der auch im Westen das Interesse an China steigt. Selbst Games Workshop hat sich mit Warhammer dabei angeschlossen und bietet mit Grand Cathay eine Fantasy-Chinesische Armee, die gegen das Imperium, das Fantasy-Heilige Römische Reich, antreten kann. Bei anderen, historischen Strategiespielen ist China leider noch selten: Außer bei Art de La Guerre und Mortem et Gloriam gibt es wenig Regelwerke, die Westen und Osten abdecken.
Historisch wussten Rom und China tatsächlich voneinander, wenn auch nicht viel. Es gab schon vor dem Jahre Null Handelsbeziehungen von Schiffen, die chinesische Seide nach Rom brachte, dafür römische Glaswaren nach China. Beide malten sich das jeweils andere Kaiserreich als Gegenstück auf der anderen Seite der Welt aus. In der Antike waren die Entfernungen jedoch zu groß, um beständigen Kontakt aufzunehmen, und mit zu vielen anderen Reichen dazwischen. Östlich von Rom herrschten, je nach Zeit, etwa die Seleukiden und Parther, in Indien die Maurya und in Zentralasien die Kushan und das Steppenreich der Xiongnu. Trotzdem reiste im Jahr 97 ein chinesischer Gelehrter namens Gan Ying bis zum Persischen Golf und sprach mit den dortigen Seefahrern, um ein Buch über Rom zu schreiben. Im Jahr 166 wurden in China römische Gesandte empfangen, allerdings findet sich darüber nichts in römischen Quellen.
Wir sehen also, die beiden Reiche wussten voneinander und hatten wenigstens durch Zwischenhändler Kontakt. Tatsächlich begegnet sind die Reiche sich wohl nie, doch es gibt drei Filme, die diesen Umstand beheben wollen : Asterix und Obelix im Reich der Mitte von 2023, Clash of Empires – Die Schlacht um Asien von 2011 sowie der chinesische Dragon Blade mit Jackie Chan, Adrian Brody und John Cusack.
Gewalt, Tod von Hauptcharakteren, Gefährdung von Kindern
Inhaltsverzeichnis
Asterix & Obelix im Reich der Mitte (2023)
Asterix & Obelix im Reich der Mitte erschien 2023 und war zwar nicht der erste Asterix & Obelix Film mit eigener Handlung, aber der erste, der die beiden wanderlustigen Gallier in eine neue Weltregion führte.
Der Film beginnt damit, dass nach dem Tod des Kaisers (impliziert Han Xuandi) die Fürsten und Prinzen von China einen Staatsstreich gegen die Kaiserin führen. Ihre Tochter, Prinzessin Wun Da, kann mithilfe eines phönizischen Händlers nach Gallien fliehen, wo sie Asterix und Obelix um Hilfe bitten will.

Währenddessen hat Julius Cäsar einen Beziehungsstreit mit Kleopatra. Um ihr zu beweisen, dass er wirklich der größte aller Zeiten ist, beschließt er etwas zu vollbringen, das nicht einmal Alexander der Große geschafft hat. Mit 80.000 Legionären (ungefähr 17 Legionen) zieht er nach China.
Dort angekommen, spielt Cäsar die streitenden Fürsten gegeneinander aus und erobert mit Hilfe seines stärksten Kämpfers Antivirus (Zlatan Ibrahimović) ein Gebiet nach dem anderen. Schließlich ist ganz China von den Römern besetzt. Nur eine von unbeugsamen Chines*innen bevölkerte Festung leistet dem Eindringling noch Widerstand, natürlich mit Hilfe von Asterix und Obelix. In der finalen Konfrontation treffen die beiden Gallier und ihre chinesischen Freunde auf Cäsar und seine 80.000 Mann – diesmal hält sogar Obelix den Kampf für aussichtslos…
Naturgemäß ist Asterix & Obelix im Reich der Mitte natürlich eine Komödie und nimmt sich selbst nicht allzu ernst. Über Humor kann man angeblich nicht streiten, aber trotzdem ist Asterix & Obelix im Reich der Mitte nicht besonders gut. Die Witze sind flach und landen nicht gut, die Handlung schwankt zwischen vorhersehbar und seltsamen Sprüngen und das Finale ist komisch, und nicht auf die lustige Art. Die Kampfszenen, in denen die chinesischen Kämpfer*innen wie in Kung-Fu-Filmen an Kabeln gezogen durch die Lüfte schweben, sind auch für eine Komödie nicht gut gemacht.

Wer sonstige chinesische Historienfilmen oder -Serien kennt, wird sich über die chinesischen Kostüme wundern. Und seltsamerweise werden die Chines*innen von Vietnames*innen und Kambodschaner*innen gespielt. Gut, es ist ein französischer Film, und Frankreich hat durch seine koloniale Vergangenheit mehr Verbindungen zu Vietnam und Kambodscha als zu China, aber befremdlich wirkt es trotzdem.
Asterix & Obelix im Reich der Mitte ist damit im Allgemeinen nicht besonders zu empfehlen. Wer aber Interesse an Rom und China hat, kommt an diesem Film nicht vorbei.
Clash of Empires – Die Schlacht um Asien (2011)
Clash of Empires – Die Schlacht um Asien hat eine vielleicht überraschende Hintergrundgeschichte. Dieser Film über ein Treffen zwischen China und Rom basiert auf dem Nationalepos von Malaysia und ist ein historisches Epos, das die Gründungsgeschichte von Malaysia darstellt.
In dem Film wollen Rom und China Im Jahr 120 ein Bündnis besiegeln, indem eine Tochter des chinesischen Kaisers Han Andi den Sohn des römischen Kaisers Hadrian heiraten soll.
Kleine Anmerkung: Heiratsbündnisse waren in China gang und gäbe. Die meisten Kaiser hatten eine Vielzahl, bis zu dutzende Töchter, weswegen sie diese teils leichtfertig verheiraten konnten. Rom hingegen praktizierte Bündnisheiraten kaum. Da das Kaisertum nicht wirklich erblich war, hatten die Kaisersöhne in Wirklichkeit auch nicht die politische Bedeutung eines Prinzen, die solch ein Heiratsbündnis sinnvoll gemacht hätte
Die Heirat soll auf neutralem Boden stattfinden, in der Mitte zwischen Rom und China, damit die Bündnispartner auch symbolisch gleichberechtigt sind: auf der Malaiischen Halbinsel. Auf dem Weg zu dem Treffen rekrutiert die römische Gesandtschaft Merong, einen örtlichen Schmuggler, der sich als Nachfahre von Alexander dem Großen bezeichnet. Als die Chines*innen und Römer aufeinandertreffen, stellt sich heraus, dass sowohl Marcus Carprenius, der römische Kaisersohn, als auch Meng Li Hua, die chinesische Kaiserstochter, ihr Leben selbst bestimmen und nicht nur als Spielstein der Politik dienen wollen. Ironischerweise ist das die Gemeinsamkeit, die die beiden tatsächlich zusammenbringt.
Allerdings wird das Lager von einem Piratenstamm, den Garuda, überfallen und zahlreiche Leute entführt, während Marcus anscheinend stirbt.
Nun liegt es an Merong, die Stämme seiner Heimat zu vereinen und die Piraten zu besiegen, um das Bündnis zwischen West und Ost zu retten.

Clash of Empires ist ein epischer Historienfilm mit einem großen Action-Anteil. Mit Großproduktionen wie von Hollywood oder China kann Clash of Empires freilich nicht mithalten, und leider sind die Farben des Films übermäßig ausgegraut und viel zu ungesättigt. Der malaiische Blickpunkt, Malaysia als den Angelpunkt zwischen Europa und China, Ost und West, zu sehen, dürfte hier auch eher befremdlich wirken. Aber seien wir ehrlich: Das gilt doch für die meisten nationalen Selbstwahrnehmungen in anderen Ländern. Dafür bietet der Film solide choreographierte Kämpfe.
Wer nicht nur Hochglanz-Großproduktionen braucht und für B-Film-Charme und ungewohnte Blickwinkel über Schwächen hinwegsehen kann, findet in Clash of Empires eine frische Perspektive zu bekannten Themen und eine interessantere Handlung als in Asterix & Obelix im Reich der Mitte, in der Römer und Chinesen Seite an Seite mit Malaien kämpfen.

Dragon Blade (2015)
Wer nach Clash of Empires auf die besagte Blockbuster-Produktion gewartet hat, wird hier fündig: Dragon Blade ist ein chinesischer Historienfilm, der nicht nur in der Handlung, sondern auch vor der Kamera Ost und West vereint. Auf Jackie Chan treffen die Hollywoodstars John Cusack und Adrien Brody.
Um 48 vor Christus leitet Huo An (Jackie Chan) die Seidenstraßen-Schutztruppe, eine Einheit des chinesischen Kaiserreichs, die für Frieden zwischen den vielen Völkern entlang der Seidenstraße sorgen soll. Er ist in der Wildgänsefestung stationiert, wo Vertreter der sechsunddreißig Völker und Stämme an der Seidenstraße zusammenarbeiten sollen.
Eines Tages steht jedoch eine römische Legion vor den Toren. General Lucius (John Cusack) ist auf der Flucht mit dem jungen Publius, dem Sohn des Marcus Licinius Crassus, tief nach Asien geflohen. Marcus Crassus zog mit Publius ins Partherreich und ernannte ihn zu seinem Erben. Das erzürnte jedoch seinen erstgeborenen Sohn Tiberius (Adrien Brody), der seinen Vater tötete und nun seinen kleinen Bruder um des Erbe willens umbringen will.
Die Legionäre von Lucius versuchen erst, die Festung zu erobern, um sich gegen die verfolgenden Truppen von Tiberius verteidigen zu können. Schließlich verbünden sie sich aber mit den Chinesen und feiern Brüderschaft. Bald nähert sich jedoch Tiberius mit einem 100.000 Mann starken Heer. Noch schlimmer: Durch Drohungen und Bestechungen (sein Vater galt historisch als der reichste Mann Roms) hat er die Völker der Seidenstraße hinter sich vereint. Können Huo An und Lucius Tiberius besiegen?

Dragon Blade ist insgesamt der hochwertigste Film, der eine antike Begegnung zwischen Rom und China darstellt. Das Budget ist deutlich höher, die Ausstattung und Schauspieler besser. Die Handlung hat zwar an ein, zwei Punkten leichte Längen, ist aber insgesamt solide. Jackie Chan läuft zwar nicht zu Höchstform wie in den 80ern und 90ern auf, aber der Film bietet trotzdem toll choreographierte Kämpfe und Stunts.
Dragon Blade basiert auf der pseudohistorischen Theorie, nach der die chinesische Stadt Liqian von römischen Legionären gegründet sein solle. Das Hauptargument dafür lautet, dass Liquian, ca. Li-jien gesprochen, sich wie die englische Aussprache von Legion, ca. Lijen, anhört. Nun ja, einer guten Geschichte schadet das nicht, das wurde auch auf spannende Art in den Percy Jackson-Büchern aufgenommen. Darüber hinaus vermischt Dragon Blade geschickt Fakten mit Fiktion. Marcus Licinius Crassus existierte wirklich, starb im Partherreich, allerdings im Kampf mit ihm, und an der Seidenstraße lebte eine Vielzahl von Völkern und Stämmen. Es gab allerdings keine Seidenstraßen-Schutztruppe des chinesischen Kaiserreichs. Die Seidenstraße wurde erst über tausend Jahre später durch Dschingis Khans Mongolenreich gesichert.
Dazu muss gesagt werden, dass Dragon Blade wie viele chinesische Filme mit amerikanischen Schauspielern (beispielsweise The Great Wall) klar der chinesischen Propaganda dient. Die Botschaft ist überdeutlich: Huo An, der Han-Chinese, ist offen, verständig, und will Frieden, Wohlstand und Harmonie mit allen Völkern – die natürlich unter seiner Leitung stattfindet. Der erste Konflikt mit den verschlossenen Legionären wird durch Huo Ans Großzügigkeit und Vertrauen offengelegt. Darauf zeigt sich, auch Römer, stellvertretend für Europäer, haben Qualitäten: Disziplin und technisches Wissen wie Architektur. Aber erst unter Huo Ans Anleitung können alle voll aufblühen.

Das ist kein Totschlagargument, Filme anderer Nationen, nicht zuletzt der USA, sind oft auch nicht weniger propagandistisch, im westlichen Kulturkreis sind wir daran nur gewöhnt. Man sollte sich dessen jedoch bewusst sein.
Wer sich dessen bewusst ist, findet in Dragon Blade den besten der drei Filme über das Zusammentreffen von Rom und China. Eine solide Handlung mit tollen Kämpfen und hochwertiger Ausstattung, in der sich die Welten von West und Ost treffen.
Artikelbilder: © LEONINE STUDIOS (Asterix im Reich der Mitte), ©Ascot Elite Entertainment GmbH (Clash of Empires – Schlacht um Asien), © splendid film GmbH (Dragon Blade)
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Hendrik Pfeifer


















