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Kaum ein Monat vergeht, in dem kein neuer Streaminganbieter auf den Markt drängt. Abseits von AAA-Produktionen übersieht man da schonmal die ein oder andere Perle. Wir geben euch nun regelmäßig Tipps zu den diversen Anbietern. Den Anfang machen wir mit Apple TV.

Was war die Streamingwelt bis vor ein paar Jahren noch übersichtlich. Amazon Prime und Netflix versüßten uns mit Eigenproduktion die Abende und wer Sport liebte, buchte sich noch Sky. 2026 wird der Markt in Deutschland immer unübersichtlicher und so ziemlich jedes größere Medienhaus bietet nun einen eigenen Streamingdienst an. Da verliert man schnell den Überblick und verpasst vielleicht großartige Serien und Filme. Wir schaffen Abhilfe.

Apple TV ist ursprünglich als reine TV Set-Top-Box gestartet, um Apple immer tiefer in den digitalen Ökosystemen seiner Nutzenden zu verankern. 2019 startete mit Apple TV+ ein eigener Streamingdienst, der nun einfach nur Apple TV heißt. Von Anfang an setzte der Sender dabei auf Eigenproduktionen mit starken Namen. Seit 2021 führt Apple TV übrigens mit dem höchsten durchschnittlichen IMDb-Score für seine selbstproduzierten Serien.

Wir haben uns aus den zahlreichen Produktionen drei Serien herausgepickt, die erfrischend anders sind und einen Blick lohnen.

Triggerwarnungen

Gewalt, Psychoterror, Endzeit, Krankheit, Suizid, Tod

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Silo – Postapokylpse zwischen Skurrilität und Tragik

Story

Die Geschichte ist ohne Spoiler schnell erzählt. 10.000 Menschen leben in einem Bunkersystem unter der Erde. Das Betreten der Oberwelt ist angeblich tödlich. Warum weiß niemand, aber an dieser Gewissheit wird nicht gerüttelt. Im Bunker selbst herrscht Kleinstadtflair, samt Bürgermeister, Dorf- bzw. Bunkersheriff und all den üblichen nachbarschaftlichen Problemen. Der unklare Status der Welt eint jedoch nur oberflächlich. Klassenkämpfe zwischen denjenigen, die körperlich arbeiten und jenen, die verwalten, Kleinkriminalität und der Drang nach Freiheit führen zu allerlei Problemen. Wir erleben die Geschichte aus der Perspektive von Juliette Nichols. Nach dem angeblichen Suizid ihres Freundes, macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Grund, warum er starb. Dabei gerät sie in Konflikt mit dem Gesetz und auch den, zum Teil, skurrilen Regeln des Bunkers. Es entwickelt sich eine spannende Suche nach Wahrheit und Notwendigkeit.

Darsteller*innen

Die Besetzung kann sich sehen lassen. Juliette wird von Rebecca Ferguson als unnachgiebige Kämpferin für die Wahrheit dargestellt. Ihr Gegenspieler, der IT-Leiter Bernard, wird mit einer großen Brillanz von Tim Robbins gespielt, bei dem man zwischen Antipathie und Verständnis schwankt und dessen wahre Motive immer im Unklaren bleiben. Mit Iain Glen stößt auch noch ein bekanntes Gesicht aus Game of Thrones zur Besetzung. Aber auch die zahlreichen Nebenrollen bringen jede Szene auf den Punkt.

Inszenierung

Die Serie spielt fast ausschließlich im Bunker. Sowohl Set als auch Effekte schaffen den beklemmenden Eindruck einer Gesellschaft, die nur mit dem lebt, was zum Leben notwendig ist, und mit dem stetigen Verfall ihrer Heimat kämpfen muss. Schnitt und Musik sind selten hektisch und spielen mit der Enge des Bunkers und auch der Enge im Geist mancher Bunkerbewohner*innen.

Silo
Silo

Die harten Fakten:

  • Regie: Morten Tyldum
  • Darsteller*in(nen): Rebecca Ferguson, Tim Robbins, David Oyelowo und weitere
  • Erscheinungsjahr: 2023
  • Sprache: Deutsch/Englisch
  • Format: Stream
  • Preis: ab 9,99 EUR/Monat

 

Fazit

Im ersten Moment mag man sich an Fallout erinnert fühlen. Silo hat jedoch mit dem Postapokalypse-Klamauk wenig zu tun. Basierend auf Hugh Howeys Roman-Reihe aus 2011 bleibt einem das Lachen eher im Hals stecken. Die Skurrilität des Bunkeralltags hat nur selten etwas Witziges und das macht Silo nicht zu einer Guten-Laune-Serie. Wer aber ein Faible für einigermaßen realistische Post-Apokalypse hat und vor allem Spaß am Ergründen von Mysterien und reichlich „Was-passiert-hier?“-Momenten, der ist hier genau richtig. Zwei Staffeln sind schon veröffentlicht, Staffel Drei wird dieses Jahr erscheinen. Apple hat bereits bestätigt, die Serie auch zu Ende zu führen und zwei weitere Staffel bestellt.

  • Starke Besetzung
  • Sehr gutes Pacing und Storytelling
 

 

 

Severance – Wahnsinn im Konzernalltag

Story

Viele tragen ihre Sorgen der Arbeit ins Privatleben und umgekehrt. Wäre es nicht schön, dies auf Knopfdruck auszuschalten? Genau diese Prämisse verfolgt Severence. Die gleichnamige Prozedur ermöglicht über einen Chip im Gehirn Arbeits- und Privatleben strikt zu trennen. Ein kleiner Haken der Prozedur: faktisch wird die Persönlichkeit gespalten. Fortan existiert ein Arbeits-Ich und ein Privat-Ich. Beide teilen sich Körper und grundlegende Fähigkeiten, aber keine Erinnerungen an den jeweils anderen. Das Privat-Ich hat fortan kein Arbeitsleben, das Arbeits-Ich kennt nur die Arbeit. Die Arbeit selbst ist „mysteriös und wichtig“, wie die Figuren gerne betonen. Sie erschließt sich weder Zuschauenden noch den Protagonist*innen. Aber sie wird auch nicht hinterfragt. Zumindest bis Mark, Protagonist der Serie, eben doch wissen möchte, was hier eigentlich passiert. Wer sich aber an die Hälfte des Tages nicht richtig erinnern kann, hat es schwer und entwickelt wahnwitzige Lösungsideen.

Darsteller*innen

Adam Scott scheut sich nicht vor skurrilen Produktionen und ist eine wunderbare Besetzung des Mark, der ein vorbildlicher Angestellter und depressiver Witwer ist, aber nie gleichzeitig. Generell verlangt diese Persönlichkeitsspaltung den Darstellenden einiges ab und macht wirklich Spaß anzuschauen. Mit Christopher Walken kommt zudem ein Urgestein wieder auf den Fernseher und er hat nichts von seinem Charisma eingebüßt. Besonders erwähnt werden muss aber an dieser Stelle aber Tramell Tilmann in seiner Rolle als Konzern-Manager Seth Milchick. Wer jemals mit Konzernen zu tun hatte, wird sich hier öfter bei dem Gedanken „Das kenn’ ich“ ertappen. Vielleicht ist Tilmann sogar der eigentliche Star der Serie.

Inszenierung

Die Serie ist recht puristisch. Sie fokussiert sich auf die Haupt- und wenige Nebenrollen. Die Konzernzentrale von Lumon Industries, den Erfindern der Severence-Prodzedur, wirkt steril und verlassen. Wenig lenkt vom Drama der Figuren ab. Die Severence-Etage, in der ausschließlich Mitarbeitende arbeiten, die die Prozedur durchlaufen haben, ist ein vollkommen unlogisches Labyrinth, das, ohne viel zu sagen, Konzernstrukturen gut einfängt. Regie der ersten Staffel führt Ben Stiller, der neben seiner Schauspielkarriere seit einiger Zeit auch erfolgreich als Produzent und Regisseur aktiv ist.

Severance
Severance

Die harten Fakten:

  • Regie: Ben Stiller
  • Darsteller*in(nen): Adam Scott, Zach Cherry, Britt Lower und weitere
  • Erscheinungsjahr: 2022
  • Sprache: Deutsch/Englisch
  • Format: Stream
  • Preis: ab 9,99 EUR/Monat

 

Fazit

Severence verfolgt eine sehr spannende Prämisse, die auch über den eigenen Alltag sinnieren lässt. Eine wirklich auf die Darstellenden reduzierte Inszenierung lässt die Zuschauenden voll und ganz in die Gedanken der Protagonist*innen eintauchen. Das Finale der ersten Staffel ist fulminant und eigentlich ein wunderbares Ende. Dennoch hat Apple Ende 2025 eine dritte Staffel bestellt und man darf gespannt sein, wie es Mark dann ergehen wird.

  • Starke Besetzung
  • Spannende Prämisse
 

  • Gewisse Längen in der Mitte der Staffel

 

Pluribus – Erzwungene Hilfsbereitschaft

Story

Carol Sturka ist eine erfolgreiche Romantasy-Autorin, aber mit ihrem Leben nicht ganz zufrieden, da sie gerne etwas anspruchsvoller schreiben würde. Ihre Sorgen ändern sich schlagartig, als die Welt sich vollkommen verändert, nachdem Forschende von SETI ein mysteriöses Radiosignal empfangen, das sich als RNA-Sequenz entpuppt. Wie Menschen so sind, wird diese Sequenz repliziert und setzt eine etwas andere Seuche in Gang. Alle Infizierten teilen sich plötzlich ein Bewusstsein und sind aufdringlich freundlich und hilfsbereit. Einzig Carol scheint verschont zu bleiben und sie ertrinkt in Hilfsbereitschaft, hinter der natürlich mehr steckt.

Darsteller*innen

Rhea Seehorn, zuletzt in Bad Boys: Ride or Die zu sehen, spielt eine herrlich mürrisch und aktiv-aggressiv, schlechtgelaunte Carol. Die Lage mutet nicht nur obskur an, sondern bringt auch viele Probleme mit sich, die Seehorn absolut glaubhaft darstellt. Mit Karolin Wydra, die als Zosia Carol gegenüber das Gesicht des Kollektivbewusstseins verkörpert, ergibt sich eine sehenswerte Dynamik.

Inszenierung

Die Serie zeigt uns eine Welt, die glücklich wirkt, aber nicht wirklich ist. Zuschauer besuchen dabei nicht nur die Heimatstadt von Carol, sondern sehen die Auswirkungen auf der ganzen Welt. Herrlich sind dabei die wirklich absurden Dialoge oder wenn John Cena, als John Cena, versucht Carol die neue Welt zu erklären.

Pluribus
Pluribus

Die harten Fakten:

  • Regie: Vince Gilligan
  • Darsteller*in(nen): Rhea Seehorn, Karolin Wydra, Carlos Manuel Vesga und weitere
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Deutsch/Englisch
  • Format: Stream
  • Preis: ab 9,99 EUR/Monat

 

Fazit

Vince Gelligan als Schöpfer von Breaking Bad und Better Call Saul ist ein Garant für frische Konzepte mit einem gesunden Maß Augenzwinkern, ohne lächerlich zu werden. Auch Pluribus reiht sich hier ein. Was zunächst wie nach Paradies klingt, Frieden, keinem Hunger, alle Menschen sind freundlich, wird zum blanken Horror, wenn man hinter die Fassade blickt. Es wird zudem ein Lehrstück über den Zwiespalt vom Drang nach persönlicher Freiheit und kollektiven Notwendigkeiten. Zwischen drin gibt es ein paar Längen, die aber nicht weiter tragisch sind. Eine zweite Staffel ist bereits bestellt, allerdings funktioniert das Ende der ersten Staffel sogar als Abschluss.

  • Starke Besetzung
  • Spannende Prämisse
  • Witzige Dialoge
 

  • Gewisse Längen in der Mitte der Staffel

 

Artikelbilder: © Geckly | depositphotos.com
Lektorat: Giovanna Pirillo
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
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