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Die Iron Warriors sind für das Belagern und Errichten schwer einnehmbarer Festungen bekannt. Dies birgt die Möglichkeit für große Schlachten cineastischen Ausmaßes, welche ausgetragen werden wollen. Mit dem neuen Kampagnenband Herrschaft des Eisens führt Games Workshop Regeln für den Spielmodus Apokalypse für die aktuelle Edition ein.

Mit dem System Adeptus Titanicus hat Games Workshop die Möglichkeit geschaffen, Titanen und deren Feuerkraft auf das Spielfeld loszulassen. Doch es bewegen sich nicht nur diese riesigen Kriegskolosse auf den Schlachtfeldern im Warhammer-Universum. Deshalb folgte bald auch Legions Imperialis, welches kleinere Einheiten, im entsprechenden Maßstab, hervorbrachte, damit sich die Kriegsschauplätze lebendiger anfühlten.

Doch nicht jede*r möchte seine Schlachten im großen Bruderkrieg austragen, oder in einem kleinen Maßstab. Hier gab es die Möglichkeit des Systems von Apokalypse, welches die letzte Aktualisierung vor ein paar Editionen hatte.

Somit steht Apokalypse für den Moment, wo riesige Schlachten des alles verschlingenden Krieges ausgetragen werden. Hier prallen nicht nur kleine Einsatztrupps aufeinander, sondern ganze Armeen marschieren auf – endlose Reihen von Soldaten, donnernde Panzerkolonnen und gewaltige Kriegsmaschinen, die den Boden unter ihren Schritten erzittern lassen. Der Horizont brennt, während titanische Giganten wie der Warlord Titan ihre vernichtenden Waffen entfesseln und kolossale Läufer wie der Imperial Knight durch die Trümmer zerschmetterter Städte stapfen. Apokalypse sollte mehr als nur ein Spielmodus sein, es sollte ein erzählerisches Schlachtfeld wiedergeben, auf dem legendäre Momente entstehen: letzte verzweifelte Gegenangriffe, das Aufbäumen einer untergehenden Armee oder der alles entscheidende Vorstoß, der den Krieg kippt. Durch den letzten schwarzen Kreuzzug fiel Cadia. Das Universum wurde entzweigerissen. Die Mächte des Chaos tauchen ungehindert im Reich des Imperiums auf und leiten ein Zeitalter ein, was galaktische Verwerfungen herbringt und ganze Welten verschlingt. Der Dämonenprimarch Perturabo verfolgt einen umfassenden Plan und schickt einen seiner Kriegsschmiede, Kravek Morne, zu der Fabrikwelt Agripinaa. Dort entwickelt sich ein apokalyptischer Konflikt zwischen den Streitkräften des Adeptus Mechanicus und der Iron Warriors, der mit dem neuen Kampagnenband auch auf dem Spieltisch stattfinden kann. Daher werfen wir heute einen Blick in den aktualisierten Spielmodus Herrschaft des Eisens und schauen auf das Inferno, welches bald auf den Spieltischen entfacht werden kann.

Alles fängt mit einer kleinen Sammlung an...
Alles fängt mit einer kleinen Sammlung an…
Keine Trigger, abseits bekannter Tabletop/Wargaming-Merkmale

Zerstörung ist der Absolute Ausdruck des Willens des Omnissiahs – Der grobe Ablauf

Die Regeln von Apokalypse bauen auf den normalen Grundregeln von Warhammer 40,000 auf. Sie sind für eine Spielgröße von mindestens 9.000 Punkten ausgelegt, wobei die Punkte beider Seiten zusammengerechnet werden. Die empfohlene Größe des Schlachtfeldes beträgt dabei 72 Zoll × 72 Zoll. Für jeweils weitere 3.000 Gesamtpunkte sollte die Spielfläche in der Breite um 24 Zoll erweitert werden. Zudem wird empfohlen, mindestens ein Geländestück pro 24 Zoll × 24 Zoll zu platzieren. Es ist außerdem sinnvoll, eine*n Spielleiter*in zu bestimmen, der oder die den Überblick über das Geschehen behält.

Dieser Modus bringt einige Regelanpassungen mit sich, die den Spielfluss beschleunigen und eine erzählerischere Darstellung ermöglichen sollen. Diese Änderungen sind optional und sollten im Vorfeld von allen Mitspielenden gemeinsam abgestimmt werden. Wer bereits größere Spiele erlebt hat, weiß, dass allein das Aufstellen der Armeen viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Hier setzt die optionale Regel Welle um Welle an: Zu Beginn wird nur die Hälfte der Gesamtpunkte aufgestellt, während der Rest in die strategische Reserve geht. Ab der zweiten Schlachtrunde darf jede*r Spieler*in bis zu 25 % der Gesamtpunkte ins Spiel bringen. In der dritten Runde folgt schließlich das verbleibende Viertel der Armee.

Zudem wurde berücksichtigt, dass sich in solchen Schlachten enorme Feuerkraft ansammelt und die Seite, die den ersten Zug hat, dadurch stark im Vorteil ist. Dem wirken die optionalen Regeln Nebel des Krieges und Sie geben alles entgegen, die beide nur in der ersten Runde gelten. „Nebel des Krieges“ beschränkt die Zielauswahl: Einheiten können nur beschossen werden, wenn sie sich innerhalb von 24 Zoll zum angreifenden Modell befinden; Modelle mit der Eigenschaft Titanisch sind davon ausgenommen und können weiterhin normal anvisiert werden. Sie geben alles legt fest, dass beim vollständigen Vernichten einer Einheit das letzte Modell mit einem Lebenspunkt bis zum Ende der Schlachtrunde im Spiel bleibt. So können beispielsweise Panzer oder Ritter noch eine letzte, verzweifelte Salve abfeuern, bevor sie endgültig zerstört werden. Die optionale Regel Belangloses Geplänkel dient der Beschleunigung des Spiels. Anstelle regulärer Schadensbestimmung können pauschal 1W3 bzw. 1W6 tödliche Verwundungen verursacht werden. Diese Entscheidung wird jeweils situativ und für einzelne Angriffe getroffen, je nach Bedeutung der beteiligten Einheiten und nur mit Zustimmung beider Seiten.

…und entwickelt sich zu einer größeren Armee, die gespielt werden will.
…und entwickelt sich zu einer größeren Armee, die gespielt werden will.

Da in Apokalypse-Schlachten zahlreiche Einheiten gleichzeitig ins Schmiedefeuer des Krieges geführt werden, entsteht schnell der Wunsch nach erweiterten taktischen Möglichkeiten – schließlich können einzelne Entscheidungen an entscheidenden Punkten über Sieg oder Niederlage bestimmen. Genau hier setzen die apokalyptischen Ressourcen an. Jede Seite erhält zunächst den üblichen Befehlspunkt; für jeweils weitere 3.000 Punkte über die ersten 3.000 hinaus kommt ein zusätzlicher Punkt hinzu. Eine Armee mit 9.000 Punkten verfügt somit über insgesamt 3 Befehlspunkte pro Spielerzug.

Doch damit nicht genug: Der Kampagnenband erweitert das Spiel um sogenannte Apokalypse-Basisgefechtsoptionen. Diese stehen allen Spielenden zur Verfügung, können jedoch jeweils nur einmal eingesetzt werden und verleihen den Schlachten zusätzliche dramatische Wendungen. Ein Beispiel ist Aufstieg gen Himmel: Diese Gefechtsoption erlaubt es, zwei ungebundene Einheiten der eigenen Armee am Ende der gegnerischen Nahkampfphase in die strategische Reserve zu versetzen. Für diese mächtige taktische Neuaufstellung müssen allerdings 3 Befehlspunkte aufgewendet werden.

Darüber hinaus existieren auch fraktionsspezifische Apokalypse-Gefechtsoptionen, die den einzigartigen Charakter der jeweiligen Armeen unterstreichen. So können etwa die Chaos Space Marines mit Schmiedegeborene Jagdmeute zu Beginn ihrer Fernkampfphase drei Fahrzeuge mit dem Schlüsselwort Dämon auswählen. Diese Einheiten dürfen ihre Verwundungswürfe gegen ein gewähltes Ziel vollständig wiederholen – ein verheerender Vorteil, der die zerstörerische Macht des Chaos eindrucksvoll unterstreicht.

Das Massaker der ewigen Belagerung – Eine Mission der Apokalypse

Wer mehrere Schlachten austragen möchte und hier einen erzählerischen Aspekt haben will, kann mit Herrschaft des Eisens die Möglichkeit von Apokalypse-Kampagnen nutzen. Dies lässt sich auch mit dem letzten Kampagnenband Krieg an der Vespator-Front verbinden. Die erste Schlacht markiert das brutale Aufeinandertreffen der Mächte, doch sie ist nur der Anfang – mit jedem weiteren Gefecht verschiebt sich das Kräfteverhältnis dieses Konflikts unaufhaltsam. Insgesamt stehen sieben unterschiedliche Missionen zur Verfügung, die diesen fortlaufenden Krieg in immer neue, dramatische Bahnen lenken. Bei der Verschiebung handelt es sich um eine Skala von 7 Szenarien, wobei das Aufeinandertreffen der Mächte in der Mitte liegt. Je nachdem, welche Seite den Sieg davonträgt, wird die nächste Schlacht auf der Skala einen Schritt links oder rechts ausgewählt. Wenn also zum Beispiel die verteidigende Seite viermal in Folge gewinnt, hat diese die Kampagne gewonnen.

So erwehren sich die Custodes den Ansturm des dunklen Mechanicums und der Chaos Knights.
So erwehren sich die Custodes den Ansturm des dunklen Mechanicums und der Chaos Knights.

Zu Beginn einigt man sich auf die optionalen Regeln und stellt dann, wie gewohnt, die Armeen auf. Doch Apokalypse-Missionen bringen Neuerungen mit sich, in der ersten Mission zum Beispiel, die sogenannte Zerstörungsliste. In ihr werden alle vernichteten Einheiten festgehalten – und genau diese Verluste beeinflussen unmittelbar den Ausgang der Schlacht. Am Ende jeder Schlachtrunde erhält die Seite einen Siegpunkt, die mehr feindliche Einheiten ausgeschaltet hat.

Zusätzlich gewinnen Missionsziele zunehmend an Bedeutung. Ab der zweiten Schlachtrunde wird am Ende der eigenen Befehlsphase überprüft, ob Ziele außerhalb der eigenen Aufstellungszone gehalten werden. Gelingt dies, winkt ein weiterer Siegpunkt. Ebenso wird belohnt, wer insgesamt mehr Missionsmarker kontrolliert als der Gegner. So entsteht ein dynamisches Zusammenspiel aus reiner Zerstörungskraft und strategischer Kontrolle – ein Balanceakt, der jede Schlacht zu einem packenden Ringen um Vorherrschaft macht.

Endet die Schlacht – üblicherweise nach fünf Runden, sofern nichts anderes vereinbart wurde –, werden abschließend weitere Siegpunkte vergeben. Die Fraktion, die den zentralen Missionszielmarker kontrolliert, erhält 3 Siegpunkte. Weitere 3 Punkte gibt es für das Halten des eigenen Markers. Die letzten 3 Siegpunkte gehen an die Seite, die insgesamt mehr Missionsziele kontrolliert. Darüber hinaus wird auch der Hobbyaspekt belohnt: Ist eine Armee vollständig bemalt, erhält ihre Seite einen zusätzlichen Siegpunkt.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Games Workshop
  • Erscheinungsjahr: 2026
  • Sprache: Deutsch
  • Preis:
    • Herrschaft des Eisens: 65,00 EUR [UVP]
  • Bezugsquelle: Fachhandel, KuTaMi

 

Die Meister der Kriegsführung – Ein Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass die Apokalypse-Regeln für Warhammer 40,000 eine beeindruckende Möglichkeit bieten, das Spiel auf eine neue, epische Ebene zu heben. Besonders positiv fällt auf, dass es für die aktuelle Edition überhaupt ein unterstütztes Regelwerk für solch groß angelegte Schlachten gibt. Dadurch wird es Spielenden ermöglicht, nicht nur einzelne Gefechte, sondern ganze, geschichtsträchtige Konflikte nachzustellen und erzählerisch auszuschmücken. Gerade dieser narrative Ansatz hebt Apokalypse deutlich vom klassischen Spiel ab und sorgt für unvergessliche Momente auf dem Schlachtfeld.

Ein weiterer großer Vorteil ist der überraschend flüssige Spielfluss. Trotz der enormen Armeegrößen und der Vielzahl an Einheiten greifen die vereinfachten Mechaniken gut ineinander, sodass das Spiel nicht im Detail erstickt. Für ein Format dieser Größenordnung ist das keineswegs selbstverständlich und stellt eine klare Stärke des Systems dar.

Allerdings hat dieses Buch auch seine Schattenseiten. Die beiden Kampagnenbände von Herrschaft des Eisens bringen zwar zusätzliche Inhalte und Möglichkeiten, sind jedoch mit einem vergleichsweise hohen Preis verbunden. Angesichts dessen, dass Apokalypse ein eher nischenhafter Spielmodus ist, der nicht von allen Spielenden regelmäßig genutzt wird, wirkt diese Investition nicht für jede Gruppe gleichermaßen lohnenswert. Somit bleibt Apokalypse vor allem ein Angebot für besonders engagierte Fans großer Schlachten.

  • Apokalypse-Regeln für die 10. Edition
  • Erzählen von geschichtsträchtigen Schlachten.
  • Schneller Spielfluss
 

  • Hoher Preis für einen nischenhaften Spielmodus

 

 

Artikelbilder: © Games Workshop
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Lidia Strauch
Fotografien: Robert Wolfes
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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