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Rollenspiel kann noch heute mit wenig Mitteln gespielt werden: Stift, Papier, Würfel, im besten Fall noch ein Regelwerk der Lieblingsspielwelt. Doch auch vor dem heimischen Spieltisch macht die Professionalisierung des geliebten Hobbys keinen Halt und gute Musik ist ein Schritt in Richtung Immersionssteigerung. Wir haben deshalb die Musik-App TableTone getestet.

Die chilenische Schriftstellerin und Journalistin Isabel Allende hat einmal gesagt: „Musik ist eine universelle Sprache.“ Mit ihr wird der Mensch im Inneren angesprochen und nicht umsonst wird in Hollywood viel Geld gezahlt, um den richtigen Score für einen Blockbuster zu finden. Die ikonischen ersten Töne des Terminator-Soundtracks sind ebenso bekannt wie die Star Wars-Fanfare oder die Musik von Hans Zimmer, die ertönte, als Mufasa in König der Löwen starb.

Im Rollenspiel erwarten die Charaktere und Spielenden immer wieder epische, herzzerreißende oder gruselige Momente, die aus einem einfachen Abend, an dem Leute sich eine Geschichte erzählen, etwas Besonderes machen. Würfelwürfe sind das Element des Zufalls und für sich oft spannend genug, aber die richtige Musik im passenden Moment kann eine ganz neue Ebene der Emotionen hervorrufen.

Viele SLs haben dafür YouTube– oder Spotify-Listen, nutzen eine ausufernde private Musikbibliothek oder wenden sich Apps zu, die den musikalischen Notstand beheben sollen. TableTone ist eine dieser Apps. Mit ihr sollen die ganz großen Gefühle an den Spieltisch gezaubert werden können. Wir haben das einige Monate getestet und ziehen ein Fazit.

keine typischen Trigger

Was TableTone verspricht

Die Eigenwerbung für TableTone liest sich ziemlich gut: ein All-in-One-Soundboard für immersives Rollenspiel. Dabei fokussieren sich die Entwickler*innen von GreenLobster Media Technologies aus Graz auf eine geringe Bedienzeit, gelungene Übergänge und komponierte Musik ohne KI.

Bis vor einiger Zeit wurde die App ausschließlich als Abo-Modell angeboten, doch inzwischen können auch verschiedene „Theme Packs“ und Bundles erworben werden. Die Änderung geht auf Rückmeldungen aus der Community zurück, die nach Aussagen der Entwickler*innen eine große Rolle spielt. Die Theme Packs gibt es für drei Themenbereiche: Fantasy, Horror und Sci-Fi mit insgesamt hunderten Musikstücken und Soundeffekten.

Als iOS- und Android-Version ist TableTone bereits in stabiler Version erschienen, seit Kurzem gibt es auch eine Windows-App, die sich noch in der Beta-Phase befindet.

Was TableTone kann

Bevor es an die Details geht, sollte erwähnt werden, dass TableTone stetig Updates erhält, einen ordentlich aufgesetzten Discord-Community-Server für Fragen und Hilfestellungen hat und einige Fürsprecher*innen sammeln konnte: nicht zuletzt Ginny Di und als Sponsor einer Folge Tales From Woodcreek die Dungeon Dudes und Deborah Ann Woll. Eine fortlaufende Entwicklung ist bei solchen Apps und den damit entstehenden Kosten durchaus ein wichtiger Faktor. Aber kommen wir zu den Details.

Die inhaltliche Seite

Die drei Themenbereiche, die App nennt sie „Universe“, sind die wohl häufigsten Settings des Rollenspiels. Dabei gibt es mehr Inhalte zum Bereich Fantasy als zu Horror oder gar Sci-Fi. Das mag mit der Nachfrage zusammenhängen. Jeder Themenbereich hat eine oder mehrere voreingestellte Musikkombinationen, die sich „Presets“ nennen. Die Namen vermitteln eine Stimmung wie „The King’s Fall“ (Fantasy) oder „Eldritch Noir“ (Horror) und man muss erst lernen, was sich dahinter verbirgt. Zum Glück gibt es aber auch die Möglichkeit, eigene Presets zu erstellen.

Die Steuerung ist sehr intuitiv und geht flott von der Hand: Acht „Locations“ stecken hinter jedem Preset. Eine Location umfasst eine Sammlung von Musikstücken und eine Geräuschkulisse zu dem gewählten Ort, die durchgeschaltet werden können. Das kann eine Stadt sein, die Abwasserkanäle oder auch das Vampirschloss. Teilweise sind die gleichen Locations in verschiedenen Presets untergebracht, wenn sie dazu passen. Jede Location kann in den Varianten Relaxed, Suspense und Action abgespielt werden, um die Stimmung an die Situation anzupassen. Dabei sind die Übergänge dynamisch. Sobald man sich für ein anderes Stück oder eine andere Stimmung entscheidet, blendet die App nach einigen Sekunden über, was größtenteils sehr gut funktioniert.

Weiteren Einfluss auf die Stimmung kann man per dreistufigem Regler von Dark über Neutral zu Bright nehmen und die Intensität frei von low zu high variieren. Auch die Lautstärke der einzelnen Aspekte kann im Verhältnis zueinander eingestellt werden. Ein entspannter Tavernenabend kann so über ein Gespräch hinweg an Fahrt aufnehmen, während des Tanzes in einen rauschenden Reigen verfallen, beim Kartenspiel zu einer nervenzerreißenden Angelegenheit werden und in einer wilden Schlägerei münden, ohne die Location zu ändern. Die Veränderungen sind dabei ganz nebenbei und schnell erledigt oder im Vorfeld über Szenen bereits angelegt.

Die Musikstücke sind alle sehr hochwertig produziert und gut abgemischt. Manche von ihnen haben prägnante Instrumente, die hervorstechen, weshalb es sehr gut ist, durch die Playlist einer Location klicken zu können, um zu verhindern, dass es unangenehm auffallende Wiederholungen gibt. Wie bei Computerspielen, bei denen eine begrenzte Menge an Musik viele Stunden beschallen muss, können so auch lange Einkaufstouren oder ausgedehnte Kämpfe musikalisch untermalt werden.

Neben der Musik gibt es noch Sounds und Global Ambiences. Letzteres sind Wetterphänomene wie ein Gewittersturm oder Regen, Naturgeräusche wie Wasserfälle und Pferde oder andere Sonderphänomene wie brennende Häuser, Dämonen aber auch Kampfeslärm. Es können mehrere dieser Ambiente-Geräusche gleichzeitig abgespielt und damit in die musikalische Untermalung eingebunden werden. Sounds hingegen sind einmalige Geräusche wie ein Katzenjammern oder der berühmte Feuerball. Sie sind eher etwas für SLs mit Liebe zum Mikromanagement.

Für den persönlichen Look gibt es auch einige Skins für die App. Eher eine Spielerei, aber vielleicht für manche SLs auch eine Art, in Stimmung zu kommen. TableTone wird immer wieder erweitert, es wurden für die ersten sechs Monate von 2026 über 50 neue Sounds, vier neue Skins und mindestens 16 Locations angekündigt, darunter zum Beispiel das Azure Gate Theme Pack mit einer Hafenstadt, dem Schwarzmarkt, dem Gefängnis und der „Twisted Sea“ und eine ganze Menge Sounds sowie den Piratenhafen-Skin.

Die technische Seite

In den Testmonaten wurde Teilzeithelden eine Presseversion mit vollem Zugriff zur Verfügung gestellt. Auf dem PC belegt die App im Moment ungefähr 3,8 GB Speicherplatz, auf dem Android-Gerät 4,2 GB ohne Cache. Der Cache baute sich im Test zu mehreren Gigabyte auf.

Vor dem Start werden die verfügbaren Inhalte heruntergeladen oder Updates aufgespielt. Da muss man ein wenig aufpassen, dass die App nicht im entscheidenden Moment neustartet, weil der Neustart durch den Update-Check ein paar Sekunden länger dauern kann als es für eine actiongeladene Spielrunde gerade von Vorteil ist.

Die Bedienung geht sofort leicht von der Hand und ein Tutorial beseitigt gegebenenfalls Unklarheiten. Vorbereitete Szenen sind mit einem Klick wechselbar, aber auch spontane Änderungen sind in Sekundenschnelle vollzogen, solange sie sich irgendwie im Preset befinden. Es ist also ratsam, ein paar Presets für verschiedene Situationen dem eigenen Bedarf nach anzulegen. Das Editieren der Locations ist ebenfalls sehr einfach und es kann nach Titeln gesucht werden, die alle mit einigen Stichwörtern versehen sind. Die Appsprache ist Englisch, aber da es sich nicht um komplexe Textstrukturen handelt, sollte das selbst für Anfänger*innen der Sprache kein Problem darstellen.

Es gab keine Probleme mit Abstürzen im Test, der insgesamt immerhin rund 48 Stunden reine Spielzeit der Android-App und gute 10 Stunden am Windows-PC umfasste.

Was TableTone fehlt

Während des Tests fiel ein Feature auf, das noch wünschenswert wäre: Die Kontrolle über den Output. Während bei anderen Apps gewählt werden kann, wo der Sound wiedergegeben werden soll, ist das innerhalb der TableTone-App nicht möglich. Natürlich kann eine mit dem Smartphone verbundene Bluetooth-Box genutzt werden, weil die App diese dann automatisch ansteuert, aber eine Verbindung zu W-LAN-Speakern ist im Test nicht gelungen. Vielleicht folgt so etwas in einem späteren Update.

Fazit

Mit TableTone erhält man eine Rollenspiel-Musik-App mit ausgezeichneten Musikstücken, Ambient- und Effektsounds, die von Menschenhand geschaffen wurden. Der Fokus liegt dabei zumindest im Moment noch deutlich im Bereich des Fantasy-Genres, Horror– und Sci-Fi-Stücke gibt es zwar auch, aber noch nicht in einem allzu großen Umfang. Die App läuft äußerst stabil und ist enorm bedienungsfreundlich, sodass die Ablenkung am Spieltisch minimiert wird. Alle angegebenen Features haben gut bis sehr gut funktioniert und boten im Test keinen Anlass zur Beschwerde, sondern bereicherten die Rollenspielabende.

Es wird sich redlich um die Community bemüht und, wie man anhand der nun erhältlichen Alternative zum Abo-Modell sehen kann, auch auf Feedback gehört. Regelmäßige Updates erweitern das Angebot stetig und transparent: Die kaufbaren Bundles und Packs sind gut beschrieben und Inhalte deutlich markiert. Lediglich eine Möglichkeit, das Audioausgabegerät in der App auswählen zu können, hat im Test gefehlt.

TableTone ist finanziell eher ein Luxusgut, kosten die Theme Packs knapp 20 Euro, ein Bundle aus fünf dieser Packs dann ungefähr 80 Euro. Alle bisher erschienen Inhalte zusammen liegen bei fast 210 Euro. Für Spielgruppen, die Wert auf gute musikalische Untermalung legen, ist das aber dennoch gut investiertes Geld.

Wir vergeben eine komplette Pentatonik.

  • Hochwertige Musikstücke
  • Großartige Möglichkeiten
  • Intuitive Bedienung
 

  • Hohe Anschaffungskosten
  • Am besten für Fantasy-Genre geeignet

 

Artikelbilder: © GreenLobster Media Technologies
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Giovanna Pirillo
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

1 Kommentar

  1. Das liest sich cool. Besteht auch die Möglichkeit, eigene Musikstücke in die App einzuarbeiten oder gibt es „nur“ die von den Machern bereitgestellten Musikstücke zur Nutzung in der App?

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