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Seit einigen Jahren sind im Figurenbereich Kontrastfarben verfügbar, die das schnelle Bemalen von vielen Figuren merkbar vereinfacht haben. Um gut zu wirken, sind Vorüberlegungen über die Grundierung notwendig – gibt es die eine, beste Grundierung? Wir haben für euch unterschiedliche Möglichkeiten getestet.

Das Hobby Tabletop besteht im Grunde aus zwei Teilen – Spielen und Darstellen. Wie am besten Figuren angemalt werden, ist eine Wissenschaft für sich und hat über die Jahrzehnte einige entscheidende Entwicklungen mitgemacht. Die aktuellste besteht aus den sogenannten Kontrastfarben bzw. Speedpaints. Sie ermöglichen es, in einem Durchgang den Effekt von mehreren Farbaufträgen der gleichen Sorte darzustellen. Wie geht das, unter welchen Umständen ist das praktisch und wie kann man den Effekt noch optimieren?

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Hintergrund

Theorie

Wir verständigen uns hier über hochpigmentierte, oberflächenentspannte Lasuren, besser bekannt als Speedpaints oder Kontrastfarben. Sie sind charakterisiert durch eine geringe Pigmentdichte auf Kanten, eine höhere Dichte auf Flächen und die Konzentration in Vertiefungen. Durch ihre Eigenschaften gewähren sie einem Modell mit nur einem Farbauftrag eine Tiefe, für die man normalerweise drei bis vier Arbeitsgänge bräuchte.

Vergleich der Malweisen

Klassisches Bemalen

Klassischerweise nutzt man deckende Farben für die Farbgebung der Miniaturen. Erst wird grundiert, damit die Farben auch gut auf dem Kunststoff oder Metall halten, dann werden die dunkelsten und weiträumigsten Farben aufgetragen und dann immer hellere und kleinere Bereiche angemalt. Danach nutzt man einen sehr flüssigen Pigmentauftrag (Tuschen), um Vertiefungen nochmal zu verdunkeln, dann werden helle Stellen und Kanten nochmal aufgehellt (Trockenbürsten) und schließlich Akzente ausgearbeitet.

Schnelles Bemalen

Mit Kontrastfarben muss man unbedingt grundieren, das werden wir im Folgenden umfangreich beschreiben. Dafür werden dann in einem weiteren Arbeitsgang gleiche Farbbereiche von hell nach dunkel zusammen mit dem Tuschen und Trockenbürsten in einem Aufwasch erledigt. Nach den Farben müssen somit nur noch Akzente gesetzt werden. Ein exemplarischer Arbeitsablauf wäre also zunächst zu grundieren, anschließend beispielweise Gelbtöne aufzutragen, dann in Rottönen nachzujustieren und schließlich Highlights zu setzen, wo notwendig.

Ein paar der gängigen Fachbegriffe fassen wir zur Orientierung noch einmal zusammen. Viele der Techniken begleiten das Hobby schon seit Jahren. Was sich verändert hat, ist vor allem die Art der Umsetzung.

Begriffsbestimmungen

Akzente (highlights) – die erhabenen Stellen und Kanten bei einer Figur gezielt mit einer hellen Farbe nachziehen, um Lichteinfall zu imitieren bzw. Details deutlicher hervorzuheben. Damit wirkt eine Miniatur noch räumlicher.

Trockenbürsten (dry brush) – bezeichnet einen Farbauftrag schwerpunktmäßig auf den erhöhten Bereichen, insbesondere den Kanten, um damit Kantenakzente zu setzen (edge highlight); dies wird erreicht, indem man die „Ladung“ des Pinsels so weit verringert, dass dann auch nur ein geringer Farbauftrag auf dem Modell stattfindet, der aber nicht komplett trocken sein sollte.

Tuschen (ink/wash) – sehr flüssige Farbe in Ritzen fließen lassen, um diese noch dunkler wirken zu lassen, meist indem die Pigmentlösung großflächig aufgetragen wird, ist aber auch gezielt für die Vertiefungen einsetzbar.

„Slapchop“ (slapchop) – eine mehrstufige Vorschattierung, meist in Grau- und Weißtönen wie in der Ölmalerei (dort „Grisaille“ genannt). Die Übergänge sind weniger harsch und wirken damit meist natürlicher.

Zenital-Grundierung (zenithal) – einen logischen Beleuchtungsvektor darstellen, indem man einen hellere/weiße Farbe nur aus einer Richtung aufträgt, meist über Sprühen. Dabei ist wichtig, bei verschiedenen Modellen trotzdem den gleichen Winkel zu nutzen.

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Anbieter

Kontrastfarben wurden als erste von Citadel (Warhammer) auf den Markt gebracht, inzwischen haben viele anderen Anbieter nachgezogen. Es gibt verschiedene Ansichten über die Farben und Fläschchen der Anbieter, dies soll nicht Gegenstand dieses Artikels sein. Für die vorliegenden Versuche wurden Citadel-Farben genutzt.

Hier eine kurze Übersicht, welche Farben bzw. Anbieter es insgesamt gibt:

 

Die Miniaturen

Zum Testen wurden alte Figuren aus den 90ern genutzt: eine menschliche Armee, das Imperium, bekannt für Technik und Artillerie, im Gegensatz zu den ritterlichen Bretonen. Diese Fraktion war damals noch mehr Massenarmee als heute und es war damit kein Problem, viele gleiche Figuren aus dem Keller zu holen, um einen guten Vergleich anstellen zu können. Die Details sind deutlich gröber ausgeführt als heutzutage üblich und es gab auch viel weniger Posen, aber sie erfüllen damit ihren Zweck für einen Vergleich umso besser, weil man in einer Monopose auf die gleiche Art malen und damit auch vergleichen kann.

Die alten Standards – einfarbige Grundierung

Schwarz

Zuerst nutzen wir die klassische schwarze Grundierung. Wie eingangs beschrieben, sind die Farben nicht deckend, ihre Wirkung also wenig bis gar nicht erkennbar. Allerdings wirken Metallfarben, wie wir bereits bei den Speedpaints Metallic festgestellt hatten, sehr gut auf dieser Grundierung, wie man an der Muskete sehen kann.

Weiß

Bei der rein weißen Grundierung leuchten die Farben schön heraus, allerdings besteht hier noch die Notwendigkeit, die Schatten extra über Tuschen zu vertiefen, außer man möchte auf diesen klaren und hellen Effekt bestehen. Verständlich, dass viele eine weiße Grundierung als Grundlage für die Kontrastfarbe verwenden.

Erstes Fazit

Schwarz grundieren funktioniert also nicht; mit Weiß klappt es zwar, erfordert aber meist noch ein bisschen Zusatzarbeit. Wenn man diese Arbeit stattdessen in die Grundierung steckt, ist ein schnellerer und dazu noch einheitlicherer Effekt gegeben.

Die neuen Möglichkeiten – mehrfarbige Grundierungen

Hier werden zusätzlich vier verschiedene Methoden angewendet, Schattierung besser darzustellen. Es ging zum einen darum, die Wirkung der Kontrastfarben noch zu verstärken, zum anderen, den Effekt auch natürlicher zu gestalten. Der Ablauf war vergleichbar; auf eine schwarze Grundierung wurden eine oder zwei hellere Farben so aufgetragen, dass die tieferen Elemente dunkel blieben, einmal mit Sprühen, sonst mit Trockenbürsten. Eigentlich ein Prinzip aus der Ölmalerei, das mit Kontrastfarben sehr gut funktioniert. Für die mehrfarbigen Grundierungen haben wir uns folgende Varianten vorgenommen:

  1. schwarz grundiert, mit Weiß trockengebürstet
  2. schwarz grundiert, mit Weiß zenital grundiert
  3. schwarz grundiert, dann mit Grau trockengebürstet und anschließend nochmal leichter in Weiß
  4. wie 3, aber mit Braun statt Grau, um einen organischeren Übergang zu bieten.

Bei allen vier Methoden sind die tiefen Stellen dunkel geblieben und wirken damit naturalistischer als bei der rein weißen Grundierung.

Der direkte Vergleich
Der direkte Vergleich.

Weiß trockengebürstet

Ohne Rücksicht auf einen etwaigen Lichteinfall ist die Figur rundherum trockengebürstet worden, dies mit mittlerer Intensität, um alle Flächen aufzuhellen. Die Kanten werden automatisch noch heller, weil sie mehr Farbe abbekommen. Die grundierten Figuren schnell mal der Reihe nach durchzubürsten ist wahnsinnig effektiv, weil man bereits bei der zweiten Figur weiß, worauf es ankommt.

Beim Farbauftrag ergibt sich allerdings bei sehr hellen Farben, wie Gelbtönen, immer wieder das Problem, dass in den schwarzen Vertiefungen unerwünschte Farbeffekte auftreten.

Weiß zenital grundiert

Diese zenitale Grundierung wurde mit der Spraydose gemacht und erfordert viel Fingerspitzengefühl, nicht zu viel aufzutragen, um nicht alle Vertiefungen zu füllen. Profis bekommen das besser hin, aber das Prinzip ist erkennbar. Die imaginäre Lichtquelle leuchtet auch die Vertiefungen aus, damit gibt es auf der Schulterpartie wenig Schatten, an anderen Stellen umso mehr.

Dieser Effekt würde zum natürlichsten Ergebnis führen, man sollte dann darauf achten, dass man immer den gleichen Winkel nutzt und die Figuren auch passend zueinander positioniert.

Grau-Weiß – klassisch

Hier handelt es sich um die klassische Art des Slapchops, erst schwarz zu grundieren, dann mit einem mittleren Grau die Figur aufzuhellen und schließlich mit Weiß die hervorgehobenen Flächen, Kanten und Akzente vorzubereiten.

Die Umsetzung erfordert zwei Mal Trockenbürsten. Es bietet sich an, jeweils mit einer Farbe eine Reihe durchzuarbeiten, um dann erst die nächste aufzutragen. Die dunklere Farbe, hier Grau, wird mit mittlerer Intensität aufgebracht, vielleicht sogar etwas mehr Druck, aber die Vertiefungen müssen erkennbar bleiben.

Dafür wird der hellere Farbauftrag umso sparsamer aufgetragen. Kanten und die mittleren Bereiche von Flächen reichen völlig aus. Alternativen zu Weiß werden am Ende des Artikels noch genannt. Insgesamt ergibt sich ein natürlicherer Schattierungsverlauf als mit einem binären Schwarz-Weiß-System, allerdings muss man einen weiteren Arbeitsgang einrechnen.

Braun-Weiß – organisch

Die häufigste Alternative beim Slapchop ist, Braun als Mittelfarbe zu nehmen. Der Übergang wirkt damit meist weicher und dazu noch natürlicher, weil der braune Mittelton in der Natur wie auch in der Technik häufig vorkommt.

Auch hier zwei Mal trockenbürsten, die dunklere Farbe ist allerdings nicht Grau, sondern eine passende Farbe. Was wofür als passend gilt, ist bei den Tipps & Tricks nochmal genauer aufgeschlüsselt. Hier ist die Entscheidung auf Braun gefallen, um den Gelbton und ein etwas „dreckigeres“ Ambiente zu unterstützen. Letzteres ist gelungen, für mittlere Farben ist Braun auch eine gute Wahl, für Gelb tatsächlich noch etwas zu dunkel.

Auch hier sind mit Weiß die Akzente gesetzt, Schwerpunkt auf Kanten und größeren Flächen, um die Details durch die dunklere Grundierung der Vertiefungen besser herauszuarbeiten. Die Arbeitsweise ist sichtbar besser von der Hand gegangen, das Braun ergibt einen organischeren Eindruck.

Farbauftrag

Nach Abschluss der Grundierung wurden die Farben aufgetragen. Wie es sich für das Bemalen zahlreicher Modelle auf einmal gehört, werden die gleichen Farben reihenweise aufgetragen. Bei Kontrastfarben ist es sinnvoll, mit der hellsten Farben zu beginnen und dann immer dunkler zu werden. Der Grund ist einfach – die dunkleren Farben unter den hellen würden deren Leuchtkraft vermindern. Am Anfang kann man also panschen, danach muss man immer genauer werden.

Weitere Tipps & Tricks für Slapchop-Arbeiten

Grundierung

Wenn ihr plant, als Grundierung ein dunkles Rot oder Blau zu verwenden solltet ihr erstmal testen, ob der Endeffekt wirklich euren Erwartungen entspricht, aber ein dunkler Bronzeton, Umbra oder sonstiges dunkles Braun ist allgemein eine gute Alternative zu Schwarz.

Mittelfarbe

Für einen Slapchop kann man strenggenommen als Mittelfarbe alles nehmen, das sich ausreichend von den anderen beiden Farben abhebt. Braun ist der Standard, insbesondere für organische (Haut, Leder, Borke) und metallische (Rost) Bereiche, aber auch für warme Effekte wie Rot, Gold oder ein dunkles Gelb. Blau ist gut geeignet für Magie und Frost, Grün eher selten und meist für grüne Oberfarben gedacht, während Rot allenfalls für warme Effekte genutzt wird, da Braun universeller ist und die größte Palette sowieso schon abdeckt. Der Kniff für ein helles Gelb oder Gold ist: Rosa als Mittelfarbe zu nehmen. Das ist kein Witz, es wirkt tatsächlich sehr gut in den Vertiefungen und vermeidet den Grünschleier, den viele Gelbtöne in Schattierungen entwickeln.

Kanten

Für Kanten kann man grundsätzlich weiß nehmen, aber viele helle Farben unterstützen jeweils etwas anders die Wirkung der Oberfarbe. Knochenweiß wirkt gut für Haut, Pergament und auch Rottöne, während Hellblau oder ein Türkis einen guten Übergang von Blau- und Grüntönen bewirken. Um tiefe Blau- oder Violetttöne stark wirken zu lassen, ist Weiß allerdings hervorragend, genauso bei Gelbtönen.

Trockenbürsten

Bei einigen Figuren kann man auf den Bildern einen körnigen/staubigen Effekt wahrnehmen. Hier wurden damals, dem Wort „Trockenbürsten“ entsprechend, Papiertücher verwendet, um den Farbauftrag zu kontrollieren. Leider wird damit die Feuchtigkeit herausgesogen, aber das Pigment im Pinsel damit immer trockener und es haftet dann schlechter. Besser ist es, den Pinsel auf einer rauen Oberfläche abzustreifen, die nicht saugt. Dafür gibt es auch Unterlagen zu kaufen.

Auch ist es absolut empfehlenswert, sich für’s Trockenbürsten möglichst dicke und weiche Pinsel zu besorgen – gerne Schminkpinsel. Auch wenn Speedpaints für schnelles Arbeiten gedacht sind, zahlen sich beim Trockenbürsten Sorgfalt und Genauigkeit aus. Und es macht immer Sinn, zu testen – Pinsel, Farbe, Arbeitsweise, Arbeitsplatz und Licht. Wer mehr als eine halbe Stunde am Stück malt, sollte alles bedacht haben, wer mehr als einen Monat an seiner Armee herumpinselt, muss dies sogar tun.

Fazit

Es gibt nicht den allgemeinen Geschmack, der für alle Leute einheitlich gültig ist. Aber um die Kontrastfarben zur Geltung zu bringen, ist eine abgestufte Grundierung tatsächlich hilfreich. Im Unterschied zwischen einer rein weißen Grundierung und einer mehrfarbigen kommt der Kontrast immer besser bei der Kombination heraus. Je nach Grundier- bzw. Mittelfarbe ist der Effekt der Farbe nochmals beeinflusst, so dass die gleiche Kontrastfarbe, abhängig von der Grundierung, auch verschieden wirkt. Auch ist mit verschiedenen Schichten zu experimentieren die bessere Vorgehensweise als Farben selbst zu mischen, weil man Mischungen ein Jahr später häufig nicht wieder so hinbekommt…

Dabei ist es Geschmackssache, welche Variante man wählt. Unser persönlicher Favorit ist ein Slapchop mit einem Braunton als Mittelfarbe und einem hellen Beige oder Creme als Kantenakzent. Weiß nutzen wir inzwischen, wenn überhaupt, nur noch für ganz helle Effekte – Gelbtöne oder Gletscherfarben.

Kontrastfarben sind für das schnelle Malen gedacht, mit einer mehrfarbigen Grundierung braucht man wiederum mehr Zeit. Das klingt erstmal widersprüchlich. Tatsächlich haben wir die Erfahrung gemacht, dass man zwanzig oder vierzig Modelle (zum Beispiel wenn in AoS die „Cities of Sigmar“ spielt) sehr schnell auch mehrfach grundieren kann und durch die investierte Zeit die Kontrastfarbe noch mehr unterstützt wird. Netto ist der Zeitgewinn zwar vermindert, aber es fühlt sich immer noch wie ein Zeitgewinn an, besonders kurz vor einem Turnier. Gewonnen wurde deswegen zwar noch nicht, aber zumindest optisch macht diese Armee nun einiges her:

 

 

Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Giovanna Pirillo
Fotografien: Dominic Niederhoff
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