Beim Miniaturenmalen gilt schon immer, dass gute Pinsel aus Kolinsky-Haaren gefertigt sein müssen. Pinsel aus Synthetik-Haaren haben den Ruf, nur eine günstige Alternative für Anfänger*innen oder für Arbeiten, unter denen die Pinsel leiden, zu sein. Seit einiger Zeit gibt es ein Umdenken und Wölfer & Braun stoßen in diese Lücke.
Dass sich die Nachfrage hin zu hochqualitativen Pinseln aus Synthetik-Haaren in letzter Zeit deutlich erhöht hat, hat mehrere Gründe. Zum einen sind die Preise für Kolinsky-Haar in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Da die Haare zum Großteil von wildgefangenen Tieren aus Russland und China stammen, kommen hier Handelsbeschränkungen und -regelungen zum Tragen, die den Handel erschweren. Durch den Klimawandel haben sich aber auch die Lebensräume der Tiere verkleinert, was mit einem Rückgang der Population einhergeht und durch die milderen Winter leidet auch die Qualität der Haare. So beklagen Maler*innen schon seit einiger Zeit über Probleme mit Pinseln, die früher als unschlagbar galten. Aber auch ethische Überlegungen und der Verzicht auf Tierprodukte spielen für manche eine Rolle. Ein Glück, dass einige Hersteller inzwischen hochwertige Alternativen anbieten, die dem Original möglichst nahekommen sollen. Neu auf dem Markt sind die Pinsel von Wölfer & Braun, die wir für euch testen durften.
Die junge Firmengeschichte
Die Geschichte hinter Wölfer & Braun mutet ein wenig wie aus einem Film an. Kevin Wölfer, Betreiber eines Malstudios, fand sich in der Situation, seine Kredite umschulden zu müssen. Die neue Bank war zwar bereit, alle Schulden zu übernehmen, doch stellte sie eine kuriose Bedingung. Für sein Malstudio musste er komplett auf Echthaarpinsel verzichten. Es begann also die Suche nach Pinseln, die den eigenen Bedürfnissen genügen und den Kund*innen weiterhin die gewohnte Qualität liefern sollten. Dies führte ihn letztlich mit Oliver Braun zusammen, der einer Pinselmacherfamilie entstammt. Zusammen entwickelten sie Pinsel, die sich durch feinste Spitzen, Formstabilität, Farbkontrolle und Langlebigkeit auszeichnen sollen. Eigentlich nur für den Eigengebrauch gedacht, wurden aber bald seine Kund*innen auf die Pinsel aufmerksam und wollten diese unbedingt auch nutzen können. Wölfer & Braun waren geboren.
Die Pinsel
Uns zur Verfügung gestellt wurde eine kleine Auswahl aus drei Pinseln, die in dieser Kombination nicht als Set verkauft werden. Erhalten haben wir zwei Chapter M Pinsel in den Größen 3 und 8, welche für die normalen Arbeiten an Miniaturen gedacht sind. Außerdem haben wir den Chapter L erhalten, der nur in der Größe 3 angeboten wird. Dieser ist für das Ziehen von feinen Linien gedacht. Zum Sortiment gehört auch noch der Chapter D, der für das Trockenbürsten entwickelt wurde. Dieser lag uns jedoch nicht zum Testen vor. Verpackt wurden die Pinsel in einer edel wirkenden Schachtel, die aber mutmaßlich eigentlich zu einem anderen Set gehört. Auch ein Beiblatt mit praktischen Informationen haben wir erhalten. Der Text liest sich, als ob er für gewöhnlich dem großen Set beiliegt. Preislich schlägt der Hersteller bei den drei Pinseln 21,99 EUR für den Chapter M Größe 3, 23,99 EUR für den Chapter M Größe 8 und 25,99 EUR für den Chapter L Größe 3 vor. Ein Schnäppchen sind sie also nicht. Aber Maler*innen wissen, dass Qualität ihren Preis hat.
Alle Pinsel machen einen sehr hochwertigen Eindruck. Die Stiele sind nicht zu lang und haben eine gebeizt wirkende Oberfläche. Die Stiele sind beim Anfassen nicht lackiert glatt, sondern haben eine leichte Struktur, wodurch sie gut in der Hand liegen. Bezeichnung und Größe sind ins Holz graviert oder gelasert und deutlich vertieft. Auch dies wirkt sehr edel.
Bei den Haaren fällt auf, dass sie eher kurz gehalten sind, im Vergleich zu anderen Pinseln. Die Spitzen sind aber sehr gut ausgeformt und es stehen keine einzelnen Haare ab. Die Haare haben einen schönen Farbverlauf, welcher bei Kunstfasern natürlich nur für die Optik ist. Aber dieser weiß zu gefallen. Die Haare sind sehr weich, halten aber dennoch die Form und springen problemlos wieder zurück.
Die Zwinge ist aus schwarz lackiertem Metall und komplett glatt, ohne Wülste. Sie folgt exakt der Stielform und somit kann der Pinsel auch weiter vorn gehalten werden, ohne dass die Haptik leidet.
Der Test
Die Pinsel wurden über viele Stunden genutzt, um mehrere Modelle zu bemalen. Der Chapter M in der Größe 3 wirkt durch die kurzen Haare deutlich filigraner als andere Pinsel dieser Größe. Er nimmt Farbe gut auf, ohne dabei Flüssigkeit zu sehr Richtung Zwinge zu ziehen. Auch bei der Farbabgabe macht er eine gute Figur. Die Farbe wird sehr kontrolliert abgegeben und das Strichbild ist sehr gut. Er ist sehr gut zum Schichten geeignet und auch Kantenhighlights sind kein Problem.
Bei der Bemalung von zum Teil sehr kleinteiligen Infinity-Figuren macht er keine Schwierigkeiten. Durch die feine Spitze ist Detailmalen gut möglich und ein noch feinerer Pinsel scheint kaum notwendig. Auch nach vielen Arbeitsstunden ist die Spitze des Pinsels noch perfekt und es ist zu erwarten, dass der Pinsel auch noch deutlich länger hält.
Der Chapter M Größe 8 wirkt auf den ersten Blick gewaltig. Das große Haarbündel täuscht aber darüber hinweg, dass auch dieser Pinsel eine sehr feine Spitze hat. In unserem Test konnten wir bei Miniaturen im 28-mm-Maßstab nahezu alle Arbeiten auch mit diesem Pinsel durchführen. So entstand eine Einheit Fireflies für Konflikt 47 mit einem absolut zufriedenstellenden Ergebnis. Das Mehr an Haaren führt vor allem dazu, dass der Pinsel deutlich mehr Farbe halten kann. Somit ist das Bemalen von Grundfarben gut möglich, ohne dabei an Präzision einzubüßen. Limitiert wird er an schwer zu erreichenden Stellen, da der Pinsel trotz feiner Spitze recht dick ist. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass nicht zu viel von der geladenen Farbe abgegeben wird. Dies gilt besonders beim Malen mit stark verdünnten Farben. Es muss aber betont werden, dass es sich hier um kein grobes Werkzeug ausschließlich für große Flächen handelt. Auch bei diesem Pinsel haben die Arbeitsstunden keine deutlichen Spuren hinterlassen.
Der Chapter L ist, wie schon erwähnt, für das Malen feiner Linien auf einem Modell gedacht. Die Haare sind hier ein klein wenig länger, als beim Chapter M in der gleichen Größe und laufen deutlich spitzer zu. Dadurch kann er zwar etwas weniger Farbe laden, lässt sich aber sehr gut über das Modell schleppen und zieht die gewünscht feinen Linien. Wir haben ihn in unseren Tests beispielsweise für organische Strukturen, wie Muskelstränge, Schuppen oder Hörner verwendet. Der Steeljaw für Infinity hat so viel Leben erhalten. Auch die Hörner an einem Orc für Warcrow waren mit dem Chapter L kein Problem. In feinen, dunkler werdenden Linien konnte so eine realistische Hornstruktur erzeugt werden. Aber auch das Blacklining, also das Nachziehen von Trennlinien zwischen zwei Segmenten mit Schwarz, war kein Problem. Wie schon bei den anderen Pinseln konnten hier nicht nur die Präzision, sondern auch die Haltbarkeit überzeugen.

Die harten Fakten:
- Hersteller: Wölfer & Braun
- Erscheinungsjahr: 2025
- Preis: ab 16,99 EUR (UVP)
- Bezugsquelle: Fachhandel
Bonus/Downloadcontent
Wölfer & Braun bieten für ihre Pinsel eine praktische Pflege- und Anwendungsanleitung. Viele der dort genannten Dinge sind erfahrenen Maler*innen sicher ein Begriff, aber für unerfahrenere ist dies eine schöne und praktische Ergänzung. Alle aufgeführten Punkte werden kurz erläutert und durch ein Beispielbild unterstützt.
Fazit

Wölfer & Braun bringen mit ihren Pinseln aus Synthetik-Haar eine echte Alternative zu Echthaarpinseln auf dem Markt. Schon der optische Eindruck ist sehr hochwertig und das gebeizt wirkende Holz der Stiele liegt durch eine sanfte Struktur gut in der Hand. Die Zwinge aus schwarz lackiertem Metall führt die Form des Stiels weiter und hat keine Wülste oder Unebenheiten. Die Pinselhaare machen durch ihre Färbung einen edlen Eindruck und wissen auch durch ihre Qualität zu überzeugen. Die Haare sind kürzer gehalten, als bei vielen anderen Pinsel auf dem Markt, doch sie formen eine sehr gleichmäßige und feine Spitze. Die Haare sind angenehm weich, springen aber problemlos in ihre Form zurück, sodass die Spitze immer erhalten bleibt und präzises Malen möglich ist. Die Farbaufnahme ist sehr gut und die Abgabe erfolgt gleichmäßig. Selbst der Chapter M in der Größe 8 kann mit seiner feinen Spitze für Detailarbeiten genutzt werden.
Mit dem Chapter L lassen sich sehr gut feine Linien auf Modellen ziehen und damit ist er zum Beispiel gut für organische Strukturen oder für das Blacklining geeignet. Die Haare sind etwas länger und spitzer ausgeformt. Dadurch lässt er sich gut über das Modell schleppen.
In der Zusammenarbeit von professionellem Maler und Pinselmacher sind hier Premium-Pinsel entstanden, die aber auch einen Premium-Preis verlangen. Wer auf der Suche nach hochwertigem Ersatz für Echthaarpinsel ist und bereit ist dafür auch den entsprechenden Preis zu zahlen, wird hier viel Freude haben.

- Gute Farbaufnahme und Abgabe
- Gut ausgeformte Spitzen
- Gute Haltbarkeit
- Hoher Preis
Artikelbilder: © Wölfer & Braun
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Nina Horbelt
Fotografien: Dennis Rexin
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.


















