Verlagsneuheiten, gebrauchte Schätze, spannende Vorträge, Charakterporträts und gute Gespräche: Das alles gab es auf kleinem Raum und bei gutem Wetter auf der gut besuchten EulenCon 2026. Die Hauscon des Uhrwerk Verlags am ersten Maiwochenende bot eine Menge Unterhaltung für Rollenspielfans in entspannter Atmosphäre.
Inhaltsverzeichnis
Uhrwerks-Con in Köln
Versteckt in einem Wohngebiet im beschaulichen Köln-Porz auf der östlichen Rheinseite liegt das Bürgerzentrum Engelshof. Hier fand am Wochenende vom 2. zum 3. Mai 2026 bei geradezu frühsommerlichem Wetter die vierte EulenCon statt, die Hauscon des Uhrwerk Verlags. Zwischen Rollenspielrunden auf einer Seite und einer gut besuchten Verkaufshalle auf der anderen Seite des historischen Hofes trafen sich Fans des Hobbys zu Vorträgen, Workshops und Gesprächen.
Die Location

Der Engelshof, ein ehemaliger Gutshof aus dem 19. Jahrhundert, wird heute vom gemeinnützigen Verein Bürgerzentrum Engelshof, e.V., für Bildungs- und Kulturangebote genutzt. Historische Backsteingebäude umschließen zu allen vier Seiten einen Innenhof und beherbergen eine Auswahl unterschiedlicher Veranstaltungsräume, die für Spielrunden, Workshops und Vorträge genutzt wurden. Im Innenhof selbst hatte Uhrwerk eine Jurte für Lesungen aufgebaut, sowie Bierbankgarnituren im Schatten der Bäume, die von einigen Besuchenden für spontane Brettspielrunden genutzt wurden. Ein einziger Essensstand versorgte die Anwesenden mit Bratwurst im Brötchen und Folienkartoffeln mit Dip, während im großen Saal neben Softdrinks, Kaffee und Tee die essentielle Kraftnahrung für lange Rollenspielrunden (lies: Süßigkeiten) verkauft wurde. Kurz gesagt, das Rahmenangebot war einfach, aber zufriedenstellend und die gemeinsam genutzten Biertische boten willkommene Gelegenheiten für Gespräche mit anderen Besuchenden.
Der große Saal selbst beherbergte ein breites Verkaufsangebot. Neben Uhrwerk stellten hier unter anderem System Matters, Pro Indie, Heinrich Tüffers Verlag, Redaktion Phantastik, Green Gorilla und der Kölner Nackter-Stahl-Verlag Neuheiten und Bewährtes aus ihrem Verlagsangebot aus, es gab Stände mit allerlei Würfeln und Zubehör sowie Künstler*innen, die auch auf der Con Charakterporträts zeichneten. Auch einige gemeinnützige Vereine hatten Stände im Saal. Darunter war etwa die 100 Questen Gesellschaft, e.V., die sich der Förderung prozentbasierter Rollenspiele verschrieben hat und von der unter anderem die deutsche Übersetzung des Bronzezeit-Fantasy-Rollenspiels Schakale stammt, sowie der lokale Rollenspielverein Pen and Paper Köln, e.V. und die pan-europäische Dragon Legion, deren Ziel es ist, mit Rollenspielen Bildung zu fördern.
Dazu kam ein, zumindest am Samstag Vormittag noch, gut ausgestattetes Bring & Buy Angebot, bei dem Gebrauchtes günstig abverkauft wurde, man aber dennoch viel Geld ausgeben konnte. Trotz der allgemein gut besuchten Veranstaltung wirkte die Halle nicht überlaufen und der allgemeine Umgangston blieb freundlich und gut gelaunt.

Gut besucht: Cozy Horror RPG, Lex Arcana und mehr
Nicht nur der Verkaufssaal und der Parkplatz zeugten davon, dass die Con gut besucht war, auch die zahlreichen Rollenspielrunden im Haupthaus. Zu diesen musste man sich zuvor über die Plattform Conservices anmelden. Ohne Vorwissen gestaltete es sich allerdings etwas schwierig, dort die richtige Runde zu finden, dies war mit viel Hin- und Herklicken verbunden. Spontanes Dazustoßen war so gut wie unmöglich, da die meisten Runden schon vorab ausgebucht waren. Analoge Aushänge für kurzfristig geplante Runden gab es zwar ab Samstag Nachmittag, aber nur sehr wenige. Zudem ist es fraglich, ob die Aushänge im hinteren Teil des großen Saals von zufällig Vorbeigehenden überhaupt bemerkt wurden. Spontanes Rollenspiel fand also kaum statt.

Positiv zu vermerken ist indes, dass im Saal auch mehrere Stapel von Uhrwerk gestalteter X-Cards, beziehungsweise Sicherheitskarten für das Con-Spiel auslagen. Es gab die rote X-Card (als Stopp-Signal), eine grüne (für „mehr davon“) und eine gelbe (für „weniger davon“) Karte. Eine Spielrunde wurde aufgrund ihrer Beliebtheit sogar zweimal gespielt, nämlich Lex Arcana, mit einem Abenteuer in Ägypten, geleitet von Roxane Bicker, beim Uhrwerk Verlag verantwortlich für das System.
Auch die diversen Workshops, von Rollenspiel mit Schulklassen und Jugendgruppen bis zum perfekten Dungeonabenteuer, waren beliebt. Gut möglich, dass das auch an der übersichtlichen Location lag. Besonders überrascht zeigte sich Nikolas Tsamourtzis, Rollenspielautor beim Heinrich Tüffers Verlag, der bisher vor allem für Ultima Ratio und Mythaloria bekannt ist. Sein Workshop mit dem Titel „Cozy Rollenspiel“ zog um die 50 Zuhörende an. „Ich hatte mir eigentlich vorgestellt, dass hier so etwa vier bis fünf Leute sind, ich kurz erkläre, worum es geht und wir dann einen kleinen Roadtrip zusammen spielen“, so Tsamourtzis.
Da sich dieser Plan so nicht durchführen ließ, wurde der Workshop mehr zu einer Genrevorstellung zu „Cozy“ mit einem Teaser auf sein neuestes Projekt, das Horror-Survival-Rollenspiel Don’t Split Up und vor allem dessen Slice-of-life Offshoot Road Trip. Darin machen sich Charaktere wie die aus Don’t Split Up, das an die Horrorfilme der 80er und 90er Jahre angelehnt ist, auf eine kleine Reise, auf der nichts wirklich Schlimmes passiert, sondern nur zwischenmenschliche Konflikte und Charakterentwicklung geschehen.
Cozy Rollenspiel hat sich in den letzten Jahren als ein Trend innerhalb des Hobbys herauskristallisiert, eine Form von Rollenspiel, in dem es nicht auf Kämpfe ankommt, sondern soziale Interaktion wichtig ist, in dem es wenige Trigger, beziehungsweise, keine große psychische Überlastungsgefahr gibt. Oft sind sie eher regelleicht und die Spielleitung wird mit den Spielenden „geteilt“. Allerdings, so erklärt Tsamourtzis, gibt es keine feste Definition. Auf die Frage, ob die Beliebtheit auch mit der aktuellen Weltlage und der ständigen Informationsflut durch soziale Medien zusammenhängt meint er: „Aus meiner persönlichen Sicht ja. Cozy ist auch ein Gegenentwurf zu dem sozialen Druck, ständig an jedem Diskurs teilnehmen zu müssen.“ Womöglich hatte das große Interesse an der Genrevorstellung also auch mit diesem Wunsch zu tun.
Neues bei Uhrwerk

Bei der Hauscon des Uhrwerk Verlags kann natürlich ein Update über die aktuellen und geplanten Spiele und Reihen des Verlages nicht fehlen. Unter dem bekannten Titel „Quo vadis, Uhrwerk?“ (für alle, die kein Latein hatten: das bedeutet so viel wie „Wo geht es hin, Uhrwerk?“) gaben die Redakteur*innen des Verlages am Samstagnachmittag Einblicke in die aktuellen Projekte. Dabei war viel Erfreuliches zu hören: Während 2025 aus verschiedenen Gründen etwas ruhig voranging, ist in diesem Jahr schon so viel veröffentlicht worden wie im letzten insgesamt.
Und der Verlag hat natürlich noch weitere Pläne für das laufende Jahr. Bei Splittermond stehen noch für dieses Jahr unter anderem sieben neue Abenteuer an, während gleichzeitig am Uhrwerk-Stand im großen Saal erstmals Wintermond zu kaufen war, der zweite und abschließende Teil der Kampagne Das Ende des Sommers, die mit Ein Hauch von Frost begann.
Für das kinderfreundliche System Starport sollen bald neue Erweiterungen kommen. Für Vaesen wird es vermutlich noch im Laufe des Sommers eine Starterbox auf Deutsch geben, weitere Übersetzungen aus dem System kommen spätestens zur SPIEL. Dazu gibt es das Grundregelwerk in neuer, hochwertigerer Auflage vor Ort auf der EulenCon und bald auch im Online-Shop zu kaufen.
Auch Fans von Verbotene Lande konnten sich freuen: nicht nur die Grundbox kann bald nachgedruckt werden, Uhrwerk darf auch alles andere, was aus dieser Reihe im Original veröffentlich ist und noch veröffentlicht wird, übersetzen. Auch für Dragonbane und Woodhaven werden in den nächsten Monaten neue Produkte veröffentlicht. Die deutsche Version von Deponia geht noch diesen Monat ins Layout. Ähnlich sieht es mit dem schon erwähnten Ägypten-Band sowie der Encyclopaedia zu Lex Arcana aus.
Zum stets beliebten System Star Trek Adventures übersetzt Uhrwerk als nächstes den Utopia-Planitia-Quellenband und dann die zweite Edition. Und das sind nur die Neuigkeiten zu den größten andauernden Reihen. Kleinere Systeme und zukünftige Ideen stehen darüber hinaus auch noch im Raum. Der Verlag hat also einiges vor, sowohl in diesem Jahr als auch der Zukunft.
Fazit: Viel zu sehen, nicht alles leicht zu finden
Nicht nur des überwiegend freundlichen Wetters wegen hinterlässt die EulenCon 2026 den Eindruck eines gelungenen Wochenendes, sowohl für Besuchende als auch Veranstaltende. Man traf sich in entspannter Atmosphäre für Brettspiel, Pen-and-Paper und Gespräche. Die Workshops und Vorträge waren teilweise außerordentlich gut besucht. Manche Besuchenden gönnten sich auch einfach eine Shoppingtour durch den großen Saal und genossen Sonne und Bratwurst im historischen Innenhof und/oder ließen sich live vor Ort ein Porträt ihres Charakters oder eines wichtigen Artefaktes zeichnen. Beim Bring & Buy konnten für faire Preise gut erhaltene Schätze erworben werden.
Für spontanes Rollenspiel war die Con eher nicht geeignet, da die meisten geplanten Runden schon vorab ausgebucht waren und das Buchungssystem dafür nicht unbedingt nutzer*innenfreundlich gestaltet ist. Dennoch lohnte sich der Eintrittspreis (Samstag 15€, Sonntag 10€, Wochenende 20€) mindestens für Fans der verschiedenen Reihen des Uhrwerk Verlags, aber eigentlich auch für alle, die Freude an einem entspannten Wochenende mit anderen Rollenspielenden und Neuigkeiten aus der Branche haben. Nach diesem erfolgreichen Wochenende freuen wir uns jetzt schon auf nächstes Jahr.

Artikelbilder: © Luise Loges
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Hendrik Pfeifer
Fotografien: Luise Loges



















Hi, ich habe eine andere Erfahrung gemacht.
bei den Online ausgeschriebenen Runden war immer wieder ein Platz frei. Anders als auf der Bavaria Con, wo es wirklich schwer war eine runde zum spielen zu finden, war es hier nicht schwer.
Als ich Samstag Mittag was für den Nachmittag gesucht habe, hatte ich durchaus eine Auswahl.
Der Offlineaushang war tatsächlich dürftig. Samstag Nachmittag habe ich da einen einzigen Zettel gesehen.