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Conan der Barbar und Drifters, das neuste Werk von Hellsing-Mangaka Kōta Hirano, sind brutal, amoralisch und – voll unfreiwilliger Zeitreisen. In Paninis Conan der Barbar 3 – In fernen Zeiten sendet ein Fluch den Barbaren ins Reich von König Kull. In Drifters trifft währenddessen Isekai auf Geschichte – auf Hiranos einzigartig durchgedrehte Art. 

Triggerwarnungen

Gewalt, Verstümmelung, sexuelle Gewalt, Gewalt gegen Kinder, Kriegsverbrechen, Homophobie, Misogynie

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Drifters Max 2

Wertung 3Mit Hellsing hat Mangaka Kōta Hirano einen modernen Klassiker des Action-Mangas geschaffen. Die überdrehte protestantische-Vampire-gegen-Nazis-gegen-Vatikan-Story hat zwar nicht viel Tiefgang, aber – naja, da kämpfen Vampire, Nazis und Kreuzritter mit übergroßen Kanonen gegeneinander. Pulp- und Trashfans reicht das als Beschreibung, andere sind bei Hellsing wahrscheinlich nicht richtig. Bei Drifters verhält es sich ganz ähnlich – nur bekommen zusätzlich zu Pulp- und Trashfans diesmal auch Geschichtsnerds etwas geboten.

Drifters spielt in einer klassischen Fantasy-Welt mit Elfen, Zwergen, Drachen und so fort. Dazu kommen die namensgebenden Drifter, Menschen, die in unserer Welt starben und in der neuen Welt wiedergeboren werden. Doch das ist keine der üblichen Isekai-Stories, wie es sie seit Re:Zero und Sword Art Online dutzendfach in Mangas und Anime gibt. Zum einen begann Drifters schon 2009, bevor der große Isekai-Boom begann (wie bei Hellsing lässt sich Kōta Hirano auch diesmal sehr viel Zeit mit neuen Kapiteln). In üblichen Isekais landet eine moderne Durchschnittsperson, oft Otakus und Nerds, in der neuen Fantasywelt um als auserwählte Held*innen eine Power Fantasy zu erleben.

In Drifters landen stattdessen ausschließlich historische Personen in der neuen Welt. Und nicht nur irgendwelche, sondern fast ausnahmslos Soldat*innen, Kriegsherr*innen und Generäl*innen. Die Spannbreite reicht von Oda Nobunaga, dem ebenso genialen wie skrupellosen mittelalterlichen japanischen Kriegsherren, über den japanischen WK2-Pilot Naoshi Kanno und die Western-Outlaws Butch Cassidy und Sundance Kid bis hin zu Hannibal, den Erzfeind des römischen Kaiserreiches. Die Hauptfigur ist Shimazu Toyohisa, Samurai des Shimazu-Klans, der sich hier dadurch auszeichnet, ohne Rücksicht auf Verluste und voller Blutdurst in den Kampf zu ziehen.

Als Toyohisa in diese Welt hineinstürzt, gibt es zwei große Konflikte, die beide mit den Driftern zusammenhängen. Zum einen will das Reich Orte die Welt erobern, eine faschistische Militärdiktatur, die „Halbmenschen“ wie Elfen, Zwerge und Tiermenschen versklavt. Der Gründer von Orte war niemand anderes als Adolf Hitler, unterstützt von, unter anderem, dem Graf von Saint-Germain.

Zum anderen gibt es sogenannte „Aufgegebene“. Diese Drifter, wie Jeanne d‘Arc oder Rasputin, haben sich dem Schwarzen König angeschlossen. Der Schwarze König ist ein unbekannter Drifter, der Leute heilen und Nahrung vervielfältigen kann. Zu Lebzeiten wollte er den Menschen wohl helfen, doch wurde dafür getötet. Dafür will er nun die Menschheit vernichten und stattdessen Monster, wie Orks und Goblins, zu kulturschaffenden Spezies erziehen.

Toyohisa stößt bald auf die Magierin Ormine, Mitglied der einheimischen Octobristen, die gegen böse Drifter kämpfen und die Welt retten wollen. Die zusammengewürfelte Gruppe erweitert sich bald um Oda Nobunaga, den Bogenschützen Nasu no Yoichi, Scipio Africanus und den halb senilen Hannibal. Vor allem Nobunaga übernimmt schnell die Führung. Zu Lebzeiten gelang es ihm beinahe, Japan zu einen, bevor er von seinen Gefolgsleuten ermordet wurde. Angesichts der Bedrohung durch Orte und den Schwarzen König ist sein Plan klar: Die verschiedenen Völker vereinen und mit Toyohisa als Frontgeneral das Land vereinen – die zweite Chance will Nobunaga nicht vergeben.

Die sich daraus entwickelnde Geschichte besteht hauptsächlich aus brutalen Kämpfen, gewitzten taktischen Einfällen und kruden Witzen. Toyohisa ähnelt Ruffy aus One Piece: Beide sind unaufhaltsame Kämpfer, die bis zum Umfallen weiterkämpfen und neben einem persönlichen Ehrenkodex nur eine Sache im Kopf haben. Ruffy will Freunden helfen und ansonsten essen. Toyohisa hingegen ist ein fanatischer Anhänger des Bushido-Ehrenkodex der Samurai und davon besessen, in der Schlacht möglichst viele Köpfe zu sammeln, denn Köpf bedeuten Ehre.

Nobunaga wiederum ist ein hinterhältiges Schlitzohr, das vor keinem fiesen Trick zurückschreckt. Passend für den Machiavellisten, der sich in Wirklichkeit als Dämonenkönig der Sechsten Hölle bezeichnete. Egal ob er seine Verbündeten manipuliert, seine Feinde in die Falle lockt oder Ormine beleidigt – eine der sexistischen Spitzen, die in Drifters häufig vorkommen und den rauen, aber problematischen Ton des Werks unterstreichen. Nobunaga will immer die Kontrolle behalten, nimmt gleichzeitig aber nichts ernst. Er erkennt aber auch als schnellster die Möglichkeiten, die die Vereinigung von Driftern und Fantasy-Welt bieten, seien es von Zwergen geschmiedete Gewehre, magische Sprechsteine zur Truppenkommunikation oder die unendlich vielfältigen Anwendungszwecke von magischen Steinwänden.

Nobunagas frauenfeindliche Bezeichnungen von Ormine und die homophoben Beleidigungen, die dem Graf von St. Germain von allen Seiten entgegenfliegen, reihen sich in den düsteren Ton des Manga ein. Eine Entschuldigung ist das aber keinesfalls. Von „wirklicher historischer“ Diskriminierung ist Drifters weit entfernt, sondern legt moderne Diskriminierungen in den Mund historischer Personen. Hierzulande ist die Behandlung von Ormine und St. Germain widerlich und beinhaltet akute Triggergefahr – auch wenn es in der japanischen Popkultur immer noch nicht ungewöhnlich sein mag. Letztendlich sind St. Germain und seine Gefolgsleute wohl vergleichbar mit One Pieces unsäglichen Karikaturen von „Transen“. Drifters bietet mit der Heiligen Schar noch eine „positivere“ Darstellung von homosexuellen Männern – solange sie töten können, sind sie „in Ordnung“. Dazu kommt auch Hiranos Umgang mit Themen des Zweiten Weltkriegs, der teils schon in Hellsing auffiel. Für deutsche Leser*innen kann Drifters wirken, als ob die japanische Imperiale Armee des Zweiten Weltkriegs glorifiziert wird, auch wenn hier möglicherweise kulturelle Unterschiede in der Geschichtsrezeption zum Tragen kommen.

In Drifters sind die bösen Monster und die Protagonisten letztendlich brutale Schlächter mit (japanisch-) mittelalterlichen Moralvorstellungen. Für einige mag das den „Humor“ und andere Elemente von Handlung und Welt als Böse-gegen-etwas-weniger-Böse kontextualisieren. Der durchschnittlichen Leserschaft wird das aber eher vor den Kopf stoßen.

Zeichnerisch wird alles in Kōta Hiranos typischem Stil gehalten. Viel schwarze Flächen und dicke Linien sorgen für wuchtige Figuren, die mit viel Gewicht daliegen. Vor allem in Kampfszenen fehlen Blut, Gewalt und abgetrennte Gliedmaßen nicht. Drifters ist insgesamt wieder sorgfältiger gemalt: Vor allem gegen Ende von Helsing verlor sich Hirano viel in Chibi-Kritzeleien statt seines eigentlichen Zeichenstils.

Letztendlich ist Drifters ein wirklicher Nachfolger von Hellsing. Es ist Actiontrash in Reinform. Die Handlung, die Zeichnungen, die Figuren, alles dreht sich um „coole“ Kämpfe, Schlachten und Ultrabrutalität, und das alles ist handwerklich durchaus gekonnt ausgeführt. Ein paar Momente, wie die taktischen Geistesblitze des sonst senilen Hannibals, sind auch darüber hinaus spannend inszeniert.

Aber insgesamt gilt: Für ultrabrutalen B-Film Actiontrash gibt es definitiv ein Publikum, das mit Drifters Max sicherlich Spaß haben wird. Für das Mainstream-Publikum wird Kōta Hiranos Werk, nicht zuletzt durch einige unnötige diskriminierende Elemente, aber wohl zu „speziell“ sein.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Manga
  • Autor*in(nen): Kohta Hirano
  • Zeichner*in(nen): Kohta Hirano
  • Seitenanzahl: 464
  • Preis: 13 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini

 

Conan der Barbar 3 – In fernen Zeiten

Wertung 4Der letzte Conan-Film ist zwar schon einige Zeit her, die Beliebtheit des Barbaren ist aber immer noch ungebrochen. Sei es in den legendären Bildern von Frank Frazetta oder französischen Comics, die hierzulande beim Splitter Verlag erscheinen. Braucht es da noch einen Conan von US-Platzhirsch Marvel?

Brauchen ist zu stark, aber es gibt auf jeden Fall keinen Grund, Conan der Barbar 3 – In fernen Zeiten zu meiden. Und für Fans von Robert E. Howards Figuren jenseits von Conan ist die Rückkehr des Barbaren zu seiner alten Comic-Heimat Marvel besonders interessant. Conans alte Heimat Marvel? Ja, denn ab 1970 erschienen die ersten Conan-Comics beim Superheld*innenenverlag, gezeichnet von Legenden wie Barry Windsor-Smith und John Buscema. Und während die Conan-Comics bei Splitter die Originalgeschichten von Robert. E. Howard nacherzählen, spinnen Marvels Conans damals wie heute ihre eigenen Geschichten fort. Howard schrieb nur zwanzig Novellen und einen Roman, können echte Conan-Fans sich also über neue Abenteuer im Original-Stil freuen?

In Conan 3 – In fernen Zeiten wird der wandernde Barbar durch ein verfluchtes Schwert in die Jahrtausende in die Vergangenheit gesandt. Dort begegnet er einem anderen Barbaren, der die Krone eines zivilisierten Königreichs erstritt und nun mit den Auswüchsen der dekadenten Zivilisation ringt: Kull von Atlantis. Kull war Howards erster Barbarenheld und vermutlich der Prototyp Conans. Im Gegensatz zu dem lebenslustigen Cimmerier ist Kull aber philosophisch und melancholisch veranlagt. Während Conan durch die Welt reiste und Abenteuer erlebte, wurde Kull früh zum König von Aquilonien, das zu Conans Zeiten nur noch eine halbvergessene Legende war. An Kulls Seite war dabei stets der Pikte Brule, der Speerwerfer. Kulls größte Feinde waren die Schlangenmenschen, bösartige Gestaltwandler aus einer Zeit, bevor es Menschen gab, sowie der untote Zauberer Thulsa Doom.

Als Conan, Brule und Kull aufeinandertreffen, brechen die Barbaren schnell in Gewalt aus. Doch ebenso schnell erkennen sie, dass sie alle aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Und eine größere Bedrohung schwebt über Kulls Reich, und verspricht Conan eine Heimkehr in seine eigene Zeit, das hyboreanische Zeitalter. Zusammen wagen die drei Barbaren und Kulls Leibgarde eine Reise in die gefährlichen Tiefen von Kulls Heimat, dem wilden Kontinent Atlantis …

Die Begegnung zwischen den Howard-Figuren Conan und Kull klingt zwar etwas nach Fanservice, passt sich aber in den Stil der Conan-Geschichten ein: Howard benutzte oft Figuren, die in die Vergangenheit ihrer Vorfahren reisten und dort Abenteuer erlebten. In Kings of the Night traf so zum Beispiel Bran Mak Morn auf niemand anderen als König Kull. Auch Anspielungen auf andere Conan-Geschichten sind gut in die Geschichte eingebunden.

Insgesamt passt sich der Comic perfekt in die klassischen Conan-Abenteuer ein. Conan selbst ist perfekt getroffen, der brutale Barbar, der sich selbst am nächsten ist. Seine Wildheit sollte aber keineswegs mit Dummheit verwechselt werden. Im Schreibstil trifft Autor Jim Zub genau den leicht altertümlichen, heroischen Abenteuer-Stil von Howard. Über Zeichner Rob De La Torre steht im Nachwort, John Buscema sei eines seiner Vorbilder gewesen. Das glaubt man sofort, wenn man sich die Zeichnungen anschaut. Eindeutig vom Stil des klassischen Conan-Illustrators inspiriert, bringen sie den Sword-and-Sorcery-Stil technisch ins einundzwanzigste Jahrhundert. Mit prächtigen Farben und einem Auge für Details setzt De La Torre die Barbarenabenteuer hervorragend in Szene. Die Bilder bleiben dabei klassisch, aber modern und wirken nie altmodisch.

Fans von Conan, Howard oder artverwandten pulpigen Abenteuergeschichten können hier getrost zugreifen. Für sie wäre die größte Schwäche wahrscheinlich, dass der Band auf eine Fortsetzung abzielt. Aber auch alle anderen, die sich für Barbarenabenteuer offen sehen, können einen Blick wagen. Sie könnten es deutlich schlechter treffen.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in(nen): Jim Zub
  • Zeichner*in(nen): Rob De La Torre
  • Seitenanzahl: 104
  • Preis: 13 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini

 

 

Artikelbilder: © Panini Comics, © Panini Manga
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Sabrina Plote
Fotografien: Paul Menkel
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