Kehlige Schreie und Wolfsgeheul schallen über das Schlachtfeld. Mit der 10. Edition von Warhammer 40.000 erhalten die Space Wolves eine aktualisierte Codex-Ergänzung. Während neue Detachments, Einheitenprofile und ein narrativer Kampagnenmodus frischen Spielraum bieten, fehlen zahlreiche klassische Modelle. Die Erweiterung setzt damit deutliche Schwerpunkte, verlangt aber auch Kompromisse bei der Armeezusammenstellung.
Die neue Codex-Ergänzung: Space Wolves enthält einen gelungenen Überblick zur Geschichte, Organisation und Heimatwelt des Ordens. Er bietet neue Detachments, Sonderregeln und zwanzig neue oder aktualisierte Datasheets. Neben einigen Charaktermodellen heißt es hier auch Abschied nehmen von einigen ikonischen Einheiten, wie den Long Fangs oder den besonderen Flugeinheiten, was ein großer Wermutstropfen ist. Ergänzt wird das Supplement durch ein eigenes Crusade-Kapitel, das erzählerische Kampagnen und charakterzentriertes Spielen unterstützt.
Keine besonderen Trigger
Die wilden Söhne des Russ – der Hintergrund
Die Space Wolves sind eine der eigenwilligsten und faszinierendsten Legionen der Space Marines. Geformt aus den urtümlichen Härten ihrer Heimatwelt Fenris und dem wilden Geist ihres Primarchen Leman Russ, stellen sie eine Ausnahmeerscheinung in der oft dogmatisch geprägten Welt des Imperiums dar. Wo andere Ordensbrüder Disziplin und Kontrolle zur Tugend erheben, feiern die Space Wolves Kampfeswut, persönliche Ehre und Loyalität in Form eines von Sagen und Mythen geprägten Kriegerkodexes.
Fenris selbst ist ein Albtraum aus Feuer und Eis – ein Planet, auf dem sich Vulkane, gefrorene Einöden und urzeitliche Bestien die Kralle reichen. Nur die Härtesten überleben hier. Die zukünftigen Space Wolves wachsen in barbarischen Stämmen auf, geformt durch Jagd, Kampf und Verlust. Wer von ihnen stark genug ist, die Auswahl und Transformation zu überstehen, bringt nicht nur Kraft, sondern auch ein tiefes Gespür für Überleben und Ehre mit in den Orden.
Im Kampf sind die Space Wolves wild, schnell und direkt. Sie stürzen sich mit Berserkerwut auf den Feind, brechen Linien im Nahkampf, reißen mit Klauen und Äxten, wo andere aus der Distanz schießen würden. Doch hinter der scheinbaren Wildheit steckt Taktik. Ihre Krieger sind wie das Rudel Wölfe, dem sie nacheifern – ungestüm im Angriff, aber niemals kopflos.
Auch in ihrer Organisation schlägt sich dieser Geist nieder. Der Codex Astartes ist für die Space Wolves eher ein vager Leitfaden. Ihre Großkompanien entsprechen grob den Kompanien anderer Orden, folgen jedoch eigenen Namen, Bräuchen und Rangstrukturen. Wolfslords führen die Kompanien mit Autorität an, die auf Ruhm und Respekt beruhen. An ihrer Seite stehen Runenpriester als mystische Krieger-Schamanen, Wolfsgardisten als Elite, und junge Blood Claws, die sich im Rudel noch behaupten müssen.

Die Space Wolves mögen unorthodox erscheinen – wild, eigensinnig, rebellisch. Doch sind sie die Verkörperung uralter Loyalität, unerschütterlicher Brüderlichkeit und unbezwingbarer Willenskraft. Sie kämpfen nicht für Ordnung oder Gesetze – sie kämpfen für ihre Brüder, für den imperialen Allvater und für das Vermächtnis ihres Primarchen.
Kampfeswut und Ehre – die Armeeregeln und Detachments
Die Space Wolves teilen sich mit anderen Codex-Astartes-Orden die Kernregel der Adeptus Astartes Oath of Moment. Einheiten mit dieser Regel dürfen gegen ein zu Beginn der Command Phase gewähltes Ziel ihre Trefferwürfel wiederholen. Doch damit endet die Gemeinsamkeit mit ihren Brüdern – die Söhne des Russ gehen bekanntlich gern ihre eigenen Wege.
Eine Sonderregel betrifft die wilden Wulfen – normalerweise ohne Objective Control – die aber in der Nähe von Space-Wolves-Charakteren oder Wulf Priestern begrenzt Missionsziele halten können.
Das Herzstück des Supplements bilden die drei Saga-Detachments, die den Raum für verschiedene Spielstile öffnen und jeweils eine eigene Sonderregel, ein Ziel („Saga“) sowie spezifische Enhancements und Stratagems mitbringen. Jedes Detachment bringt von Haus aus einen Bonus für die Einheiten mit. Wird die jeweilige Saga erfüllt, erhalten die Einheiten zusätzliche Boni. Nichts stärkt einen Space Wolf mehr, als seinen Namen durch die Skjalden verbreitet zu wissen.
Saga of the Hunter
Dieses Detachment setzt auf Bewegung, flexible Angriffe und taktische Aggression. Einheiten erhalten Boni auf Trefferwürfe im Nahkampf, wenn sie gegen zahlenmäßig unterlegene Gegner kämpfen oder mit mehreren Einheiten dasselbe Ziel angreifen. Wird die Saga erfüllt – durch das Ausschalten feindlicher Einheiten im Nahkampf – gibt es zusätzlich +1 auf Verwundungswürfe.
Die Stratagems fördern Mobilität, taktisches Zurückfallen, Angriffsbewegungen durch gegnerische Einheiten oder das Halten von Missionszielen. Besonders spannend: Das Enhancement Wolf Master erlaubt es einem Charakter, pro Runde ein Begleittier mit Lethal Hits zu segnen – wenn die Wölfe im Rudel jagen, wird es gefährlich.
Saga of the Bold
Hier stehen heroische Charaktermodelle im Zentrum. Solange die Saga noch nicht erfüllt ist, dürfen diese einmal pro Phase Treffer-, Verwundungs- oder Schadenswürfe wiederholen – nach Erfüllung alle drei. Die Saga verlangt das Einlösen von Boasts, etwa das Töten eines Zieles oder das Halten eines Missionsziels tief im Feindgebiet. Die Enhancements verstärken Helden für den Nahkampf, geben zusätzlichen CP durch das Erfüllen von Boasts oder lassen einen Charakter einmalig wiederbeleben. Stratagems verleihen angeschlossenen Einheiten Lethal Hits, reduzieren jeden Feuerschaden um einen Punkt oder verwandeln den Anführer einer Wolf Guard-Einheit für eine Runde in einen Charakter.
Saga of the Beast Slayer
Dieses Detachment richtet sich an Spieler*innen, die gerne große Gegner jagen. Bereits zu Beginn erhalten Einheiten Lethal Hits gegen Charaktere, Fahrzeuge und Monster – nach Erfüllung der Saga gegen alles. Letztere verlangt das Ausschalten mindestens der Hälfte der gegnerischen Einheiten mit dem entsprechenden Keyword. Die Stratagems spiegeln diese Ausrichtung wider: mehr Bewegung, Schadensmodifikationen, Pinning-Effekte, welche die großen Gegner in ihrer Bewegung einschränken oder aggressive Gegenbewegungen. Neben allgemeinen Enhancements lässt sich mit Wulf-Touched ein Charakter mit mehr Bewegung ausstatten und einer Wulfeneinheit anschließen.
Im Gegensatz zu der Fülle der Sagas, die das Index-Detachment Champions of Russ enthielt, mögen die neuen Detachments etwas abgespeckt wirken. Der dauerhafte Bonus, den die Einheiten schon von Beginn an besitzen, macht dies jedoch definitiv wett. Passend zum Flair und der Hintergrundgeschichte sind sie allemal.
Zähne, Klauen und Legenden – die Einheiten der Space Wolves
Während mit der neuen Codex-Ergänzung grundsätzlich auch Einheiten anderer Space-Marine-Quellen in eine Space-Wolves-Armee aufgenommen werden können, sind Ordenstreue und Abstammung entscheidend: Modelle mit einem anderen Ordensschlüsselwort sind ausgeschlossen.
Wie bereits angekündigt, wurde die Zahl der Einheiten ordentlich zusammengestrichen. Gerade einmal zwanzig Einheiten haben es in die Überarbeitung geschafft. Traurig, dass dabei eingangs erwähnte ikonische Einheiten verloren gingen. Dafür sind ganze vier Dreadnoughts und zwei Wulfenprofile enthalten. Diese entstammen jeweils einem Bausatz, sodass dies zumindest teilweise nachvollziehbar ist. Trotzdem wäre Raum für weitere Truppen schön gewesen
Generell sind die neuen Space Wolves sowohl schnell als auch Nahkampfstark. Selbst die Terminatoren bewegen sich mit 6 Zoll vorwärts. Auf der anderen Seite werden die Fernkampfwaffen keine große Lücken in gegnerische Reihen reißen, bedient man sich nicht aus dem Codex Space Marines.
Aber trotzdem haben es die Einheiten der Space Wolves in sich. Logan Grimnar, nur noch zu Fuß aber in Begleitung von zwei Wölfen, ist nicht nur im Nahkampf für leichte und schwere Gegner tödlich, er verteuert auch Befehle in seiner Nähe. Njall Stormbringer reduziert durch seinen Psiangriff die Fernkampfreichweite von getroffenen Truppen. Blood Claws können mit ihrer Fähigkeit vorrücken und angreifen, was sie in Windeseile an Gegner heranträgt. Der neue Wolf Priest kann gefallene Modelle wieder zum Leben erwecken und Arjac Rockfist ist für gegnerische Charaktere ein Todesurteil.
Der Nahkampfaspekt der Space Wolves wird immer wieder auch bei der Waffenauswahl deutlich. Die Wolf Guard Terminatoren haben im Vergleich mit ihren regulären Astartes Terminatoren Brüdern eine deutlich geringere Auswahl schwerer Waffen. Jedoch sind ihre Power Weapons wesentlich tödlicher und sie lassen sich zusätzlich mit einem Invulnerable Save durch ihr Storm Shield ausstatten.
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den unterschiedlichen Dreadnaughts oder den Intecessor ähnlichen Grey Hunters.
Abgespeckt und einseitig? In der Tat ergeben sich durch die Abwesenheit wirkungsvoller schwerer Waffen oder Inflitrator- und Scouteinheiten einige Lücken in der Auswahl. Um einige Verstärkungen aus dem Codex Space Marines wird man nicht herumkommen. Versteht man die neue Space Wolves Codex-Ergänzung jedoch als Möglichkeit, einer regulären Space Marine Armee etwas mehr Charakter zu verleihen, sind die enthaltenen Einheiten thematisch durchaus passend. Die mit schweren Waffen ausgerüsteten Long Fangs und die Wolf Scouts werden dann durch die entsprechenden regulären Space Marine Einheiten dargestellt werden müssen, auch wenn diese beispielsweise bei der Bewegungsweite dann deutliche Unterschiede aufweisen.
Crusade
Im Reich der Sagen und Mythen darf natürlich auch eine ordentliche Kampagne nicht fehlen. Der Abschnittt Oathsworn Campaigns schließt sich nahtlos an den Kampagnenmodus des Codex Space Marines an. Bei diesem Modus geht es darum, durch Schlachten Honour Points zu gewinnen und seine Charaktere immer weiter zu verbessern. Zudem wird für jeweils drei Schlachten eine Oathsworn Campaign gewählt, die weitere Honour Points bietet und zusätzliche Requisitions und eine von jeweils drei zusätzlich gewählten Agendas eröffnen.
Die Codex-Ergänzung: Space Wolves enthält drei Oathsworn Campaigns, die sich am Hintergrund des Ordens orientieren. In Worthy of a Saga geht es darum, besonders lohnende Ziele auszuschalten. Glory Seekers bietet Charakteren die Möglichkeit durch das Erfüllen von einem oder mehreren gewählten Boasts (Prahlereien) sowohl Erfahrungspunkte als auch Honour Points zu gewinnen. In Hunters Unleashed wird die Jagd und das Anstürmen thematisiert.
Neben neuen Charaktereigenschaften, Angendas, Requisitions, Relics und Traits beinhaltet der narrative Teil den sehr spaßigen Mechanismus der Lone Wolves. Wird im Laufe der Kampagne als Folge einer Schlacht eine Einheit zerstört, kann man diese auch durch einen letzten Überlebenden, den Lone Wolf, ersetzen. Dieser mächtige Krieger wird mit jeder weiteren Battlescar noch stärker, bis er schließlich sein ehrenvolles Ende findet.
Das Kampagnenkapitel ist ein gelungener Abschluss des Codex. Wer bisher das narrative Spiel gemieden hat, sollte dies mit diesem Codex unbedingt ändern!
Die harten Fakten:
- Verlag: Games Workshop
- Erscheinungsjahr: 2025
- Sprache: Deutsch/Englisch
- Alter: ab 12
- Preis: 26 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, KuTaMi
Bonus/Downloadcontent
Neben den in der neuen Codex-Ergänzung enthaltenen Detachments bleibt auch das Grotmas-Detachment aus dem Advent 2024 weiter aktuell. Dies findet sich auf der Seiter der Warhammer Community.
Fazit
Die Codex-Ergänzung: Space Wolves bietet eine atmosphärisch dichte Darstellung des Ordens und unterstreicht die Besonderheiten der Space Wolves sowohl im Hintergrund als auch auf dem Spielfeld. Die drei Saga-Detachments ermöglichen unterschiedliche Spielstile und betonen den narrativen Charakter der Armee, während das Crusade-Kapitel gelungene Anreize für erzählerische Kampagnen liefert – inklusive des thematisch passenden Lone-Wolf-Mechanismus.
Demgegenüber stehen jedoch deutliche Einschränkungen bei der Einheitenauswahl. Der Wegfall zahlreicher einzigartiger Space Wolves-Modelle sowie der Verzicht auf schwere Waffen und spezialisierte Unterstützungsoptionen führen zu spürbaren Lücken in der Armeezusammenstellung. In vielen klassischen Spielsituationen werden Ergänzungen aus dem Codex Space Marines notwendig, was das Profil der Space Wolves als eigenständige Armee relativiert.
Insgesamt stellt das Supplement eine solide Erweiterung dar, die vor allem für Spieler*innen interessant ist, die den Fokus auf den erzählerischen Aspekt und die Eigenheiten des Ordens legen. Wer hingegen eine vielseitig aufgestellte und vollständig autarke Space-Wolves-Armee erwartet, wird Kompromisse eingehen müssen.

- Dichte Hintergrundtexte, stimmiger Einblick in Fenris und den Orden.
- Gelungene Umsetzung der Armeeidentität als Nahkampfarmee.
- Gekonnte Umsetzung des narrativen Spiels inklusive Crusade-Mechanismen.
- Deutliche Reduktion der Einheitenauswahl mit Wegfall ikonischer Modelle.
- Fehlende schwere Waffen und spezialisierte Unterstützungseinheiten.
- Notwendigkeit, auf den allgemeinen Codex Space Marines zurückzugreifen, um Lücken zu schließen.
Artikelbilder: © Games Workshop Ltd.
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Nina Horbelt
Fotografien: Geoffrey Förste
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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