Der Roman Im Schatten Simyalas basiert auf dem gleichnamigen DSA-Abenteuer und verfolgt zwei Gruppen von teils unfreiwillig zusammengeworfenen Abenteuersuchenden. Dabei kommen sie einem Plan des Namenlosen Gottes in die Quere, welcher ohne ihr Einschreiten das Reich in den Untergang stürzen wird. Ob es soweit kommt, erfahren wir im Auftaktroman zu dieser Reihe.
Romane, die im Universum des beliebten Rollenspiels Das Schwarze Auge spielen, gibt es mittlerweile einige. Nun haben sich mit Lena Falkenhagen und Thomas Finn zwei alte Hasen mit viel Erfahrung in diesem Bereich wieder einmal zusammen getan. Anknüpfend an die erfolgreiche Umsetzung der Phileasson-Saga von Bernhard Hennen und Robert Corvus setzen die beiden Autor*innen ihre ursprünglich im Jahr 2000/2001 geschaffene (und 2007 überarbeitete) gleichnamige Kampagne als Roman in vier Bänden um. Ruinen der Elfen ist der erste dieser vier Bände, der zweite folgt im Sommer 2025 und trägt den Namen Bote der Finsternis.
Besonders spannend an der Umsetzung einer solchen Geschichte in einer Welt, welche nicht nur eine hohe Komplexität, sondern auch extrem viel Tiefe besitzt, ist die Frage, ob neben den eingefleischten Fans auch Neulinge oder Lesende, die das Universum überhaupt nicht kennen, Freude an dem Roman haben können. Die kurze Antwort darauf lautet: Ja! Ruinen der Elfen funktioniert auch wunderbar als High-Fantasy-Roman, wenn auch der Einstieg etwas überwältigend sein kann.
Erwähnung von Suizid, Spinnen
Inhaltsverzeichnis
Story
Im Herz des Mittelreichs liegt der düstere und sagenumwobene Reichsforst, der den Elfen der Vorzeit Schutz und Heimat war. Und inmitten dieses Urwaldes liegen die Ruinen Simyalas, einer der mythischen Städte der Hochelfen. So zumindest heißt es, aber seit langem hat niemand mehr die Geheimnisse des Reichsforsts genauer untersuchen können. Doch Böses scheint sich dort zu regen und Pläne zu verfolgen, welche das Reich ins Chaos stürzen könnten.
Auf dem Weg zu einer Einladung in die Baronie Falkenwind am Rande des Reichsforsts trifft der Adlige Wulfhardt von Rabenmund auf zwei verunglückte Fahrende. Die Scharlatanin Franya und der Halbelf Lindion sind noch dabei ihren Karren aus dem Dreck zu ziehen, als plötzlich jemand nach Hilfe ruft und das ungewöhnliche Gespann daraufhin in einen Kampf gezogen wird, welchen sie so nicht erwartet haben. Die Konsequenzen folgen auf dem Fuße, denn die Implikationen dieses Überfalls auf eine geweihte Priesterin kann kein Zufall sein – schon gar nicht so kurz vor den Namenlosen Tagen.
Im Norden Aventuriens wartet die Skaldin Eyvin sehnsüchtig auf die Rückkehr ihrer Geliebten Ragna, welche sich auf einem Raubzug befindet. Doch die Freude nach der Rückkehr ist nur kurz, denn mit den Heimkehrenden kam auch ein mysteriöser Mann namens Leif Katlasson in das Dorf Svegan, der behauptet, ein alter Weggefährte von Beorn dem Blender zu sein – jenem außergewöhnlichen Mann, der zusammen mit Asleif Phileasson das Abenteuer der Weltumseglung auf sich genommen hatte. Beorn ist jedoch verschwunden und nur Eyvin, seine leibliche Tochter, soll ihn finden und aus den Fängen einer Elfin befreien können, in welchen er sich befindet. Erst nach dem Angriff eines Drachen auf ihre Siedlung ist Eyvin bereit, sich der Suche zu stellen und gemeinsam mit Leif begibt sie sich nach Havena, um das dortige Schwarze Auge zu befragen. Doch an dieses heranzukommen, gestaltet sich mehr als schwierig und benötigt ungewöhnliche Verbündete.
Die Geschichte, die in zwei voneinander unabhängigen Handlungssträngen erzählt wird, wartet mit klassischen phantastischen Wesen wie Drachen, Elfen und Orks auf, genauso wie mit typischen Motiven von Verrat, Freundschaft und Zusammenhalt in brenzligen Situationen. Im Schatten Simyalas macht hier keine Experimente und die Lesenden bekommen eine Queste vom Feinsten, welche sich tatsächlich wie eine ausgeschriebene Rollenspielkampagne anfühlt – inklusive Konsequenzen scheinbar verbockter Würfelwürfe. Kenner*innen der Welt um Das Schwarze Auge werden sich sofort in den beschriebenen Gefilden heimisch fühlen. Neulinge könnten vor allem am Anfang von den ganzen Namen der Orte, Personen, Götter und vergangenen Ereignisse überwältigt sein. Im Laufe des Romans werden diese Erwähnungen allerdings weniger und die wiederkehrenden Begrifflichkeiten sind den Lesenden dann bekannt. Trotzdem wäre es sicher für einen Roman, welcher auf dem Klappentext nicht als DSA-Roman erkenntlich ist, besser gewesen, wenn etwas weniger auf vergangene Ereignisse referenziert worden wäre. Dies hat an der einen oder anderen Stelle nicht nur für Fragezeichen beim Lesen gesorgt, sondern auch von der eigentlichen Handlung abgelenkt.
Allerdings ist nicht nur die Handlung gut gelungen, auch wenn es sich lediglich um den Auftaktroman einer längeren Reihe handelt, der sich auch als sehr langer Prolog verstehen könnte, sondern besonders die Charaktere stechen heraus. Erwähnenswert ist hier vor allem der Halbelf Lindion, welcher nicht nur geschickt mit dem Bogen ist, sondern auch mit der Laute und daher immer wieder Lieder zum Besten gibt, welche die Handlung stimmungsvoll ergänzen. Aber auch der griesgrämige Wulfhardt, die kreative Illusionistin Franya und die Skaldin Eyvin bekommen eine glaubhafte Charakterentwicklung. Weitere Nebenfiguren wie der Halbork Alrik und die Diebin Vika werden sicherlich in den weiteren Teilen der Reihe noch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die bisherigen Charaktere versprechen also allesamt viel Potential für eine spannende Gruppenzusammensetzung auf der Reise im Kampf gegen den Namenlosen Gott.
Schreibstil
Trotz der Zusammenarbeit von zwei unterschiedlichen Autor*innen für Im Schatten Simyalas gibt es keinen merklichen Bruch zwischen den Schreib- oder Erzählstilen. Der Roman wirkt wie aus einem Guss, was dem Lesefluss zugute kommt. Vor allem im ersten Drittel des Romans wird viel Zeit aufgewendet, die Welt und die wichtigen handelnden Personen zu beschreiben. Dies ist bei der Menge an Hintergrund, die es zu kennen gibt, zwar notwendig, kann allerdings für die eine oder andere lesende Person überwältigend sein. Für die bildhafte Darstellung im Kopf sorgen die ausschweifenden Beschreibungen von Landschaft, Baukunst und Kleidung, sodass es leicht fällt, sich alles detailliert vorzustellen. Durch das Einweben längerer Beschreibungen kann es hier und da etwas dauern, bis die nächsten Dialoge oder spannenden Sequenzen auftreten. Insgesamt ist das Erzähltempo für einen ersten Roman einer Reihe allerdings angemessen.
Die Autor*innen
Die Romanreihe wird von den beiden renommierten Autor*innen Lena Falkenhagen und Thomas Finn verfasst, welche beide schon im DSA-Universum diverse Roman- und Abenteuerpublikationen verantwortet haben.
Lena Falkenhagen ist mehrfach ausgezeichnete Autorin von Romanen, Computerspielen und Rollenspielen und lebt heute in Hamburg. Ihre Expertise in diesen Bereichen gibt sie in einer aktuellen Professur für Games Art und Design an einer privaten Kunsthochschule an die nächste Generation weiter. Zusätzlich ist sie bekannt durch ihr Engagement in der LARP-Szene und ihren dazu passenden aktuellen Podcast.
Thomas Finn, geboren 1967 in den USA, hat sich in der deutschen Rollenspiellandschaft als Autor diverser DSA-Abenteuer seit 1998 einen Namen gemacht. Mittlerweile hat er mit aventurischen Romanen, Kurzgeschichten und drei mehrbändigen Romanen in der phantastischen Belletristik Fuß gefasst, verfasst aber zwischendurch auch mal Drehbücher und Theaterstücke.
Erscheinungsbild
Das Cover wurde passend zum Inhalt des Buches gestaltet und ist ein Blickfang. Vor allem der imposante weiße Hirsch, welcher im Buch eine wichtige Rolle spielt, und die mystisch gestaltete Umgebung lösen direkt beim Anschauen Abenteuergefühle aus. Der Klappentext verspricht ebenfalls eine High-Fantasy-Saga und macht neugierig, ohne bereits zu viel vom Inhalt zu verraten. Es wird hier auch noch nicht darauf eingegangen, dass es sich um einen Roman aus dem Das Schwarze Auge-Universum handelt. Auf der vorderen Klappbroschur befindet sich zusätzlich noch ein Ausschnitt aus dem Roman selbst, welcher mit seinem dunklen Ton auf den epischen Inhalt einstimmt. Insgesamt ist das Erscheinungsbild stimmig und verspricht nichts, was nicht später auch gehalten wird.
- Verlag: Piper
- Autor*innen: Lena Falkenhagen, Thomas Finn
- Erscheinungsdatum: 27.02.2025
- Sprache: Deutsch
- Format: Paperback
- Seitenanzahl: 512
- ISBN:978-3492709613
- Preis: 17,00 EUR (Print) + 5,99 EUR (E-Book)
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Bezugsquelle Fachhandel, Amazon
Bonus/Downloadcontent
Insgesamt sind dem Roman drei Karten aus Aventurien beigelegt. Auf der inneren Klappbroschur sehen wir eine hochwertig kolorierte Detailkarte des Reichforsts inklusive der umliegenden Ortschaften. Dem Roman vorangestellt, folgen dann noch zwei weitere Karten in monochromer Farbe, welche einmal wichtige Ortschaften auf dem Stadtplan von Havena darstellt und eine weitere Karte als Übersicht über ganz Aventurien als zentralem Handlungsort. Leider sind die Texte auf den monochromen Karten sehr klein und schwer zu lesen. Hier hätte sich eine Anpassung an Format und Größe des Taschenbuchs gelohnt. Am Ende des Romans ist dankenswerterweise für Einsteiger*innen in die Welt von DSA noch ein Glossar wichtiger Begrifflichkeiten und des göttlichen Pantheons eingefügt.
Fazit
Der neue Roman aus der Feder der bekannten Das Schwarze Auge Autor*innen Lena Falkenhagen und Thomas Finn überträgt die beliebte Kampagne der beiden in eine vierbändige Reihe.
Im Mittelreich Aventuriens regt sich der Namenlose Gott und plant, das Reich ins Chaos zu stürzen. Die Gruppe aus dem Adligen Wulfhardt, der Scharlatanin Franya und dem Halbelfen Lindion wird in die Ränke hineingezogen, als sie einer Geweihten zu Hilfe kommen. Gleichzeitig wird die Skaldin Eyvin im hohen Norden dazu auserwählt, einem Weggefährten ihres Vaters Beorn dem Blender zu helfen, diesen zu finden und zu befreien. Ihr Weg führt sie in die Hafenstadt Havena, welche mit Gefahren, Verrat aber auch unerwarteten Bündnissen aufwartet.
Der Auftakt der Romanreihe ist wunderbar gelungen und Fans von epischen Held*innengeschichten werden genauso auf ihre Kosten kommen wie eingefleischte Fans des Rollenspiels. Einzig die vielen Referenzen im Roman auf Begebenheiten und Besonderheiten der DSA-Welt könnten für die eine oder andere unbedarfte lesende Person etwas zu viel sein. Dennoch ist der Roman sehr empfehlenswert und das Ende der Geschichte macht Lust auf den nächsten Band, welcher im Sommer 2025 erscheinen wird.

- Start einer epischen Queste
- Spannende unterschiedliche Charaktere
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Einnehmender Schreibstil
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Ohne DSA-Wissen etwas komplex zu Beginn
Artikelbilder: © Piper
Layout und Satz: Konstantin Paessler
Lektorat: Giovanna Pirillo
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