Am 29.03.2025 fand im Gelsenkirchener Wohnzimmer, einem Kulturzentrum, die erste Hauscon des Verlages System Matters statt. Etwa 70 Besucher*innen lauschten informativen Vorträgen, testeten Spielsysteme des Verlages und genossen den Tag in freundschaftlicher Atmosphäre. Kurzum eine gut gelungene erste Convention der Veranstalter.
keine üblichen Trigger vorhanden
Willkommen im Wohnzimmer
Mittags um 12 Uhr gab es den Startschuss für die erste Hauscon des Verlages System Matters, die in Gelsenkirchen ein Heimspiel hatte. Bei Ankunft an der Örtlichkeit wurde für alle Nicht-Gelsenkirchener*innen hier einmal sehr treffend frei nach dem Autor Frank Goosen deutlich: „Man guckt raus und denkt sich: Schön is dat nich.“ Betrat man allerdings die Location, erblickte man einen sehr gemütlichen Hof mit vielen Sitzgelegenheiten und Dekorationen im Vintage-Stil. Die Treppe hoch erwartete einen die Anmeldung, wo jede*r Teilnehmende einen Lanyard mit Namen, Infomaterial, Goodies und die Speisekarte für die abendliche Pizzabestellung erhielt. Ebenso bekam man dort die Tasse für die Kaffee und- Tee-Flat, die von vielen Teilnehmenden gebucht wurde.

Die Räumlichkeiten selbst befanden sich eine weitere Etage höher, die leider ebenso nur über eine Treppe zu erreichen war. (System Matters hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass die Location leider nicht barrierefrei sei.) Auf der einen Seite befand sich der Raum für die Spielrunden mit einem Verkaufsstand für Getränke und Snacks, sowie der Kaffee- und Teetheke für Flat-Inhaber*innen. Auf der anderen war ein Raum für die Workshops und im hinteren Teil, noch einmal abgetrennt, befand sich ein kleiner Verkaufsraum. Betrat man die Räumlichkeiten, war einem klar, warum es sich Wohnzimmer nannte: es war gemütlich eingerichtet, alles Vintage. Kurzum: Wie bei Omma inne Bude (Ruhrgebietsdeutsch für: wie in Großmutters Wohnung).

Bei den Spielrunden konnte man sich im Vorfeld anmelden, am Tag selbst musste man Glück haben, um eventuell den Platz eines nicht erschienenen Teilnehmenden einzunehmen, denn alle Plätze waren bereits vor Beginn der Veranstaltung ausgebucht. Angeboten wurden Spielrunden für: Mausritter, Dungeon Crawl Classics, Beyond the Wall, Electric Bastionland, Eco Mofos, Brindlewood Bay, Fantasy Age, Dungeon World, Mythos World, Trophy Gold, Fate, sowie eine Testrunde mit dem Autor Michael Fuchs für das System Xoxo.
Alle Systeme werden erwartungsgemäß von System Matters verlegt, sodass man die Möglichkeit hatte, die verschiedenen Systeme auszuprobieren und zu schauen, ob einem das Genre, beziehungsweise das Regelwerk zusagt.
Die Workshops
Der Raum, in dem die Workshops gehalten wurden, war auch der Raum, in dem die Eröffnung der Con stattfand. Vorgetragen wurde zu folgenden Themen: „SL-Tipps für Electric Bastionland“, „Ducks and Dungeons“, „Spielfilme: Die Welt des Horrors“ und „Hilfe, meine Kämpfe sind langweilig!“ Des Weiteren gab es eine Gesprächsrunde zum Thema Rollenspiele übersetzen und einen Ausblick über Dinge, die noch kommen mögen. Ein Workshop zu Wanderhome entfiel leider aufgrund einer Erkrankung des Referenten.

Besonders hörenswert war der Vortrag „Ducks and Dungeons“, wo Daniel Neugebauer Parallelen zwischen Pen-and-Paper und Entenhausen ausmachte. Ein Blick in Lustige Taschenbücher lohnt sich oftmals, da die Abenteuergeschichten der Familie Duck viele Elemente enthalten, aus denen gute Abenteuer bestehen. Meist gibt es etwas, das es zu finden gilt, tolle Gimmicks (Artefakte), die aber entweder überraschende Nebeneffekte besitzen und/oder am Ende der Geschichte kaputt gehen und natürlich Antagonist*innen. Gerne werden die Abenteuer mit der Suche vom Kleinen zum Großen aufgebaut, es werden tolle Bilder der Umgebung erzeugt und oftmals spielt ein Mysterium eine große Rolle. Es tun sich mittendrin weitere Hindernisse und Gefahren auf. Es lohnt sich für Spielleitende, sich einmal mit diesen Geschichten zu beschäftigen.
Ebenso interessant für Spielleitende des Horror-Genres war der Vortrag über Horrorfilme. Es gibt eine Vielzahl an Filmen, die sich als Inspiration eignen. Teilweise stammen diese aus den Siebzigern und Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts und sind qualitativ (aus heutiger Sicht) eher schlecht, jedoch liefern die Ideen dahinter gerne mal Anhaltspunkte für Abenteuer am Spieltisch. Genannt wurden Filme wie Frankensteins Braut (1935), Dark Star – Finsterer Stern (1973), Stalker (1979), aber auch Filme vom Anfang dieses Jahrtausends wie The Descent (2005) und 10 Cloverfield Lane (2016).

Ebenfalls gab es hilfreiche Tipps für Spielleitende zum Spiel Electric Bastionland, die sich aber zum Teil auch als Ideenfunke für andere Systeme eignen. Systemübergreifend war auch der Workshop „Hilfe, meine Kämpfe sind langweilig!“ Daniel Neugebauer und Andreas Melhorn, Autor des Buches Abenteuer gestalten, gaben spannende Tipps zu Kämpfen am Spieltisch. Warum tendieren Kämpfe gerne einmal dazu, langweilig zu werden und wie kann man dem Abhilfe schaffen?
In einer Gesprächsrunde zum Thema „Rollenspiele übersetzen“ wurde darüber gesprochen, welche Herausforderungen und Hürden es gibt, wenn Rollenspiele ins Deutsche übersetzt werden. Mit dabei waren haupt- und nebenberufliche Übersetzer*innen, die einen Einblick in ihre Tätigkeit gaben. Zum Beispiel kann es verzwickt sein, wenn man einen Folge- oder Zusatzband zu einem System übersetzt, denn die Terminologie und der Stil der bereits erschienenen Werke sollte beibehalten werden.

Zum Ausklang der Convention wurde ein Film gezeigt, der den Abend abrundete: Captain Kronos – Vampirjäger. Dieser Film wurde im Jahre 1974 gedreht, erschien allerdings erst 2004 auf Deutsch. Horst Janson, bekannt aus der Sesamstraße, spielt den Offizier Captain Kronos, der mit seinem Gehilfen Professor Grost einem Ausbruch von Vampirismus auf die Spur kommt. Dazu durfte natürlich eine Tüte Popcorn nicht fehlen.
Die Workshops selbst wurden auf Kassette (die Älteren mögen sich an dieses Medium erinnern) aufgenommen und sollen später im eigenen System Matters Podcast veröffentlicht werden (zu hören auf der Website des Verlages oder bei Spotify).
Neuheiten
Es wurden einige Neuheiten angekündigt. Unter anderem erscheint Pirate Borg auf Deutsch, ein Piraten-Rollenspiel, kompatibel mit Mörk Borg. Ebenso wurde das düstere Fantasy-Rollenspiel Warlock vorgestellt, was bereits schon erhältlich ist, dazu das Solo-Rollenspiel Thousand Year Old Vampire. Zwei Abenteuer wurden ebenfalls neu veröffentlicht: Brindlewood Bay: Tod unter Tage und Paten von Lankhmar für Dungeon Crawl Classics.
Neu ist auch ein kleines Live-Tisch-Rollenspiel namens Arsen und Intrigen, welches von Agatha Christies Romanen inspiriert wurde. Es ist einsteigerfreundlich und benötigt weder Vorbereitung, noch eine Spielleitung und ist immer wieder spielbar, da sich sowohl Charaktere, als auch Handlung mit jeder Partie ändern.
Fazit
Die erste Con Matters war aus Sicht der Besuchenden ein voller Erfolg, es gab durchweg positive Resonanz und auch von Veranstalterseite war das Heimspiel sehr erlebnisreich. Alle 70 Tickets für Besuchende waren schon im Vorfeld ausverkauft und die Spielrunden ausgebucht. Die Location war gemütlich und familiär und in unmittelbarer Nähe waren ausreichend Parkplätze vorhanden.
Die Spielrunden waren ausgebucht und die Spieltische durchgängig besetzt. Die Runden waren sowohl für System-Neulinge als auch erfahrene Spieler*innen geeignet. Lediglich der Lautstärkepegel war eine Herausforderung, da die Spieltische recht dicht aneinander standen. Charakterbögen und benötigtes Spielmaterial wurde gestellt, dennoch brachten viele Spielenden ihre eigenen Würfel mit, damit würfelt es sich erfahrungsgemäß immer noch am besten. Auf den Tischen lag Infomaterial zu den angebotenen Spielen aus. Positiv aufgefallen ist eine schwarze Karte mit einem großen, weißen X. Diese Karte diente dazu, dass Spielende signalisierten konnten, dass das aktuelle Thema am Spieltisch belastend für die Psyche war. Mit hochhalten oder antippen der Karte konnte dies signalisiert werden und dieses Thema wurde kommentarlos übersprungen.

Der Verkaufsraum war recht klein. Dort gab es neben den System Matters-Artikeln auch zwei Kisten mit gebrauchten Rollenspielbüchern, welche per bring & buy verkauft wurden. Man konnte also gebrauchte Rollenspielbücher mitbringen und am Stand wurden diese dann im Auftrag verkauft. Der Stand des Verlages hatte recht wenig Ware (meist nur Ansichtsexemplare) da, doch da das Lager in unmittelbarer Nähe der Location war, wurde das gewünschte Produkt innerhalb kurzer Zeit gebracht, weswegen die Auslage der Ansichtsexemplare absolut ausreichte.
Die Workshops waren informativ und unterhaltsam. Der Vortrag über die Horrorfilme wurde spontan in die Länge gezogen, da der nachfolgende Referent erkrankt war. So wurde die Zeit optimal genutzt. Es lohnt sich, sich die Vorträge später online einmal anzuhören, besonders wenn man spielleitet.
Als Verpflegung gab es besagte Tee- und Kaffeeflat, aber auch eine Theke, an der Getränke und Snacks erworben werden konnten. Am Abend wurde Pizza bestellt und für alle, die bis dahin kulinarische Gelüste hatten, war ein Discounter fast nebenan. Für den Film am Abend wurde frisches Popcorn zubereitet, was den Abschluss der Convention hervorragend abrundete.
Bisher gibt es noch keine offiziellen Informationen dazu, aber der Erfolg der ersten Con Matters lässt auf eine Fortsetzung hoffen.
Artikelbilder: © Sabrina Höhne
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Nina Horbelt


















