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2025 beginnt und bei Magic: The Gathering ändert sich eine ganze Menge. Die Produktpalette wird dieses Jahr merklich umgestellt und in der Community hat dies große Diskussionen ausgelöst. Doch sind die Änderungen eine gute oder schlechte Entscheidung? Wir wagen mit euch einen Blick in die Zukunf.

Triggerwarnungen

Keine Trigger

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Manchmal haben wir von Teilzeithelden das große Glück zu den Pressekonferenzen von Wizards of the Coast eingeladen zu werden. Dort werden uns dann, zusammen mit großen renommierten Spieleseiten und Zeitschriften aus der ganzen Welt, die neuen Produkte vorgestellt. Und normalerweise erwartet einen bei einem solchen Presse-Briefing ein kleiner Einblick ins nächste Set mit ein paar neuen Karten. Als wir dieses Mal jedoch zu einer solchen Sitzung eingeladen wurden, war der Inhalt merklich bedeutsamer. Das neue Konzept für das Jahr 2025 und, nach aktueller Planung, die nachfolgenden Jahre wurde vorgestellt und wir schlackerten merklich mit den Ohren. Als kurz darauf die offizielle Bekanntgabe bei der MagicCon in Las Vegas stattfand, war die Reaktion entsprechend. Doch was ist eigentlich passiert?

Und plötzlich war alles anders – Das neue Set-Konzept

Bisher war es so, dass unterschiedliche Sets im Jahr unterschiedliche Formate bedienen sollten. Neben Sets wie beispielsweise Bloomburrow oder Thunder Junction, die gezielt auf das Standard-Format ausgelegt waren, gab es jedes Jahr auch mindestens ein Produkt, das auf das Modern-Format ausgelegt ist. Letztes Beispiel war dafür Modern Horizons 3, das die Meta von Modern ordentlich durcheinandergewirbelt hat.

Darüber hinaus gibt es bei Magic: The Gathering schon eine ganze Weile sogenannte Jenseits des Universums-Produkte. Bei diesen bedient man sich nicht bei den bekannten Hintergründen der verschiedenen Ebenen wie Ravnica oder Innistrad, sondern nutzt andere Hintergründe wie Transformers, Jurassic Park oder auch Dr. Who. Gemeinsam hatten all diese Produkte, dass sie nur für die sogenannten Eternal-Formate, das heißt Legacy, Vintage und Commander, legal wurden. Die klare Ausnahme stellte hier Assassins Creed dar, das zwar für Modern zugelassen ist, dort aber keinen ernsten Einfluss entwickelte.

Assassins Creed enthielt zwar coole Karten, konnte aber keine Begeisterungsstürme auslösen
Assassins Creed enthielt zwar coole Karten, konnte aber keine Begeisterungsstürme auslösen

Diese beiden bisherigen Konstanten ändern sich ab 2025 grundlegend. Zunächst werden alle kommenden Sets Standard legal. Das im Januar erscheinende Innistrad Remastered wird auf längere Zeit das letzte Set sein, das Format-Einschränkungen hat. Die Karten aus diesem Set bleiben schlicht in den Formaten legal, in denen sie dies vorher waren, wie man es auch bei bisherigen Remastered Sets erlebte. Alle anderen sechs(!) Sets im Jahr 2025 werden legal in Standard. Und unter diesen finden sich mit Final Fantasy im Juni, Spiderman im Herbst und einem noch nicht näher benannten Jenseits des Universums-Set kurz vor Weihnachten drei Produkte, die nicht den klassischen Magic: The Gathering Kanon bedienen. Doch ist das nun gut oder schlecht?

Teferi gegen Sephiroth – Jenseits des Universums für die breite Masse?

Schon als die ersten Jenseits des Universums-Produkte auf den Markt kamen, war die Magic: The Gathering-Spieler*innenschaft extrem gespalten über die Neueinführung. Auf der einen Seite wurde die Erweiterung des bestehenden Horizontes begrüßt. Die einen fanden darin Franchises wieder, die sie selbst gerne mochten, die anderen hofften dadurch neue Spieler*innen von dem altehrwürdigen Sammelkartenspiel überzeugen zu können. Andere wiederum trieb die Sorge um, dass der Kernhintergrund darunter leiden könnte. Schließlich hat Magic: The Gathering einen ausgeformten Hintergrund, der über eine Vielzahl von Jahren gewachsen ist und von verschiedenen Charakteren getragen wird. Verbunden war eine solche Sorge auch damit, dass der Kern des Spiels verloren gehen würde, wie man diesen auch definieren mag.

Damals wurde von Seiten von Wizards of the Coast erklärt, dass man sich an diesen Produkten nicht stören müsste. Sie wären eben potenziell kein Produkt für alle Konsument*innen. Auch wenn die Argumentation schon damals schwierig war, gab es im Walking Dead Secret Lair bereits einzigartige Kreaturen, die nirgendwo sonst zu finden waren. Zwar haben diese inzwischen einen thematischen Nachdruck innerhalb des Hintergrundes von Magic: The Gathering erhalten, aber eine Vielzahl von Karten eben nicht. Lara Croft, Optimus Prime, die Doktoren aus Dr. Who und unzählige andere Karten aus verschiedenen Franchises haben keine Variation ihrer selbst innerhalb des MtG-Hintergrundes bekommen, sondern müssen, wenn man sie nutzen will, im jeweils doch oft modernen Artwork eingesetzt werden.

Auch hier war zumindest die verbreitete Meinung in vielen Diskussionen, dass die entsprechenden Karten für das Commander-Format gedacht sind, das durch seine Ausrichtung als meist eher gemütliches Beisammensein denn als ernstes Turnierformat eben mehr Freiheiten bieten konnte. Dies hat sich mit Herr der Ringe schon länger im Modern-Format geändert, schwappt jetzt aber in Standard-, Pioneer- und auch in die Limited-Formate Draft und Sealed herüber. Ob einen das stört, ist natürlich höchst subjektiv, man kann sich dem aber, wenn man die aktuellen Sets spielen möchte, de facto nicht mehr entziehen.

Noch subjektiver und hypothetischer wird wohl die Frage zu beantworten sein, ob dadurch der Hintergrund von Magic: The Gathering leiden wird. Natürlich werden die Jenseits des Universums-Sets nicht in den bestehenden Hintergrund eingebunden, aber die Frage ist, ob der Hintergrund weiter konsistent fortgeführt wird, wenn sich nur noch jedes zweite Set mit den eigentlichen Ebenen-Welten auseinandersetzt. Auf der anderen Seite war bei der letzten setübergreifenden Kampagne die Omenpfade das große Ziel noch nicht erkennbar, so kann man durchaus hoffen, dass etwas Zeit zwischen Kampagnen-Sets zu einem sich besser entfaltenden Hintergrund führt. Fairerweise ist für viele Spielende der Hintergrund aber nur das nette Beiwerk, um hübsche und effektive Karten in der Hand zu behalten. Doch was macht eigentlich der Wegfall der Modern-Sets mit dem Power-Level der Standard-Sets?

Bald wird auch Final Fantasy an den Magic Tischen auftauchen
Bald wird auch Final Fantasy an den Magic Tischen auftauchen

Rauf oder Runter – Eine Prognose zur Entwicklung des Power-Levels der kommenden Sets

Wie aufmerksame Lesende unserer letzten Artikel zu den aktuellen Magic: The Gathering-Sets feststellen konnten, schwanken die Auswirkungen einzelner Sets auf die Turnierlandschaft merklich. Anders als in den 90ern, als auf den damals grotesk starken Urza-Block der Merkadische-Masken-Block folgte, der als äußerst schwach galt, ist heutzutage eine gewisse Ambivalenz festzustellen. Manche Karten, wie die Überwachen-Länder aus Mord in Karlov Manor erleben gerade eine verspätete Blüte, während andere Karten, die zunächst hoch gehandelt wurden, merklich an Einfluss verloren haben.

Karten wie das Ozelot-Rudel wären in Standard viel zu stark
Karten wie das Ozelot-Rudel wären in Standard viel zu stark

Kritisch kann jedoch der Umstand werden, dass diese Standard-Sets jetzt nicht nur Standard, sondern neben Pioneer auch Modern bedienen sollen. Natürlich haben auch einzelne Karten aus bestehenden Standard-Sets, wie beispielsweise der Abscheuliche Oculus, ihren Weg in aktuelle Modern-Decks gefunden. Jedoch ist ein merklicher Teil der Karten in den meisten kompetitiven Decks aus vorherigen Modern-Sets. Wizards of the Coast hat natürlich, völlig zu Recht, ein Interesse daran, dass es immer wieder Änderungen in den aktuellen Turnier-Listen gibt. Ein Teil dieses Interesses ist wenig überraschend darin begründet, dass Spieler*innen weiterhin Booster und Einzelkarten kaufen sollen. Abseits dessen ist jedoch ein stagnierendes Turnier-Format nicht nur furchtbar langweilig, sondern irgendwann unweigerlich das Ende des entsprechenden Formates.

Abscheulicher Oculus ist eine der Karten, die auf viele Formate Einfluss genommen hat
Abscheulicher Oculus ist eine der Karten, die auf viele Formate Einfluss genommen hat

Wenn auf Jahre hinaus immer die gleichen Decks gespielt werden, nimmt das Interesse an Turnieren merklich ab. Bisher ist der frische Wind über das zuletzt jährliche Modern-Set in das Format gekommen. Jetzt muss diese Lücke von den Standard-Sets gefüllt werden. Und so ist unsere Prognose hier, dass wir in den kommenden Sets mehr starke Karten sehen werden, von der die ein oder andere eben auch dann wieder für Modern oder sogar Historic-Formate relevant wird. Ob das einem Standard oder Pioneer-Format dann wiederum gut tut, wird sich erst noch zeigen müssen. Fakt ist aber, dass Wizards of the Coast weiterhin Modern und Pioneer unterstützen und fördern wollen. Das kommende Großturnier im März in Utrecht zeigt dies deutlich, schließlich ist dort Modern das Turnier-Format.

Und wer bezahlt das? – Die Frage nach den Kosten der Kooperation

Die Kosten des Ganzen sind noch nicht absehbar
Die Kosten des Ganzen sind noch nicht absehbar

Die Frage nach den Kosten erscheint zunächst eine hypothetische zu sein, denn es liegen uns natürlich keine Zahlen vor. Trotzdem ist davon auszugehen, dass Kooperationspartner, wie beispielsweise Marvel oder Square Enix, ein großes Interesse daran haben, sich die Bereitstellung ihrer Markeninhalte ordentlich bezahlen zu lassen. Und dies sei ihnen aus vollem Herzen gegönnt. Dennoch bleibt der schale Beigeschmack, wer die Kosten für diese Nutzung am Ende tragen muss. Magic: The Gathering ist sowieso ein keineswegs günstiges Hobby. Booster-Displays sind in den letzten Jahren merklich teuer geworden und mit dem bald kommenden Set Ätherdrift wird die Anzahl der Booster pro Display von 36 auf 30 reduziert. Die meisten großen Onlinehändler haben dies auch eingepreist, so dass der Preis pro Booster zumindest im Augenblick noch stabil ist. Ob das bei jedoch Final Fantasy oder Spiderman so bleiben wird, ist noch völlig unklar. Mit einer Vergünstigung ist aber keineswegs zu rechnen.

Und wie wird es nun? – Ein Fazit

Zugegeben ist ein merklicher Teil einer Quo Vadis-Frage der Blick in die hauseigene Kristallkugel, aus der man versucht abzulesen, wie sich ein hochkomplexes Hobby entwickeln wird. Auch ich bleibe in dieser Frage höchst gespalten zurück. Auf einzelne Kooperationen, wie beispielsweise Final Fantasy, freue ich mich sehr. Auf der anderen Seite ist eine gute Limited-Umgebung wichtig als Einstiegspunkt für viele Spieler*innen, um erst mal in dieses hochkomplexe Spiel herein schnüffeln zu können.

Wenn man dann von steigenden Preisen oder Subgenres, die man eher mäßig findet, verprellt wird, ist dies eher schade. Natürlich hat Wizards of the Coast schon deutlich weiter als 2025 in die Zukunft geplant und somit ein deutlich größeres Ganzes im Blick, als man von der Seitenlinie überblicken kann. Zu hoffen bleibt aber definitiv, dass man sich kritisch mit den Stimmen der Spielenden auseinandersetzt, um im Zweifelsfall nachzusteuern, falls sich manche der Entscheidungen als nicht zielführend herausstellen.

Artikelbilder: © Wizards of the Coast
Titelbild: © Cat Collector MtG Art from  by 

Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Susanne Stark

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