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Was kann es Schöneres geben, als von einem bewaffneten Hasen verprügelt zu werden? Mit dem Standard-Set des Spätsommers 2024 wird es tierisch bei Magic: The Gathering. Wir haben uns für euch die unterschiedlichsten Tiere angeschaut und sind auf große Entdeckungstour gegangen.

Die letzten Magic: The Gathering-Sets haben völlig unterschiedliche Stile bedient. Sei es Crime Noir in Mord in Karlov Manor, Western in Outlaws of Thunder Junction oder ein Blick jenseits des Tellerrandes in Assassins Creed. Und jetzt niedliche Tiere? Wo kommen die denn plötzlich her? Bloomburrow entführt uns auf eine Ebene von Magic: The Gathering, wo keine Menschen existieren. Das hält die tierischen Protagonist*innen natürlich nicht davon ab, verrückte Abenteuer zu erleben. Doch bietet das Set mehr für die Meta als niedliche Tiere oder versucht man hier nur eine potenzielle Käuferschaft von Lorcana herüber zu locken? Wir haben die Mechaniken auf Herz und Nieren für euch getestet und schauen uns die Auswirkungen auf unterschiedlichste Formate an, von Standard bis Limited.

Triggerwarnungen

Fantasy-Gewalt

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Eine Maus, eine Fledermaus und ein Frosch gehen auf ein Abenteuer? – Der Hintergrund

Der Hintergrund von Bloomburrow hört sich auf den ersten Blick wie die typische Feen-Gute-Nacht-Geschichte an. Auf der Ebene Bloomburrow gibt es keine Menschen, sondern nur sprechende, kulturschaffende Tiere der unterschiedlichsten Größen und Arten. Wenn aus anderen Ebenen Menschen dorthin gelangen, werden diese für den Zeitraum ihres Aufenthaltes auf der Ebene ebenfalls in Tiere verwandelt. So wird aus dem Planeswalker Ral beispielsweise ein Otter und aus Jace ein Fuchs. Doch Unruhe herrscht im sonst so friedlichen Bloomburrow. Die größeren Tiere rund um die Eule Maha sind plötzlich furchtbar aufgebracht und beginnen die Dörfer der kleineren Tiere anzugreifen. Und so machen sich Mabella die Maus, Helga der Frosch, Hugs der Dachs, Zoraline die Fledermaus, Finneas der Hase und Gev die Eidechse auf den Weg, um die Gefahr abzuwenden und die Dörfer und Wesen in Bloomburrow zu retten.

Natürlich ist auch hier wieder nicht alles so wie es scheint, denn es zeigt sich, dass Maha bestohlen wurde. Glarb, der König der Frösche, hat Eier entwendet, um die größeren Tiere so zu kontrollieren und die Kontrolle über das komplette Tal zu erringen.

Zum Ende gelingt es unseren Protagonist*innen, die Ordnung wiederherzustellen, Maha zu beruhigen und den Frieden ins Tal zurückzubringen.

Die Geschichte ist ohne jede Frage nett erzählt und lässt einen an das ein oder andere Kinderbuch denken. Die Held*innen sind sympathisch, der Bösewicht ein echt mieser Kerl, eben wie man es aus einer Gute-Nacht-Geschichte erwarten würde. Untermalt wird dies durch unterschiedliche Charaktere aus dem Magic: The Gathering-Universum, die hier als Tiere auftreten. Die Geschichte ist somit lesenswert, bringt aber keinen großen Zugewinn für eine neue Kampagne, deren Anfang sie eigentlich darstellt. Wohin Wizards of the Coast mit einer zusammenhängenden Kampagne möchte, bleibt weiter unklar.

Die sind aber niedlich! – Mechaniken des Sets

Mit Bloomburrow bekommt Magic: The Gathering eine ganze Reihe neuer Fähigkeiten spendiert, bei denen man durchaus schnell den Überblick verlieren kann.

Die neuen in diesem Set sind Nachwuchs, Verschenken, Hamstern, Tapfer und Aufbieten.

Nachwuchs ermöglicht unterschiedlichen Kreaturen beim Ausspielen eine 1/1-Kopie ihrer selbst als Token mitzubringen. Diese Kreatur ist dann nicht so kampfstark, bringt aber alle anderen Fähigkeiten der Ursprungskarte mit. Die Kreaturen-Token sind dabei besonders niedlich ausgefallen, handelt es sich doch um die Jungtier-Variation der jeweiligen Kreatur.

Verschenken ist ein Effekt, der beim Ausspielen einer Karte genutzt werden kann. Hierbei erhält ein*e Gegner*in einen Vorteil, dafür wird der eigene Zauberspruch stärker. So verschenkt man beispielsweise eine Karte an eine* Gegner*in oder verteilt einen 1/1-Fisch-Token. Verschenken ist meist ein starker Effekt und eben nicht situativ.

Hamstern kann in unterschiedlichen Momenten aktiviert werden, wenn man entweder drei Karten aus dem eigenen Friedhof ins Exil schickt oder eine Speise opfert, um ebenfalls einen weiteren Effekt der entsprechenden Karte zu nutzen. Hamstern ist dabei merklich schwächer als Verschenken, ist es doch sehr situativ und von den Karten auf dem Spielfeld deutlich abhängiger.

Tapfer wiederum wird ausgelöst, wenn die entsprechende Kreatur das erste Mal pro Zug das Ziel einer eigenen Fähigkeit oder eines Zauberspruches wird. Entsprechende Kreaturen findet man vor allem in Rot und Weiß, wo diese in unterschiedlichen Formaten im Augenblick viel gespielt werden.

Aufbieten schlussendlich wird immer ausgelöst, wenn man pro Zug einen gewissen Manabeitrag für Zaubersprüche ausgegeben hat. Die entsprechenden Effekte sieht man leider schon früh kommen, Gegner*innen können sich daher gut darauf einstellen.

Insgesamt sind die neuen Mechaniken gut gelungen. Jedoch ist es problematisch, dass so viele neue Fähigkeiten auf einmal eingeführt wurden. Das kann sowohl erfahrene Spieler*innen, jedoch vor allem neue Teilnehmende am Hobby überfordern. Einstiegsfreundlichkeit ist hier daher nicht gegeben.

Ab in den Hasenbau! – Boostervarianten und Commander-Decks

Bloomburrow bietet uns die gesamte aktuelle Palette an Produkten, die auch die letzten Magic: The Gathering-Standard-Sets mit sich gebracht haben: Wir können aus Play-Boostern und Collector-Boostern wählen, um unsere Freude am Päckchen aufreißen zu befriedigen. Darüber hinaus bietet das Set vier Commander-Decks und ein Starter-Produkt, das aus einzelnen Decks besteht.

Play-Booster sind dabei, neben dem reinen Spaß am Aufreißen, auch für Limited-Formate wie Draft und Sealed gedacht. Hier erfüllen die Play-Booster, wie auch in den letzten Editionen schon, ihren Zweck. Dabei haben sie aber weiterhin das Problem, dass die Farbverteilung innerhalb eines Boosters sehr unterschiedlich sein kann und so beispielsweise deutlich mehr grüne als weiße Karten zur Auswahl stehen. Dies beeinflusst die Draft-Umgebung doch merklich.

Wer mehr Karten mit speziellen Designs öffnen möchte oder allgemein Foils liebt, ist mit Collector-Boostern besser bedient. Der happige Preis des Produktes mit 20-25 EUR, pro Booster wohlgemerkt, kann einen durchaus abschrecken. Dafür lassen sich hier, mit einer äußerst geringen Wahrscheinlichkeit, einige Karten in einem speziellen raised-foil-Anime-Artwork öffnen. Die Chancen dafür sind aber verschwindend gering.

Wie so oft sollte man der Vernunft halber also zu Play-Boostern greifen, wenn man nicht an das große Glück glaubt.

Das Starter-Set ist gut gelungen. Positiv hervorzuheben ist, dass es taugliche seltene Karten mit einem gewissen Wert enthält.

Leider geht zumindest eins der beiden Decks aber an dem eigentlich geplanten Ziel deutlich vorbei. Das grün-weiße Deck ist von seiner Funktion her noch überschaubar. Leider ist das rot-blaue Deck aber so komplex, dass es für Anfänger*innen schwer zu verstehen ist. Spontanzauber und Hexereien müssen hier mit Kreaturen kombiniert werden, die Bravour haben. Ein Deck-Typus, der auch erfahrenen Spieler*innen nicht leichtfällt.

Die vier Commander-Decks wiederum sind dieses Mal gut gelungen, verfolgen sie doch völlig unterschiedliche Deck-Ideen, die aber alle ihre Berechtigungen haben.

Animierte Armee nutzt dabei Artefakte, die durch den Commander zu Kreaturen werden und so schnell gefährliche Spielsituationen erzeugen können.

Eichhörnchen-Übermacht ist ein klassisches schwarz-grünes Eichhörnchen-Deck, das schnell das Spielfeld füllen kann und dessen Kreaturen man schlecht wieder loswird.

Friedensangebot fühlt sich auf den ersten Blick wie ein klassisches Group-Hug-Deck an, bei dem man scheinbar mit den Gegner*innen zusammen spielt statt gegen diese. Jedoch wird der Commander, Ms. Bumbleflower, sehr schnell sehr groß, und dann ist es mit dem Frieden auch schon wieder vorbei.

Familienangelegenheiten schließlich setzt auf kleine Kreaturen und Nachwuchs, um den Commander stärker zu machen.

Alle Commander-Decks sind in sich tauglich. Wie so oft ist die Auswahl an Ländern eher mäßig und es fehlt eine wirkliche Gewinn-Option. Das kann dazu führen, dass die Spiele unangenehm lang werden, da niemand das Spiel beenden kann.

Alle bieten mit geringfügigen Updates aber eine ausgezeichnete Spielerfahrung. Positiv hervorzuheben sind die jeweils eingefügten Planeswalker, die, der Ebene entsprechend, hier als Tiere gedruckt sind. Eine nette kleine Besonderheit.

Niedliche Ohren und gute Reprints? – Karten, Nachdrucke und Formatauswirkungen

Wie andere Standardsets auch enthält Bloomburrow einige Nachdrucke, die so wieder Standard-Legal geworden sind. Sagenumwogener Durchgang dürfte dabei der spannendste Nachdruck sein, der sich in den normalen Boostern befindet. Über Collector-Booster und Commander-Decks kommen wir an eine Vielzahl weiterer Nachdrucke, die aber Constructed-Formate nicht beeinflusst haben.

Spannender sind da schon die neuen Karten, die nun auch vielfach gespielt werden.

Dabei finden sich viele Verzauberungen wie Gastwirttalent und Fürsorgetalent, die im Augenblick Einzug in eine Vielzahl von Decks gehalten haben. Kaum verwunderlich, sind doch beide Karten richtig gut. Ygra die Allesverschlingende und Fäulzahn-Viper sind ebenfalls immer wieder ausprobiert worden und bilden im Augenblick die Spitze in manchen Deck-Typen. Besonders hervorzuheben ist noch Dreibaumstadt. Ein Land, das mehr Mana erzeugt, je mehr Kreaturen des gleichen Typs man kontrolliert. In den klassischen Tribal-Commander-Decks ist die Karte eine gern gesehene Ergänzung.

Insgesamt finden sich unterschiedliche Karten des Sets in Pioneer- und Standard-Decks wieder, wobei man anmerken muss, dass sich durch die Karten kein neuer Deck-Typ gebildet hat. Stattdessen sind schon bestehende Archetypen wie rot-weiß Tokens oder blau-weiß Control weiter verstärkt worden.

Mit dem genannten Gastwirttalent gab es zwar Experimente, ein grün-schwarzes Gift-Counter-Deck zu spielen, diese haben sich aber leider in der Meta als nicht sehr erfolgreich herausgestellt.

Bloomburrows Auswirkungen auf die unterschiedlichen Formate ist daher recht überschaubar, wenn man von den Mäusen in Rot-Weiß absieht. Diese haben starke Aggro-Decks noch schneller gemacht.

Im Limited-Format kann Bloomburrow zwar grundsätzlich überzeugen. Leider scheinen hier Kombinationen mit Weiß im Schnitt öfter die Oberhand zu behalten, weswegen Decks in die entsprechende Richtung zumindest im Sealed-Format deutlich häufiger auftreten als andere Farbkombinationen.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Wizards of the Coast
  • Erscheinungsjahr: 2024
  • Sprache: Deutsch/Englisch und weitere
  • Spieldauer: 30min+
  • Spieler*innen-Anzahl: 2+
  • Bezugsquelle: Fachhandel

 

Alle Tier aufgemerkt! Ein Fazit

Bloomburrow ist optisch ein fantastisches Set geworden. Die Artworks passen gut zusammen, die Story gefällt, die Deck-Archetypen funktionieren. Jedoch bleibt etwas die Frage zurück, wo das Set eigentlich hin möchte. Optisch könnte man meinen, man hätte statt Magic: The Gathering einen Lorcana-Booster erworben, und ganz kann man das Ziel wahrscheinlich nicht abstreiten, Spieler*innen aus dem anderen TCG abzuwerben. Jedoch ist dafür Bloomburrow deutlich zu kompliziert geworden. Tatsächlich fühlt es sich während des Spielens komplexer und schwieriger an als Outlaws of Thunder Junction oder Mord in Karlov Manor.

Wer den Tier-Stil jedoch mag und schon Erfahrung mitbringt findet hier ein taugliches Set, um die inzwischen doch recht dunklen Herbsttage mit niedlichen Tieren zu überbrücken.

  • Tolle Artworks
  • Eine schön geschriebene Geschichte
  • Gute neue Karten
 

  • Set etwas schwächer als das letzte Standard-Set

 

 

Artikelbilder: © Wizards of The Coast
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Rick Davids
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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