Braucht Magic: The Gathering noch mehr Crossover als es schon hat? Mit Jenseits des Universums: Assassins Creed haben wir diesen Sommer noch ein weiteres Modern-legales Set bekommen. Doch lohnt sich der Ausflug? Wir haben das Cape übergeworfen und uns auf die Dächer begeben.
Purist*innen sind schon länger skeptisch bei einigen neuen Produkten für Magic: The Gathering. Die eigentliche Hintergrundwelt wird wieder verlassen, und stattdessen bekommen unterschiedlichste bestehende Hintergründe Magic: The Gathering-Karten. Seien es Dr. Who, Warhammer oder auch Der Herr der Ringe. Wenn wir noch in Richtung unterschiedlichster Secret Lairs schauen, kommen noch diverse weitere Marken wie The Walking Dead, The Princess Bride oder Fortnite dazu. Doch ist das ein Grund, ein Produkt schon im Vorfeld zu verurteilen? Für uns nicht. Wir haben uns das neue Jenseits des Universums: Assassins Creed für euch angeschaut und wollen euch zeigen, ob sich die Investition in das Produkt, losgelöst vom Hintergrund, lohnt.
Fantasy-Gewalt
Inhaltsverzeichnis
Gibt es hier was zu erzählen? – Der Hintergrund
Assassins Creed besitzt einen inzwischen umfangreichen Hintergrund. In der Gegenwart hat die Tech-Firma Abstergo Industries den sogenannten Animus gebaut. Ein Gerät, das vermag, Menschen mit den Erinnerungen ihre*r Vorfahr*innen zu verknüpfen, sodass diese darin handeln können. Dies tut sie aber nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern verfolgt einen eigenen Zweck dabei: Geführt wird diese Firma nämlich von den modernen Ablegern der Templer, die damit versuchen, die sogenannten Teile von Eden zu finden, uralte Maschinen, die von vormenschlichen Wesen genutzt wurden, um die Menschheit gefügig zu halten. Den Templern gegenüber stehen die Assassinen, die schon in der Vergangenheit gegen diese gekämpft haben. Nun nutzt Abstergo Industries jedoch entführte Nachkommen von Assassinen, um in deren Vergangenheit nach dem Verbleib der Teile von Eden zu suchen.
Die Geschichte von Assassins Creed, die sich durch eine Vielzahl von Spielen über unterschiedliche Zeitalter erstreckt, gibt eigentlich genug Inhalt her, um eine neue Geschichte im Zuge eines Magic: The Gathering-Sets zu erzählen.
Leider hat man sich dagegen entschieden, eine solche zu erzählen, und beschränkt sich nur auf den bestehenden Hintergrund. Das ist einerseits verständlich, ist man bei anderen Jenseits des Universums-Produkten ja genauso verfahren. Andererseits kann man dies als vertane Chance sehen, hätte es sich doch lohnen können, hier neue Geschichten zu erzählen. So gibt es hier leider nichts zu entdecken, dafür aber wenigstens eine neue Fähigkeit im Set.
Parkour! – Mechaniken des Sets

Jenseits des Universums: Assassins Creed kommt nur mit einer neuen Fähigkeit daher, was Spieler*innen vielleicht schon aufatmen lässt. Ist man in den letzten Sets doch fast schon bombardiert worden mit neuen Dingen, die man sich natürlich alle merken muss. Hier gibt es jedoch nur Parkour als neues Schmankerl auf Kreaturenkarten. Eine Karte mit Parkour kann man für ihre Parkourkosten, die wenig überraschend niedriger sind, spielen, falls in diesem Spielzug ein Assassine oder der eigene Commander dem Mitspielenden Schaden zugefügt hat. Moment, Commander? Ist das hier nicht ein Modern-Set? Grundsätzlich ist es das, jedoch zeigt nicht zuletzt diese Fähigkeit auf, an wen sich dieses Produkt eigentlich versucht zu richten. Commander-Spieler*innen finden hier potenziell die ein oder andere interessante Karte, für Modern ist leider nicht so wirklich etwas dabei. Die Entscheidung wirkt seltsam und setzt sich leider auch in der Produktauswahl fort.
Das fühlt sich aber dünn an – Boostervarianten und Inhalte

Sobald man einen der Booster des Sets in die Hand nimmt, überkommt einen ein doch recht seltsames Gefühl. Merklich dünner wirkt das Produkt. Nur sieben Karten, statt der üblichen 14 aus einem Playbooster, befinden sich in den sogenannten Beyond-Boostern. Diese enthalten drei nicht ganz so häufige Karten, eine Szenen-Karte oder ein Land, eine seltene oder sagenhaft seltene Karte, eine Foil beliebiger Seltenheit und eine weitere Karte in einem speziellen Artwork beliebiger Seltenheit. In den Boostern tauchen schlicht keine häufigen Karten auf, weil das Set keine enthält. Insgesamt besteht das Set auch nur aus 100 Karten. Zum Vergleich: Modern Horizons 3 enthielt 303 Karten. Ein solch merklich verkleinertes Set hatten wir zuletzt bei Marsch der Maschinen: Der Nachhall, einem Zusatzset, das auf wenig Liebe bei der Spieler*innenschaft stieß. Und auch Assassins Creed dürfte es da schwer haben, die Herzen der Spielenden zu erobern. Auch die merklich teureren Collector-Booster kommen mit weniger Karten als sonst, zehn im Vergleich zu fünfzehn, daher. Hier kann man zwar wieder spezielle Artworks finden, aber warum man auch hier den Rahmen reduziert hat, mag nicht ganz einleuchten.

Wie so viele Sets in letzter Zeit gibt es auch in diesem Set die Möglichkeit, nummerierte Karten aus Collector-Boostern zu ziehen. Bei denen in diesem Set handelt es sich um vier historische Persönlichkeiten, denen man auch in den Spielen begegnen kann. Schön dabei: Die entsprechenden nummerierten Karten sind in den Sprachen gedruckt, die die entsprechenden Figuren früher gesprochen haben. Aristoteles beispielsweise ist in seiner nummerierten Form in Griechisch gedruckt.
Beide Booster-Varianten machen beim Öffnen durch den begrenzteren Umfang merklich weniger Spaß als andere Produkte. Ebenfalls überraschend ist, dass es gerade zu diesem Produkt keine Commander-Decks gibt. Hat uns bei Modern Horizons 3 überrascht, dass es Commander-Decks gab, kommt einem hier die Abwesenheit seltsam vor. Gerade wenn die neu eingeführte Fähigkeit explizit auch auf Commander abzielt, wäre es eigentlich ein Leichtes gewesen, passende Decks zu den unterschiedlichen Spielreihen mitzuliefern.
Am spannendsten unter den Produkten sind noch zwei neue Starterdecks, die man für kleines Geld erstehen kann und die gut gegeneinander funktionieren.
Durch die verkleinerten Booster fehlt einem leider die Möglichkeit, Assassins Creed zu draften oder damit Sealed zu spielen. Ein Umstand, der wirklich schade ist, enthält das Set doch eigentlich spannende Karten.
Alte Bekannte und neue Schätze? – Karten, Nachdrucke und Formatauswirkungen
Jenseits des Universums: Assassins Creed bringt uns eine ganze Reihe spannende Reprints von alten Bekannten. Einige Karten werden dadurch nun auch legal im Modern-Format, auch wenn sie dort wahrscheinlich relativ wenig Spiel sehen werden. Schwarzmarkt-Verbindungen beispielsweise war bisher nur in Commander-Decks gedruckt worden. Tödlicher Stoß hat einen dringend nötigen Nachdruck erhalten, ebenso wie Schwert aus Schmaus und Hunger, Schwert aus Licht und Schatten und Tarnung der Dunkelheit. Neben den schon genannten eher teureren Karten finden sich, wenig überraschend, eine ganze Reihe von Zaubersprüchen, die Kreaturen direkt zerstören, wie An die Kehle gehen, Mord und Kasteiung. Alles Sachen, die eben gut zum Konzept von Assassins Creed passen. Auch viele neue Karten können überzeugen, jedenfalls wenn man Commander spielen möchte. Karten wie Ezio Auditore da Firenze laden beispielsweise zum Experimentieren ein. Nicht nur gibt der Commander allen anderen Assassinen-Zaubersprüchen ebenfalls Parkour, er selbst erlaubt einem potenziell das Spiel in einem Schlag zu beenden.
Eivor Wolfsmal auf der anderen Seite ist nicht nur eine beeindruckende Kämpferin, sondern lässt einen selbst Karten in den Friedhof legen, nur um von dort eine Sage- oder Länderkarte zurückzubringen. Und Kassandra, Gefährtin des Adlers unterstützt das Spiel mit legendären Ausrüstungsgegenständen, zieht man doch Karten durch diese.
All diese Karten können durchaus gefallen, nur in Modern sieht man diese leider sehr wenig.
Insgesamt gefällt die Mischung aus Karten in diesem Set. Jedoch sorgt die kleine Anzahl von Karten im Set dafür, dass man relativ häufig die gleichen nicht ganz so häufigen Karten zieht.
- Verlag: Wizards of the Coast
- Erscheinungsjahr: 2024
- Sprache: Deutsch/Englisch und weitere
- Spieldauer: 30min+
- Spieler*innen-Anzahl: 2+
- Bezugsquelle: Fachhandel
Und werden wir jetzt Assassinen? Ein Fazit
Jenseits des Universums: Assassins Creed kann uns leider nicht vollends überzeugen. Ja, die Nachdrucke und die neuen Karten sind gut, aber die verkleinerten Booster verderben einem doch erheblich den Spaß am Produkt. Vor allem, da man trotzdem den Vollpreis für diese zahlen darf. Darüber hinaus ist das Produkt auch in einer seltsamen Position. Direkt nach Modern Horizons 3, das die Modern-Szene merklich aufgewirbelt hat, wirkt das Produkt deplatziert und wird leider keinen Einfluss auf das entsprechende Format haben. Vor allem, da die zentrale Fähigkeit des Sets, Parkour, eigentlich klar auf Commander-Spielende abzielt, bleibt die Frage offen, ob nicht auf dem halben Weg der Entwicklung entschieden wurde, hieraus doch kein Commander-Produkt zu machen, sondern diese Art von Set.
Eine Kaufempfehlung können wir unter diesen Umständen nicht aussprechen. Jedoch lohnt es sich durchaus, über den Sekundärmarkt nach Einzelkarten aus dem Set Ausschau zu halten. Sowohl spannende neue Commander-Karten als auch vergleichsweise günstige Reprints lassen sich so erstehen. Und wer weiß: Vielleicht wird das Set in einiger Zeit doch noch Auswirkungen auf das Format haben, für das es eigentlich gedacht war.

- Gute Reprints
- Spannende neue Kreaturen für Commander
- Verkleinerte Booster
- Keine Commander-Decks
- Keine wirkliche Nutzung in modern
Artikelbilder: © Wizards of The Coast, Ubisoft Entertainment
Layout und Satz: Kai Frederic Engelmann
Lektorat: Rick Davids
Dieses Produkt wurde privat finanziert.



















