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In den Tiefen des Weltalls gibt es viel zu entdecken, und das verursacht offensichtlich Hunger. Da aber nicht jedes Raumschiff über eine Küche verfügt, braucht es die Dienste von Deep Space Dine, dem intergalaktischen Pizzaservice. Hoffentlich kommt die Pizza warm an, die Wege sind weit.

In der Welt der Brettspiele fallen vor allem die Giganten ins Auge. Einen dieser Brecher, Galactic Cruise, testeten wir unlängst. Nun liegt uns mit Deep Space Dine von Boardgame Racoon ein Enginebuilder mit Roguelike-Elementen vor, der sich sowohl solo als auch kooperativ spielen lässt und uns ebenfalls in die Tiefen des Weltraums entführt. Mit einem Unterschied: Es ist im Vergleich zu Galactic Cruise winzig klein. Nichtsdestotrotz findet man in der kleinen Schachtel eine große Menge Spielspaß.

Thematisch kommt es, ebenso wie sein übergroßer Konkurrent, eher kurios daher. Man spielt einen intergalaktischen Pizzaservice und liefert bis in die Untiefen des Weltraums heiße Teigfladen. Da heißt es, sich clever durch die Weltraumsektoren zu knobeln, damit die Pizzen auf dem Weg nicht kalt werden oder sich das Raumschiff in Einzelteile auflöst und der Ofen, im wahrsten Sinne des Wortes, aus ist. Die Kundschaft ist halt König. Und mal ehrlich: Niemand im Universum mag kalte Pizza!

Triggerwarnungen

keine besonderen Trigger

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Spielablauf

Zu Beginn des Spiels sucht man sich ein Raumschiff aus. Hier springt einem die erste nerdige Anspielung entgegen. So heißt eines der auswählbaren Schiffe, in Anspielung an die Nostromo aus dem ersten Teil der Alien-Filmreihe, Nostroven. Wie der Titel des Spiels bereits verrät, ist es mit solchen Anspielungen gespickt und entlockt einem das eine oder andere Schmunzeln.

Der Spielaufbau.
Der Spielaufbau.

Drei Raumschiffe stehen in verschiedenen Varianten zur Verfügung und geben den Spielenden individuelle Boni. Auf den Schiffskarten sind zwei Leisten für die Trefferpunkte und für die Qualität der zu liefernden Pizza abgebildet. Sollte der Marker auf diesen Leisten im Laufe des Spiels über das Ende hinausgezogen werden, verliert man das Spiel. Sollte es jedoch gelingen, alle auf dem Lieferweg zu durchfliegende Sektoren fluchtartig zu verlassen oder im Idealfall die dort gestellte Aufgabe zu erfüllen, liefert man am Ende siegreich eine warme, knusprige Pizza bei zufriedenen Kund*innen ab.

Da die Raumschiffe aus unterschiedlichen Bauteilen bestehen, setzt man das Kartendeck aus unterschiedlichen Kartenarten zusammen. So gibt es beispielsweise Pilotenkarten, die für benötigte Navigationsdaten sorgen oder Antriebskarten, die Energie liefern.

Das Besondere an Deep Space Dine ist der Aufbau der Karten. Sie liefern die Mittel, die zum Lösen der Aufgaben in den einzelnen Sektoren benötigt werden. Die am oberen und unteren Ende abgebildeten Ressourcen erhält man, je nachdem wie herum die Karten ausgelegt werden. In der Mitte befinden sich immer zwei Bedingungen, um eine Karte auszuspielen. Teilweise werden dazu bereits ausliegende Ressourcen wieder verbraucht. Hier ist es wichtig, passende Karten gut ineinander verzahnt aneinanderzulegen.

Verschiedene Karten im Überblick.
Verschiedene Karten im Überblick.

Auf den Sektorenkarten ist angegeben, wie viele Karten pro Runde ins Raster gespielt werden dürfen. Ist diese Zahl erreicht, wird überprüft, ob es gelungen ist, die gestellte Aufgabe zu lösen oder aus dem Sektor mittels Antriebssymbolen und Navigationsdaten zu fliehen. Das wäre gut, denn ist dies nicht gelungen, folgen Konsequenzen. So kann das Raumschiff Schaden nehmen oder schlimmstenfalls die Pizza kalt werden.

Die bereits gespielten Karten bleiben dann liegen und es dürfen erneut Karten bis zum Auslagelimit gelegt werden. Die bis dahin erhaltenen Ressourcen bleiben weiterhin bestehen.

Gelingt es nun, aus dem Sektor zu fliehen, warten die Prüfungen des nächsten Sektors. Wird hingegen die im Sektor gestellte Aufgabe erfüllt, darf eine Handkarte auf ihre Upgrade-Seite umgedreht und dadurch für den Rest des Spiels verstärkt werden. So wird das Deck mit jedem Erfolg nach und nach aufgewertet.

Zudem besetzt man nach einer erfolgreich gelösten Aufgabe eine Station. Dazu legt man eine Karte aus der Hand vor sich ab. Je nachdem, welche Karte nun vor einem liegt, erhält man einen dauerhaften Bonus. Aber Vorsicht: In einem Spiel mit mehreren Personen, kann keine Position im Raumschiff doppelt belegt werden.

Ausgespielte Karten im Raster.
Ausgespielte Karten im Raster.

Außerdem kommen während des Spielverlaufs auch neue Karten ins Deck, sodass das Spiel nach und nach an Inhalten dazugewinnt. Das motiviert dazu, die gestellten Aufgaben zu lösen, statt einfach zu fliehen.

So kämpft man sich nach und nach durch die Weltraumsektoren und erledigt eine knifflige Aufgabe nach der anderen, um am Ende erfolgreich eine knusprige Pizza auszuliefern.

Mit dem Kartendesign ist dem Autor Benjamin Schultz ein echter Geniestreich gelungen. Die Multifunktionalität der einzelnen Karten, angefangen davon, wie herum diese für Ressourcen ausgespielt oder umgedreht werden, um diese auszuwerten, ist phänomenal. Viele Spiele nutzen Multifunktionskarten, aber selten wurde aus unserer Sicht dieser Ansatz so konsequent umgesetzt wie bei Deep Space Dine.

Die drei Sektoren des Startspiels.
Die drei Sektoren des Startspiels.

Es ist möglich, das Spiel mit bis zu drei Personen zu spielen. Bei einer Partie mit mehreren Personen gibt es keine Zugreihenfolge. Dadurch ist viel Kommunikation gefragt, um zum richtigen Zeitpunkt die passenden Karten auszuspielen. Obwohl das gut funktioniert, sehen wir Deep Space Dine eher als hervorragenden Solotitel. Allein aufgrund des kleinen Format kann es überallhin mitgenommen werden. Ob im Zug oder im Café, überall findet man genug Platz für eine schnelle Runde zwischendurch. Ein gewisses Maß an Kartenglück stört nicht, was vor allem daran liegt, dass eine Partie recht schnell gespielt ist.

Was uns zudem beeindruckt hat, ist der hohe Wiederspielwert. Durch die große Kombinationsmöglichkeit aus Sektorenkarten, verschiedenen Raumschiffen und Kartenverbesserungen, liefert Deep Space Dine viel Spiel in kleiner Schachtel.

Boardgame Racoon ist mit Deep Space Dine ein hervorragendes Spiel gelungen, das selbst den Autor, der Solospiele bis dato verschmäht hat, überzeugen konnte.

Ausstattung

Naturgemäß kann die Ausstattung eines Spiels, das in einer Schachtel mit den Abmaßen neun auf sieben Zentimeter Platz findet, nicht sonderlich groß ausfallen. Der anfängliche Vergleich mit Galactic Cruise hinkt natürlich. Aber immerhin 51 Karten, drei Marker aus Holz und eine Anleitung finden in der kleinen Packung Platz.

Die Spielschachtel mit einem 2-Euro-Stück zum Größenvergleich.
Die Spielschachtel mit einem 2-Euro-Stück zum Größenvergleich.

Die größte Schwäche von Deep Space Dine ist die kleine Anleitung. Sie ist gut geschrieben und das Einführungsspiel sorgt für einen einfachen Einstieg in die erste Partie. Es kann nahtlos nach diesem Einstieg weitergespielt werden, was sich wie aus einem Guss anfühlt. Bedingt durch ihr kleines Format ist sie beim Lesen etwas unpraktisch. Hier würden wir für die ersten Partien empfehlen, die Anleitung auf der Seite des Verlags herunterzuladen und auf einem Mobilgerät zu lesen. Dem Spiel liegt zusätzlich ein QR-Code zu einer Videoanleitung bei, was bei einem Titel, der überall spielbar ist, einen großen Vorteil darstellt.

Das Spielmaterial ist von guter Qualität und die Illustrationen, die ebenfalls aus der Feder des Autors stammen, sind sehr stimmig und durchweg gut gelungen.

Die Mechanik, bei der die Karten zum Aufwerten umgedreht werden, erfordert ein hohes Maß an Konzentration. Da die Karten das gesamte Spiel über so verbleiben, muss darauf geachtet werden, diese nicht versehentlich wieder umzudrehen. Eine bessere Kennzeichnung der Karten, beispielsweise durch einen andersfarbigen Kartenrand, hätte das Spiel wesentlich vereinfacht.

Packshot © Boardgame Racoon
Packshot © Boardgame Racoon

Die harten Fakten

  • Verlag: Boardgame Racoon
  • Autor*in(nen): Benjamin Schultz
  • Illustrator*in(nen): Benjamin Schultz
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Deutsch
  • Spieldauer: 30 – 60 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 1 bis 3 Personen, am besten solo
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Preis: ca. 15 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel

 

Bonus / Download-Content

Die Regeln gibt es hier zum Download.

Fazit

Benjamin Schultz beweist mit Deep Space Dine, dass Spielspaß in jeder Schachtelgröße zu finden ist.

Das Herzstück des Spiels ist das brillante, multifunktionale Kartendesign. Dass Karten je nach Ausrichtung unterschiedliche Ressourcen liefern und durch Umdrehen dauerhaft aufgewertet werden, ist mechanisch konsequent umgesetzt. Durch die vielen Kombinationsmöglichkeiten aus Raumschiffen und Szenarien und vor allem angesichts des Kaufpreises von 15 Euro liefert es einen hohen Wiederspielwert. Das humorig umgesetzte Thema, das mit vielen Anspielungen auf die Welt der Science-Fiction daherkommt, trägt ebenso zum Spielspaß bei.

Der Spielablauf ist durch das Fehlen einer festen Zugreihenfolge und die dadurch notwendige Kommunikation zwar gut gelöst, bietet aber im Mehrpersonenmodus keinen entscheidenden Mehrwert. Da Deep Space Dine zudem ein ideales Pocketgame ist, das auf jedem kleinen Tisch Platz findet, sehen wir es insgesamt eher als ein perfektes Solospiel.

Der einzige Kritikpunkt ist die etwas zu klein geratene Spielanleitung, die aufgrund ihrer Größe unpraktisch zu lesen ist. Wir empfehlen, eine Anleitung auf der Internetseite des Verlages herunterzuladen. Zudem hätte eine offensichtlichere Markierung der Kartenseiten die Übersicht im Spiel deutlich erhöht. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau.

Deep Space Dine ist ein großartiges Kartenspiel für unterwegs, das überall dort gespielt werden kann, wo eine kleine Ablagefläche zur Verfügung steht. Aufgrund seiner kleinen Größe ist es ein gutes Pocketgame und konnte sogar Solospielmuffel überzeugen.

Wir vergeben 5 von 5 warmen intergalaktischen Pizzen.

 

  • Gutes Solospiel
  • Multifunktionskarten
  • Hoher Wiederspielwert
 

  • Anleitung sehr klein
  • Teilweise etwas unübersichtlich

 

Artikelbilder: © Boardgame Racoon
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Giovanna Pirillo
Fotografien: Andreas Memmert
Das Spiel wurde privat finanziert.

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