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Durch den Weltraum gleitet elegant ein Raumschiff. Es ist nicht auf der Suche nach neuen Welten oder gar außerirdischen Wesen. An Bord findet gerade ein Paintball-Match statt, während die Kinder in der Trampolinhalle sind. Der Abend endet mit einem Captains-Dinner, denn dies ist eine Weltraum-Kreuzfahrt mit Galactic Cruise.

Weltraum-Kreuzfahrten sind eine Vorstellung, die eventuell nicht mehr in ganz so weiter Ferne liegt. Es ließe sich durchaus vorstellen, dass ein Unternehmen wie Galactic Cruise irgendwann tatsächlich existieren könnte. Im Spiel übernehmen wir die Rolle künftiger Führungskräfte beim Unternehmen Galactic Cruise. Das Ziel: nach drei Aufsichtsratssitzungen das beste Geschäftsergebnis vorlegen und neue*r CEO werden. Da heißt es sich anstrengen, denn das Worker-Placement-Spiel vom PD- Verlag hat es in sich. Um erfolgreich zu sein, müssen viele Schritte unternommen werden, um Passagier*innen ins All zu befördern. Werbung, Ressourcen und natürlich eine Menge Geld sind dafür vonnöten.

Das klingt kompliziert? Ist es aber nicht, denn trotz eines knackigen Schwierigkeitsgrades ist das Spiel angenehm zugänglich.

Woran das liegt und wo die Stärken und Schwächen des Spiels liegen, haben wir für euch getestet.

Triggerwarnungen

keine besonderen Trigger

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Spielablauf

Direkt mit dem Öffnen der großen Spielschachtel wird einem ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.

Das Erste, was man in die Hand nimmt, ist ein Umschlag, der stilecht mit einem Schnurverschluss versehen ist. Es muss also wichtig sein.

Darin befindet sich ein Willkommensschreiben von Trevor Preston, dem CEO von Galactic Cruise. In diesem wird den Spielenden erklärt, dass er lange genug Firmenchef war und sich nun auf sein Altenteil zurückziehen möchte. Als neue Führungskräfte stellt er den Spielenden in Aussicht, seine Position einzunehmen. Dafür müssen sie aber nach drei aufeinanderfolgenden Aufsichtsratssitzungen das beste Geschäftsergebnis vorlegen. Wer dies schafft, erbt also das gesamte Unternehmen. Wie großzügig von ihm!

Umschlag mit dem Brief des CEO
Umschlag mit dem Brief des CEO

Im Umschlag befindet sich noch eine weitere Überraschung, die wir euch nicht vorwegnehmen wollen. Die Einstimmung auf ein Spiel kann nicht immersiver ausfallen.

Bei Galactic Cruise handelt es sich um ein Worker-Placement-Spiel, das schon allein aufgrund seines Umfanges eine gehörige Portion Gehirnschmalz von den Spielenden abverlangt. Aber dieser Kampf ist ein angenehmer. Die 45 Seiten starke Anleitung und die gesonderten Übersichtsheftchen für die verschiedenen Aktionen wirken im ersten Moment etwas einschüchternd. Das Spiel ist aber recht zugänglich, und das liegt nicht zuletzt an der hervorragenden Einbindung des Themas. Bei jeder Aktion kann man sich vor dem inneren Auge lebhaft vorstellen, was auf dem Firmengelände gerade vor sich geht. Diese Erfahrung haben wir zuletzt bei SETI gemacht und zeugt von hervorragendem Spieldesign.

Wer CEO von Galactic Cruise werden möchte, hat eine ganze Menge zu tun. Dafür stehen zu Beginn zwei Mitarbeitende im Pausenraum zur Verfügung, die in das firmeneigene Hauptquartier entsendet werden, um zwei Aktionen auszuführen. Besonders geschickt sind dabei die Möglichkeiten zur Aktionsauswahl. Auf jedem der sechs Einsetzfelder stehen zwei Aktionen zur Verfügung, die auch beide genutzt werden können. Durch das Bauen von Entwicklungen können die Aktionsfelder miteinander verbunden werden. So wird es möglich, auch die so verbundenen Aktionen zu nutzen. Da die Entwicklungsmarker zu Beginn eigene Ressourcenfelder für Treibstoff, Nahrung und Sauerstoff verdecken, werden so praktischerweise neue Lagermöglichkeiten geschaffen. Es ist aber auch möglich, dauerhafte Boni durch das Platzieren von Entwicklungen freizuschalten. Zudem können auch die Entwicklungen anderer, gegen Bezahlung, genutzt werden. Dies ist eine der indirekten Interaktionen zwischen den Spielenden. Sollte man nämlich beim Einsetzen eines Workers jemand anderen verdrängen, erhält diese Person durch den in den Pausenraum zurückkehrenden Worker einen Bonus.

Das Hauptquartier mit eingesetzten Entwicklungen
Das Hauptquartier mit eingesetzten Entwicklungen

Ein besonders wichtiger Teil des Spiels ist das Ressourcenmanagement. Für den Betrieb des Unternehmens wird eine Menge Geld benötigt. Hiermit können neue Raketen und Module erworben und gebaut, Ressourcen gekauft, neue Experten angeworben und Reisende bei Laune gehalten werden. Damit eben jene Reisenden in den Weltraum aufbrechen wollen, muss ordentlich Werbung gemacht werden, um Gäste mit den passenden Präferenzen anzulocken. Es gibt nämlich drei verschiedene Arten von Passagier*innen: Familien, Abenteuerlustige und Wellnessreisende. Nicht zuletzt werden für den Flug Treibstoff, Nahrung und Sauerstoff benötigt. Zudem können Agendakarten, die Boni beim Ausspielen gewähren, auch als Ressourcen ausgegeben werden. Immer sind die Ressourcen knapp, und man arbeitet auf den nächsten Raketenstart hin; zur Not opfert man die eigene Reputation.

Die unterschiedlichen Ressourcen
Die unterschiedlichen Ressourcen

Ist es gelungen, eine Reise zu planen, Gäste zu werben und ein Raumschiff zu bauen, geht es an den Kern des Spiels: den Flug ins All.

Wie bei einem Countdown wird dabei überprüft, ob alle Grundbedingungen erfüllt sind, um das Raumschiff abheben zu lassen. Zunächst benötigt man einen Arbeiter, der zum Piloten wird. Es müssen zudem genug Nahrung für den Piloten und die Fluggäste sowie Sauerstoff pro verbautem Modul zur Verfügung stehen. Auch ausreichend Treibstoff muss vorhanden sein, sonst hebt die Rakete gar nicht erst ab. An den unterschiedlichen Zwischenzielen wird geprüft, ob es den Fluggästen gefällt. Dementsprechend fallen, zu weiteren Boni, die Belohnungen aus.

Die Agendakarten
Die Agendakarten

Bei Flugtagen im Weltall spielt eine entscheidende Rolle, welche Module im Raumschiff verbaut sind, um die Fluggäste glücklich zu machen. Nach der Rückkehr gehen die Gäste von Bord und die Rakete steht für den nächsten Flug zur Verfügung.

Durch das Erreichen von Firmenzielen und erfolgreich durchgeführte Reisen werden die Jahreshauptversammlungen als Zwischenwertungen ausgelöst. Nach der dritten Jahreshauptversammlung endet das Spiel und wer die meisten Siegpunkte hat, gewinnt.

Galactic Cruise überzeugt durch seine thematische Dichte und die elegante Verzahnung seiner Mechanismen. Es ist ein Spiel, das strategische Tiefe bietet und Spielende belohnt, denen es gelingt, das knappe Ressourcenmanagement zu meistern. Zudem gibt es eine angenehme indirekte Interaktion zwischen den Spielenden, die aber immer positiv gestaltet ist.

Ein Raumschiff auf der Reise
Ein Raumschiff auf der Reise

Für ein Expertenspiel ist Galactic Cruise angenehm zugänglich, auch wenn die ersten Runden aufgrund der vielen spielerischen Möglichkeiten häufiges Nachschlagen im hervorragenden Schulungshandbuch nötig machen und die angegebene Spielzeit von 90 bis 150 Minuten in diesen Partien nicht eingehalten wird.

Wer sich die Mühe macht, wird mit einem herausragenden Spielgefühl belohnt, das bei einem Worker-Placement-Spiel seinesgleichen sucht.

Galactic Cruise konnte uns trotz des hohen Preises, vor allem aufgrund des hohen Wiederspielwertes, auf voller Länge überzeugen.

Ausstattung:

Die grafische Gestaltung von Ian O’Toole gefällt uns sehr gut, und die eingängige Ikonografie trägt dazu bei, dass das Spiel nach einigen Runden trotz seines Schwierigkeitsgrades angenehm zugänglich ist.

Spielhilfe mit einem Bespiel für einen Regelquerverweis
Spielhilfe mit einem Bespiel für einen Regelquerverweis

Auch das 45 Seiten starke Regelbuch, das wie ein Schulungshandbuch gestaltet ist, trägt durch seine gute Strukturierung zur Zugänglichkeit bei. Besonders gut haben uns die Regelzusammenfassungen gefallen, die als Arbeitsleitfäden bezeichnet werden. Hier wird immer auf die entsprechenden Seiten in den Regeln verwiesen. Das erspart, vor allem in den ersten Runden, langwieriges Herumblättern.

Beim Material gibt es keinerlei Grund zur Beanstandung. Die Zahnräder sowie die bedruckten Passagier*innen und Worker aus Holz sind von hervorragender Qualität. Die auf den Bildern zu sehende Spielmatte ist für zusätzliche 35 Euro beim PD-Verlag erhältlich.

Ebenso vorbildlich ist der Sortiereinsatz von Game Trayz, in dem alle Spielinhalte fein säuberlich einsortiert werden können. Dieser bietet auch Platz für alle bereits erschienenen Erweiterungen.

Besonders das Willkommenspaket beweist, mit wie viel Liebe zum Detail das gesamte Spiel entworfen wurde. Alles in allem ist der hohe Preis gerechtfertigt.

GC - Box

Die harten Fakten:

  • Verlag: PD-Verlag
  • Autor*in(nen): T.K. King, Dennis Northcott, Koltin Thompson
  • Illustrator*in(nen): Ian O’Toole
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Deutsch
  • Spieldauer: 90 – 150 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 1 bis 4 Personen, am besten zu dritt
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Preis: ca. 140 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel

 

Bonus / Download-Content:

Die Regeln können beim PD-Verlag heruntergeladen werden.

Fazit:

Galactic Cruise besticht von der ersten Sekunde an. Die spielerische Einstimmung durch den Umschlag mit einem Willkommensschreiben des CEO ist ein selten erlebter Grad an thematischer Immersion. Das Gefühl, tatsächlich um die Nachfolge im Unternehmen zu ringen, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spielerlebnis. Selbst die mit 45 Seiten umfassenden Regeln, die zunächst einschüchternd wirken, sind im Stil eines Schulungshandbuches verfasst. Die hervorragende Einbindung des Themas erleichtert gravierend den Spieleinstieg. Bei jeder Aktion kann man sich die Vorgänge im Hauptquartier von Galactic Cruise lebhaft vorstellen.

Die größte Herausforderung ist das Ressourcenmanagement. Geld, Treibstoff, Nahrung, Sauerstoff und Werbung sind immer chronisch knapp. Das Erlangen der Ressourcen für das nächste anstehende Urlaubsabenteuer im Weltraum ist die zentrale Aufgabe in Galactic Cruise. Dadurch stehen vorausschauendes Planen und das Abstimmen der vielen möglichen Aktionen spielerisch im Vordergrund.

Der Preis von 140 Euro ist hoch, aber das tolle Material und der, durch die vielen Möglichkeiten bedingte, hohe Wiederspielwert machen den Preis mehr als wett.

Auch wenn die angegebene Spieldauer gerade in den ersten Partien die Angabe von 90 bis 150 Minuten deutlich überschreitet, wird die Mühe mit einem herausragenden Spielgefühl belohnt, das seinesgleichen sucht. Galactic Cruise ist eine klare Empfehlung für alle, die ein thematisches Worker-Placement-Spiel zu schätzen wissen, und konnte uns auf voller Länge überzeugen.

Wir vergeben 5 von 5 Vorstandsposten.

  • Hervorragende/s Material / Anleitung
  • Verzahnte Mechaniken und Aktionen
  • Immersives Spielgefühl
 

  • Hoher Preis

 

Artikelbilder: © PD-Verlag
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Katrin Holst
Fotografien: Andreas Memmert

Das Spiel wurde vergünstigt zur Verfügung gestellt.

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