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Gemeinsam mit dem Joker und Magneto gehört Doctor Doom zu den beliebtesten Schurken der Superhelden-Comics. Kurz vor seinem MCU-Debüt kommt nun das Event, in dem er die Weltherrschaft erlangt. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Wir schauen uns die neuen Veröffentlichungen an.

Marvel produziert jedes Jahr ein großes Event, bei dem alle Helden aufeinandertreffen. Im letzten Event Blood Hunt kamen die Vampire und brachten eine ewige Nacht über die Welt. Erst Doctor Doom konnte mit einem Zauber die Nacht beenden, dazu brauchte er aber die Macht des Obersten Zauberers. Er lieh sich die Kräfte von Doctor Strange und rettete die Welt. Im Anschluss gab er den Mantel aber nicht an ihn zurück. Seitdem hat sich Doom in seine Festung in seiner Heimat Latveria verschanzt und Pläne geschmiedet. Innerhalb von einem Tag hat er es nun geschafft, der neue Herrscher der Welt zu werden und somit ist der Grundstein für das nächste Crossover-Event gelegt. Wir schauen hier auf den ersten Comic, der typischerweise in Heftform am Kiosk veröffentlicht wird und nicht im Buchhandel erscheint. Aber auch der Sonderband mit insgesamt fünf unterschiedlichen Nebengeschichten wird hier besprochen, wie auch ein weiteres Heft, das einfach nur den Titel Doom trägt. In diesem Heft sehen wir eine alternative Welt, die nahezu vollständig von Galactus verschlungen wurde. Dort macht sich Valeria Richards auf die Suche nach Doctor Doom, da dieser die letzte Hoffnung für das Universum ist.

Triggerwarnungen

Gewalt

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Doom – Tage des Untergangs

Wertung 4

Die Welt ist vergangen. Es ist fast nichts mehr übriggeblieben. Nur Valeria, die Tochter von Mister Fantastic und Invisible Woman hat die Hoffnung nicht aufgegeben und will ihren Onkel Doctor Doom ermächtigen, die Welt zu retten. Sie findet ihn in den Weiten des Weltalls und erzählt ihm und den Lesenden, wie es zu dieser Situation gekommen ist. Sie stattet Victor von Doom mit modernster Technik aus, und wir sehen ihn, wie er sich in den Kampf mit Galactus stürzt. Inhaltlich passiert nicht viel mehr in diesem Heft. Das Besondere ist aber die Erzählweise, die sich immer weiter verdichtet und durch die Erzählungen von Valeria eine ganz eigene Spannung aufbaut.

Neben Valeria und Doom als Protagonisten taucht noch H.E.R.B.I.E. als Nebencharakter auf und Galactus als der große Weltenverschlinger und Antagonist. Die Absichten von Galactus sind anfangs noch nicht ganz klar. Warum hat er sich verändert und verschlingt Welten nun ohne Zügel? Will er das Ende des Universums hervorrufen? Der Band spielt mit dem Szenario, dass Doom wirklich die letzte Hoffnung ist, das Universum zu retten. Dadurch wird ein ähnlicher Plot erzeugt, wie im Finale von Blood Hunt. Doch hier gibt es gar keine Zweifel, was Doom mit seiner Macht anstellen könnte. Kein moralisches Dilemma, sondern nur ein Weltuntergang und ein Mann, der sich ihm in den Weg stellt.

Die Schönheit im Untergang der Welt

Allein von der Geschichte hat der Comic nicht viel zu bieten. Doch optisch kann er mit großflächigen Bildern überzeugen. Der Titel Doom ist dabei auf zweierlei Arten zu deuten: Es geht nicht nur um Victor von Doom, sondern auch um den buchstäblichen Untergang der Welt. Wir sehen Scharen von Helden, die sich in den Tod werfen. Dazu Welten, die in Trümmern liegen und immer wieder einen mächtigen Weltenverschlinger, der vor nichts Halt macht. Das wirkt episch und schafft eine ganz eigene Schönheit. Die Linienführung ist wild und detailreich. Es macht wirklich Spaß sich in den Bildern zu verlieren.

Hier haben wir einen kurzen Comic, der in einer Parallelwelt spielt und Doctor Doom als Protagonisten hat. Es gibt keine besonderen Twiste, keinen Einblick in Dooms Psyche oder moralische Dilemma. Dennoch schafft es das Heft eine Spannung aufzubauen, die mitreißt. Das liegt an der geschickten Erzählweise und den eindrucksvollen Illustrationen. Wer sich hiervon überzeugen lässt, sollte schnell zugreifen.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*innen: Sanford Greene, Jonathan Hickman
  • Zeichner*in: Sanford Greene
  • Seitenanzahl: 48
  • Preis: 5,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Panini

 

Doom – Herrscher der Welt #1 – Lang lebe der Imperator!

Daumen hoch

Über den Vereinigten Nationen weht die Flagge eines vereinigten Latverias. Sämtliche Staaten haben sich dem kleinen Land in Europa ohne Widerworte angeschlossen. Die Helden rätseln und beratschlagen sich: Wie konnte Doom das innerhalb von nur einem Tag schaffen? War es Magie und er hat sämtliche Anführer verzaubert? Hat er alle Schlüsselfiguren durch Doombots ausgetauscht? Oder neigt die Menschheit einfach dazu, sich einer starken Führungspersönlichkeit mit einer klaren Vision zu unterwerfen? Nachdem Hydra kurz vor Dooms Festung steht, treffen die vereinigten Kräfte der Avengers, Fantastic Four und anderen Helden einen Entschluss: Sie greifen ebenfalls an und versuchen Doom zu stürzen.

Dieses Heft ist nur der Auftakt zu einem Event, bei dem es um viel mehr geht als einfach nur einen Kampf zwischen den Guten und den Bösen. Hier geht es auch um die politische Dimension des Faschismus. Es wird auch die Frage gestellt, ob die Welt nicht besser dran wäre, wenn ein kluger Diktator an ihrer Spitze steht. Dabei schafft es der Comic ganz geschickt die aktuelle Weltlage zu kommentieren, und gleichzeitig ein Action-Spektakel zu bieten, in dem Doom auf einem T-Rex-förmigen Doombot reitet, der mit Laseraugen umher schießt. Auf eine seltsame Weise passt das dennoch zusammen.

Die Rückkehr der Diktatoren?

Doctor Doom ist stets eine faszinierende Figur. Ein Schurke, der komplett von seinem Ego eingenommen ist, aber dennoch auch das große Ganze im Blick hat. Er ist klug, hat Technologie und Magie gemeistert und hält sich eisern an seine Prinzipien. Seine tragische Hintergrundgeschichte wird in dem Comic ebenso wenig thematisiert, wie seine Gedankenwelt. Der Comic beginnt dennoch mit einer großen Rede von ihm und man muss sich fragen, ob er nicht zumindest teilweise richtig liegt, in der Annahme, dass die Menschheit als Einheit agieren sollte und auf den Konflikt zwischen einzelnen Staaten verzichten sollte. Er schafft dadurch etwas faszinierendes: ein Verständnis für die Figur ohne Empathie, für ihn, aufzubauen.

Jede Geschichte ist nur so gut, wie das Ende der Erzählung. Nach dem Lesen dieses ersten Kapitels kann man nicht sagen, ob sich Marvel hier wieder mal im ewig gleichen Schema verlieren wird und die Probleme wieder nur mit Gewalt gelöst werden können. Für einen Prolog macht dieser Comic aber vieles richtig und man kann gespannt sein, wie es hier weitergeht. Das Szenario mit Doom als Herrscher der Welt kennt man schon aus Secret Wars oder Emperor Doom. Hier wird aber eine ganz eigene Dimension eröffnet, denn hier bleibt die Welt größtenteils wie sie ist, und er hat sie anscheinend nicht durch Gewalt oder Gedankenkontrolle erobert. Es wird kein Terrorstaat erschaffen oder sich nur auf die negativen Seiten des Faschismus fokussiert. Hier wird ein Herrscher aufgebaut, der es schaffen kann, das gemeine Volk zu überzeugen und sich dennoch als Schurke den Helden in Weg stellt. Hoffen wir, dass auch in den weiteren Heften dieses Niveau gehalten werden kann.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in: Ryan North
  • Zeichner*in: B. Silva
  • Seitenanzahl: 40
  • Preis: 5,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Panini

 

Doom – Herrscher der Welt Sonderband #1

Wertung 4

In verschiedenen Nebenschauplätzen wird die Welt unter der Herrschaft von Doom weiter ausgebaut: In einem unterirdischen Gefängnis sitzt Thaddeus Ross aka Red Hulk in Gefangenschaft und plant mit anderen Gefangenen wie Machine Man oder Deathlok einen Ausbruch. Wir erfahren, wie er in die Situation gekommen ist und müssen uns die Frage stellen, ob Terrorismus im Faschismus erlaubt sein sollte. Die zweite Geschichte folgt Doctor Strange, der, nachdem er nicht mehr als oberster Zauberer aktiv ist, eine neue Bestimmung sucht. Er geht nach Asgard und will dort die Position des obersten Zauberers ausfüllen. Dabei trifft er natürlich auch auf Loki.

Die dritte Erzählung folgt den neuen Thunderbolts und dabei vor allem ihrem Anführer Bucky Barnes, der mit den Konsequenzen seiner Handlungen konfrontiert wird. Direkt in der ersten Szene bietet ihm Doom eine Position in seinem Geheimdienst. Ähnlich läuft es auch mit der Tiger Division, dem Superhelden-Team aus Südkorea. Auch sie sollen als Doom’s Division den Befehlen des obersten Kaisers der Welt folgen. Gleichzeitig sehen sie aber auch, wie um sie herum die Probleme verschwinden und die Welt sich wirklich zu einem Besseren wandelt. In der letzten Geschichte folgen wir den Schülern der ehemaligen Strange Academy, die nun in Doom Academy umbenannt wurde.

Viele gute Ideen und etliche Cliffhanger

Als erster Sonderband wird hier aus jeder Erzählung das erste Kapitel erzählt. Bei keiner ist es notwendig die Handlung aus der eigentlichen Heftreihe zu kennen. Wichtig ist nur zu wissen, dass Doom nun der Herrscher der Welt ist. Alles andere ergibt sich von selbst. In seiner Gesamtheit werden hier die unterschiedlichsten Fassetten dieser neuen Weltordnung gezeigt und gute Handlungsbögen begonnen, die alle durch Wendungen und Cliffhanger das Bedürfnis erschaffen, mehr zu erfahren. Die Qualität ist dabei dennoch unterschiedlich, was auch nur natürlich ist, wenn für jede Geschichte ein anderes Kreativteam verantwortlich ist. So erzeugt gerade die Red Hulk-Geschichte von Benjamin Percy und Geoff Shaw eine intensive Atmosphäre und Spannung, während die Erzählung um die Zauberschüler der Doom Academy kalt lässt.

Es ist äußerst positiv anzumerken, dass jede dieser Geschichten komplett für sich funktioniert. Zu oft hat Marvel schon versucht die Verkaufszahlen anzukurbeln, indem alles mit allem verbunden ist, und man eine Geschichte nur verstehen kann, wenn man wirklich alles gelesen hat. Das ist hier anders. Es gibt ein gemeinsames Grundszenario, aber die einzelnen Handlungsbögen werden komplett unabhängig voneinander gesponnen. Ich bin versucht die Höchstwertung zu vergeben, wenn ich nicht ein paar Geschichten weniger gelungen finden würde. Doch auch diese schaffen es zu unterhalten und Spannung aufzubauen. Wer mehr über die Welt unter Doom erfahren will, sollte sich den Sonderband nicht entgehen lassen.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*innen: Derek Landy, Benjamin Percy, u.a.
  • Zeichner*innen: Carlos Magno, Geoff Shaw, Pasqual Ferry, u.a.
  • Seitenanzahl: 144
  • Preis: 19 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini

 

Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Sabrina Plote

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