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Nach dem spektakulären Kinostart der Thunderbolts* wollen viele sicher auch in den Comics von den Antiheld*innen lesen. Doch das Team in den Comic unterschied sich bisher von ihrem MCU-Pendant. Die neue Reinkarnation bedient sich an Figuren des Kinofilms: Ist der Comic dadurch gelungen? Und kann der zweite Teil von Ultimate Spider-Man überzeugen?

Die ursprünglichen Thunderbolts waren die Masters of Evil um Baron Zemo, die sich als Held*innen ausgaben. Doch mit der Zeit fanden sie Gefallen am Heldentum und sagten sich von Zemo los. Die Thunderbolts im Kino sind etwas anders. Die Truppe um Bucky Barnes und Yelena Belova aus dem MCU ist vor allem mit ihren inneren Zweifeln beschäftigt. Also macht Marvel das, was sie immer tun: Sie erschaffen einen Comic, der möglichst viele Figuren aus den Filmen enthält, und hoffen, dass diese Auftragsarbeit funktioniert. Bucky ist in den Comics momentan unter dem Codenamen Revolution unterwegs und führt ein Leben an der Grenze zum Schurken. Doch in diesem Band hat es Bucky auf Red Skull abgesehen. Im Ultimativen Universum trifft derweil Spider-Man zum ersten Mal auf eine sehr veränderte Variante der Sinister Six. Was beide Comics vereint: Der Kingpin hält die Fäden in der Hand.

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Thunderbolts – Das Böse im Visier

Nachdem Bucky in Wächter der Freiheit einen Mann, der sich Revolution nannte, tötete und so dessen Rolle und Namen in einem geheimen Zirkel übernahm, konnten die beiden Captain Americas Steve Rogers und Sam Wilson den gesamten Zirkel auflösen. Bucky sicherte sich das Geld und den Einfluss dieses Zirkels, um einen Rachefeldzug zu starten. Von den Schurk*innen der Welt weiterhin als einer der ihren angesehen, hat er Zugang zu Kreisen, die Held*innen normalerweise verwehrt bleiben. Er nimmt also Kontakt zur Contessa Valentina Allegra de Fontaine auf und will mit ihr zusammen ein neues Thunderbolts-Team aufbauen. Sie rekrutieren Sharon Carter und Red Guardian, um Red Skull auszuschalten. Doch dieser lässt sich von dem Tod seines Körpers nicht einfach aufhalten. So müssen sie zusammen mit Black Widow und White Widow zu einer Gala des Hellfire Clubs, der von Wilson Fisk geführt wird. Dort versuchen sie der Spur des Geldes zu folgen, um Red Skulls Aufenthaltsort zu identifizieren.

Die Handlung klingt wie der Auftakt zu einer guten Agentenstory. Doch jedes Kapitel wirkt losgelöst vom Rest. Das dritte Kapitel beinhaltet zum Beispiel einen Kampf gegen American Kaiju, der mehr an Godzilla als an Spionage erinnert. Dazu tauchen immer wieder neue Charaktere wie John Walker oder Shang-Chi auf, ohne dass man eine Beziehung zu ihnen aufbauen kann. Von Charakterentwicklung oder inneren Zweifeln keine Spur. Gleichzeitig erfüllt der Band aber auch nicht die Klischees von einem actionreichen Superheldencomic, in dem am Ende das Gute über das Böse siegt. So muss man sich fragen, für welche Zielgruppe der Comic eigentlich geschrieben ist.

Kein Comic für Fans des Kinofilms

Der Comic hat in der Figurenzusammenstellung klare Parallelen zum Kinofilm. Daher ist davon auszugehen, dass diese Zielgruppe auch ins Visier genommen wurde. Da aber weder auf das Team noch einzelne Mitglieder eingegangen wird, entsteht eine ganz andere Stimmung als in Thunderbolts*. Ohne Bob fehlt dazu noch die tragende Säule des Films. Einzig auf die Beziehung zwischen Natasha und Bucky wird eingegangen. Dafür wird die Tatsache, dass Natasha momentan mit einem Venom-Symbionten verbunden ist, einfach so hingenommen und mit keinem Satz kommentiert. Gerade solche Querverweise sorgen aber dafür, dass es schwer fällt, einfach einen Marvel-Comic zu greifen und loszulegen.

Optisch hat der Comic leider auch nicht viel zu bieten. Zwar gibt es einige nette Actionszenen, doch weder die Farben noch Szenen sind sonderlich spannend ausgewählt. Am interessantesten ist noch das Zusatzkapitel am Ende, das weit vor der eigentlichen Geschichte spielt und davon handelt, wie Bucky beim Kingpin während des Events Devils Reign einbricht, um Akten über sich zu finden. Dieses ist in starken Schwarz- und Rot-Tönen gehalten und fokussiert stärker auf einen Charakter. Leider passiert auch in dem Kapitel wenig interessantes.

© Panini Comics, Marvel

In der Summe ist dies einfach ein überflüssiger Comic. Es gibt nette Ansätze einer Agentengeschichte, die aber nicht wirklich weit verfolgt wird. Zu oft wechseln die Charaktere und die Grundstimmung der einzelnen Szenen. Unterm Strich bleibt nichts hängen, was wirklich in Erinnerung bleiben wird. Schade um die eigentlich spannenden Figuren.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in: Jed MacKay
  • Zeichner*innen: Netho Diaz, Ryan Stegman
  • Seitenanzahl: 168
  • Preis: 22 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini

 

Ultimate Spider-Man #2 – Die Spinne und die Katze

Wertung 4

Spider-Man und Green Goblin sind seit kurzem gemeinsam aktiv, um das Verbrechen in New York zu bekämpfen. Gemeinsam mit Otto Octavius arbeiten sie daran, ihre auf Stark-Tech basierenden Rüstungen zu verbessern. Gleichzeitig baut der Kingpin seine eigene Gruppe von Sinister Six auf, um diese Helden zu stoppen. Jeder dieser Schurken kontrolliert einen Stadtteil: Mister Negative Queens, Black Cat die Bronx, Kraven Staten Island, Mysterio Brooklyn und der Mole Man den Untergrund. Manhattan ist natürlich unter Fisks eigener Herrschaft. Doch es kommt nur zu einzelnen Auseinandersetzungen mit den Schurken. Hauptsächlich geht es hier um das neue Online-Magazin The Paper von Ben Parker und J. Jonah Jamesson, sowie Familienprobleme um Mary-Jane Watson-Parker.

Der ganze Comic arbeitet weiter am Etablieren der Charaktere und der Welt. Und das macht er wirklich gut. Eine zusammenhängende Geschichte wird aber nicht erzählt. Jedes Kapitel wirkt für sich. Einige Kapitel kommen sogar vollkommen ohne Spider-Man aus. Das überraschende ist: Es funktioniert! Die Erzähltechnik schafft Spannung, selbst wenn es sich nur um ein Gespräch zwischen zwei Schwestern handelt. Dennoch unterläuft der Comic einige Erwartungen und erzählt beispielsweise mit einem von Octavius entwickelten alternativen Anzug für Spider-Man, ohne dass diese Story schon zu einem Höhepunkt kommt. Erst am Ende gibt es einen Cliffhanger und man fragt sich, ob man hier etwas verpasst hat.

Meckern auf hohem Niveau

Sowohl erzählerisch als auch optisch macht dieser Comic vieles richtig. Die Bilder wirken alle wie aus einem Guss und schaffen es durch gute Mimik sogar, einfache Dialoge geschickt zu illustrieren. Große Höhepunkte hat dieser Comic aber nicht zu bieten. Die ersten Auftritte der Schurken sind zwar spannend, es kommt aber beispielsweise noch nicht zum Kampf der Sinister Six gegen Spider-Man. Selbst ein Treffen mit Felicia Hardy, wie es das Cover andeutet, findet nicht statt. Ich hätte mir hier einen stärkeren roten Faden gewünscht. So hat man kontinuierlich den Eindruck, die Kapitel sind nur Überbrückung und Aufbau einer wirklich größeren Geschichte, die im Folgeband erzählt wird.

Wenn man bereits vom ersten Band abgeholt wurde, wird man auch diesen Band verschlingen und gebannt darauf warten, bis es im Oktober weitergeht. Das neue ultimative Universum ist bisher ein sehr gelungenes Experiment, das weiterhin dadurch überzeugt, dass bekannte Figuren etwas anders interpretiert werden und vor ganz neuen Herausforderungen stehen.

© Panini Comics, Marvel

Dennoch wirkt dieser Comic nicht ganz rund und es hätte ihm gut getan, wenn eine Geschichte ganz erzählt würde, statt hier und dort Schnipsel aus dem Leben der Figuren zu präsentieren. Doch dies ist Meckern auf hohem Niveau und der Nachfolgeband wird mit Sicherheit wieder gelesen.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in: Jonathan Hickman
  • Zeichner*innen: Marco Checchetto, David Messina
  • Seitenanzahl: 152
  • Preis: 20 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini

 

Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
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