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Adaptionen, Tie-Ins, Crossover: Alles Klassiker im Comicbereich. Dieses Mal geht Panini in die Vollen mit Justice League vs. Godzilla vs. Kong, Suicide Squad – Kill Arkham Asylum und Cyberpunk 2077 – XOXO. Comics treffen Videospiel- und Film-Universen – geht das auch diesmal gut aus?

Comics sind schon seit Anbeginn ein sehr anpassungsfähiges Medium. Sie nehmen Filme und Romane, später kamen dann auch Serien und Videospiele dazu, und adaptieren die Geschichten. Sie erzählen die Geschichten aber auch Vorgeschichten wie Suicide Squad – Kill Arkham Asylum zu dem Videospiel Suicide Squad – Kill the Justice League, erzählen Nebengeschichten abseits bekannter Protagonist*innen wie in Cyberpunk 2077 – XOXO oder erzählen eigene Geschichten unabhängig von der Vorlage wie in Justice League vs. Godzilla vs. Kong. Das ist alles seit Jahrzehnten etabliert und erst einmal nichts Neues.

Bei diesen Comics kommt jedoch ein interessanter Aspekt dazu: Alle Comics sind mit Filmen und Spielen verbunden, die, sagen wir mal, so ihre Probleme hatten. Das Videospiel Cyberpunk 2077 wurde mittlerweile zu einem Kulthit gepatcht, ist aber immer noch für seinen katastrophalen Zustand bei der Veröffentlichung in Erinnerung. Suicide Squad – Kill Arkham Asylum erzählt die Vorgeschichte zu Suicide Squad – Kill the Justice League, einem Spiel, das in einem Jahr voller Gaming-Flops als einer der größten gilt. Justice League vs. Godzilla vs. Kong schließlich ist ein Crossover zwischen der Superheldenwelt der DC-Comics und dem MonsterVerse, der amerikanischen Filmreihe um Riesenmonster wie eben Godzilla und King Kong. Die Filme waren zwar erfolgreich, aber vor allem der letzte kam um einiges weniger gut an.

Daher stellt sich dieses Mal die zusätzliche Frage: Können Ableger-Comics unabhängig von der Vorlage Spaß machen, oder diese sogar übertreffen?

Triggerwarnungen

Gewalt, sexuelle Gewalt, Polizeigewalt, Bodyhorror

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Justice League vs. Godzilla vs. Kong 

Der Comic Justice League vs. Godzilla vs. Kong beginnt schon mal mit einem informativen, aber ungelenken Titel. Hält der Comic, was der Titel verspricht? Ja. Die Justice League, Godzilla und Kong tauchen auf und kämpfen gegeneinander. Dazu mischen noch andere Riesenmonster (Titanen) aus dem MonsterVerse sowie die DC-Superschurk*innen der Legion of Doom mit. Viel Action in großen Bildern ist damit gegeben und das ist bei so einem Comic doch die Hauptsache.

Wenn etwas eine doppelseitige Splashpage verdient hat, dann wohl Superman, der Godzilla einen linken Haken verpasst. © Panini Comics

Etwas mehr gibt es aber doch zu sagen, denn gegen alle Klischees gibt es nämlich auch eine Story, und die ist nicht nur ein windschiefes Gerüst, um Kloppereien zu ermöglichen. Nun ja, sie ist ein solides, festes Gerüst, um Kämpfe und coole Momente zu ermöglichen, bei denen es auch ein paar Charakter-Momente gibt. Die Geschichte beginnt auf der Welt der Justice League, passiert aber nicht in der Hauptkontinuität. Die Figuren sind in ihrer typischen modernen Art geschrieben, ohne dass man sich damit belasten muss, was gerade in der einen oder anderen Comic-Reihe passiert. Dadurch ist JL vs. G. vs. KK auch gut für Quereinsteiger geeignet, oder für MonsterVerse Fans, die mal einen Blick hineinwerfen wollen. Bekannte Figuren wie Superman und Batman verhalten sich wie immer und weniger bekannte wie Green Arrow oder Deathstroke werden schnell und effektiv gerade so viel vorgestellt, wie die Geschichte es braucht.

Riesenmonster greifen die Welt an und die Legion of Doom rekrutiert… den Pinguin. Verkrächzt noch mal, Batman-Hype! © Panini Comics

Jedenfalls bricht die Legion of Doom in Supermans Geheimversteck ein. Einer von ihnen, der Toyman, stiehlt dabei den magischen Traumstein, mit dem er die Titanen von der MonsterVerse-Welt auf die DC-Erde holt. Der Traumstein ist übrigens der Edelstein von Morpheus aus der Sandman-Reihe, die auch zu DC gehört. Das Crossover ist also noch größer als angekündigt. Die Titanen richten natürlich erst einmal Unheil und Zerstörung an, während die Held*innen versuchen, sie zu stoppen. Die Legion of Doom, unter ihrem Anführer Lex Luthor, will die Riesenmonster ausnutzen, um die Justice League auszuschalten und die Weltherrschaft an sich zu reißen.

So läuft die Handlung sehr Action-konzentriert ab, findet aber auch Zeit für ein paar Charaktere. Die Rahmenhandlung besteht darin, dass Superman seiner Geliebten Lois Lane endlich einen Heiratsantrag macht, der aber durch Godzilla unterbrochen wird. Der Comic geht auch unterschwellig gut darauf ein, dass Riesenmonster für die Justice League keine neue Bedrohung sind. Die Held*innen passen sich ziemlich schnell an und schicken ihrerseits Riesenroboter und Riesen-Helden in den Kampf. Das alles läuft nett vor sich hin, liest sich unterhaltsam und hat ein paar witzige Einfälle. So richtig begeistern kann es aber trotzdem nicht. Dafür verläuft die Handlung zu gewöhnlich.

Die Zeichnungen von Christian Duce können dafür sehr überzeugen. Der realistische gehaltene Zeichenstil fängt die Figuren gut ein und bildet die Monster filmgetreu ab. Besonders die dynamischen Actionszenen überzeugen und die großen Bilder, oft auf einer ganzen oder über zwei Seiten, werden der Größe der Titanen mehr als gerecht. Vor allem im Finale wird der Fokus des Comics aber leicht enttäuschend. Zu viele Seiten werden auf Kämpfe von Held*innen gegen Schurk*innen verschwendet, die man in jedem anderen Comic finden kann. Hier wären mehr Titanen wünschenswert gewesen.

DCs Held*innen haben schon Erfahrung mit Kaijus. Aquaman hat sogar sein eigenes! © Panini Comics

Insgesamt bietet Justice League vs. Godzilla vs. Kong genau das, was es verspricht. Unterhaltsame Action mit großartigen Bildern, dazu ein paar nette und witzige Momente. Die Titanen könnten zwar etwas mehr auftauchen als die DC-Figuren, aber das ist ja das altbekannte Problem der Menschen im Kaiju-Film. Wem das reicht, der ist damit gut bedient. Viel mehr als eine gute Blockbuster-Crossover-Klopperei gibt es aber nicht, dessen sollte man sich bewusst sein.

Um Justice League vs. Godzilla vs. Kong einmal anders einzuordnen: Es ist ein besseres Godzilla-Crossover als Godzilla Vs. The Mighty Morphin Power Rangers und das alte Godzilla-Avengers aus den 1970ern.

© Panini Comics

Für 2025 ist ein neuer Godzilla/MarvelCrossovercomic angekündigt, was Fans von Kaijus und Superheld*innen gute Aussichten verspricht. Mit dem… einzigartigen Godzilla vs. Charles Barkley wird sich aber wohl nichts vergleichen lassen.

Die harten Fakten

  • Autor*in(nen): Brian Buccellato
  • Zeichner*in(nen): Christian Duce, Tom Derenick
  • Seitenanzahl: 264
  • Preis: 30 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Panini 

 

Suicide Squad – Kill Arkham Asylum 

Suicide Squad – Kill Arkham Asylum. Sprechen wir den Elefanten im Raum an: Ja, das Videospiel Suicide Squad – Kill the Justice League war ein Flop. Das Gameplay war schlecht ausbalanciert und mit viel zu langem, eintönigem Grind gestreckt, es gab viel zu viel Liveservice-Elemente und Mikrotransaktionen und die Story um die gehirngewaschene Justice League war schwach. Kill Arkham Asylum verdient es aber trotzdem, als eigenständiges Werk betrachtet zu werden.

Kill Arkham Asylum erzählt nämlich, wie das titelgebende Suicide Squad zusammenfand. Normalerweise bietet die skrupellose Geheimdienstchefin Amanda Waller Superschurk*innen im Gefängnis eine Alternative zur Haft – illegale Selbstmordkommandos. Wer überlebt, dessen Haftstrafe wird verkürzt. Damit die Schurk*innen Wallers Befehle befolgen, bekommen sie ferngesteuerte Bomben implantiert. Dieses Mal geht Waller jedoch anders an die Sache heran: Ihr Geheimdienst, A.R.G.U.S. (quasi das S.H.I.E.L.D. von DC) hat die Leitung des Arkham Asylums übernommen.

”Ehre Unter Dieben” ist ein Dungeons&Dragons-Film, nichts, an das sich echte Killer halten. © Panini Comics

Nun werden dort nicht mehr nur Batmans verrückte Feind*innen eingesperrt, sondern Superschurken aus dem ganzen Land – zu Bedingungen, die das alte Arkham angenehm wirken lassen. Es dauert nicht lange, bis der Hexenkessel überkocht und es einen Gefangenenaufstand gibt. Das war aber Wallers teuflischer Plan: Die gefangenen Superschurk*innen sollen sich gegenseitig umbringen, bis nur noch die härtesten, mächtigsten Killer übrig sind, die sie dann für ihr neues Squad einzieht. Der Comic folgt in je vier einzelnen Geschichten dem Profi-Scharfschützen Deadshot, der durchgeknallten Harley Quinn, dem Mensch-Hai-Hybriden King Shark und dem verkommenen Australier Captain Boomerang.

Dass diese vier am Ende überleben ist klar, da sie später im Game spielbar sind. Trotzdem schafft es der Comic, eine unterhaltsame und spannende Geschichte zu erzählen. Wie genau die Figuren überleben und welchen anderen Figuren sie dabei wie begegnen ist mitreißend erzählt. Dazu ist es aber zugegeben von Vorteil, sich mit DC-Comics oder den vorherigen Spielen der Arkham-Reihe auszukennen. Besonders die Geschichte von Captain Boomerang, ein absolut anstandsloser, betrügerischer Feigling, kann durch viel schwarzen Humor punkten. Die Geschichte von Deadshot wiederum passt zu dessen nüchtern-professioneller Art, während Harley mit ihrer Unberechenbarkeit Gefangene, Wärter*innen und Leser überrascht. So wird jede Figur charakteristisch und einzigartig gut dargestellt.

Die Zeichnungen sind rau und anschraffiert, aber kräftig koloriert. Die Rauheit passt zu der, eigentlich ja doch düsteren, Story um Schurk*innen und Killer*innen, typisch Suicide Squad eben. Allzu düster wird es jedoch nicht und auch die Brutalität ist zwar hart, aber nimmt nicht unnötig überhand. Die Gesichter aus dem Spiel, die auf echten Figuren basieren, sind sofort erkennbar getroffen. Besonders cool ist die Idee, dass jede Geschichte mit einem großen Bild der jeweiligen Hauptfigur beim Gefängnisaufstand beginnt. In der jeweils nächsten Geschichte zoomt dieses Bild etwas zurück, sodass die neue Figur im Vordergrund zu sehen ist, während das alte Bild in den Hintergrund wandert.

Kill Arkham Asylum ist tatsächlich ein guter und unterhaltsamer Comic. Die Geschichte um den Gefängnisausbruch ist an sich vielleicht nicht innovativ, aber spannend und witzig erzählt, mit sehr gut dargestellten Charakteren.

© Panini Comics

Für Kill the Justice League ist ein Bonuscode enthalten, mit dem man Waffenanhänger im Spiel freischalten kann. Für mich war der Comic aber tatsächlich um einiges besser als das Game, zu dem er „nur“ ein Ableger sein sollte.

Die harten Fakten

  • Autor*in(nen): John Layman
  • Zeichner*in(nen): Jesús Hervás
  • Seitenanzahl: 150
  • Preis: 30 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel,  Amazon, Panini

 

Cyberpunk 2077 – XOXO 

Cyberpunk 2077 – XOXO macht erst einmal einen besseren Eindruck als Kill Arkham Asylum. Der Release des Videospiels Cyberpunk 2070 wurde zwar von einem Skandal wegen der unfertigen Technik und vieler Bugs überschattet, mittlerweile kann das gepatchte Spiel aber begeistern. Auch der Netflix-Anime Cyberpunk: Edgerunners war ein großer Hit. Der Autor, Bartosz Sztybor, ist außerdem durch die guten Comics zu The Witcher und das vorherige Cyberpunk 2077 bekannt. Das alles weckt hohe Erwartungen.

XOXO geht um Screw, ein Mitglied der Maelstrom-Gang in Night City. Eines Tages sieht Screw Kali und ist beim ersten Anblick sofort Hals über Kopf in sie verliebt. Dumm nur, dass sie zu der verfeindeten Moxes-Gang gehört, die Screw und seine Kameraden gerade überfallen. Aber wahre Liebe überkommt alles, und so erschießt Screw ohne zu zögern seine Freunde. Der gemeinsamen Zukunft von ihm und Kali darf nichts im Wege stehen… auch wenn Kali nicht die geringste Ahnung hat, welcher Kurzschluss dem schweigsamen Cyborg mit Kameras statt Gesicht gerade das Gehirn durchbrennt.

Inspiration hierfür war Red Hot Riding Hood von 1943. Die Sängerin Bunny ähnelt Jessica Rabbit aus Falsches Spiel mit Roger Rabbit. © Panini Comics

Die Maelstrom-Gang ist im Setting von Cyberpunk 2077 eigentlich dafür bekannt, dass sie von der Schwäche ihres Fleisches angewidert sind und es durch reines Metall und Cyberimplantate ersetzen wollen. Viele der Cyborgs verfallen irgendwann der Cyberpsychose, verlieren den Kontakt zur Realität und laufen Amok. Vielleicht geschieht das in diesem Comic gerade mit Screw. Die Handlung wird immer wieder von Sequenzen unterbrochen, die vom Stil alter Tex-Avery-Cartoons aus den 1930ern inspiriert sind. Screw wird da als blauer Wolf im Zoot-Suit gezeigt, Kali als sexy Hasensängerin im roten Abendkleid und die kurzen Zwischenspiele haben immer wieder Bezug zur eigentlichen Handlung. Aber vielleicht ist Screw auch einfach nur ein Romantiker, der alte Cartoons mag.

XOXO wird insgesamt sehr unkonventionell erzählt. Neben den Cartoon-Einlagen gibt es immer wieder symbolhafte Bilder wie Wellen auf dem Meer oder Nahaufnahmen eines schlagenden Herzens und Rückblicke auf Ereignisse, die früher oder woanders geschehen sind. Die Bilder sind grobschlächtig mit dicken Linien gezeichnet und oft in einzelne Farben, rot oder blau, getaucht. Auf manchen Seiten werden die Bilder geradezu expressionistisch, im Stil der Maler*innen aus den 1910ern und 20ern. Obendrüber liegen Sprechblasen mit Screws Gedanken, die im Bewusstseinsstrom über die Welt, das Sein und die Liebe philosophieren. Zusammen erinnert das an die künstlerischen Vertigo-Comics der frühen 90er. Wie diese Comics ist XOXO nicht leicht zugänglich und kann schwer mal so vor sich hin gelesen werden.

Wer sich auf die unkonventionelle, teils umständliche und schwer verständliche, symbollastige und expressionistische Art von XOXO einlassen kann, findet eine solide Story. Eine typische Cyberpunk-Geschichte, in der „High Tech, Low Life“ aufeinanderstoßen und nihilistische Romantik den fatalistischen Kampf gegen die Grausamkeit der Welt wagt.

© Panini Comics

Wer so etwas mag, ist mit XOXO gut beraten. Für alle anderen wird es aber wahrscheinlich ein zu schwerer Weg zu einem unangenehmen Thema sein.

Die harten Fakten

  • Autor*in(nen): Bartosz Sztybor
  • Zeichner*in(nen): Jakub Rebelka
  • Seitenanzahl: 112
  • Preis: 15 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel,  Amazon, Panini

 

 

Artikelbilder: © Panini Comics 
Layout und Satz: <Bitte vom Layout selbst eintragen> 
Lektorat: Lidia Strauch 
Fotografien: Paul Menkel 

Diese Produkte wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.  

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2 Kommentare

  1. Die Einschätzung zu dem Cyberpunk Comic XOXO war gut. Besonders der Satz; „Eine typische Cyberpunk-Geschichte, in der „High Tech, Low Life“ aufeinanderstoßen und nihilistische Romantik den fatalistischen Kampf gegen die Grausamkeit der Welt wagt.“
    Den Comic habe ich diese Woche gelesen und war sehr beeindruckt. Tatsächlich habe ich den Comic sogar in einem Rutsch gelesen, was ich sonst nie mache.

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