Schon zur SPIEL ESSEN 2024 haben wir ein erstes Auge auf Agent Avenue geworfen und uns auf ein schnell gespieltes, lockerleichtes und dennoch spannendes Spiel gefreut. Ob wir in der Rolle von Spion*innen auf gegnerischer Jagd im Karten-Duell wirklich Spaß hatten, erfahrt ihr hier.
Wer gerne Karten auf den Tisch bringt und es dabei reibungsvoll und kompetitiv mag, kennt vielleicht schon das Kartenspiel Mindbug. Einer der Autoren hat letztes Jahr, gemeinsam mit seiner Frau, Agent Avenue auf den Markt gebracht. Das Zweipersonen-Spiel kann auch in Teams zu dritt oder viert sowie in zwei unterschiedlichen Schwierigkeitsmodi gespielt werden. Funktioniert das in allen Varianten gleich gut oder wollte das Spiel hier zu viel des Guten?
keine typischen Trigger
Inhaltsverzeichnis
Spielablauf
Scheinbar ruhig wirkt es in der Straße, die dem Spiel ihren Namen gibt und in Form eines kleinen Spielplans auf den Tisch gebracht wird. Jede Spielpartei startet zu Hause auf dem farblich passenden Feld mit der eigenen Spielfigur. Früher als Spion*innen tätig, haben wir unsere gegenseitige Neugier geweckt, und wollen nun als Erste*r der anderen Partei auf die Schliche kommen. Die Jagd endet, sobald eine Spielfigur die andere eingeholt hat und dadurch gewinnt.
Zur Unterstützung stehen verschiedene Agent*innen aus der Nachbarschaft in Form von Karten zur Verfügung. Beide Spielenden haben stets vier davon verdeckt auf der Hand und rekrutieren im Laufe des Spiels immer mehr Agent*innen vor sich in den eigenen Spielbereich. Denn diese helfen bei der Jagd und geben an, wie weit vor oder zurück sich die jeweilige Spielfigur bewegt.
Dabei ist ein Karten-Kniff des Spiels, dass die Bewegung von der Anzahl gleicher ausgespielter Agent*innen abhängt. Zum Beispiel wird die Spielfigur durch die Doppelagentin bei der ersten ausgespielten Karte einen Schritt zurückbewegt, bei der zweiten Doppelagentin dafür aber sechs Felder weiter nach vorn. Besonders sind dabei auch die Codeknackerin, deren dritte ausgespielte Karte zum sofortigen Sieg führt und der Draufgänger, dessen dritte ausgespielte Karte die sofortige Niederlage bedeutet.
Der andere Kniff und das zentrale Spielelement ist vielen erfahrenen Spieler*innen als “I Cut, You Choose”-Mechanismus bekannt, aber auch den meisten Geschwisterkindern ist solch eine Vorgehensweise sicherlich vertraut.
Bei Agent Avenue funktioniert sie so: Wer am Zug ist, wählt zwei verschiedene Agent*innen-Karten und legt eine davon verdeckt, die andere offen aus. Die gegnerische Person darf nun wählen, welche Karte sie für sich selbst möchte und welche die Gegenseite bekommt. Beide Karten werden jeweils in die eigene Auslage gelegt und dadurch dann die Spielfiguren entsprechend bewegt.
Durch die Karten-Kniffe entstehen dabei schöne Möglichkeiten, um das Gegenüber in die Irre zu führen, dabei kann jedoch auch der eigene Sieg aufs Spiel gesetzt werden. Je nach Spieler*innen-Typ kann das schnell aus dem Bauch heraus oder langsam durchdacht zelebriert werden, und manchmal bringt auch einfaches Kartenglück das Spiel zum Ende. Dann kann einfach schnell eine weitere Partie gespielt werden, jetzt vielleicht im fortgeschrittenen Modus.
Fortgeschrittener Modus
Im Fortgeschrittenen Modus wird der Spielplan auf die Schwarzmarkt-Seite umgedreht. In jeder Ecke befindet sich ein Schwarzmarkt-Feld. Landet eine Spielfigur am Ende der Bewegung genau auf so einem Feld – egal ob durch eine Vorwärts- oder Rückwärtsbewegung – muss eine Karte aus dem Schwarzmarkt gewählt werden. Dieser besteht aus drei offen ausliegenden Karten, die eine sofortige oder dauerhafte Fähigkeit haben.

Beispielsweise kann die eigene Spielfigur mit Hilfe des Fluchtwagens für den Rest des Spiels drei Felder weiter nach vorn bewegt werden, wenn sie am Ende des Zugs auf einem der beiden Startfelder landet. Jede Karte auf dem Schwarzmarkt ist einmalig, was den Wettstreit weiter anstachelt und dem Spiel ein bisschen mehr Tiefe verleiht, ohne komplex zu werden.
Das Spiel im Team
Für das Spiel zu dritt oder viert gibt es bei Agent Avenue eine Teamvariante mit einer kleinen Änderung beim Ausspielen der Karten. Zu dritt spielen zwei Personen gegen eine, zu viert zwei gegen zwei. Alle Spielenden haben jeweils vier Karten, spielen aber nur eine davon aus. Zuerst wird eine Karte offen ausgespielt, das andere Teammitglied legt dann verdeckt eine Agent*innen-Karte mit anderem Namen dazu. Alles andere im Spielablauf bleibt gleich. Durch die kleine Änderung gelingt es, alle Mitspielenden gleichermaßen zu beteiligen und außerdem die Spannung zu erhöhen. Denn auch innerhalb des eigenen Teams bleibt es bis zum Aufdecken der Karten ungewiss, ob der ausgeheckte Plan aufgeht. Dabei sollte außerdem höchstens sehr geheim kommuniziert werden, um es der Gegenseite nicht zu leicht zu machen.
Ausstattung
Das Regelheft ist übersichtlich und besonders durch die Bebilderung gut verständlich. Die Seiten mit Regel-Erinnerungen und ausführlicheren Erläuterungen zu den Schwarzmarkt-Karten sind ebenso hilfreich wie die Kurzübersicht in Kartengröße für den schnellen Überblick.
Die namensgebende Agent Avenue besteht aus einem dicken, doppelseitigen Spielplan, auf dem sich die ebenso robusten Spielfiguren aus Holz das Wettrennen im Kreis liefern können.
Sowohl die Agent*innen- als auch die Schwarzmarkt-Karten sind etwas dünn, so dass wir sie für langfristigen Spielspaß lieber gesleevt (in Plastikhüllen gesteckt) haben. Besonders erwähnenswert: Jede Karte ist individuell gestaltet, so dass die anthropomorphen Tiere immer etwas anders aussehen.
- Verlag: Skellig Games, Nerdlab Games
- Autor*in(nen): Laura Kudahl, Christian Kudahl
- Illustrator*in(nen): Fanny Pastor Berlie
- Erscheinungsjahr: 2024
- Sprache: deutsch
- Spieldauer: 10 – 20 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: 2 bis 4 (Empfohlen mit 2 oder 4)
- Alter: ab 8 Jahren
- Preis: ca. 20 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel
Bonus/Downloadcontent
Die deutsche Anleitung gibt es auf der Seite von Skellig Games.
Fazit
Agent Avenue ist ein kleines, kurzes Spiel, dem es gelingt, durch gewitzte Karten-Kniffe einen spannenden Wettstreit einer gegenseitigen Jagd auf den Tisch zu bringen.
Der leichte Modus eignet sich dabei zum Einstieg, für Neulinge, Kinder oder alle, die es gern seichter mögen. Wer mag kann aber auch direkt mit dem fortgeschrittenen Modus starten und durch die Schwarzmarkt-Karten etwas mehr Tiefe ins Spiel bringen. Beide Modi haben uns – je nach Zielgruppe – genauso überzeugt wie die Teamvariante, die noch mehr Spannung ins Spiel bringt.
Besonders gut gefallen haben uns die Illustrationen der anthropomorphen Tiere, die auf jeder Karte etwas abgewandelt gestaltet wurden. Das diese auch etwas unglücklich in die Kartenhand wandern können hat bei uns selten zu Frust, sondern zu einer schnellen neuen Partie geführt und deswegen bekommt Agent Avenue von uns fünf von fünf geheimen Überwachungswagen.

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Funktioniert in jeder Variante gut
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Karten-Kniffe
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Individuell illustrierte Karten
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Kartenglück
Artikelbilder: © Skellig Games
Layout und Satz: Norbert Schlüter
Lektorat: Sabrina Plote
Fotografien: Nele Peetz
Dieses Produkt wurde privat finanziert.
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