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Diesen Monat besprechen wir Wolverine-Comics: Eine neue Reihe mit Wolverine & Spider-Man, Logans Tochter Laura Kinney mit einer neuen Wolverine-Serie und der zweite Teil von Ultimate Wolverine stehen an. Einer der beliebtesten Helden des Marvel-Universums: Wolverine ist der Beste in dem, was er tut, doch sind es die Comics auch?

Als Wolverine vor über 50 Jahren in Incredible Hulk #180 eingeführt wurde, konnte niemand erahnen, welchen Siegeszug dieser Held in den kommenden Jahren hinlegen würde. Auch außerhalb der Comicwelt kennt fast jeder den schweigsamen Kanadier mit den scharfen Krallen. Wir schauen uns diesmal aber keine gewöhnlichen Wolverine-Comics an, sondern zeigen die Varianz, die diese Figur heutzutage an den Tag legt. In Wolverine & Spiderman erleben wir ein knallbuntes Actionabenteuer, das vor allem auch durch den Gegensatz zur freundlichen Spinne von nebenan profitiert. Gemeinsam kommen sie einem Geheimnis um Peters Eltern auf die Spur. Laura Kinney: Wolverine handelt schon gar nicht mehr von Logan, sondern von seiner Tochter Laura, die ursprünglich als X-23 aufgetreten ist, inzwischen aber auch den Decknamen Wolverine angenommen hat und sein klassisch gelbes Kostüm trägt. Ultimate Wolverine spielt im neuen ultimativen Universum und zeigt Logans Weg, nachdem er sich dort aus dem Winter Soldier-Programm befreien konnte. Diese alternative Version des Helden ist teilweise anders, als der Held, den wir kennen, doch sein Charakter ist unverkennbar.

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Gewalt

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Wolverine & Spider-Man #1

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Wolverine war einst Geheimagent. Ein Spion informiert ihn, dass eine verborgene Datenbank mit Informationen seiner Vergangenheit enthüllt werden könnten. Dabei sind auch Peter Parkers Eltern involviert. Nachdem Spider-Man bereits mit seiner Schwester Geheimnisse seiner Eltern aufspürte, muss er sich nun zusammen mit Logan auf die Spuren der S.H.I.E.L.D.-Agenten begeben. Dabei treffen sie plötzlich auf Omega Red und Kraven the Hunter, die ebenfalls auf der Suche nach der aufgetauchten Datenbank sind. Schnell wird deutlich, dass Logan sehr viel mehr weiß, als er zugeben will und auch der Tod von Peters Eltern anders abgelaufen ist als bisher bekannt. Doch ihnen bleibt nur wenig Zeit zum Durchatmen, denn weitere Gegner*innen und Geheimnisse liegen schon auf ihrem Weg.

Der Comic lässt sich kaum Zeit, seine Handlung zu entwickeln. Eine Actionszene folgt auf die nächste. Dadurch wirkt alles extrem wirr und undurchschaubar. Die Geheimnisse um Peters Eltern werden selten thematisiert, wodurch es seltsam wirkt, dass auch Spider-Man Teil einer Agentenhandlung wird. Das Team-Up ist dadurch etwas erzwungen und auch die Zusammenarbeit ihrer russischen Gegner*innen fühlt sich unpassend an. Der Comic schafft nicht, eine wirkliche Agentengeschichte zu entfalten, obwohl dies hier sehr passend gewesen wäre. Stattdessen verliert er sich in unzähligen Kämpfen und spiegelt dadurch alle Klischees eines Superhelden-Comics wider.

Zu wenig Interessantes, das zu viel neu erzählen will

Dabei wäre es spannend, die gemeinsame Vergangenheit von Logan und Peters Eltern zu ergründen. Doch jedes Puzzleteil wird mit einem Vorschlaghammer in die Erzählung geworfen. Dazu passt auch der ungewöhnliche Zeichenstil, der stark auf Dynamik ausgelegt ist und die muskulären Körper teilweise stark verformt darstellt. Die Illustrationen sind dabei nicht hässlich und Kaare Andrews versteht einiges von interessanten Perspektiven. Es ergibt sich daraus ein Mix, der sicher einigen Jugendlichen gefällt, die vor allem Interesse an cool inszenierter Gewalt haben. Doch wer mehr Wert auf eine sich entwickelnde Handlung legt, wird hier enttäuscht.

Der Comic kommt im dünnen und preisgünstigen Format daher, dass wir im letzten Marvel Monthly besprochen haben. Hier zeigt sich aber auch ein Nachteil des Formats: Die Geschichte hat nicht genug Raum, um wirklich an Fahrt aufzunehmen. Falls sich die Kritikpunkte im Folgeband erübrigen, werde ich das nicht mehr mitbekommen, denn mein Interesse ist mit diesem ersten Comic bereits erloschen. Dazu ist mir die gesamte Handlung zu flach und zu sehr auf Action ausgelegt. Ich genieße Wolverine und Spider-Man doch lieber getrennt voneinander.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in: Marc Guggenheim
  • Zeichner*in: Kaare Andrews
  • Seitenanzahl: 80
  • Preis: 9,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini

 

Laura Kinney: Wolverine #1 – die ultimative Killerin

Daumen3maennlichNeu

Laura Kinney hängt seit dem Ende von Krakoa mit ein paar anderen Mutanten wie Kamala Khan und Sophie Cuckoo in New York ab. Hier treffen sie auf andere Jugendliche mit Kräften, die Hilfe brauchen. Diese werden von einer kriminellen Vereinigung missbraucht und ausgebeutet. Einen Zustand den Laura nicht hinnehmen kann. In einer zweiten Geschichte konfrontiert sie gemeinsam mit Elektra, die aktuell als Daredevil unterwegs ist, eine Gruppe namens Humanity First und in der dritten Geschichte muss sie gemeinsam mit Revolution aka Bucky Barnes Hydra in den Weg stellen.

Die Geschichten in diesem Band stehen unabhängig voneinander. Dennoch laufen alle ein wenig ähnlich ab. Laura muss sich einer bekannten Figur in einem Kampf stellen, bildet dann mit dieser ein Team gegen eine größere Bedrohung, und gemeinsam schaffen sie es, für Gerechtigkeit zu sorgen. Mit Daredevil und Revolution sind zwei Partner gewählt, die erstaunlich gut mit Laura harmonieren. Gerade Elektra als ältere Mentorin schafft die nötige Balance zwischen Reibung und Teamwork. Dennoch wirken die Geschichten dadurch auch schnell ermüdend, weil nichts Überraschendes passiert.

Laura hat ein wenig zu viel Spaß bei der Sache

Die Hauptfigur Laura ist vor allem darauf aus, Ungerechtigkeit ungeschehen zu machen. Auf Grund ihrer Vorgeschichte hat sie starke Abneigungen gegen Ausbeutung. Dieser Comic deutet aber immer wieder an, dass ihr die Jagd auf Verbrecher*innen auch Spaß macht und sie sich über die Gewalt freut. Das wirkt unpassend für diese Figur. Laura ist mehr als nur ein weiblicher Wolverine, doch beim Lesen scheint es, als ob ihre vorherige Charakterisierung hier keine Rolle spielt. Es wird zu wenig über Laura Kinney selbst erzählt, sondern nur über Geschichten, in die sie zufällig hineingerät.

Dabei macht der Comic auch nicht viel falsch. Die Erzählweise ist unterhaltsam, die Zeichnungen und die Handlung stimmig. Doch mir fehlt etwas, das diesen Band aus der weiten Masse der Superhelden-Geschichten herausragt. Ein ähnlicher Aufbau aller drei Geschichten sorgt auch dafür, dass man beim dritten Mal das Interesse verliert. Laura Kinney hätte etwas mehr Originalität verdient.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in: Erica Schultz
  • Zeichner*in: Giade Belviso
  • Seitenanzahl: 120
  • Preis: 16 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini

 

Ultimate Wolverine #2 – Der Widerstand

Daumen4maennlichNeu

Logan wurde von der Opposition rund um Kitty Pryde und Gambit aus dem Winter Soldier-Programm befreit. Endlich ist er wieder ganz Herr seiner Sinne und er versucht sich an der Seite der Opposition der Herrschaft um Magik, Colossus und Omega Red zu widersetzen. Doch diese wollen die Opposition nun endgültig aus der Welt schaffen und bedrohen auch die Wissenschaftlerin Alonya Prostovich, die Wolverine betreut hat. In einem offenen Schlagabtausch versucht die Opposition weitere Mutanten zu befreien, während immer wieder neue Angriffe auf ihr Leben erfolgen. Es wird auf beiden Seiten Opfer geben und im Gegensatz zum Hauptuniversum ist der Tod hier endgültig.

Die Handlung geht schnell voran und eskaliert in immer größere Dimensionen. Author Chris Condon hat kein Problem damit, wichtige Hauptfiguren auszuschalten. Man weiß nie, was als nächstes passiert, was einerseits Spannung erzeugt, andererseits aber auch dazu führt, dass sich offene Fäden schnell in Bedeutungslosigkeit auflösen. Die Handlung folgt nur einem roten Faden und dieser führt zur vollständigen Vernichtung. Bereits der nächste Band wird die Reihe beenden und das Universum wird in Ultimate Endgame wieder enden. Das ist schade, sorgt aber auch dafür, dass wir eine vollständig abgeschlossene Geschichte in nur drei Bänden erzählt bekommen.

Das Ende ist nah

Im Vergleich zum ersten Band der Reihe wirkt Wolverine hier nicht mehr wie eine Marionette höherer Mächte, sondern wie jemand, der echte Entscheidungen trifft. Dadurch fällt es viel leichter sich in die Handlung hineinzuversetzen. Es wirkt weiterhin seltsam, dass ausgerechnet die russischstämmigen Mutanten Colossus und Magik in diesem Comic die Bösen sein sollen, obwohl sie im Hauptuniversum teilweise liebenswerte Charaktere sind. Der Zeichenstil ist düster, was zur Atmosphäre passt, die von Misstrauen und Angst getrieben ist. Der Zeichenstil ist manchmal etwas zu wild, so dass die Figuren nicht ganz proportional erscheinen. Dennoch tragen die Bilder die Stimmung und sorgen für eine dauerhafte Grundspannung.

Der Comic traut sich viel, manchmal ist es aber doch etwas zu wenig, da er aus bekannten Erzählmustern nicht herauskommt. Jedes Kapitel ist für sich aufs Neue spannend und es macht Spaß, bekannte Charaktere in völlig anderen Rollen wiederzuerkennen. Die Geschichte hätte aber epischer sein können, wenn alle Fäden sinnvoll zusammenlaufen würden und nicht immer wieder Charaktere umgebracht werden, die im Kapitel davor gerade erst mit großer Mühe gerettet wurden. Doch man kann es verstehen: Der Comic hat Wolverine im Titel, jede Nebenfigur ist entweder ein Gegner oder ein Verbündeter auf seinem Weg – Und dieser führt halt über Leichen. Der Comic ist für Fans des Ultimate Universums durchaus zu empfehlen, auch wenn er nicht an beispielsweise Ultimate Spider-Man heranragt.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in: Chris Condon
  • Zeichner*innen: Alessandro Cappuccio, Alex Lins
  • Seitenanzahl: 152
  • Preis: 20 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini

 

Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Sabrina Plote
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