In Die Stummen Reiche von toonfish landet die junge Persephone nach einem unglücklichen Zwischenfall im Totenreich. Plötzlich soll sie einem Skelett-Duo helfen, den letzten Seufzer ihres verstorbenen Nachbarn zu finden. Dabei begegnet sie dem Tod höchstpersönlich und befindet sich in einem todernsten Wettlauf um Frieden und Freiheit oder ewiges Umherirren in der anderen Welt.
Es gibt wohl wenig schlimmere Dinge als bereits im zarten Alter von 12 Jahren dem Tod und dem Totenreich gegenüberzustehen. Und obendrein ist der Tod sogar noch ein fieser Arbeitgeber, der Knebelverträge vergibt.
In diesem Comic von Autorin Séverine Gauthier (Epiphanie Schreck) und Zeichner Jérémie Almanza (Herz aus Stein) tauchen wir tief in das Totenreich hinab.
Thema Totenreich, Skelette, Tod
Inhaltsverzeichnis
Handlung
Persephone hat einen alten Nachbar namens Victor, der leider eines Tages verstirbt. So wie es das Schicksal will, befindet sich die junge Persephone in dessen Haus, als dort die Totenwache stattfindet. Persephone langweilt sich und läuft in dem ausladenden Haus umher, bis sie auf Victors Geist trifft, den seltsamerweise nur sie sehen kann. Persephone verlässt daraufhin mit ihren Eltern das Haus, doch Victor sucht Persephone bei ihr zuhause auf und ist verwirrt: erst durch Persephone versteht er, dass er vor kurzem gestorben ist.
Zur gleichen Zeit tauchen plötzlich zwei Skelette auf, die von einem Tod erfahren haben. Zunächst gehen sie von Persephones Tod aus, da diese die beiden sehen kann. Schnell wird klar, dass es hier aber um Victors Ableben geht und die beiden Abgesandten aus dem Totenreich viel zu spät dran sind! Im Auftrag des Todes höchstpersönlich sollen sie den letzten Seufzer des Verstorbenen einsammeln, da diese mit ihrer Essenz das Totenreich existieren lassen.

Doch es ist zu spät, Victors Seufzer wurde schon ausgestoßen und so ist er ist zum ewigen Umherirren in der Welt vor dem Tod, eine Art Zwischenwelt vor dem Totenreich, verdammt. Persephone akzeptiert das nicht einfach so und drängt die Skelette zur Suche nach dem Seufzer. Durch ein Missgeschick wird sie jedoch in die Welt vor dem Tod gerissen, muss nun dort ausharren und entscheidet sich, bei der Suche nach dem Seufzer zu helfen. Denn so leicht ist dieses Unterfangen nicht und unüblich obendrein. Daher muss dort erst einmal die Ausrüstung, die bisher noch nicht von der Skelettversammlung zugelassen ist, besorgt werden.
Die Skelette (Theophil und Charles) fürchten sich vor einer Strafe von ihrem Auftraggeber, denn sie haben eine Vorladung erhalten und müssen sich nun vor dem Gericht verantworten. Der Tod hat aber anderes im Sinn und möchte, dass Persephone für das Versäumnis von Theophil und Charles bezahlt, da sie in die Welt der Toten gekommen ist.

Der Tod stiehlt Persephone ihren letzten Seufzer, dieser ist jedoch widerspenstig und flieht.
Wer denkt, dass die Geschichte hier zu Ende ist, hat sich geirrt, denn Theophil und Charles lassen ihre junge Bekannte nicht im Stich und machen sich gemeinsam mit Victor schließlich in der realen Welt auf die Jagd nach den Seufzern. Durch eine aufopferungsvolle Geste erhält Persephone ihren Seufzer zurück, doch die Sache hat einen Haken…

Die Stummen Reiche ist in der Handlung teilweise uneindeutig, man muss dann schon genau lesen, um den Plot richtig nachzuvollziehen. Am Ende des Buches drängt sich die Frage auf, ob es wohl einen zweiten Band geben wird, da das Finale sehr abrupt kommt und noch einiges offen lässt.
Sehr schön sind die absurden und etwas grotesken Figuren dargestellt: Persephone ist eher melancholisch, aber hilfsbereit. Theophil ist ein Trunkenbold, der süchtig nach Brühe ist und Charles ist der geborene Improvisator. Der Tod ist fies, kalt und düster und tritt auch nur einmal wirklich ins Geschehen.
Stil

Der Zeichenstil von Almanza ist sehr detailliert, gekennzeichnet durch viele feine Linien und wirklich ausladende Szenen. Insbesondere die schwindelerregend hohen Gebäude im Totenreich, die Säle dort und auch die städtischen Bilder sind schnörkelig und fein ausgearbeitet. Die Farbpalette ist je nach Szene stimmungsvoll und atmosphärisch ausgewählt, z.B. das tiefe Blau im Totenreich und das lebendigere Grün im Park in der „echten“ Welt.
Die Seiten zwischen den Kapiteln zieren feine, düstere Illustrationen und ein passender, historisch-literarischer Text, je nach Welt auf schwarzem oder weißem Hintergrund, aus alten Theaterstücken, Gedichten oder anderen Geschichten. Es lassen sich im Gothic-Zeichenstil auch Inspirationen von Burton oder alten Retro-Serien, wie beispielsweise Cuphead, erkennen.
Die harten Fakten
- Autor*in(nen): Séverine Gauthier
- Zeichner*in(nen): Jérémie Almanza
- Seitenanzahl: 80
- Preis: 19,95 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon
Fazit
An sich ist dieser Comicband ein Augenschmaus und lässt einen atmosphärisch in eine andere Welt abtauchen. Diese ist zum Teil sehr düster, aber auch humorig, und hat vielleicht doch mehr mit unserer Welt der Lebenden gemeinsam als angenommen. Die beiden weiteren Hauptpersonen, Theophil und Charles, sind authentisch, aber auch skurril dargestellt. Die junge Persephone meint es nur gut, muss mit ihrer Hilfsbereitschaft aber das ganze Leid ausbaden. Sie ist sensibel und fühlt sich verantwortlich, lässt sich aber auch auf Abenteuer ein.
Die Dialoge sind unterhaltsam und lassen sich recht flüssig lesen. Besonders die Unterhaltungen und Sticheleien zwischen den beiden Skeletten bringen eine lustige Note mit ein.
In Die Stummen Reiche führen uns die Macher*innen an eine geheime Welt heran, die uns vielleicht Angst macht, aber durch ihre aufregende und spannende, düstere Szenerie auch neugierig. Visuell ist der Band überzeugend, der Plot ist jedoch noch nicht ganz rund. Anfangs zieht sich die Story etwas, während das Ende dafür überraschend und ziemlich unbefriedigend kommt. Das unerbittliche und leicht gruselige Element wiederum passt jedoch auch ein wenig zum Thema der Geschichte und zum Charakter des Todes im Buch. Nichtsdestotrotz handelt es sich hier um eine jugendgerechte Auseinandersetzung mit der Welt der Toten und die Story zeigt auf, wie wichtig Zusammenhalt, Mut und füreinander einstehen ist.

- Atmosphärische Welt
- Illustrierte Extraseiten mit literarischen Zitaten
- Unglaublich detaillierter Stil
- Story schleppt sich anfangs etwas dahin
- Unbefriedigendes Ende
Artikelbilder: © toonfish Verlag
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Hendrik Pfeifer
Fotografien: Verena Tribensky
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