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Die Nacht vom 31.10. auf den 01.11. ist eine besondere Nacht. In ihr darf sich herrlich gegruselt werden, denn es ist Halloween! Kinder klopfen kostümiert an Türen und fordern Süßes, ansonsten drohen sie an, dass es Saures gibt. Aber nur die Kinder mit den schönsten Kostümen kriegen die meisten Leckereien.

Halloween hat sich vor allem als kinderfreundlicher Feiertag schon seit Längerem in Deutschland etabliert. Vor allem Kinder lieben es, sich an diesem Tag besonders gruselig zu verkleiden und beim sogenannten Trick or Treat mitzumachen. So stehen sie dann vor den Haustüren und bitten um Süßigkeiten. Aber wehe, jemand ist zu geizig und rückt zu wenig raus. Dann wird schon mal ein Haus mit Klopapier oder Eiern bombardiert.

Im Spiel Tricky Treats von Cranio Creations, das in Deutschland bei Elznir Games erschienen ist, geht es um eben dieses Fest. Die Aufgabe der Spielenden ist es, Kinder in möglichst passenden Kostümen zu kleiden, damit sie in der Nachbarschaft viele Leckereien ergattern können. Zudem gilt es auch, einen Streich zu planen, da so das gesammelte Naschwerk erst richtig gut schmeckt.

Ähnlich wie schon Die kleinen Alchemisten konnten wir auch Tricky Treats im Rahmen des Brettspielangebots im Kinder- und Jugendhaus Bonames testen. Eines vorweg: Den Kindern hat es riesigen Spaß gemacht! Wie genau der Beutezug spielmechanisch funktioniert und welche spannenden Kniffe darin stecken, schauen wir uns jetzt im Detail an.

Triggerwarnungen

keine besonderen Trigger

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Spielablauf

Eine gute Runde Süßes oder Saures will gut geplant sein. Zuallererst ist es wichtig, die richtige Verkleidung für den Süßigkeitenraubzug anzulegen. Genau darum geht es im Grunde auch bei Tricky Treats. Die Aufgabe der Spielenden ist es, fünf Kinder möglichst geschickt einzukleiden, um dann die maximale Anzahl an Bonbons, Lakritzschnecken und Gummibärchen einzuheimsen.

Dazu stehen durchsichtige Kunststoffkarten zur Verfügung, auf denen farbenfrohe Kopfbedeckungen, Oberbekleidung und Hosen aufgedruckt sind. Diese gibt es in vier unterschiedlichen Kategorien: Farbe, Art (also für welches Körperteil), Streich und vier Themen. Von Horror bis Weltraum ist hier alles vertreten, was zu einer ordentlichen Halloweensause gehört.

Spielaufbau für drei Personen.
Spielaufbau für drei Personen.

Im eigenen Zug wählt man eine von zwei Aktionen. Man darf sich eine Verkleidungskarte aus einer offenen Auslage nehmen und eines der fünf Kinder, die man vor sich hat, einkleiden. Hier fangen die ersten strategischen Überlegungen an, denn je nachdem, in welcher Farbe und zu welchem Thema man die Kinder verkleidet, gibt es am Ende Punkte. Für ein komplettes Kostüm, das beispielsweise die gleiche Farbe und das gleiche Thema aufweist, bekommt man ganze acht Punkte. Da die Kinder aber nicht zwei Kleidungsstücke derselben Art übereinander tragen können, heißt es hier sogar, weitreichend vorzuplanen. Das ist Set-Collection mal ganz anders und die durchsichtigen Verkleidungskarten haben für Kinder einen ungeheuer hohen Aufforderungscharakter.

Fertig verkleidete Kinder.
Fertig verkleidete Kinder.

In der Mitte liegen neun verschiedene Häuser in einem 3-mal-3-Raster aus. Diese stellen die Nachbarschaft der Kinder dar. Hier gilt es, die Süßigkeiten abzugreifen, um später dafür Punkte zu bekommen. Die Spielenden ziehen sich zu Beginn ein Auftragsplättchen. Auf diesem ist angegeben, wie viele Punkte die gesammelten Süßigkeiten in unterschiedlichen Kombinationen am Ende wert sind. Nun kommt der Twist: In jedem Haus gibt es nur eine der Süßigkeiten, und zwar immer nur dann, wenn eine von den Bewohnern geforderte Kategorie bezüglich der Kostüme der Kinder erfüllt ist. Bei einem der Häuser gibt es besonders viele Lakritzschnecken für möglichst viele lilafarbene Kostümteile, bei einem anderen besonders viele Gummibärchen, wenn viele Kinder eine Kopfbedeckung tragen. Es ist also notwendig, zu Beginn abzugleichen, welche Kostüme man den Kindern anzieht, um die größtmögliche Ausbeute für den eigenen Auftrag zu erzielen. Die gelungene Verzahnung von Spielelementen hat nicht nur uns, sondern auch den Kindern, richtig gut gefallen.

Verschiedene Wertungsplättchen.
Verschiedene Wertungsplättchen.

Dann kommt nämlich die zweite mögliche Aktion, die im Spielzug zur Verfügung steht, ins Spiel. Die Kinder laufen zu den einzelnen Häusern, um Naschwerk abzugreifen. Dazu werden eigene Marker auf das entsprechende Haus gelegt, um festzulegen, dass dort bereits geklingelt wurde. Man will schließlich nicht unhöflich sein!

Wem es gelingt, einen Marker zuerst auf ein Haus zu legen, bekommt zudem Bonuspunkte, denn bei Tricky Treats heißt es: Wer zuerst kommt, nascht zuerst. Wem es dann noch gelingt, à la Tic-Tac-Toe, als Erstes eine komplette Reihe oder Spalte zu belegen, bekommt obendrauf noch weitere Bonus-Leckereien.

Das Spiel ist ein einziger großer bunter Punktesalat, der sehr schmackhaft gelungen ist. Über eines muss man sich aber im Klaren sein: Alles durchzuplanen, gelingt selten, und das ist gut so. Am Ende hängt nämlich das gesamte Gelingen von ausliegenden Verkleidungen ab. Das kann auf der einen Seite recht frustrierend sein, erfordert aber auf der anderen Seite eine ungeheure Disziplin in der vorausschauenden Planung. Zudem können die anderen gezielt Kostüme wegschnappen, was einen prima Ärgerfaktor ins Spiel bringt. Da erntet man schon mal den einen oder anderen angesäuerten Blick von den konkurrierenden Süßigkeitensammler*innen.

Die Punktzählleiste im Deckel
Die Punktzählleiste im Deckel.

Was wäre Halloween ohne Schabernack: Langweilig! Daher gibt es noch drei Häuser von fiesen Nachbarn. Diese können auch besucht werden. Dort bekommen die Spielenden zusätzliche Wertungsplättchen. Der einzige Haken bei der Sache: Man benötigt Eier, Klopapier oder Spinnennetze. Diese Symbole werden jedoch, im Gegensatz zu den Kostümteilen, immer wieder überdeckt, was die Planung obendrauf komplizierter macht. Dafür sind die zusätzlichen Punkte, die man für die zusätzlichen Wertungsmarker erhält, ordentlich.

Das Spiel findet sein Ende, wenn jemand alle Kinder einkleidet, seine Fußspuren-Marker vollständig abgelegt hat oder der Kostümnachziehstapel leer ist; dies läutet die abschließende Punktezählung ein.

Äußerst positiv ist uns die Punktezählleiste auf der Innenseite des Deckels aufgefallen. Bei einem Spiel, das ein Punktesalat ist, gestaltet sich so die Wertung sehr einfach und anschaulich.

Eine Reihe wurde komplett belegt, nun gibt es einen Bonus.
Eine Reihe wurde komplett belegt, nun gibt es einen Bonus.

Zu Beginn ziehen alle persönliche Streichplättchen. Auf ihnen sind die Zusammenstellungen von Süßigkeiten abgebildet, die zum Schluss Punkte einbringen. Außerdem werden die Kombinationen aus Häusern und den dort zu ergatternden Süßigkeiten jedes Mal zufällig neu ausgelegt. Dadurch bringt Tricky Treats eine Menge Wiederspielwert mit. Dass zudem die zu erhaltenden Süßigkeiten bei jedem Spiel neu auf die Häuser verteilt werden, erhöht diesen sogar noch deutlich. Kein Spiel gleicht dem anderen und jedes Mal ist man aufs Neue gezwungen, aus allen Variablen eine neue Strategie zu entwickeln.

Das alles klingt zugegebenermaßen für ein Kinderspiel mit einer Altersangabe von acht Jahren sehr kompliziert. Der Einstieg fällt, wenn man es nicht richtig anstellt, durchaus schwer. Unser Tipp ist es daher, das Spiel beim ersten Durchgang mit Kindern zu segmentieren. Zunächst kann zum Üben nur das Verkleiden gespielt werden und dann gewertet. Das macht Kindern so oder so am meisten Spaß. Danach können die Häuser dazu genommen werden und so weiter. Das Spiel lässt sich Stück für Stück sehr gut erklären und das Thema kann sehr anschaulich in die Erklärung eingebunden werden.

Den Kindern hat das Spiel große Freude bereitet und auch die Erwachsenen, mit denen wir das Spiel testen konnten, waren nicht abgeneigt, eine weitere Partie zu spielen. Das ist, aus unserer Sicht, immer ein Adelsschlag für ein Kinderspiel. Mal ehrlich: Wer möchte denn zum hundertsten Mal ein Spiel auf den Tisch bringen, das für Erwachsene absolut öde ist? Die Chance, dass Tricky Treats so öfter auf dem heimischen Spieltisch landet, ist da doch bedeutend höher.

Wir hatten viel Spaß und können das Spiel mit bestem Gewissen kleinen und großen Halloween-Fans empfehlen.

Ausstattung

Die Ausstattung des Spiels ist sehr gut gelungen. Das Spielbrett mit den Kindern ist mit Vertiefungen ausgestattet, sodass die Verkleidungskarten nicht hin und her rutschen können. Die grafische Gestaltung ist witzig und passend zum Thema gestaltet. Die Anleitung ist kurz und knapp gehalten, ohne dabei unverständlich zu sein. Das ist gerade für ein Kinderspiel sehr sinnvoll, da langes Regelstudium doch an den Nerven zerrt.

Die Häuser der bösen Nachbarn
Die Häuser der bösen Nachbarn.

Einzig die durchsichtigen Verkleidungskarten sind ein kleines Manko. Diese werden nämlich nach einigen Spieldurchläufen schmierig und kleben dann leicht aneinander. Aber das ist ein Problem, das mit warmem Wasser und etwas Spülmittel leicht behoben werden kann. Danach sind die Karten wieder wie neu.

Die Zählleiste im Deckel macht die für Kinder doch recht anstrengende Endwertung wunderbar anschaulich. Hier zeigt sich, dass beim Spieldesign richtig mitgedacht wurde, was absolut vorbildlich ist.

© Cranio Creations / Elznir Games
© Cranio Creations / Elznir Games

Die harten Fakten:

  • Verlag: Cranio Creations / Elznir Games
  • Autor*in(nen): Pedro Ometto
  • Illustrator*in(nen): Ekaterina Savic
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Deutsch
  • Spieldauer: 45 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 2 – 4, am besten drei Spielende
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Preis: ca. 30 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel

 

Bonus/Downloadcontent

Die Anleitung findet man auf der Seite von Elznir Games hier zum Download.

Fazit

Tricky Treats hat uns positiv überrascht. Was auf den ersten Blick wie ein einfaches Verkleidungsspiel wirkt, entpuppt sich schnell als taktisch kluger „Punktesalat“. Die Verzahnung aus dem Einkleiden der Kinder mittels der schicken Klarsichtkarten und dem strategischen Wettlauf um die Häuserreihen macht einfach Laune. Besonders der Kniff mit den fiesen Nachbarn und dem Tic-Tac-Toe-Element sorgt für eine ordentliche Portion Spieltiefe.

Man muss ehrlich sein: Die Altersangabe ab acht Jahren ist aufgrund der vielen Variablen durchaus sportlich. Doch genau hier liegt die Stärke des Spiels: Es lässt sich hervorragend segmentieren. Wer erst einmal nur mit dem Verkleiden startet, führt die Kids sanft an die komplexe Planung heran. Da das Thema für Kinder spannend ist, lässt es sich sehr gut bei der Erklärung einbinden.

Wenn es dann noch gelingt, den großen Mitspielenden das passende Verkleidungsstück vor der Nase wegzuschnappen, ist die Freude der Kleinen ganz groß. Das ist die Form von Interaktion, die wir leider häufig bei Kinderspielen vermissen.

Trotz des kleinen Mankos der klebenden Kunststoffkarten ist die Ausstattung zudem top durchdacht.

Wer ein Spiel für die ganze Familie sucht, das nicht nur nach der ersten Runde im Schrank verstaubt, sondern durch hohen Wiederspielwert glänzt, sollte hier definitiv zugreifen. Da das Spiel ein Spaß für Groß und Klein ist, vergeben wir vier von fünf Gummibärchen.

  • Schönes Material
  • Prima thematische Umsetzung
  • Strategische Tiefe und hoher Wiederspielwert
 

  • Kunststoffkarten kleben
  • Zu Beginn etwas unübersichtlich

 

Artikelbilder: © Cranio Creations / Elznir Games
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Lidia Strauch
Fotografien: Andreas Memmert

Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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