Das mittelalterliche Japan ist Schauplatz dieser Geschichte voller Mord, Mystik, Intrige und Verrat. Das Mädchen Sayo ist die letzte Nachfahrin der Göttin Tomoe, die Jahrhunderte zuvor das erste Kaiserreich begründet haben soll. Ein skrupelloser Piratenkapitän entführt sie, um sie zu heiraten. Mit dem Ziel eine neue, göttliche Dynastie zu gründen.
Der vorliegende Band 1 der Reihe „Tomoe – Göttin des Wassers“ bereitet die Bühne vor für ein Schauspiel voller gnadenloser Gegner und verwirrenden politischen Wendungen aus der Zeit zu Beginn der Sengoku-Ära Japans. Der Zeit des andauernden Bürgerkrieges ab 1461, zwischen immer neu entstehenden und vergehenden Staaten, deren ruhmreichen Feldherren und Verbündeten um das Amt des Shogun. Der Kriegszustand sollte 300 Jahre andauern.
Inhaltsverzeichnis
Handlung
Die ersten Seiten beschreiben das einfache Fischerleben, das Sayo und ihre Familie führen. Das Dorf hat es geschafft einen Buckelwal zu erlegen, entsprechend gut ist die Stimmung. Die junge Sayo durfte zum ersten Mal dabei sein und freut sich zusammen mit ihrem großen Bruder und ihrem Vater über den Fang.
Doch als sie anlanden steigt dunkler Rauch über dem Dorf auf. Räuber! Die Männer eilen zu Hilfe und ein bitterer Kampf entbrennt, in dem Sayo beinah vergewaltigt und getötet wird. Doch der Pirat Yoshinaka rettet sie vor den Männern und bringt sie auf sein Schiff. Sie ist die einzige Überlebende des Überfalls.
Gleichzeitig buhlen zwei hohe Herren des Shogunates um den Posten des Beraters des Shogun. Yamana und Hosokawa sind erbitterte Feinde, seit der Shogun Letzteren zu seinem Berater machte, vergeht Yamana vor Neid. Dem Shogun wurde noch kein Sohn geboren, daher bittet er seinen jüngeren Bruder, einen buddhistischen Mönch, darum anstelle Hosokawas seinen Platz zu übernehmen, sollte er sterben. Auch heiratet Hosokawa Yamanas jüngere Schwester, um Frieden zwischen den Familien zu erzwingen. Ein Fehler.
Die Handlung springt ab hier immer einige Jahre vor und zeigt Schlüsselstellen in der weiteren Entwicklung der Beteiligten. Der Fortgang der höfischen Intrigen und die Entwicklung von Sayo zur eigenwilligen, starken Frau, die sich in den Sohn ihres „Retters“ verliebt, werden als kurze Episoden dargestellt.
Charaktere
Gleichwohl jedem Charakter nur wenige Seiten vergönnt sind, um ihn dem Leser nahezubringen, gelingt dies gut. Die Motive und Charakteristika der handelnden Personen werden klar und deutlich dargestellt. Jeder hat eine eigene Persönlichkeit und handelt entsprechend. Hierbei sei vielleicht einzig als Kritik erwähnt, dass jene Motivationen recht gradlinig und offensichtlich sind. Sympathie und Abneigung bauen sich schnell auf und die Rollenverteilung ist, wie es sich für ein Märchen gehört, eindeutig.
Zeichenstil
Der Zeichenstil von Tieko gefällt durch seine Klarheit und seinen Realismus. Natürlich ist nichts fotorealistisch, doch sind Körpersprache sowie Mimik deutlich und überzeugend. Hintergründe, Kleidung und Umgebung strotzen vor Details, die das Herz eines Japanfans höherschlagen lassen.
Erscheinungsbild
Ein klassisches Panini-Hardcover. Der Umschlag ist ein eindeutiger Hinweis darauf, dass es der Leser hier mit einer märchenhaften Erzählung zu tun hat. Er zeigt den Piraten Yoshinaka und das Mädchen Sayo. Sie hält ein Katana Schwert in Händen und scheint eine Wasserfontäne heraufzubeschwören.
Die harten Fakten:
- Verlag: Panini
- Autor: Jack Manini
- Zeichner: Tieko
- Erscheinungsjahr: 2018
- Sprache: Deutsch
- Format: Comic-Album
- Seitenanzahl: 56
- Preis: 15,00 EUR
- Bezugsquelle: Panini Comics, Amazon
Bonus/Downloadcontent
Keiner
Fazit
Da es sich um eine fortlaufende Geschichte handelt, welche über mehrere Bände erzählt wird, ist natürlich noch nicht viel über deren Gesamtqualität zu sagen. Jedoch setzt dieser Auftaktband die Bühne für ein spannendes und episches, japanisches Märchen. Eine junge Frau wird brutal mit ihrem mystischen Erbe konfrontiert, ein machthungriger Piratenkapitän schickt sich an das Reich an sich zu reißen, im Palast des Shogun spinnen die Höflinge tödliche Intrigen und sie alle werden eines Tages unweigerlich aufeinandertreffen. Der Band bietet wenig Action, ist jedoch stattdessen ein Leckerbissen für Freunde der gepflegten Intrige und japanischer Geschichte. In kommenden Bänden werden sicherlich epische Schlachten ausgefochten, denn die Göttin des Wassers ist zurückgekehrt und in den Fängen des Bösen gefangen. Wird sie um ihrer Liebe Willen tun, was man von ihr verlangt? Welche Intrige bei Hofe wird letztendlich obsiegen und sich der bisher unerkannten Gefahr von außen stellen müssen?
Freunde der japanischen Kultur kommen voll auf ihre Kosten. Denn stellt doch dieser Konflikt den Auftakt zu Japans gewalttätigster Ära dar. In der Sengoku Periode tobte über 300 Jahre hinweg ein gewaltiger Krieg in Japan. Die verschiedenen großen und kleinen Staaten rangen in immer wieder neuen, brüchigen Bündnissen um das Amt des Shogun. Durch die Abgabe der militärischen Macht und vieler staatlicher Aufgaben, hatte der Kaiser sich selbst zur Gallionsfigur degradiert und seinem obersten Feldherrn, dem Shogun, die absolute Macht übertragen. In den Seiten dieser Reihe erleben die Leser den Beginn dieser grausamen Zeit in opulenten Bildern, die detailgenau das Leben von Fischern, Piraten und Höflingen aufzeigen.

Artikelbild: © Panini-Comics, Bearbeitung: Melanie Maria Mazur
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.


















