Die Ultimates-Serie ist endlich auch in Deutschland gestartet und gehört zu dem Besten, das Marvel in letzter Zeit herausgebracht hat. Wir erzählen euch hier, warum sich dieser Comic auch für euch lohnen könnte, und schauen zusätzlich noch auf das Finale des Vampir-Events Blood Hunt.
Nach dem großartigen Neustart von Ultimate Spider-Man waren wir sehr gespannt, ob auch die Avengers dieses neuen Universums überzeugen konnten. Um es kurz zu machen: Sie können. Die Idee einer Welt ohne Helden, in der eine Truppe von Rächern gegen die höchsten Instanzen der Erde antreten muss, ist ebenso spannend wie originell. In diesem Artikel erfahrt ihr, ob sich der Comic auch für euch lohnt. Blood Hunt ist leider nur teilweise gelungen, hier werfen wir einen Blick darauf, ob das Abschlussheft, die Vampir-Invasion noch retten kann oder wir hier ein weiteres Event erleben, das in wenigen Jahren vergessen ist. Eine Sache lässt sich aber mit absoluter Sicherheit sagen: Das Schicksal einiger Charaktere wird sich durch diesen Comic langfristig verändern. Denn über allem schwebt schon das nächste Unheil (oder Segen?): Doom!
Gewalt
Blood Hunt #3 – Niemand ist sicher vor Blade!
Inzwischen ist selbst vom Cover bekannt, dass Blade hinter der Vampir-Invasion steckt. Als Vertrauter der Avengers hat er es geschafft, diese auszutricksen und die Welt in ewige Nacht zu hüllen, so dass alle Vampire aus ihren Löchern kriechen konnten und auch Figuren wie Black Panther und Miles Morales in Vampire zu verwandeln. Doch schnell erfahren wir, dass es nicht Blade selbst ist, der die Fäden zieht, sondern dass der Ur-Vampir Varnae Besitz von seinem Körper ergriffen hat. Nun hat er nur noch einen Plan: selbst zu einem Gott zu werden und die ultimative Macht zu erlangen. Doch die Held*innen haben sich bereits gesammelt. Unterstützt von Dracula, Blades Tochter Brielle und Doctor Strange, versuchen sie, Varnae das Handwerk zu legen. Doch ihre Macht ist begrenzt, sodass sie die Hilfe von Doctor Doom benötigen, welcher als einzige Person den Zauber kennt, um die Darkforce zu entfernen und so die Welt von der ewigen Nacht zu befreien.
Die Geschichte ist spannend und führt alle Fäden, die über diverse Einzelabenteuer verteilt sind, wieder zusammen. Dennoch geht es für die Held*innen etwas zu gut aus. Jede Figur kann einmal glänzen, ohne dass wirklich jemand ernsthaft im Mittelpunkt steht. Es läuft wieder auf die bewährte Handlung „Mit vereinten Kräften können alle zusammen den großen Feind besiegen“ hinaus. Gleichzeitig merkt man, dass bereits das nächste Event One World under Doom vorbereitet wird.
Ein Event wie jedes andere auch
Der Abschlussband schafft ein halbwegs versöhnliches Ende dieses Events. Er ist dabei nicht so misslungen wie der Mittelband, da er es schafft, die Handlung gut zu straffen und zu einem halbwegs logischen Ende zu führen. Dazu sind auch die Zeichnungen sehr ansprechend und schaffen eine düstere Atmosphäre. Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl zurück.
Das Event ist, wie viele andere auch, keine wirklich originelle Geschichte, sondern ein typisches Cross-Over mit möglichst vielen Figuren und einem sehr seichten Überbau. Es wäre spannender gewesen, wenn Blade selbst zur dunklen Seite gewechselt wäre, er sich nicht als fremdbestimmt entpuppt hätte und letztendlich wieder nur Macht als Motiv in Frage kommt. Das moralische Dilemma, ob man Doctor Doom vertrauen kann, ist noch der interessanteste Aspekt dieser Handlung und wird mit Sicherheit in Folgegeschichten weiter ausgebaut. Denn es dürfte nicht lange ein Geheimnis bleiben, dass nach diesem Comic der Mantel des obersten Zauberers von Strange auf Doom übergeht. Allein durch diese Tatsache wirkt die Handlung nicht wirklich abgeschlossen, sondern fast wie eine Vorgeschichte zu einer noch viel größeren Handlung, die sich vor allem um Doctor Doom drehen wird.
Die harten Fakten
- Verlag: Panini Comics

- Autor*in: Jed MacKay
- Zeichner*in: Pepe Larraz
- Seitenanzahl: 56
- Preis: 6,99 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Panini
Ultimates #1 – Die Rettung der Welt
Der Reed Richard eines untergegangenen Universums, der sich inzwischen Maker nennt, hat sein Magnum Opus geschaffen: Eine Welt ohne Held*innen. Durch Zeitreisen gelang es ihm, im Rahmen von Ultimate Invasion zu verhindern, dass die Held*innen jemals auftauchten. Sie wurden entweder ihrer Kräfte beraubt, getötet oder direkt auf die Seite der Schurk*innen geholt. Doch ein junger Tony Stark, Sohn von Iron Man Howard Stark, entwickelte ein Gewissen und erfuhr von Makers Einfluss auf diese Welt. Gemeinsam mit dem Reed Richards dieses Universums, einem genialen Wissenschaftler, der von Maker zu Doom gemacht wurde, beginnen sie, die Welt zu reparieren und Makers Einfluss rückgängig zu machen. Doch gleich nach der Rekrutierung von Thor und Captain America kommt es zu einer Auseinandersetzung mit Agent*innen des Feindes, die in der Explosion des Stark Towers resultiert. Im letzten Augenblick können sie sich sechs Monate in die Zukunft teleportieren. Doch in dieser Welt gelten sie als Terroristen, welche die Explosion absichtlich herbeigeführt haben. Sie suchen nun nach neuen Verbündeten, um den Maker zu stellen.
Die Geschichte beginnt mit der Rekrutierung von Thor, der als Gefangener von Lady Sif gilt und nicht die Macht über seinen Hammer hat. Vorkenntnisse aus Ultimate Invasion sind zum Glück nicht benötigt. Man wird direkt in die Action geschleudert und die Figuren werden alle behutsam eingeführt. In der Folge entwickelt sich ein Spiel mit unterschiedlichen Varianten bekannter Figuren wie Hawkeye, Giant-Man und Wasp. Jede Figur ist weiterhin als Charakter erkennbar, wie man sie aus der gewohnten Zeitlinie kennt, doch jede hat auch interessante neue Fassetten, die sie besonders machen. Besonders interessant sind hier natürlich auch die Schurk*innen, aber auch Doom ist eine Figur, über die man gerne sehr viel mehr erfahren möchte. Die Charakterkonstellationen sorgen für einen Sog, dem man sich gerade als Fan der Figuren nicht entziehen kann, der aber auch für Lesende funktionieren sollte, die noch gar keine Berührungspunkte mit Marvel-Comics gemacht haben.
Zwischen Nostalgie und etwas Originellem
Viel aus der Faszination für diesen Comic lässt sich daraus ziehen, dass einem die Figuren bereits in einer anderen Variante bekannt sind. Das Gefühl der Vertrautheit sorgt für ein wohliges Gefühl von Nostalgie. Gleichzeitig schafft es die neue Ausgangslage, dass man diese Figuren wirklich neu kennenlernen kann und somit das Gefühl des Wiederentdeckens erlebt. Dieses Gefühl funktioniert natürlich besonders für Personen, die bereits eine Verbindung zu den Figuren, sei es über Comics oder Filme, aufbauen konnten. Wer bisher einen großen Bogen um Superhelden-Geschichten gemacht hat, wird hier auch keines Besseren belehrt.
Dennoch entgeht ihnen etwas: Die Held*innen sind hier keine strahlenden Figuren, die von allen gefeiert werden, sondern gelten als Terroristen, denen Hass entgegen geschmettert wird. Im Weißen Haus dagegen sitzt ein irrer Kapitalist, der die Welt zu seinem eigenen Vorteil ausnutzt, um noch reicher zu werden. Internationale Beziehungen sind ihm dabei vollkommen egal. Und auch die Vereinigten Staaten existieren nicht mehr so, wie wir es gewohnt sind. All das ist auch als moderner Kommentar zum Zeitgeschehen zu verstehen und gibt der Geschichte noch mehr Substanz. Ebenso ist das Innenleben der Figuren ein wichtiger Anker der Handlung: Wollen sie wirklich gegen das System kämpfen und welche Bedeutung hat das vorherbestimmte Schicksal für ihre Handlungen? Dazu wird der Band mit wunderschönen Zeichnungen einiger großartiger Künstler wie Juan Frigeri und Phil Noto untermalt, die zwar nur selten aus dem bekannten Marvel-Stil ausbrechen, diesen aber zur Vollendung beherrschen.
Unterm Strich haben wir hier einen der besten Marvel-Comics der letzten Jahre, der sich gleichzeitig nostalgisch wie auch frisch anfühlt. Zusammen mit Ultimate Spider-Man habe ich inzwischen mehr Lust auf dieses neue ultimative Universum als auf die ewig wiedergekäuten Geschichten der Haupt-Zeitlinie 616.
Die harten Fakten
- Verlag: Panini Comics

- Autor*innen: Deniz Camp, Jonathan Hickman
- Zeichner*innen: Juan Frigeri, Phil Noto, Stefano Caselli
- Seitenanzahl: 200
- Preis: 29 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Saskia Harendt
Fotographien: Kai Frederic Engelmann
Diese Produkte wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.
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