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Zwischen Klimakrise, KI und gesellschaftlichem Umbruch erfindet sich die deutschsprachige Science-Fiction immer wieder neu. Theresa Hannig und Joshua Tree zeigen, wie unterschiedlich Zukunft erzählt werden kann: mal politisch und kämpferisch, mal actionreich und philosophisch – aber immer mit Blick auf das, was uns als Gesellschaft bewegt.

Im Rahmen des diesjährigen PAN-Branchentreffens wurde einmal mehr deutlich, wie stark Science-Fiction derzeit im deutschsprachigen Raum diskutiert und weitergedacht wird – nicht als bloße Fantasie, sondern als ernstzunehmender Beitrag zu gesellschaftlichen Debatten. Zwischen Utopien, Dystopien und technologischen Visionen standen Fragen im Zentrum, die auch unsere Gesprächspartner*innen umtreiben.

In diesem Artikel sprechen Teilzeithelden mit zwei herausragenden Autor*innen, Theresa Hannig und Joshua Tree, die auf ganz unterschiedliche Weise die Grenzen des Genres verschieben. Sie erzählen, was Science-Fiction heute leisten kann, wie sich die Szene verändert – und warum gerade das Schreiben über die Zukunft herausfordernd und zugleich notwendig ist.

Theresa Hannig, geboren in München, hat nach ihrem Studium der Politikwissenschaft zahlreiche berufliche Erfahrungen gesammelt, die ihre Romane maßgeblich prägen. Ihre Werke verbinden Themen wie Klimawandel und Feminismus mit phantastischen Erzählungen.

Joshua Tree, ursprünglich aus Hameln, lebt heute in Portugal und ist bekannt als engagierter Hybridautor und aktiver Selfpublisher. Zu seinen vielfältigen Interessen zählen Extremsportarten wie Fallschirmspringen, Tauchen, Kickboxen und Reiten sowie Pen-and-Paper- und Live-Action-Rollenspiele. In seinen Geschichten fokussiert er sich auf das Verhalten von Menschen in Extremsituationen, die Möglichkeit, eigene Grenzen zu überwinden, und die ständige Frage „Was wäre, wenn…?“.

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Interview

Selfpublishing, Zukunftsbilder und KI-Götter: Joshua Tree über die deutsche Science-Fiction-Szene

Teilzeithelden:. Auf dem PAN-Branchentreffen meinte Autor*in Aiki Mira, die deutsche Science-Fiction-Szene wirke wie ein kleines Dorf mit verhärteten Fronten. Wie nimmst du das selbst wahr?

Joshua: Nee, gar nicht. Ich empfinde gerade die deutsche Science-Fiction-Bubble als ultra kollegial und entspannt. Ich bin in der glücklichen Position, gerade, was das Self Publishing angeht, in der Mitte des Netzwerks zu sein, weil ich zusammen mit Matthias Matting die Selfpublishing Pro-Gruppe leite. Ich kenne die ganzen Autor*innen aus den verschiedenen Genres – Romance, Romantasy, Fantasy, Krimi, Thriller – und da muss ich sagen, ist die Science-Fiction echt entspannt. Es kann natürlich nochmal einen Unterschied geben zwischen Verlagsautor*innen und Selfpublishern. Ich mach ja beides, bin Hybridautor. Aber gerade im Selfpublishing: Alle sind bei Facebook oder WhatsApp vernetzt, geben sich Tipps, helfen bei Klappentexten, Newsletter-Platzierungen … das empfinde ich schon als sehr kooperativ.

Teilzeithelden: Warum fühlst du dich beim Schreiben gerade in der Science-Fiction so zuhause?

© Fischer TOR
© Fischer TOR

Joshua: Für mich hängen Fantasy und Science-Fiction total eng zusammen. Ich versteh gar nicht, warum es Lesende gibt, die nicht beides lesen. Weil beides fremde Welten mit Fabelwesen erschafft – beim einen heißen sie Orks und Elfen, beim anderen Aliens. In der Fantasy hast du Magie, in der Science-Fiction heißt das Ganze Technologie. Technologie, die es noch nicht gibt, und die auf uns wie Magie wirkt, weil sie Dinge kann, die wir heute nicht haben. Darum sehe ich da super viele Parallelen. Der einzige Unterschied, finde ich, ist: In der Fantasy baust du eine Welt komplett bei null auf, während ich in der Science-Fiction eine Basis­realität habe, auf die ich mich mit den Lesenden geeinigt habe. Von da aus gehe ich in die Zukunft und erschaffe neue Welten. Das fand ich schon immer cool und herausfordernd: die Leute in der Gegenwart abholen und dann mit einem Schritt in die Zukunft führen.

Teilzeithelden: Und was würdest du sagen: Woran erkennt man einen typischen Joshua-Tree-Roman?

Joshua: Also, meine Romane verbindet immer, dass sie charakter­getrieben sind. Ich schreibe um die Figuren herum, nicht um die Handlung. Ich bin echt nah an den Charakteren dran. Und sie sind immer episch: Ich habe selten einen kleinen Entwurf, meistens betrifft es gleich die ganze Menschheit. Ich liebe Wendungen und schnelle Handlungen. Ich würde behaupten, es läuft fast nie so, wie Lesende am Anfang denken; ich kann häufig überraschen, und darauf lege ich beim Plotten viel Wert. Das Grundtempo ist also relativ hoch. Gleichzeitig steckt immer ein philosophischer Unterbau drin, sogar in meiner Military-Science-Fiction.

Teilzeithelden: Phantastische Literatur wird hier in Deutschland oft als bloßer Eskapismus abgetan. Ist das Genre Science-Fiction, vielleicht wegen des naturwissenschaftlichen Aspekts, weniger diesem Vorwurf ausgesetzt?

Joshua: Ja, glaub ich wirklich. Ich spreche oft auf Events – gerade war ich in Luxemburg beim Interstellar Symposium, einem weltweiten Treffen der Space-Industrie, also Firmen, die Asteroidenbergbau oder Mondmissionen planen. Da ist es selbstverständlich, Science-Fiction-Autor*innen einzuladen, um über Zukunftsthemen zu reden, und ich merke: Die nehmen das ernst. Demnächst machen wir wohl einen Workshop an der Uni der Bundeswehr in München zu strategischen Bedrohungen für die Zukunft, was dann auch dem Verteidigungs­ministerium vorgelegt werden soll. Das zeigt, wie ernst das Genre dank seines naturwissenschaftlichen Bezugs und der gesellschaftspolitischen Relevanz genommen wird. Wir denken heutige Probleme in die Zukunft weiter.

Fantasy hat dieses Standing weniger: Für manche ist das bloß eine Heldenreise mit Orks, Elfen und bunten Feuerbällen von Typen mit Zipfelmützen. Wird also als Phantasterei abgetan. Was natürlich schade ist, weil Fantasy schon immer viel Sozial­kontext hatte und der Gesellschaft gut den Spiegel vorhält. Herr der Ringe zum Beispiel, das ist klar als Allegorie auf seine Zeit lesbar.

Teilzeithelden: Deine Bücher verkaufen sich auch viel im englisch­sprachigen Raum. Triffst du dort auf andere Erwartungen?

© Keller Goslar
© Keller Goslar

Joshua: Eigentlich nicht. Gelobt wird meistens die Kombi aus Tempo und wissenschaftlicher Genauigkeit. Ich glaube, dass es da keine großen Unterschiede gibt, weil ich für die breite Masse schreibe. Ich halte mich von politischen Themen fern, zumindest von den kleineren, tagespolitischen. In meinen Büchern zeichne ich eher ein humanistisches Weltbild, eine Moral, die ich persönlich gut finde. Politisches Messaging habe ich gar keins drin, dadurch verprelle ich keine Lesenden. Eine Theresa Hannig ist da viel mutiger, aber das ist nicht mein Ding. Ich bin politisch interessiert, werde aber nicht wütend, wenn jemand etwas anders sieht.

Teilzeithelden: In vielen Zukunftsromanen tragen die Figuren noch unser heutiges Werte-Set, obwohl die Welt drumherum weit vorausgedacht ist. Reibt sich das für dich manchmal? Und wie gehst du damit um?

Joshua: Das ist mir auch schon aufgefallen, und da bin ich zwiegespalten. Einerseits find ich das gut, weil es die Lesenden genau da abholt, wo sie jetzt stehen. Mich interessiert oft: Wie würde ich, mit meiner heutigen Moral­vorstellung, in einer Zukunft Y funktionieren? Was würde die Zukunft mit mir machen? Damit das klappt, musst du die Menschen von heute in die Zukunft verpflanzen, so wie einen Baum aus Mitteleuropa, den du in Asien einpflanzt und schaust, ob er dort überlebt, wie er wächst, was sich verändert. Gleichzeitig ist es manchmal schade, weil es auch spannend wäre zu zeigen, was passiert, wenn man das schon zu Ende denkt. Nicht „Was würde es mit uns machen?“, sondern „Was hat es mit uns gemacht?“. Dann schränke ich mich natürlich ein, weil ich eine Perspektive wähle, bei der Lesende vielleicht nicht mehr mitgehen, wenn die Figuren ein völlig anderes Welt­bild haben. Ein Roman, wo ich das versucht habe, war Singularity.

Teilzeithelden: In deinem Gespräch mit Brandon Q. Morris auf dem PAN-Branchentreffen hast du ein spannendes Zukunftsszenario aufgemacht: Wie kommst du auf die Idee, dass Menschen eine allwissende KI wie eine Gottheit verehren könnten?

Joshua: Das Problem ist: Wir Menschen sind deshalb so erfolgreich, weil wir Erzählungen glauben können, Harari zeigt das in Sapiens und Homo Deus sehr schön. Die Bibel wurde, glaube ich, von zwanzig, dreißig Rabbinern zusammengestellt; sie entschieden, welche Texte hinein­kommen und welche nicht. Zynisch gesagt verdanken wir dem auch eine eher frauen­feindliche Bibel, weil zum Beispiel die Briefe von Paulus, die eigentlich sehr positiv gegenüber Frauen waren, herausfielen.

Heute glauben viele populistische Thesen, etwa „alle Politiker*innen sind korrupt“ oder „Einwandernde sind an allem schuld“. Als Spezies können wir solche Geschichten glauben und machen daraus unsere eigene Wahrheit. Das klappt umso besser, je mehr man über die Zielgruppe weiß.

Und heute haben wir KI, die praktisch alles über uns weiß. Die KI auf deinem Handy kennt dich irgendwann besser als deine Eltern. Darum halte ich es nicht für abwegig, dass wir KI einmal anbeten: Sie versteht uns, und wir sehnen uns nach Verständnis. Wenn so eine viel klügere KI dir genau sagt, was nach dem Tod passiert und dir damit unsere größte Angst nimmt, wendest du dich eher an sie als an die Bibel, deren Text seit 2000 Jahren gleich ist und die nicht mit dir reden kann. Mit der KI kannst du direkt sprechen, kriegst sofort Antworten – kein Beten, kein Hoffen. Das meine ich nicht despektierlich gegenüber Religion; jede*r darf glauben, was er*sie will. Fakt ist aber: Die Bibel schickt dir keine Nachricht aufs Smartphone. Kann das eine KI, haben wir KI-Gottheiten, weil wir Menschen dafür anfällig sind – wir wollen Antworten, wir wollen verstanden werden und haben ständig Angst, falsche Entscheidungen zu treffen.

Teilzeithelden: Unterm Strich: Wird Künstliche Intelligenz eher unser Rettungs­werkzeug, oder müssen wir die Welt womöglich vor der KI retten?

Joshua: Beides. Wir haben uns in eine Lage manövriert, die wir alleine wohl nicht mehr lösen. Nehmen wir die Klimakrise: Vielleicht können wir sie noch abdämpfen, aber selbst darüber sind sich die Wissenschaftler*innen nicht einig. Dafür brauchen wir Lösungen, auf die wir selbst nicht kämen, und wahrscheinlich auch KI, die uns hilft, uns einzuschränken – wir sind einfach schlecht in langfristigen Entscheidungen zum Wohl aller. Gleichzeitig, glaube ich, wird KI uns auf eine Weise verändern, die uns entmenschlichen kann.

Zwischen Wut und Hoffnung: Theresa Hannig über Klimafiktion und neue Utopien

Teilzeithelden: Wie erlebst du die deutsche Science-Fiction-Szene heutzutage?

Theresa: Das Fandom war und ist immer noch sehr männlich, sehr weiß, mit höherem Alters­durchschnitt. Aber das ändert sich gerade, und die Leute sind neuen Themen und Argumenten durchaus aufgeschlossen. Ich kam 2019 mit meinem eigenen Forschungs­projekt #fantastischeFRAUEN an, wollte herausfinden, wie hoch der Frauen­anteil in der deutschen Science-Fiction-Szene ist, und habe dafür richtig viel Unterstützung bekommen. Zum Beispiel von Udo Klotz, dem Treuhänder des Kurt-Laßwitz-Preises, oder von Christian Pree, der eine riesige deutschsprachige SF-Sammlung besitzt. Ich war dann auch auf Veranstaltungen wie dem Pentacon oder dem Elstercon, beide organisiert vom Science-Fiction-Club Deutschland, und habe dort mein Thema vorgestellt. Die Reaktionen waren überwiegend positiv und haben mich an meine eigene Feminismus-Wer­dung erinnert: Ich dachte lange, ach, so schlimm ist das alles nicht, habe mich selbst gar nicht als Feministin gesehen. Dann kommt dieser Erweckungs­moment, in dem man kapiert, welche Strukturen wirken. Oft braucht es nur einen Moment oder eine Person, die einen auf die strukturellen Benachteiligungen von Frauen in so vielen Bereichen unserer Gesellschaft aufmerksam macht – and then you cannot unsee it! Meistens steckt da keine böse Absicht einzelner dahinter. Wenn ich darauf hinweise, bekomme ich fast immer Unterstützung.

Auf jeden Fall fühle ich mich in der Science-Fiction Community sehr wohl! Wenn man neu in so eine Szene kommt, denkt man: Die kennen sich alle, das läuft hier seit Ewigkeiten – da hat man Hemmungen. Aber wenn du einfach anklopfst und sagst: „Hallo, ich bin jetzt da“, sind sie total nett. So erlebe ich das immer noch. Und die Science-Fiction ist ja nur ein Teil. Die Community vergrößert sich, und über PAN bin ich längst in der ganzen Phantastik-Bubble unterwegs. Ich finde das einen total coolen Haufen.

Teilzeithelden: Du bist nicht nur Autorin, sondern engagierst dich auch politisch. Hat das Einfluss auf deine Bücher?

© Theresa Hannig
© Theresa Hannig

Theresa: Politik, vor allem der Wahlkampf, hat mich gerade voll in Beschlag und wird mich auch weiter beschäftigen, weil’s einfach wichtig ist. Gleichzeitig blockiert mich das beim Schreiben. Ich bin richtig wütend über die aktuelle Lage, und mit Wut kann ich nicht schreiben. Politisches Engagement hilft mir aber, dieses Ohnmachts­gefühl loszuwerden. Das ist meine Art, damit umzugehen. Deshalb empfehle ich: Organisiert euch, werdet politisch aktiv! Nicht nur, weil das für die Demokratie sauwichtig ist, sondern auch aus egoistischen Gründen. Es hilft, Selbstwirksamkeit zu erleben.

Teilzeithelden: Für dein neustes Buch Parts per Million hast du gerade den Seraph gewonnen, Glückwunsch! In deiner Dankesrede hast du angedeutet, dass dich das Schreiben dieses Romans enorm Kraft gekostet hat. Woran lag das?

Theresa: Wenn ich schreibe, erlebe ich das Schicksal meiner Figuren sehr intensiv mit. Wenn sie lachen, lach ich, wenn sie heulen, heul ich mit. Es fällt mir dann schwer, einfach so umzuschalten. Ich bin dann auch im normalen Leben schlecht gelaunt und denke über die Szenen und Faktenlage nach. Bei Parts Per Million war ich etwa zweieinhalb Jahre in so einem konstanten Zustand von „Fuck“, und das ist einfach nicht schön. Ich habe in der Zeit viele Leute getroffen, die noch viel engagierter waren als ich, die ein ganz anderes Mindset hatten. Da spürst du die Diskrepanz zwischen dem, was manche Menschen bereit sind zu tun, und deinem eigenen Leben. Du sagst zwar: „Ich will dabei sein, etwas ändern, aktiv sein“, siehst aber zugleich, wie weit deine Lebenssituation von dem entfernt ist, was eigentlich nötig wäre. Gleichzeitig haderst du mit deinem eigenen Standing, mit deiner Glaubwürdigkeit und damit, was du überhaupt bewirken kannst. Das hat mich einmal komplett durch den Fleischwolf gedreht – all meine Überzeugungen.

Teilzeithelden: Dein Roman hält einem den Klimanotstand direkt vor Augen. Was wünscht du dir, sollen die Leser*innen aus dem Buch mitnehmen?

Theresa: Wenn du über die Klimakrise sprichst, dann wissen alle, was Sache ist, und am Ende ist die Einstellung: „Aber so schlimm wird’s ja nicht werden“. Und genau das fuckt mich richtig ab, weil die Antwort lautet: Doch – und noch viel schlimmer! Aber keine*r checkt’s: Alle fliegen weiter, fahren in den Urlaub, haben dicke Autos, konsumieren, als gäbe es kein Morgen. Täglich prasseln die Nachrichten rein, aber wir haben uns daran gewöhnt! Bei Parts per Million stehen unter den Kapitel­überschriften echte Meldungen von Auswirkungen der Klimakatastrophe, und die Meldungen waren nur ein Bruchteil dessen, was jeden Tag passiert ist. Gestern habe ich in der Tagesschau gesehen: Der Bodensee ist so trocken wie noch nie. Ja, danke, das wird jedes Jahr schlimmer. Wir sind wie Tadzio Müller so schön sagt zu einer Verdrängungsgesellschaft geworden.

Deshalb ist mein Buch eine Watschn, ein „Wacht endlich auf!“. Das Problem ist riesig, und wenn wir nichts tun, haben wir nicht nur den Klima­wandel am Hals, sondern zusätzlich Folgen, mit denen niemand rechnet, etwa Klima­t­errorismus.

Teilzeithelden: Beim PAN-Branchentreffen plädierst du für mehr Utopien, nun hast du mit Parts per Million eine knallharte Dystopie veröffentlicht. Wie bringst du diese beiden Seiten zusammen?

Theresa: Das ist natürlich ein bisschen blöd, wenn man das eine sagt und das andere tut. Aber ich musste das machen, da kam ich nicht mehr raus – das Thema war mir zu wichtig. Parallel schreibe ich seit 2022 die Kolumne „Über Morgen“ in der taz: immer zukünftig, ein bisschen satirisch-grotesk, aber immer positiv. Ich mag die total, weil ich dort ständig kleine Utopien entwerfe.

Mein nächstes Buch soll auch wieder optimistischer werden – keine Heldenreise, sondern sehr weiblich, anti-dystopisch erzählt.

Teilzeithelden: Welche Art von Geschichten wünschst du dir ganz konkret für die Zukunft der Phantastik?

Theresa: Ich wünsch mir neue Geschichten. Neulich habe ich Lyneham von Nils Westerboer gelesen – absoluter Tipp, eines der besten Bücher überhaupt, ich kann gar nicht genug Superlative raushauen, so geil ist das. Er erzählt komplett anders, vielleicht liegt das an meiner eigenen Lese­tradition, aber bei ihm denke ich auf jeder zweiten Seite: „Hä, krass!“ Aiki macht das ja auch, experimentiert sprachlich und mit den Identitäten der Charaktere. Ich liebe es, wenn Autor*innen sich trauen, etwas ganz Neues zu machen – Bücher, die mir Geschichten, Charaktere und Welten erzählen, die es so noch nie gab. Das ist bei This Is How You Lose the Time War von Amal El-Mohtar und Max Gladstone zum Beispiel so: Zwei Entitäten schreiben sich quer durch Zeit und Raum Liebesbriefe. Absolut genial! Und genau dafür ist Phantastik da: Um Geschichten und das Erzählen selbst und unsere Rolle darin immer wieder neu zu erfinden.

Und jetzt mache ich etwas ganz Phantastisches: Ich grüße jetzt Joshua über die Zeit und Interviewzeilen hinweg. Er ist nämlich ein ganz toller Kollege, und ich wünsche ihm ganz viel Erfolg bei allem, was er macht. Utopische Grüße über Raum und Zeit hinweg!

Artikelbilder: © wie gekennzeichnet
Titelbild: depositphotos © BRIA
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Rick Davids

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