Seit The Mandalorian sind die Krieger in Helm und Rüstung weithin bekannt. Doch wer sind Mandalorianer? Woher kommen sie? Was macht sie aus? Wir nehmen euch mit auf eine Reise durch die Star Wars-Galaxie, von den EU-Legends bis in den neusten Disney+-Kanon, und zeigen euch, was unter der Rüstung steckt.
Mit The Mandalorian brachte Disney 2019 eine neue Star Wars-Serie heraus, die nach einigen umstrittenen Filmen wieder für Begeisterung sorgte. Frischen Wind brachte aber auch das Setting und die Hauptfigur: Statt des galaktischen Gut-gegen-Böse von Jedi und Sith, Imperium und Rebellen rückte nun der abgelegene Rand der Galaxis in den Mittelpunkt, wo normale Leute den Alltag überleben. Normal, aber alles andere als durchschnittlich oder langweilig, wie die Hauptfigur Din Djarin bewies. Der Kopfgeldjäger gehört dem kämpferischen Volk der Mandalorianer an und brachte diese mit einem Schlag in den Mainstream. Das war allerdings nicht die Geburt der Mandalorianer: Eingefleischte Fans kannten sie schon seit Jahrzehnten, sei es im Disney-Canon oder im vorherigen Expanded Universe (EU), von Disney auch Legends genannt. Heute blicken wir auf die Geschichte der Mandalorianer zurück und schauen uns beides an, Canon und Legends. Was blieb gleich, aber was hat sich bei Mandalorianern nach der Übernahme durch Disney auch verändert? Hier findet ihr die Antworten.
Gewalt, Söldner, Waisenkinder
Inhaltsverzeichnis
Kreuzfahrer, Kultur und Pragmatiker: Mandalorianer in Legends
Die graue Vorgeschichte der Mandalorianer
In der alten Legends-Kontinuität wurden die Mandalorianer vor allem von zwei Perioden geprägt. Zum einen gibt es die antiken Mandalorianer zur Zeit der alten Republik in den Videospielen Knights of the Old Republic 1 und 2, der Comicreihe Knights of the Old Republic sowie der Comic-Reihe Jedi-Chroniken. Zum anderen wurden die modernen Mandalorianer zur Zeit der Filme sowie von Obi-Wan, Luke und Han Solo vor allem in der Buchreihe Republic Commando von Autorin Karen Traviss konzipiert, die die fiktive Kultur der Mandalorianer detailliert ausbaute – quasi das Star Wars-Äquivalent zu Klingonen, die Star Trek in den Neunzigern sehr detailliert erforschte und als vielschichtige Kultur vorstellte.
Die Wurzeln der Legends-Mandalorianer beginnen vor mehr als 7.000 Jahren auf dem Planeten Coruscant, lange bevor dieser völlig von einer Stadt bedeckt wurde. Damals lebten auf Coruscant die Zhell und die Taung. Die Taung waren ein in Clans organisiertes, nomadisches Kriegervolk, das mit den Zhell verfeindet waren. Die Taung verehrten einen Gott namens Kad’Harangir, der Veränderung, Zerstörung und Erneuerung verkörperte. Dadurch schätzten sie Krieg und Kampf hoch, da er die beste Gelegenheit für ihre Ideale bot. Nach einer langen Fehde mit den Zhell wurden die Taung aber schließlich von Coruscant vertrieben und flohen ins All, auf andere Planeten. Ungefähr 7.000 Jahre vor den Geschehnissen der Filme fanden die Taung unter ihrem Anführer Mandalore der Erste einen neuen Planeten, den sie nach ihm benannten: Mandalore. Mandalore wurde danach auch der Titel ihrer Anführer.

Während der Ereignisse der Jedi-Chroniken, 5.000 Jahre vor denen der Filme, waren die Mandalorianer eine galaktische Großmacht geworden, die Kreuzzüge gegen die Republik und die Jedi führten. Die mandalorianischen Kreuzritter waren nicht länger nomadische Krieger, sondern eine straff organisierte Armee und militaristische Gesellschaft. Zu dieser Zeit entstanden auch die ikonischen mandalorianischen Rüstungen mit den charakteristischen T-förmigen Helmvisieren. Die Kreuzritter legten ihre Götter ab und verehrten stattdessen den Krieg an sich. Aus den religiösen Geboten entwickelten sich die „Canons of Honor“, die vorschrieben, wie sich ein ehrenhafter Mandalorianer zu verhalten habe – Ehre, wie sie ein skrupelloses Kriegervolk versteht. Das führte schließlich dazu, dass während des Großen Sith-Krieges ein Sith den amtierenden Mandalore im Zweikampf besiegte und so die ehrgebundenen mandalorianischen Kreuzritter zwang, ihm zu dienen und schließlich an der Seite des Siths zu verlieren.
Der nächste Mandalore, Mandalore der Ultimative, beschloss daraufhin eine Reformation der mandalorianischen Kultur: Neben den Taung sollten alle, egal welcher Spezies, gleichberechtigt behandelt sein, wenn sie nach mandalorianischen Werten und Überzeugungen lebten und sich bewiesen. Die sogenannten Neo-Kreuzritter führten die Mandalorianischen Kriege gegen die Republik, bis sie schließlich von Revan vor Knights of the Old Republic, 3.960 Jahre vor den Ereignissen der Filme, besiegt wurden. Das zerbrach die Mandalorianer als geeinte Nation und sie verstreuten sich als Diaspora über die gesamte Galaxis.
Die moderne Kultur

In den nächsten tausenden Jahren durchliefen die Mandalorianer eine grundlegende Veränderung. Nach den Verlusten in den Kriegen lösten sie sich von der Kriegsverehrung und wurden weltlich-pragmatisch. Durch den Verlust der großen Armeen und die weite Verbreitung kehrten sie zu den Wurzeln als nomadische Clans zurück. Die Taung schienen so gut wie ausgestorben, sodass Mandalorianer kein Volk, nicht mal mehr ein Staat, sondern am ehesten eine Kultur waren. Sie waren weiterhin oft Söldner, Kopfgeldjäger und ähnlich martialisch beschäftigt, aber bei weitem nicht ausschließlich.
Der Kern der neuen mandalorianischen Kultur waren die „Resol’Nare“, die Sechs Handlungen, die jeder Mandalorianer tun muss, um als solcher anerkannt zu werden: die Rüstung tragen, die Sprache sprechen, den Clan beschützen, Kinder als Mandalorianer erziehen, sich am Wohlergehen des Clans beteiligen, und dem Mandalore beistehen, wenn er zu den Waffen ruft. Diese Handlungen wurden mittlerweile sehr pragmatisch interpretiert: Die Rüstung und die Fähigkeit zur Selbstverteidigung sind überlebenswichtig in einer gefährlichen Galaxis. Die Sprache zu sprechen bedeutet, die Kultur zu wahren, ebenso wie Kinder zu erziehen und den Clan zu unterstützen. Wird das nicht getan, geht die Kultur unter. Dem Mandalore beizustehen ist eher noch ein archaisches Überbleibsel, da Mandalore ein besonderer Ehrentitel ist, der hunderte bis tausende Jahre nicht in Anspruch genommen wurde.
Im Verbund mit dem nomadischen, autarken Lebensstil erzeugten diese zentralen Werte eine meritokratische Kultur von pragmatisch-kompetenten Individualisten, in der gleichzeitig Gleichberechtigung und Vertrauen großgeschrieben werden.

Im Vergleich zu anderen fiktiven Kriegervölkern wie Klingonen aus Star Trek oder der Orc-Horde aus Warcraft geben Mandalorianer nichts auf Rituale oder komplexe, abstrakte Ehrbegriffe. Sie sind untereinander gleich: Es kommt darauf an, was man kann und was man für andere tut. Durch den Beweis besonderer Fähigkeiten als Mechaniker*in, Scharfschütz*in oder auch Taktiker*in wird man in Bezug auf diese Tätigkeit geschätzt, aber nicht generell sozial höher eingestuft. Je nach Situation wird den Erfahrenen oder Fähigen gehorcht, die sich bewiesen haben, sei es im Kampf, bei der Jagd, aber auch bei einem Brand oder der Reparatur. Wenn es um Anbau geht, folgt der*die Krieger*in ganz selbstverständlich dem Bauer bzw. der Bäuerin. Der mandalorianische Lebensstil und das Ideal führen dazu, dass Mandalorianer keine bloßen Krieger*innen mehr sind, sondern Allrounder. Ein Mandalorianer soll gleichzeitig alleine überleben und seine Gemeinschaft unterstützen können. Grundlagen in Selbstverteidigung werden dazu als nötig angesehen, sind aber anders als bei Klingonen nicht das A und O. Pilot*innen, Mechaniker*innen, aber auch Wissenschaftler*innen, Handwerker*innen, Künstler*innen, Bauarbeiter*innen und Bäuer*innen werden gleichermaßen geschätzt. Mandalorianer verstehen, dass auch Soldat*innen essen und wohnen müssen, dass Technik nicht von selbst funktioniert, dass ein Leben ohne Kunst und Unterhaltung langweilig wäre, und erkennen die Bedeutung von Logistik und Ökonomie.
Dieser pragmatische Egalitarismus schlägt sich auch in anderen Elementen der mandalorianischen Kultur nieder. Eine mandalorianische Spezies existiert nicht mehr: Wer sich beweist, wird akzeptiert, egal welcher Herkunft oder Abstammung. Auch geschlechtlich machen Mandalorianer wenig Unterschiede, die mandalorianische Sprache verfügt nicht einmal über ein grammatikalisches Geschlecht. Es gibt zwar theoretisch eine konservative Rollenverteilung, nach der Frauen Töchter erziehen und den Haushalt führen, während Männer Söhne erziehen und in den Krieg ziehen. Praktisch tun aber beide Geschlechter, was sie wollen, und das weibliche Ideal entspricht dem männlichen: Stärke, Verlässlichkeit und Kompetenz statt Schönheit. Ebenso praktisch ist eine mandalorianische Ehe, die ohne Pomp durch beiderseitiges Einverständnis und einen kurzen Spruch geschlossen wird. Besonders wertvoll für Mandalorianer sind Kinder, die Zukunft des Clans. Adoption ist für Mandalorianer besonders wichtig und auch im Erwachsenenalter möglich. Es wird keinerlei Unterschied zwischen biologischen und Adoptivkindern gemacht.
Mit ihrem Fokus auf Pragmatismus, Vertrauen und Kompetenz bilden die Legends-Mandalorianer einen interessanten Gegenpol zu den üblichen fiktiven Kriegervölkern wie Klingonen, Orcs oder Dothraki, die meist besessen von einem hoch-ritualisierten, abstrakten Ehrenkodex sind und Nicht-Soldat*innen und andere Spezies verachten. Mandalorianer bilden unter sich eine zielgerichtete Basisdemokratie, die durch Kompetenz und Vertrauen pragmatisch und praktisch funktioniert.

Natürlich ist aber keine Kultur einheitlich, erst recht nicht bei einer so lose verbundenen Diaspora wie den Mandalorianern. Viele Mandalorianer lebten weniger idealistisch oder interpretierten die Regeln anders. 60 Jahre vor Eine neue Hoffnung führte das zum Mandalorianischen Bürgerkrieg. Während der Planet Mandalore selbst von den kriegsmüden, pazifistischen Wahren Mandalorianern bewohnt wurde, lebten die Mandalorianer im Rest der Galaxis wie früher. Daraufhin schuf Jaster Mereel den Supercommando-Kodex, der Mandalorianer nach einer langen Phase als skrupellose Söldner, Plünderer und Räuber mit einer neuen Leitlinie vereinigen sollte: Söldner und Kopfgeldjäger, aber mit Integrität, Gewissen und Tabus. Dagegen formte sich die Todeswache unter Tor Vizsla, die ihre kriminelle Macht bewahren wollte. Schließlich tötete Jaster Mereels Adoptivsohn Jango Fett Tor Vizsla und entschied den Bürgerkrieg für die Supercommandos. Später sammelte Mandalore Fenn Shysa viele Mandalorianer als Mandalorianische Protektoren, die die Rebellion im Kampf gegen das Imperium unterstützten. Nach ihm wurde Boba Fett, Jango Fetts Klon-Sohn, zum Mandalore, der in der nach-imperialen Zeit sein Volk durch die Wirren von Yuuzhan Vong und anderen galaktischen Kriegen und den Planeten Mandalore zu einem Wirtschaftsboom führte – immer mit dem pragmatischen Ziel, das Beste für die Mandalorianer zu tun.
Über die Jahrtausende wurden Mandalorianer von einem Kriegervolk zu einer diversen Kultur, die schließlich eine dritte Macht in der Galaxis bildete, die klassischerweise zwischen Jedi und Sith geteilt wurde. Jedi stehen für den absoluten, tugendhaften Idealismus, während Sith den absoluten, skrupellosen Egoismus verkörpern. Mandalorianer stehen dazwischen: nicht tugendhaft, sondern pragmatisch. Nicht egoistisch, sondern gemeinschaftlich vertrauend. Und während Jedi und Sith die sind, die von der Macht auserwählt wurden, sie nutzen zu können, beweisen sich Mandalorianer durch ihr eigenes, erlerntes Können.
Klans, Kulte und Bürgerkriege: Mandalorianer im modernen Kanon
Als Disney Star Wars übernahm, erklärten sie alle vorherigen Produkte und Geschichten, bis auf die Kinofilme, für nicht länger gültig, zu „Legends,“ und begannen ihren eigenen Kanon. Ein Bindeglied bildete allerdings die CGI-Serie Clone Wars, die für den Kanon gilt, wobei die erste Hälfte aber auch für Legends gültig ist. Da sie im Kanon eine weit wichtigere Rolle spielt und in Legends einige Kontinuitätskonflikte verursachte, wird sie vor allem hier erwähnt. Einiges im Kanon ähnelt den Legends-Mandalorianern, es gibt jedoch signifikante Unterschiede.
Bürgerkrieg und Schwesternzwist: Clone Wars

Im Kanon waren Mandalorianer ein kriegerisches Volk, das vor Jahrhunderten von der Republik besiegt wurde. Vor 1.000 Jahren gab es mit Tarre Vizsla allerdings auch einen Mandalorianer, der zu einem Jedi wurde. Sein besonderes Lichtschwert mit schwarzer Klinge, das Dunkelschwert, wurde zum Herrschaftssymbol: Nur wer den vorherigen Besitzer im Kampf besiegt, kann die Clans anführen.
Zur Zeit der Klonkriege wurde Mandalore von den Wahren Mandalorianern beherrscht. Diese hatten sich nach dem katastrophalen Verlust, bei dem die Republik den Großteil von Mandalore zu einer Wüste zerbombte, vom Krieg abgewendet und im mandalorianischen Bürgerkrieg die militaristischen Traditionalisten der Todeswache auf den Mond Concordia verbannt. Die Wahren Mandalorianer waren absolute Pazifisten und ihre Herzogin, Satine Kryze, leitete den Rat der Neutralen Systeme, der in den Klonkriegen zwischen der Republik und den Separatisten vermitteln wollte. Allerdings bestand die Todeswache auf Concordia weiter, angeführt von Tor Vizsla von Clan Vizsla und Bo-Katan Kryze von Clan Kryze, Satines eigener Schwester.
Die Todeswache wollte Mandalore zurückgewinnen und die Pazifisten auf den Pfad des Kriegers zurückbringen. Sie verbündete sich mit dem Schattenkollektiv, einem vom Sith Darth Maul angeführten galaktischen Verbrechersyndikat. Das Schattenkollektiv führte vorgetäuschte Anschläge auf Mandalore durch, die von der Todeswache scheinbar zurückgeschlagen wurden. Mit der öffentlichen Meinung hinter sich führte Tor Vizsla einen Staatsstreich aus und riss die Herrschaft über Mandalore an sich. Maul hinterging ihn allerdings, ermordete Vizsla und gliederte Mandalore in sein Schattenkollektiv ein. Vizslas Verbündete Bo-Katan Kryze wollte Maul nicht als Herrscher von Mandalore anerkennen und bildete eine Gegenbewegung mandalorianischer Loyalisten, um Maul zu stürzen. Dieser neue mandalorianische Bürgerkrieg endete, mit Unterstützung durch die Republik, Jedi und Klonarmee, mit Bo-Katans Sieg.
Verrat und Widerstand: Rebels

Die Freude war jedoch nur von kurzer Dauer, da Palpatine kurz darauf das Imperium ausrief. Da Bo-Katan sich nicht unterwerfen wollte, eroberte das Imperium Mandalore und setzte den imperiumsfreundlichen Clan Saxon als Verwalter ein. Die vorher geeint scheinenden Clans zersplitterten und zogen sich auf ihre jeweiligen Clan-Festen zurück. Bo-Katan gründete mit loyalen Clans einen mandalorianischen Widerstand, konnte sich jedoch nicht durchsetzen.
Eine in der Zeit der Rebellion besonders wichtige Mandalorianerin war Sabine Wren vom Clan Wren. Sie war eine Hauptfigur in der Rebels-Serie und zeigte einen neuen Blick auf Mandalorianer: Als ordentliche Mandalorianerin trug sie natürlich eine Rüstung und war eine ausgezeichnete Kämpferin und Pilotin. Sie war allerdings auch ein wilder, draufgängerischer Freigeist und eine kreative Künstlerin, die zeichnete, malte und Graffitis sprayte. Als Mitglied der Phönix-Rebellenzelle vom Planeten Lothal half Wren dabei, Fenn Rau und seine mandalorianischen Beschützer für die Rebellion zu gewinnen. Später stellte sich heraus, dass Sabine die Tochter von Ursa Wren, der Anführerin von Clan Wren, war. Clan Wren und die Rebellion konnten zusammen Clan Saxon stellen, bis Sabine Gouverneur Tiber Saxon im Zweikampf besiegte und ihm das Dunkelschwert abnahm. Sabine übergab es an Bo-Katan, die mit dem Schwert die Clans vereinte und Mandalore gegen das Imperium führte.
Nach dem Imperium: The Mandalorian

Der imperiale Moff Gideon besiegte Bo-Katan jedoch und vernichtete Mandalore in der Nacht der Tausend Tränen, einem planetaren Massaker. Hiernach setzt die Serie The Mandalorian an. Als die Clans wieder verstreut wurden, spalteten sich die „Kinder der Watch“ ab: religiöse Extremisten, die auf einem uralten Kodex, dem „Weg“, bestanden und versteckt in Höhlen lebten, die immer nur einzelne Mitglieder verlassen durften. Mitglieder durften unter anderem nie ihren Helm abnehmen und ihr Gesicht zeigen. Wer gegen die Regeln verstieß, musste sich in einer bestimmten heiligen Quelle auf Mandalore von seinen Sünden reinwaschen. Alle anderen Clans wurden ausgeschlossen und als „falsche“ Mandalorianer angesehen. Dieser Kult adoptierte Din Djarin, den titelgebenden Mandalorian, als Kriegswaise. Als Kopfgeldjäger verdiente er Geld, um seinen Clan zu versorgen, und adoptierte schließlich seinerseits Grogu, ein Jedi-Kind, mit dem er seinen eigenen Clan gründete. Schließlich kämpfte Din gegen Moff Gideon und nahm ihm das Dunkelschwert ab. Din übergab es Bo-Katan, die, nach einigem Zwist zwischen den Fraktionen, wieder einmal die Clans vereinte.
Die Kanon-Mandalorianer haben mit den Legends-Mandalorianern mehr Gemeinsamkeiten als nur die offensichtlichen, wie etwa ihre Rüstungen. Sabine Wren und ihr Vater Alrich sind Künstler, die zeigen, dass Mandalorianer mehr sind als nur Kämpfer. Auch das Adoptieren spielt eine wichtige Rolle. Andererseits sind Kanon-Mandalorianer deutlich klarer ein „Volk“ statt einer Kultur. Kanon-Mandalorianer sind menschlich und stammen aus demselben Raumsektor. Anders als die egalitären Nomaden-Clans aus Legends sind die Canon-Clans Aristokraten mit Festungen, Lehensgebieten, Erb- und Rangfolgen sowie politischen Intrigen. Dass die Führung der Clans daran gebunden ist, ein bestimmtes Schwert im Kampf gewonnen zu haben, dürfte Legends-Mandalorianer kaum beeindrucken – Schwerter zu verteilen ist für sie keine Grundlage für ein Regierungssystem. Was haben die Kandidat*innen denn je für sie getan? Außerdem scheinen Kanon-Mandalorianer durch einen Zyklus aus Zerstrittenheit, Wiedervereinigung und Zersplitterung der Clans geprägt. Mal sehen, wie lange Bo-Katan diesmal herrscht…

Die „Kinder der Watch“ sind natürlich ein Extremfall, deren Kodex selbst andere Mandalorianer nicht akzeptieren. Insofern war es vielleicht keine gute Wahl, sie für die ersten Mandalorian-Staffeln zu verwenden – Mainstream-Zuschauer*innen bekommen dadurch ein Bild von Mandalorianern, das weder für Legends noch Kanon repräsentativ ist.
Insgesamt sind aber sowohl Legends– als auch Kanon-Mandalorianer ein interessantes, vielschichtiges und spannendes Kriegervolk im Star Wars-Universum.
Artikelbilder: © Disney
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Gloria Puscher


















