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Diesen Monat haben wir wieder einige spannende Comics für euch unter die Lupe genommen: Cable reist in eine Zukunft, die durch den techno-organischen Virus verseucht ist, Spider-Man bekommt es während seines Studiums mit einem mysteriösen Buch zu tun und Iron Man muss verhindern, dass junge Talente von A.I.M. entführt werden.

Es gibt bereits unzählige Spider-Man-Comics. Man kann zwar jederzeit in die aktuelle Reihe springen, doch Neueinsteigern fällt es manchmal schwer, die aktuelle Situation zu ergreifen. Da freut man sich doch über Einzelbände, die in sich abgeschlossen sind, für sich stehen können und in einer Zeit spielen, zu der man eine gute Vorstellung davon hat, wer Spider-Man ist, selbst wenn man noch nie einen Comic mit ihm gelesen hat. Geschrieben von der Legende J. Michael Straczynski kommt mit Lehrjahre nun eben so ein Band heraus, der zu Spider-Mans Zeit an der Empire State University spielt. Er ist noch nicht mit Mary Jane Watson zusammen, verbringt aber viel Zeit mit seinen Freunden Harry Osborn und Gwen Stacy. Er trifft hier auf eine komplett neue Schurkin mit tragischer Hintergrundgeschichte und auf ein magisches Buch, das besser vernichtet werden sollte. Auch der Cable-Comic diesen Monat ist ein abgeschlossener Einzelband, der kein Vorwissen erfordert. Hier geht es um einen Bürgerkrieg, einen Virus und eine Liebesgeschichte. Iron Man startet derweil mit einer neuen Reihe, die auf Neulesende abzielt und bei der die Forschungsorganisation A.I.M. junge Wissenschaftler entführt und sie unter Zwang zum neuen Iron Man formen will. Wir sagen euch wie immer, welcher der Comics sich lohnt.

Triggerwarnungen

Entführung, Krieg, Body Horror

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Cable – Heiße Liebe und kaltes Chrom

Cable befindet sich im Jahr 3077 in der Stadt Salvation Bay. Hier herrscht seit über 100 Jahren Bürgerkrieg. Dazu ist der techno-organische Virus, der Cable seit seiner Kindheit beherrscht, hier allgegenwärtig. Er sitzt fest, da seine Zeitreise zuvor katastrophal fehlgeschlagen ist. Gleichzeitig wird er von der Kriegerin Cicada angegriffen. Nach der Begegnung mit der Kommandantin Avery Ryder schließt er sich dem Widerstand gegen das gängige Regime an. Er beginnt eine Beziehung mit Avery und versucht, ihre Welt zu retten. Dabei muss er sich dem Virus, der alle in techno-organische Wesen verwandelt, stellen, der auch sein Leben bedroht.

Dieser Comic bietet all das, was man vom Titel erwartet: Es gibt große Knarren, viel Zeitreise-Wirrwar und eine Portion Liebesdrama. Er funktioniert unabhängig davon, was man bereits über Cable weiß, und kann daher auch gut verstanden werden, ohne dass man sich zuvor mit der komplexen Hintergrundgeschichte beschäftigen muss. Cable scheint seinen Frust über den Verlust von Hope in dieser Zukunft ausleben zu wollen, in der er ohne schlechtes Gewissen um sich schießen kann. Die Beziehung zu der starken Avery ist dafür ein fester Anker und wird auch für die Lesenden zu einem zentralen Element der Handlung. Sie passt perfekt zum kühlen Einzelgänger und kann ihm auf Augenhöhe begegnen.

Mad Max trifft Zeitreisen

Die erste Szene erinnert an die Eröffnungssequenz von Mad Max Fury Road. Im Vergleich zum Film merkt man aber auch, dass die Action hier weniger originell ist und vor allem durch Waffengewalt ausgedrückt wird. Insgesamt ist der ganze Comic leider nicht sehr originell. Es scheint das Leitthema von Cable zu sein, dass er für seine Liebenden alles riskiert und so Risse in seiner harten Schale deutlich werden. Das ist gut, aber wurde beispielsweise während seiner Reise mit Hope spannender erzählt. Dazu trägt bei, dass man erst sehr spät die Motivationen der Antagonistin Cicada versteht und somit keine Beziehung zur Schurkin aufbauen kann. Das Finale schafft es, die Handlungsfäden geschickt zu verknüpfen, doch diese überraschende Wendung wurde zuvor nicht ausreichend vorbereitet, um wirklich Eindruck zu hinterlassen.

Die Bilder von Mike Henderson, der bereits mit Dead Man Logan und Superior Carnage ähnlich dreckige Szenarien illustriert hat, machen wieder einen soliden Job. Die Bilder sorgen für die richtige Atmosphäre, schaffen es aber nicht, langfristig im Gedächtnis zu bleiben und stechen nicht aus der Masse heraus. Dies ist wohl auch das Fazit für den ganzen Comic. Es ist ein solider Cable-Comic, der Fans des eiskalten Helden und solchen, die es werden wollen, gut gefallen wird, der aber insgesamt nicht aus der Masse hervorsticht. Falls ihr schon immer mal etwas über den zeitreisenden Helden lesen wolltet, könnt ihr zugreifen, gerade weil die Klassiker mit ihm schwer zu bekommen sind.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in: David Pepose
  • Zeichner*in: Mike Henderson
  • Seitenanzahl: 120
  • Preis: 16 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon

Iron Man #1 – Wer wird der nächste Iron Man?

Die Verbrecherorganisation A.I.M. scheitert immer wieder mit ihren Plänen, daher wollen sie jetzt jemanden rekrutieren, der das Potenzial hat, der nächste Iron Man zu werden. Praktischerweise verleiht Tony Stark dieses Jahr zum ersten Mal eine Auszeichnung für begnadete Jungwissenschaftler. Madame Masque, die einst eine Affäre mit Tony hatte und aktuell die Anführerin von A.I.M. ist, schafft es, an die Auswahlliste zu kommen und entführt sämtliche Kandidaten inklusive dem Preisträger Adam Ware. Sie alle werden wie einst Tony Stark eingesperrt und müssen mit wenigen Ressourcen versuchen zu entkommen. Der Prozess wird vom bösen Erfinder Fixer überwacht, damit alles unter ihrer Kontrolle bleibt. Tony Stark will die Wissenschaftler befreien, die auch durch ihn in diese Lage geraten sind. Er nimmt dazu Kontakt zu M.O.D.O.K. auf, der lange Zeit hinter allem steckte, was mit A.I.M. zu tun hat. Er ahnt aber nicht, dass er damit in einen Machtkampf gerät, bei dem es um die Führung der Organisation geht.

Tony Stark kommt hier zurück zu seinen Wurzeln. Er hat eine Affäre mit einer Frau, die er auf der Preisverleihung trifft, während er sich zwischen Selbstinszenierung und Schutz von Unschuldigen entscheiden muss. Nichts ist mehr zu sehen von seiner Verbindung zu Emma Frost oder seiner mystischen Steampunk-Rüstung. Es ist, als ob die vorherigen beiden Serien nicht stattgefunden haben. Wenn man sich davon lösen kann, findet man hier einen gelungenen Neustart, der uns genau das zeigt, was an Iron Man so faszinierend ist: ein Mann, der gleichzeitig James Bond und Q ist und sich waghalsig in unmögliche Situationen begibt.

 

Der Protagonist heißt nicht Tony Stark

Doch der eigentliche Star hier ist nicht Tony Stark, auch wenn man ihn die meiste Zeit verfolgt. Ebenso von zentraler Bedeutung ist der neu eingeführte Adam Ware, der offensichtlich eine größere Rolle spielen soll. Es zeigt sich schnell, warum er für die Auszeichnung ausgewählt wurde und warum er der Kandidat ist, den A.I.M. sich wünscht. Da es sich hier wieder um einen dünneres Paperback mit nur drei US-Heften handelt, wird die Erzählung jäh unterbrochen und man weiß noch nicht, was mit Adam passiert. In nur wenigen Seiten schaffen es Joshua Williamson und Carmen Canero, Sympathie für diese Figur zu erzeugen, sodass man hofft, dass er die Situation überlebt und A.I.M. aus ihm keinen Superschurken machen wird. Und auch die Antagonistin Madame Masque wird so charakterisiert, dass sie nicht einfach nur eine gesichtslose Schurkin ist, sondern eine Frau mit einem Plan und persönlichen Verflechtungen mit Iron Man.

Bei diesem Comic kann man wenig falsch machen, wenn man sich für Iron Man interessiert. Der Grundaufbau der Handlung ist nicht komplett neu, doch durch ein geschicktes Verschieben des Fokus auf eine weitere Figur neben Tony Stark sorgt dieser Comic für den ausreichenden Funken, der mich dem nächsten Band entgegenfiebern lässt. Ich hoffe, dass diese Reihe seine Qualität behalten und langlebiger sein wird als die letzten Iron-Man-Reihen.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in: Joshua Williamson
  • Zeichner*in: Carmen Canero
  • Seitenanzahl: 80
  • Preis: 9,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon

 

Spider-Man – Lehrjahre

Daumen4maennlichNeuPeter Parker hat Schwierigkeiten, sein Superhelden-Leben und sein reguläres Leben unter einen Hut zu bekommen. Seine Ex Gwen versucht, ihn mit Mary Jane zu verkuppeln, während er Sandman oder Terroristen abwehren muss. Als er nach einem Doppeldate am Strand an der Uni vorbeikommt, meldet sich sein Spinnensinn: Hier wird gerade ein uraltes Buch aus der Bibliothek gestohlen. Beim Rettungsversuch tropft Blut auf das Buch, wodurch die Diebin Evangeline in ein dämonenartiges Wesen verwandelt wird. Während Spider-Man versucht, das Geheimnis des Buches zu lösen, um Evangeline von ihrem Schicksal zu befreien, macht diese Erfahrungen mit kosmischen Mächten, welche hinter den Mysterien stecken.

Die Schurkin wider Willen wirkt, als ob sie genau aus einem alten Comicheft stammen könnte. Die Rettungsaktion von Spider-Man passt ganz wunderbar zu seinem Charakter und die Dynamik, die sich dadurch ergibt, zeigt viel über Entscheidungen und das Wesen des Erwachsenwerdens. Straczynski hat es sich aber auch nicht nehmen lassen, hier tiefgreifende Gespräche zwischen Peter und Harry, zwischen MJ und Tante May oder ein kurzes Intermezzo mit J. Jonah Jameson einzubauen, sodass dieser Band nicht im luftleeren Raum steht. Der Comic atmet die Luft der frühen Spider-Man-Comics und schafft somit auch ein gutes Gefühl von Nostalgie, ohne für Neueinsteiger*innen zu aufdringlich zu sein.

Zerrissen

Im Englischen hat der Comic den Namen Torn bekommen. Diese Zerrissenheit ist auch das, was die Figuren auszeichnet. Peter ist zerrissen in der Frage, ob er sich auf MJ einlassen soll, während es bei Evangeline darum geht, wie viel sie bereit ist zu opfern, um ihr altes Leben wiederzubekommen. Hieraus hätte man mehr machen können, denn die Ansätze einer richtig guten Geschichte sind zu erkennen. Leider wirkt aber der Spider-Man-Teil um Evangeline zu stark von der Peter-Parker-Geschichte getrennt. Die beiden Handlungen begegnen sich immer wieder, ohne dass der eine Teil starken Einfluss auf den anderen nimmt.

Dazu kommen die Zeichnungen von Pere Pérez, die gewohnt tolle Kompositionen ergeben, allerdings langweilig koloriert sind. Es mangelt zeitweise an Kontrasten und dass es anfangs schwerfällt, die beiden blonden Figuren Gwen Stacy und Evangeline voneinander zu unterscheiden, ist bezeichnend.

Der Comic macht vieles richtig und ich wünsche mir wesentlich mehr solcher Bände, die für sich stehen und gar nicht in die aktuelle Meta-Handlung eingebunden sind. Dieser Comic ist zu empfehlen, doch es fehlt noch ein wenig mehr, um mit einer Höchstwertung bewertet zu werden. Interessantere Zeichnungen, mehr Emotionen oder eine stärkere Verbindung der einzelnen Handlungsebenen hätten dabei geholfen, hieraus nicht nur einen guten, sondern einen Comic zu machen, der nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in: Joe Michael Straczynski
  • Zeichner*in: Pere Pérez
  • Seitenanzahl: 120
  • Preis: 16 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon

Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Mika Eisenstern
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