Wolverine und Iron Man gehören auch heute noch zu den beliebtesten Marvel-Helden. So ist auch immer spannend, wenn neue Serien dieser Helden beginnen oder One-Shots von namhaften Künstlern herauskommen. Wir haben uns Wolverine: Zahltag und die Neustarts von Iron Man und Wolverine angeschaut, können aber nur einen empfehlen.
Wolverines erster Auftritt war in einem Heft von Incredible Hulk. Dort traf er auf den Wendigo, ein mystisches Wesen, das entsteht, wenn ein Mensch zum Kannibalen wird. Zum Start der neusten Wolverine–Serie trifft er im hohen Norden erneut einen Wendigo, doch diesmal ist es alles anders. Daneben gibt es ein Alternativweltszenario von Jonathan Hickman, das von Greg Capullo illustriert wird. Kann diese Zerstörung der Welt mit dem Klassiker Old Man Logan mithalten? Der dritte Comic, den wir uns anschauen, ist der Neustart von Iron Man, in dem Tony Stark improvisieren muss und einen Anzug entwirft, der sehr viel mehr Leder enthält, ein wenig an Steampunk erinnert und eine nicht ganz ausgereifte Sprachassistenz unterstützt. Hiermit muss er die Fusion von Stark Unlimited mit A.I.M. und Roxxon verhindern.
Gewalt
Inhaltsverzeichnis
Iron Man #1 – Eiserne Wut
Zuletzt wurde Stark Unlimited von Feilong übernommen, der mit dessen Technologie mächtige Sentinels baute, Riesenroboter, die Mutanten wie die X-Men jagen. Nun hat Tony seine Firma zurück. Doch die Führungskräfte, die Feilong einsetzte, sind immer noch im Aufsichtsrat und lassen sich von A.I.M. und Roxxon zu einer Fusion verführen. Gleichzeitig streiken die Arbeiter, da Tonys Abkehr von Waffenproduktion ihre Arbeitsplätze bedroht. Als er dann im Kampf gegen einen neuen Iron Monger erfährt, dass all seine Rüstungen kompromittiert sind, ist Tony gezwungen, sich eine neue Rüstung zu bauen, die einen ganz neuen Stil hat.
Die Reihe fängt vielversprechend an, auch wenn seine Firma immer wieder in Gefahr war, von bösen Mächten übernommen zu werden. Und neue Rüstungen wurden auch schon etliche geschmiedet. Dennoch schafft man so ein sauberes Spielfeld, das auch für Einsteiger*innen interessant ist. Leider bleibt die Handlung nicht lange genug bei einer Mischung aus Action, Moral und Diplomatie. Sehr schnell nimmt die Geschichte unvorhersehbare Wendungen, die leider überzogen sind. Dazu zählt auch, dass Iron Man hier mit einem riesigen Schwert, dass von Ironheart Repulsword genannt wird, auf seine Gegner eindrescht. Ich mag Gadgets, doch dieses passt nicht wirklich zu Iron Man. Aber das ist Geschmackssache.
Zu wenig Neues
Der Comic bemüht sich, sowohl Anschluss an alte Geschichten zu finden, als auch ganz Neues zu erzählen. Dies gelingt vor allem optisch. Die neue Rüstung hat einen Stil, an den sich gewöhnt werden kann. Dazu ist sein Sprachassistent Iron.GPT wirklich komisch, da diese künstliche Intelligenz grundsätzlich alles ein wenig falsch versteht und Tony, den er Username nennt, in problematische Situationen bringt. Die Schurken sind etwas flach, dafür gefallen die Mitglieder des Aufsichtsrats, die gute Gründe mitbringen, weswegen sie ein Gegengewicht zu Tonys Meinung einnehmen. Hier hätte der Konflikt um die Rechte an Stark Unlimited stärker ausgebaut werden können. Der Konflikt wird durch eine Art Daemonium Ex Machina entschieden, ohne zu viel zu spoilern. Die Szene ist unrealistisch und wirkt lieblos geschrieben. Auch die Einbindung von Magie und Scarlet Witch als Sidekick geschieht viel zu schnell und uninspiriert. Dafür hat diese Szene ein paar der schönsten Bilder im Comic. Optisch kann dieser Band überzeugen, auch wenn die Illustrationen selten aus der Masse herausstechen.
In der Summe haben wir hier einen Comic, der leider zu wenig wirklich Neues zu erzählen weiß. Vieles hier haben wir schon vielfach gelesen und das, was wirklich ein wenig anders ist, bekommt nicht den Platz, sich zu entfalten, da gleichzeitig noch zu viel anderes erzählt werden will. Dazu schafft es der Autor nicht, dass sich die Handlung natürlich weiterentwickelt und erzeugt damit einige unrealistische Brüche, die im Grunde unnötig sind. Der Comic ist dadurch nicht schlecht, aber für eine Empfehlung reicht es auch nicht.
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in: Spencer Ackerman
- Zeichner*innen: Javier Pina, Julius Ohta
- Seitenanzahl: 120
- Preis: 16 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Wolverine – Zahltag
In diesem Alternativweltszenario ist Wolverine gerade im Wilden Land auf Dinosaurierjagd, als Nick Fury Senior auftaucht und ihn darüber informiert, dass Magnetos Astroid M gerade über Quebec explodiert ist und dadurch die Hälfte der Menschheit ausgelöscht hat. Dies betrifft vor allem den Westen. Gemeinsam mit Captain America und Winter Soldier soll Logan in eine Einrichtung in Sibirien einbrechen, um die weltweite Energieversorgung wieder zum Laufen zu bringen. Doch die Mission geht furchtbar schief und Wolverine schwört Rache.
Die Handlung hat in der Hälfte einen großen Zeitsprung, der uns in eine Welt führt, die mehr an den Wilden Westen als an unsere Zeit erinnert. Hier ist die Ähnlichkeit zu Old Man Logan offensichtlich: Wolverine ist einer der letzten ehemaligen Helden in einer postapokalyptischen Welt. Doch statt mit dem Leben abgeschlossen zu haben, sinnt er hier auf Rache (der Comic heißt im Original auch einfach nur Wolverine: Revenge). Während die Rache im Klassiker von 2008 den Abschluss eines Roadtrips durch immer neue Umgebungen darstellt, nimmt sie hier die Hälfte des ganzen Comics ein. Dabei sind die Kämpfe gegen seine alten Erzfeinde auch niemals sonderlich originell. Das einzig Spannende ist, dass einer der Antagonisten eine Figur ist, die man nicht erwarten konnte.
Der Antagonist, der nicht sein sollte
Ab hier sind ein wenig Spoiler notwendig, da dies den Kern der Kritik an diesem Comic bildet. Einer der Antagonisten ist ein alter Freund von Wolverine. Dieser legt eine Brutalität und Gnadenlosigkeit an den Tag, die nicht zu der Figur passen, wie sie bisher immer erzählt wurde. Gleichzeitig ist erstaunlich, dass Logan seine Mission niemals hinterfragt, mit ebensolcher Härte reagiert und seinen ehemaligen Freund in einem Racheakt töten will. Auch wenn man nicht immer eine moralische Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation lesen möchte, ist dies, bei der Art wie dieser Comic erzählt wird, geradezu Pflicht. Die Actionszenen sind hier aber nur brutal und wenig spannend und die Dialoge beinhalten nur Plattitüden. Erst am Ende, wenn die Handlung längst 20 Jahre in die Zukunft gesprungen ist, wird die Natur der Rache ein wenig adressiert. Auch wenn dies durch brutale Actionszenen ein wenig untergeht. Originelle Ideen, wie in Old Man Logan sind dabei aber ebenfalls Mangelware.
Das Beste an dem Comic ist, dass Greg Capullo, der beispielsweise bereits Batman Metal gezeichnet hat, Wolverine inszeniert. Seine Illustrationen haben eine klare Bildsprache und schaffen einen Stil, der gut zu einem Western wie diesem passt. Einzig die Kolorierung ist uninteressant und lässt die Bilder dadurch flacher wirken, als sie müssten.
Mir hat dieser Comic nicht gefallen. Zu viel Fokus wird auf den Racheaspekt gelegt und zu wenig auf die Motivation der einzelnen Figuren. Das beginnt bei Nick Furys Mission, bei der Gnadenlosigkeit der Antagonisten und endet in Wolverines Drang nach Rache. Wer sich an Gewalt und einer einfachen Rachegeschichte erfreuen kann, wird hier hübsche Bilder finden, eine gute Erzählung sucht man aber vergeblich.
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in: Jonathan Hickman
- Zeichner*in: Greg Capullo
- Seitenanzahl: 136
- Preis: 18 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Wolverine #1 – Ruf der Wildnis
Nach dem Ende von Krakoa hat sich Wolverine in die Wildnis zurückgezogen und ist nun Teil eines Wolfrudels. Doch eines Tages taucht Cyber, ein alter persönlicher Feind Logans, auf und tötet alle Wölfe, nur um ihn zum Duell zu fordern. Zeitgleich taucht aber auch eine Einsatztruppe von Department H auf, sowie ein Wendigo und Nightcrawler. Das war es mit der Ruhe. Denn der Wendigo scheint ein 16-jähriger Junge zu sein, der sich mit seinem ganzen Willen dagegen wehrt, ein Monster zu sein. Wolverine will ihm helfen, doch sie geraten immer wieder mit den unterschiedlichen Fraktionen zusammen. Und dann ist da noch eine mystische Kraft, die auch Lady Deathstrike und Constrictor miteinbezieht. Denn jeder von ihnen trägt ein Stück Adamantium in sich.
Eine Handlung mit so vielen Fraktionen verläuft sich oft in zu vielen Strängen. Doch hier schafft es Saladin Ahmed, die Fäden so geschickt miteinander zu verweben, dass es weder künstlich, noch unübersichtlich wirkt. Einzig Nightcrawler scheint nur die Funktion zu erfüllen, dass Wolverine auch mal einen Verbündeten statt nur Feinde in seiner Nähe hat und dabei wenig selbst zur Handlung beizutragen weiß. Das Mysterium, welche sonderbare Macht hinter dem Adamantium her ist, sorgt für eine gewisse Spannung. Dazu wird Wolverines Bindung zum Wendigo gut erzählt, und man interessiert sich für das Schicksal des verfluchten Jungen. Schade ist nur, dass die Handlung über diesen Band hinausgeht und der Comic kein rundes Ende bekommt.
Der Sonnenaufgang über Kanada ist der schönste
Dem Comic tut es gut, dass hier nur ein einzelner Künstler für die Bilder verantwortlich ist. So wirkt alles wie aus einem Guss. Die Handlung wird durch einige zauberhafte Bilder durchbrochen, so dass man ganz in die Atmosphäre des winterlichen Kanadas eintauchen kann. Einzig die Dialoge sind etwas langweilig gestaltet. Wie es sich für einen Wolverine-Comic gehört, gibt es davon aber auch nicht all zu viele. Den größten Teil des Textes in diesem Comic nehmen die Gedanken Logans ein. Diese sind eine gute Ergänzung zu den Bildern, da sie oft eine zusätzliche Ebene hineinbringen, seien es Sorgen oder Erwartungen. Manchmal dienen sie aber auch einfach dazu, Gerüche oder Geräusche sichtbar zu machen. Niemals wirken sie fehl am Platz oder ersetzen eine gute visuelle Gestaltung.
Dieser Comic macht sehr viel richtig und dadurch auch Laune auf einen Nachfolgeband. Leider fehlt ihm noch der letzte Pfiff für die Höchstwertung. Dazu sind es doch ein wenig zu viele Figuren, die hier gleichzeitig auftauchen, und es fehlt das runde Ende. Es hätte wenigstens ein Handlungsfaden abgeschlossen werden können. Stattdessen endet der Band mit einer Handvoll loser Enden. Sollte der Folgeband aber eine ähnliche Qualität an den Tag legen wie dieser Comic und es schaffen, die ganzen Enden sinnvoll zu verknüpfen, könnte dies einer der besten Wolverine-Serien werden, die ich bisher gelesen habe.
Die harten Fakten
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in: Saladin Ahmed
- Zeichner*in: Martin Coccolo
- Seitenanzahl: 128
- Preis: 17 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Konstatin Paessler
Lektorat: Saskia Harendt
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