Imani lebt in der Wüstenstadt Qalia, die ihre eigene Existenz vor dem Rest der Welt geheim hält. Ihr verschollen geglaubter Bruder scheint sich von seiner Heimat abgewendet zu haben und in die Welt außerhalb ihrer kleinen Wüste gereist zu sein. Gemeinsam mit Verbündeten macht sich Imani auf die Suche nach ihm.
Das Leben in der abgeschiedenen Wüstenstadt Qalia ist angenehm. Bewohnenden mangelt es weder an Wasser noch an Essen. Stolze Krieger*innen, Schilde genannt, schützen die Stadt vor Monstern der Wüste wie den klugen Dschinn-Wesen oder grausamen Ghulen. Innerhalb der Stadtmauern gilt es, Ruhm und Ehre für die eigene Familie zu sammeln, um deren Einfluss zu verstärken und weiter aufsteigen zu können. Das Herz der Wüstenstadt bildet ein mystischer Baum, dessen Rinde zu Tee verarbeitet, der magische Kräfte verleiht.
Imani eiferte stets ihrem aufstrebenden Bruder nach, der als Mitglied einer angesehenen Verteidigungstruppe Qalias, den Schilden, Erfolg um Erfolg anhäufte, bis er eines Tages eine große Menge des kostbaren Misra-Tees stahl und spurlos in der Wüste verschwand. Alle hielten ihn für tot, bis ihre kleine Schwester und sie gemeinsam Hinweise seines Aufenthaltsortes in der von den Menschen Qalias für Brachland gehaltenen Welt außerhalb der Wüste finden. Entschlossen setzt sie sich gegen den Hohen Rat durch und kann sich auf die Suche nach ihrem Bruder machen. Die ihr zur Seite gestellten Begleiter*innen, allen voran der arrogant wirkende Tierseher Taha, nimmt sie dabei murrend hin. Gemeinsam brechen sie in die Wüste auf in ein Land, das ihnen allen fremd ist.
– Rassismus/Fremdenfeindlichkeit
– Tod eines nahen Verwandten
– Krieg
Inhaltsverzeichnis
Story
Die Geschichte des Romans Gewürzstraße spielt im orientalisch angehauchten Qalia, einer abgelegenen Wüstenstadt, um die herum nichts als todbringende Wüste liegt – das zumindest glaubt die Protagonistin Imani, bis sie auf Nachrichten ihres verschollenen Bruders Atheer stößt, die Anderweitiges vermuten lassen. Ihr Bruder war als Entsandter des Rates dessen Augen und Ohren in die Außenwelt, um diese im Auge zu behalten und stets aktuelle Informationen einholen zu können. Als Mitglied der Schilde Qalias hat sich Imani einen Ruf als Dschinntöterin gemacht und dient treu ihrer Heimat, doch die Informationen zu ihrem Bruder lassen sie erstmals rebellieren. Imani überbringt dem Hohen Rat nicht nur die von ihr aufgefundenen Informationen, sondern stellt ihn auch vor das Ultimatum, sie auf eine Mission zur Suche ihres Bruders zu schicken oder ansonsten seinen Aufenthaltsort nicht zu teilen. Ihr Plan geht auf, doch der Rat stellt ihr unerwarteterweise gleich mehrere Personen zur Seite. Allen voran ausgerechnet Taha, den sie bisher so gut wie möglich mied. Als Sohn des Ratsvorsitzenden sieht sie in ihm nur den arroganten Spross einer mächtigen Familie, dessen Spitzen sie stets zur Weißglut treiben können. Dass der begabte Tierseher, der den Geist eines Falken kontrollieren kann, durchaus fähig sein kann, wird ihre folgende Reise zeigen.
Gemeinsam machen sich Imani, Taha und ihre Begleiter*innen auf den Weg durch die Wüste in die fernen Lande, die sich hinter dieser erstrecken. Ihren Bruder bei einer Rebellengruppe dieser Länder vermutend wagen sie sich in Gebiete, die von Invasoren angegriffen werden oder sogar schon besetzt wurden. Im Verlaufe der Reise erkennt Imani, dass die Welt viel größer ist, als sie dachte, und die fremden Kulturen ihrer eigenen nicht unähnlich sind. Gleichzeitig begegnen sie und ihre Begleiter*innen durch die Invasoren Rassismus und Fremdenhass, den sie so bisher noch nicht kannten. Diese Erlebnisse prägen sie intensiv. Auf ihren Wegen durch die Wüste und die außerhalb liegenden Länder kommen sich Imani und ihre Begleiter*innen, insbesondere aber Imani und Taha, langsam näher. Aus anfänglicher Abneigung und gegenseitigen Spitzen erwächst Respekt durch gemeinsam durchgestandene Kämpfe, den gegenseitigen Fähigkeiten und tatsächlichen Verdiensten. Langsam entwickelt sich Imani weiter und aus der naiven jungen Frau einer gut situierten Familie wird eine junge Frau, die Krieg und Leid, aber auch gute Seiten bei fremden Menschen kennenlernt. Ihr Charakter verändert sich hin zu einer harten, entschlossenen Kämpferin. Einige Nebencharaktere hingegen bleiben etwas blass und zeigen sowohl wenig eigenen Charakter als auch kaum etwaige Entwicklung. Sie bleiben diesbezüglich hinter Imani zurück.
Die magische Komponente des Buches stellt der geheimnisvolle Misra-Tee dar, den die Krieger*innen in einer ruhigen Teezeremonie zu sich nehmen. Für Imani schmeckt der Tee jedes Mal, abhängig von ihren eigenen Gedanken und Gefühlen ob anstehender Ereignisse, anders. Mal schmeckt der Tee herb, mal vollmundig. Nachdem der Tee konsumiert wurde, kann Imani auf die Magie des Tees zurückgreifen und beispielsweise im Kampf gegen Dschinn nutzen, um ihre Metallmagie zu nutzen. Die Geschichte der Gewürzstraße greift diese Magie nicht nur auf, sondern die Lesenden erfahren im Verlauf der Geschichte nach und nach mehr über das geheimnisvolle Misra.
Imani, Taha und ihre Begleitenden wachsen auf ihrer Reise nicht nur langsam zusammen, sondern schaffen es auch erfolgreich, in die fernen Lande zu gelangen. Dort haben sie sowohl mit den besetzenden Mächten als auch der Rebellion zu tun und gelangen an Kunde über Imanis Bruder. Das Buch schafft es durch seinen faszinierenden Weltenbau, von Anfang an eine gewisse Anziehungskraft auf Lesende auszuüben. Richtige Spannung erwächst dann nach und nach und endet nach einigen sehr überraschenden Szenen und einem spannenden Abschluss mit einem Cliffhanger.
Schreibstil
Die Autorin Mayia Ibrahim hat einen sehr angenehmen Schreibstil, der nicht nur flüssig lesbar ist, sondern die Lesenden sofort in die faszinierende Atmosphäre der Wüstenstadt Qalia hineinzieht. Mit der orientalisch angehauchten Wüstenkultur Qalias zeichnet sie ein beliebtes und interessantes Thema, das sich auch in Rollenspiel-Settings wiederfindet. Ihr Weltenbau umfasst jedoch nicht nur das abgeschiedene Qalia, sondern auch die tatsächliche Welt außerhalb der Wüste, die sich durchaus von der Wüstenstadt unterscheidet. Mit dem Thema einer nicht nur abgeschiedenen, sondern auch vergessenen und geheimen Stadt hat die Autorin einen perfekten Grundstein für ihr Buch Gewürzstraße gefunden. Die Übersetzung von Helga Parmiter aus dem australischen Englisch setzt die Geschichte perfekt und flüssig ins Deutsche um.
Die Autorin
Das Buch Gewürzstraße ist das Debüt der australischen Autorin Maiya Ibrahim, dessen Fortsetzung Das Schlangenmeer am 25. Februar 2025 auf Deutsch im Panini Verlag erschien. Maiya Ibrahim schloss mit einem Bachelor of Laws ihr Studium an der Technischen Universität Sydney ab. Sie hat eine Homepage, auf denen sich aktuelle Informationen finden.
Erscheinungsbild
Mit dem Türkis des Tuches auf dem Cover fällt dieses sofort auf. Das Türkis bildet hierbei einen guten Kontrast zu den warmen Beige-Tönen des Hintergrunds und legt ein Augenmerk auf die gewirkte Magie. Das Cover verrät ebenso wie der Name, dass sich die Geschichte im orientalischen Setting bewegt. Gleichzeitig ist eindeutig erkennbar, dass es sich um ein phantastisches Werk handelt.

Die harten Fakten:
- Verlag: Panini
- Autorin: Maiya Ibrahim
- Erscheinungsdatum: 20. Februar 2024
- Sprache: Deutsch (aus dem australischen Englisch übersetzt von Helga Parmiter)
- Format: Paperback
- Seitenanzahl: 464
- ISBN: 978-3833244810
- Preis: 19,00 EUR (Print) + 13,99 EUR (E-Book)
- Bezugsquelle Fachhandel, Amazon
Fazit
Das Buch Gewürzstraße von Mayia Ibrahim besticht durch seinen atmosphärischen Weltenbau, der eine orientalisch inspirierte, versteckte Wüstenstadt namens Qalia sowie ihre magische Kultur detailreich und lebendig beschreibt. Die Magie, die durch das Trinken des Msra-Tees erworben wird, erscheint hierbei geheimnisvoll und faszinierend.
Die Geschichte folgt der Kämpferin Imani, die sich im Verlauf ihrer Reise von einer naiven jungen Frau zu einer entschlossenen und reifen Kämpferin entwickelt, während sie die Welt außerhalb ihrer Heimat erkundet und mit den Herausforderungen von Rassismus, Fremdenhass und kulturellen Unterschieden konfrontiert wird. Dabei erinnert das Werk stellenweise an Tolkiens Welt, nicht nur durch die epische Reise und das Zusammenwachsen der Gefährt*innen, sondern auch durch die Thematisierung von Rassismus, Ausgrenzung und Vorurteilen zwischen verschiedenen Völkern.
Der flüssige Schreibstil der Autorin schafft es, die Lesenden sofort in die Atmosphäre der Wüste und der fernen Lande zu entführen, wobei Magie, Abenteuer und emotionale Tiefe gekonnt miteinander verwoben sind. Die Handlung ist spannend aufgebaut, überrascht immer wieder mit unerwarteten Wendungen und endet in einem Cliffhanger, der Lust auf die Fortsetzung macht. Insgesamt bietet Gewürzstraße eine Mischung aus phantastischer Magie, kultureller Vielfalt und emotionaler Entwicklung.

- Faszinierender Weltenbau
- Entwicklung der Protagonistin
- Spannende Handlung
- Teilweise oberflächliche Nebencharaktere
Artikelbilder: © Panini Verlags GmbH, PhantomRin
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Gloria Puscher
Dieses Produkt wurde privat finanziert.
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