Date Everything ist ein Dating Simulator der besonderen Art. Denn hier datet man nicht etwa Menschen oder andere Lebewesen, sondern Gegenstände. Um genauer zu sein, alltägliche und nicht ganz so alltägliche Dinge, die man in einem Haus antreffen kann. Es warten viele interessante Charaktere.
Alkohol(konsum), toxische Beziehungen, Hoarding, sexuelle Anspielungen, Drogen(konsum), derbe Sprache
Setting und Geschichte
Date Everything spielt komplett im Haus des verkörperten Charakters, das aus zwei Stockwerken mit mehr als zehn Räumen, einem Dachboden und einem Kriechkeller besteht. Der Charakter selbst, dessen Geschlecht und Name frei wählbar sind, führt ein Liebesleben, das schon seit Längerem auf Eis liegt. Mit einem Bachelorabschluss in Dienstleistungsmanagement in der Tasche, ist man bei Valdivian neu eingestellt, einem Megakonzern, der für alle möglichen Bereiche des Lebens Produkte anbietet und sogar acht verschiedene Social- Media Plattformen betreibt. Bei diesem Konzern ist man im Bereich Kund*innenservice gelandet, muss sich ihre Beschwerden anhören und lösen – oder an den Manager weitergeben. Aber schon nach dem ersten Arbeitstag stellt sich heraus, dass in diesem Bereich keine menschlichen Arbeitskräfte mehr benötigt werden: Man wird von einer KI abgelöst.
Doch es bleibt keine Zeit, Trübsal zu blasen, denn man erhält eine Nachricht von einer unbekannten Person, die sich „Tinfoilhat“ nennt. Von ihr wird eine Drohne vorbeigeschickt, mit einem besonderen Geschenk: eine Brille (genannt „Dateviators“), die, wenn man sie aufsetzt, die Kraft hat, alle möglichen Objekte im Haus zum Leben zu erwecken. Ihre Verkörperung Skylar Specs dient als Tutorial und kann selbstverständlich auch gedatet werden. Doch mit der Zeit stellt sich heraus, dass hinter all dem mehr steckt.

Features
Dating and everything else on the way
Date Everything wird in der Ego-Perspektive gespielt und das Hauptfeature ist es, nach und nach die insgesamt einhundert Objekte (wobei auch abstraktere Konzepte wie die Existenzangst ein Teil davon sind) im eigenen Haus zum Leben zu erwecken und kennen zu lernen. Manche von ihnen können jedoch erst später im Spiel freigeschaltet werden. Trägt man die Brille nicht, kann auf normale Weise mit den Gegenständen interagiert werden, zieht man sie an, kann mit ihnen geredet werden. Das kann fünfmal am Tag gemacht werden, und mit jedem bereits erweckten Objekt kann man einmal pro Tag reden.
Das größte Ziel ist es natürlich, sie am Ende zu daten, was aber kein Muss ist. Es gibt drei mögliche Beziehungsstatus: Love, Friends und Hate. Wo man am Ende landet, hängt von den Entscheidungen ab, die man im Gespräch mit den Objekten – oder Dateables – trifft. So kann man ihnen schmeicheln, sie beschwichtigen, beipflichten, die Meinung sagen und so weiter. Jedes der Objekte hat einen einzigartigen Charakter und befindet sich schon vor dem ersten Treffen auf einem bestimmten Punkt der Beziehungsleiste. Manche Objekte tun nichts lieber, als ihren Zweck zu erfüllen. So ist Betty (das Bett) sehr vom SC angetan und wünscht sich nichts mehr, als dass man einen guten Schlaf hat. Andere Gegenstände erkennen einen nicht direkt als Besitzer*in des Hauses, und man muss sie daran erinnern, während wieder andere nicht sonderlich beeindruckt von dieser Tatsache sind.
Einige der Charaktere sind simpel gestrickt. So ist Wallace (die Wand) fast nur fähig „Wall“, also „Wand“, zu sagen. Ein kurzer Austausch, in dem nichts anderes als „Wall“ gesagt wird, führt bereits dazu, dass er dem SC verfällt. Die meisten anderen Charaktere sind jedoch nicht so leicht zu haben. Sie haben eigene Wünsche und Bedürfnisse und stellen kleinere oder größere Quests, die erfüllt werden müssen, um vor allem den Beziehungsstatus „Love“ zu erreichen. Manche der Quests sind dabei besonders liebevoll und kreativ gestaltet. So möchte die Dusche Johnny Splash ein großer Sänger werden. Auf diesem Weg kann man ihn begleiten und unterstützen. Und zusammen mit dem zwanzigseitigen Würfel Chance erlebt man eine ganze Session Pen-and-Paper, beziehungsweise „Grottos and Gargoyles“ (G&G).
Egal, welchen der drei Status man am Ende erreicht, bekommt man je nach Charakter einen Bonus auf eine von fünf Eigenschaften, die sogenannten „S.P.E.C.S.“ diese sind Smarts, Poise, Empathy, Charm und Sass. Sie werden gebraucht, um bei manchen Interaktionen auf eine bestimmte Weise antworten zu können und ein bestimmter (recht hoher) Wert ist die Voraussetzung, um später im Spiel die zum Leben erweckten Objekte zu richtigen Menschen zu machen.

Doch nicht jedes Objekt existiert einfach so vor sich hin. Viele kennen sich untereinander und haben sogar Beziehungen. So sind Dorian, die Manifestation der verschiedenen Türen im Haus und Keith, der Generalschlüssel unzertrennbare Freunde, während die Waschmaschine Washford und der Trockner Drysdale eine lange und tragische Liebe hinter sich haben und trotzdem noch etwas füreinander empfinden. Aber obwohl sie im Waschraum aufeinander stehen, könnten sie nicht weiter voneinander entfernt sein. Es braucht den SC um sie – vielleicht – wieder zusammenzubringen.
Weitere Infos

Date Everything weist über 70.000 Voicelines auf. Bis auf den SC, der in Form von Textboxen kommuniziert, ist jeder Charakter vollständig auf Englisch synchronisiert, während ein Erzähler die Beschreibungen übernimmt. Unter den Synchronsprecher*innen sind bekannte Gesichter wie Matthew Mercer, Neil Newbon und Felicia Day. Wen diese drei verkörpern, soll an dieser Stelle aber nicht vorweggenommen werden. Weiterhin beinhaltet das Spiel über 11.000 handgezeichnete, hochwertige Bilder, welche die ansonsten durchschnittliche, comichafte 3D-Grafik aufwerten. Die musikalische Untermalung ist ebenfalls ein Highlight: So wird jeder Charakter von einem eigenen, passenden Soundtrack begleitet, der abgespielt wird, wenn man mit ihm redet.

Positiv hervorzuheben ist auch, dass das Spiel über Inhaltswarnungen verfügt (genannt „Content Aware“), die herausgegeben werden, wenn man auf bestimmte Charaktere trifft. Wenn man sich mit dem Thema, das im Gespräch mit ihnen behandelt wird, nicht wohlfühlt, kann es ohne Konsequenzen übersprungen werden. Dieses Feature ist auch für Streamer*innen praktisch.
Die harten Fakten:
- Entwicklerstudio: Sassy Chap Games
- Publisher: Team17
- Plattform: PC (Steam, Windows Store), Xbox Series X/S, PlayStation5, Nintendo Switch
- Sprache: Englisch
- Mindestanforderungen:
- Betriebssystem: 64-bit Windows 10
- Prozessor: Intel Core i5-2500 or AMD FX-4350
- Arbeitsspeicher: 8 GB RAM
- Grafik: NVIDIA GeForce GTX 660, 2 GB or AMD Radeon R9 270, 2 GB or Intel Arc A310, 4 GB
- Speicherplatz: 8 GB verfügbarer Speicherplatz
- Zusätzliche Anmerkungen: Low 1080p @ 30 FPS
- Genre: Dating Simulation
- Releasedatum: 17.06.2025
- Spielstunden: 20+
- Spieler*innen-Anzahl: Singleplayer
- Altersfreigabe: 16
- Preis: 29,99 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Steam
Fazit
Date Everything ist ein ambitionierter, inklusiver Dating Simulator mit einer interessanten Prämisse und verspricht dabei im Titel nicht zu viel. Nahezu jedes Objekt im Haus, der spielbaren Welt, kann gedatet werden, seien es Computer, Dusche, Bett oder eine künstliche Pflanze. Das Spiel nimmt dabei weder sich selbst noch alles andere übermäßig ernst. Gute und schlechte Wortspiele warten an jeder Ecke, was allein an den Namen der Gegenstände zu erkennen ist, wie zum Beispiel Dorian die Tür oder Mitchell Linn, das im Haus vorhandene Essen.
Das Highlight sind klar die verschiedenen Charaktere, die alle ihre eigene Persönlichkeit haben. Neben der hervorragenden Synchronisation fallen auch die Designs auf, welche auf äußerst kreative Weise den Gegenstand, der sie eigentlich sind, in ihr Aussehen integrieren. Die Geschichten mancher Charaktere sind zwar etwas flach, aber bei insgesamt einhundert Dateables ist das zu verschmerzen. Insbesondere, da andere liebevoll ausgestaltet sind.
Die Geschlechter halten sich in ihrer Anzahl die Waage, es sind aber auch nicht-binäre Charaktere dabei. Wer sich im Spiel ausschließlich auf präferierte Geschlechter einlassen möchte, könnte deshalb auf Probleme stoßen. Allerdings sind die Interaktionen gerade außerhalb von Romanzeoptionen vielfältig und Freundschaft ist immer eine Möglichkeit. Der Fokus des Spiels liegt auf dem Weg hin zu einer der drei möglichen Beziehungen, nicht der Beziehung selbst. Die Charaktere sind in Aussehen, Verhalten und Persönlichkeit so vielfältig, dass vermutlich für jede*n mindestens ein Favorit dabei ist.

- Äußerst kreative Charakterdesigns
- Großartige Synchronisation
- Inklusiv
- Steuerung manchmal etwas hakelig
- Geschichten mancher Charaktere etwas flach
Artikelbilder: © Sassy Chap Games
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Sabrina Plote
Screenshots: Ayleen Schmidt
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

















