Buchmessen dienen Verlagen und Selfpublisher*innen der Präsentation des eigenen Programms, und Lesende finden hier neue Lektüre. Für die Branche sind sie mitunter eine Art Familientreffen. Neben riesigen, internationalen Veranstaltungen locken auch lokale Buchmessen Lesebegeisterte an. Eine davon ist seit diesem Jahr die Klischee in Darmstadt.

Klischee, das: Druckstock, abgegriffene Redensart, Buchmesse in Darmstadt. Letzteres gilt erst seit diesem Jahr, denn zuvor gab es in Darmstadt keine derartige Veranstaltung. Für Buchliebhaber*innen sind zwar Frankfurt mit der großen internationalen Buchmesse jeden Oktober und auch Dreieich mit dem Bucon nicht sonderlich weit entfernt. Eine eigene Veranstaltung fehlte bisher jedoch. Dies ist jetzt anders.
Am 12.09.2026 von 10:00-17:30 Uhr fand die Klischee – Die Buchmesse das erste Mal statt, und wir haben sie besucht.
Auf ins Klischee
Die Klischee kündigte sich uns bei unserem Besuch neben Fahnen und Bildschirmanzeigen am Gebäude auch in Form zahlreicher Kleingruppen mit gut gefüllten Büchertüten an.
Beim Vorzeigen des digitalen Tickets gab es ein stabiles Bändchen ums Handgelenk, das eher einem textilen Festivalbändchen ähnelte als einem der Papierstreifen, die auf manchen Conventions üblich sind. Außerdem bekamen wir einen Lageplan und die Messezeitung in die Hand gedrückt.

Die Messezeitung war mit 60 Seiten im DIN-A5-Format ein üppiges Programmheft. Dabei enthielt es nicht nur das Klischee-Programm. Neben einem Verzeichnis sämtliche Aussteller*innen, inklusive Standnummer und Genres, listete es natürlich die Lesungen auf. Dazu kamen zahlreiche Anzeigen verschiedener Ausstellender und unterhaltsame Punkte wie beispielsweise ein Bingo und Tipps für die erste Buchmesse.
Der Lageplan war sehr nützlich, ist jedoch zugleich einer unserer Kritikpunkte. Er war angemessen groß (aufgefaltet DIN A3), er listete sämtliche Austeller*innen mitsamt Standnummer auf und zeigte korrekt an, wo sich welcher Stand in der Halle befindet. Leider sind die Standnummern auf dem Hallenplan jedoch kaum zu lesen. Hinweise auf Toiletten fehlen auf dem Plan komplett. Hier wünschen wir uns Verbesserung.
Der Veranstaltungsort
Als Veranstaltungsort diente das Darmstadtium. Bei diesem Bauwerk mit dem leicht futuristischen Aussehen handelt es sich um ein Kongresszentrum, das nach dem gleichnamigen Element benannt und designt wurde. Das barrierefreie Gebäude liegt direkt in der Darmstädter Innenstadt und dadurch extrem verkehrsgünstig. Mehrere Bus- und Straßenbahnlinien halten in der unmittelbaren Nähe des Darmstadtiums, mit diesen ist der Hauptbahnhof Darmstadt innerhalb von etwa 10 Minuten erreichbar. Für die Anreise mit dem Auto boten das Parkhaus des Darmstadtiums, aber auch weitere Parkhäuser in der Nähe Möglichkeiten, das Fahrzeug abzustellen.

Theoretisch ist auch der Flughafen Frankfurt in einer halben Stunde vom Darmstadtium aus erreichbar. Uns ist jedoch kein Fall einer Anreise zur Klischee mit dem Flugzeug bekannt.
Durch die Innenstadtlage bestand auch die Möglichkeit, bei einem Stadtbummel spontan die Messe zu besuchen, falls man erst beim Vorbeigehen von dieser erfahren hat. Auch ließ sich die Klischee zwischendurch verlassen und erneut betreten, sodass einem Stadtspaziergang oder einem Besuch im Restaurant oder dem Supermarkt nichts im Wege stand.
Die kulinarische Versorgung vor Ort fand durch das Catering des Darmstadtiums in Form von Getränken und kleinen Snacks wie Brezeln und anderem Gebäck statt. Die Preise waren relativ messetypisch etwas hoch, aber mit einer Klischee-Tasse ließ sich eine Kaffeeflatrate erwerben.
Die Autor*innen
Ob beim ziellosen Schlendern oder bei einer gezielten Suche bestimmter Stände, die Auswahl auf beiden Seiten der breiten Gänge war groß.
Über 240 Schreibende präsentierten auf der Klischee ihre Werke. Dabei waren die verschiedensten Genres vertreten, Kinderbücher, Krimis, Sachbücher, Romance und eine Menge Phantastik, von übernatürlichem Grusel über High Fantasy bis Romantasy. Hier war für jeden Geschmack etwas dabei.
Eine ähnlich große Bandbreite zeigten die ausstellenden Autor*innen nicht nur bei ihren Genres. Von Anfänger*innen mit ihrem Debüt bis zu absoluten Messeprofis war alles dabei. Ein Teil der Ausstellenden stammte aus dem Selfpublishing, an anderen Ständen dagegen präsentierten Schreibende ihre in Verlagen erschienenen Bücher. Dazu hatten einige Lektor*innen und Coverdesigner*innen einen Stand auf der Klischee, außerdem gab es Merchandise zu kaufen. Häufig handelte es sich dabei um Stände, die beispielsweise Bücher und dazu passende Sticker oder Postkarten anboten.

Anders als auf den großen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig waren auf der Klischee nur wenig Verlage vertreten, und auch bei diesen handelte es sich vorwiegend um Kleinverlage. Hier dominierten ganz klar die Autor*innen. Zum Abschluss waren wohl nicht alle mit den Verkaufszahlen zufrieden, aber das ist ein Risiko, was leider immer besteht. Insgesamt war die Stimmung unter den Ausstellenden jedoch gut.
Die Autor*innen konnten auf der Klischee ihre Bücher nicht nur zeigen und verkaufen, sondern auch daraus lesen. In drei Räumen fanden den ganzen Tag über Lesungen statt. Der Eintritt dazu war im Messeticket inkludiert. Leider waren die Lesungen nicht prominent genug auf der Klischee beworben, und auch die Ausschilderung der entsprechenden Räume war etwas zurückhaltend. An dieser Stelle sehen wir ebenfalls Verbesserungspotenzial.
Die Leser*innen
Über ausbleibende Besucher*innen musste sich die Klischee nicht sorgen. 1800 Tickets gingen in den Vorverkauf und 1750 Menschen besuchten laut der Messe-Orga die Veranstaltung. Da Kinder bis 12 Jahre in Begleitung eines vollzahlenden Erwachsenen keinen Eintritt zahlten, ist die Zahl eventuell sogar noch etwas höher, denn zu den Gästen gehörten einige Familien mit Kindern.
Die meisten Eintrittskarten waren bereits im Vorfeld verkauft worden. Mit 12,50 EUR lässt sich der Preis im Durchschnitt für ähnliche Veranstaltungen einsortieren. Das Restkontingent an der Tageskasse kostete mit 15,00 EUR etwas mehr.
Nur im Vorverkauf erhältlich waren die exklusiven, teureren VIP-Tickets. Mit diesen konnte die Messe bereits eine Stunde früher besucht werden, außerdem gab es eine Tasche voller buchiger Goodies dazu. Die Nachfrage danach schien groß, denn die VIP-Tickets waren Ende August bereits ausverkauft.
Das Team
Über das Orga-Team haben wir nur Positives gehört, was auf Veranstaltungen dieser Art nicht immer gegeben ist.
Wir hatten keinen Stand auf der Klischee und können deswegen nicht aus erster Hand über Aufbau und Kommunikation berichten. Aber auf der Veranstaltung waren alle unsere Begegnungen mit der Orga sehr angenehm. Sämtliche Mitglieder des Klischee-Teams waren an ihren blauen T-Shirts gut zu erkennen und zudem bei Nachfragen alle freundlich und hilfsbereit. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an Hauptorganisatorin Pia Fauerbach, die uns spontan unsere Fragen beantwortet hat!

Wir kommen wieder
Insgesamt hat uns die Klischee in Darmstadt überzeugt. Die Stimmung war gut, die Organisation ebenso, das Angebot groß und abwechslungsreich. An einigen Stellen gibt es noch etwas Verbesserungsbedarf, aber absolut nichts davon wird uns von einem erneuten Besuch abhalten.
Wir freuen uns auf nächstes Jahr. Dann wird die Klischee – Die Buchmesse nämlich erneut stattfinden. Also, markiert den 04.09.2027 schon im Kalender.
Artikelbilder: © Marie Mönkemeyer
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Rick Davids
Fotografien: Marie Mönkemeyer


















