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Die Jagd nach dem Biest von Gévaudan im Frankreich des 18. Jahrhunderts gehört nicht unbedingt zum liebsten Kapitel von Sebastians unsterblichem Leben. Zu viel Blut von zu vielen geliebten Menschen wurde dort vergossen. Kann der Debütroman The Red Winter des australischen Autors Cameron Sullivan der Legende neues Leben einhauchen?

Die Geschichte um die Bestie von Gévaudan wurde schon vielfach in diversen Medien nacherzählt. Mitte des 18. Jahrhunderts verschwanden in Südfrankreich zahlreiche Menschen und tauchten kurz darauf als verstümmelte Leichen wieder auf. Bis zu 100 Tote sollen von einer Bestie dahingerafft worden sein. Was in der Realität wohl das Werk von einem oder mehreren Wölfen war, wurde in der Popkultur häufig zu den Taten eines Werwolfs oder eines anderen entarteten Monsters stilisiert. Hierzulande besonders bekannt wurde die Legende durch den französischen Film Pakt der Wölfe aus dem Jahr 2001.

Historische Darstellung: La Bête du Gévaudan (1765) - Bibliothèque nationale de France
Historische Darstellung: La Bête du Gévaudan (1765) – Bibliothèque nationale de France

Mit The Red Winter versucht sich nun der Autor Cameron Sullivan an einer neuen Interpretation des bekannten Stoffs. Dabei geht er nicht nur auf die Legende des Biests von Gévaudan ein, sondern auch auf die Geschichte um die französische Nationalheldin Jeanne d’Arc, sowie die Anfänge der französischen Revolution. Vor all diesen historischen Kulissen bewegt sich sein Hauptcharakter Sebastian Grave, welcher durch einen Pakt mit einem Dämon ewiges Leben erlangte. 

Triggerwarnungen

Body Horror, Feuer, grafisch beschriebene Gewalt, Kannibalismus, Mord, Tod wichtiger Charaktere

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Handlung & Charaktere

In Florenz des Jahres 2013 stolpert Sebastian über ein Relikt aus alten Zeiten, welches ihn an eines der schönsten, aber auch dunkelsten Kapitel seines schon über 2000 Jahre andauernden Lebens erinnert. Als ihn im Jahre 1785 die Nachricht erreicht, dass das grausame Biest von Gévaudan wieder mordet, zögert er nicht lang und begleitet den Boten Jaques nach Frankreich zurück. Nur der in ihm wohnende und niemals schweigende Dämon Sarmodel hat seine Vorbehalte. Vor 20 Jahren entgingen sie bei der königlichen Jagd auf das Monster nur knapp dem Tod. Doch Sebastian ist nicht nur von der Aussicht auf eine stattliche Bezahlung getrieben, sondern hat ein ganz persönliches Interesse, an den Ort des Geschehens zurückzukehren. Sein einstiger Liebhaber Antoine Avenel d’Ocerne verlangt nach ihm und die Chance, direkt mehrere unvollendete Angelegenheiten zu beenden, scheint verlockend.

Neben der Geschichte um das Biest von Gévaudan, berichtet der vertraglich an Sebastian gebundene Sukkubus Livia von der Begegnung mit Jeanne d’Arc im Frankreich des 15. Jahrhundert. Was anfangs wie eine spannende weitere Erzählung aus dem langen Leben des Protagonisten klingt, wird im Laufe des Romans zu einem zweiten Handlungsschauplatz, welcher auf überraschende Weise mit der Haupthandlung verbunden ist.

Schreibstil

Zu den schriftstellerischen Besonderheiten des Romans gehören vor allem die komplexe Erzählstruktur auf drei unterschiedlichen Zeitebenen und der damit verbundene gelungene Spannungsaufbau. Der permanente Wechsel zwischen den Erzählungen lässt keine Langeweile beim Lesen aufkommen und hält die Spannungskurve konstant hoch. Auflockernd kommen immer wieder Fußnoten zum Einsatz, welche zusätzliche Kommentare von Sebastian oder Livia enthalten und diverse magische Besonderheiten im Laufe der Geschichte erklären. Teils sind diese auch sehr witzig gestaltet. Generell findet sich immer wieder eine Note schwarzer Humor (meist von der dämonischen Seite Sebastians), welcher die grausamen Geschehnisse im Buch weniger drückend erscheinen lässt. Die Sprache ist vor allem in den Dialogen passend zur historischen Einordnung hochgestochen, lässt sich aber jederzeit flüssig und gut lesen.Bis auf wenige kleinere Logikfehler ist dieser Roman für ein Erstlingswerk außergewöhnlich gut geschrieben.

Allgemeines zum Buch

Der australische Autor Cameron Sullivan hat mit seinem Debütroman The Red Winter ein klassisches Werk der dunklen Phantastik geschaffen, welches besondere historische Verzweigung aufweist und für Lesende ab 18 Jahren geeignet ist. Das Buch erschien gleichzeitig im englischen Original und in der deutschen Übersetzung von Jochen Schwarzer im Tor Verlag.

ReWi - Cover

Die harten Fakten:

  • Verlag: Tor Books
  • Autor: Cameron Sullivan
  • Erscheinungsdatum: 26.02.2026
  • Sprache: Englisch
  • Format: Hardcover
  • Seitenanzahl: 544
  • ISBN: 978-1035047482
  • Preis: 27,99 EUR (Print englisch) + 15,29 EUR (E-Book englisch)
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon (Englisch), Amazon (Deutsch)

 

Fazit

Der phantastische Einzelband The Red Winter überzeugt auf ganzer Linie. Die historischen Referenzen zum Biest von Gévaudan und der Legende von Jeanne d’Arc werden sinnvoll in eine düstere Geschichte um Monster, Dämonen, Engel und Magie verwoben. Sebastians und Antoines Geschichte ist sowohl blutig, als auch herzerwärmend. Das Debüt von Cameron Sullivan sollte man sich nicht entgehen lassen.

  • Gelungene Kombination aus Historie und Phantastik
  • Queere Hauptcharaktere
  • Einzelband
 

  • Kleine Logikfehler

 

Artikelbilder: © Tor Books
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Lidia Strauch

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