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In unserer ersten Umfrage zu Cosplay und Gesellschaft haben wir uns mit Fragen rund um eure Erfahrungen im beruflichen Umfeld beschäftigt. Dieses Jahr lag unser Fokus auf eurem privaten Umfeld und wie dieses auf Cosplay reagiert. Dabei haben wir erneut viel Spannendes erfahren.

Die Weihnachtszeit steht bevor und damit auch wieder zahlreiche Feiern mit Familien und Freunden. Irgendwann kommt man dabei auch die Frage, was man das Jahr so erlebt oder an den Wochenenden getrieben hat. Während andere über Mainstream-Hobbys schnell einige Erlebnisse zur Hand haben, beginnen bei manchen CosplayerInnen nun hektische Überlegungen, ob und wie man sein Hobby erklärt. Ist es vielleicht zu ausgefallen? Nimmt man dieses Hobby ernst? Eine unserer zentralen Fragestellungen war, ob diese Gedanken berechtigt sind und welche Erfahrungen andere CosplayerInnen damit gemacht haben.

Lasst die Zahlenspiele beginnen – Statistisches zum Auftakt

Damit wir wissen über wen und was wir hier reden, schauen wir uns zunächst ein paar der statistischen Daten an. Mit 436 TeilnehmerInnen hatten wir nur etwas über eine Handvoll mehr als bei unserer letzten Umfrage (damals 430). Erfreulicherweise haben aber viel mehr der Teilnehmenden die Umfrage auch vollständig beendet – statt 313 vollständigen Fragebögen konnten wir diesmal 358 auswerten.

Leider sind wir damit immer noch von unserem Ziel der 1.000 Fragebögen entfernt, die eine recht hohe Trennschärfe bieten würden. Dennoch bewegen wir uns bereits bei verwertbaren Zahlen, die weitere Annahmen und Rückschlüsse zulassen.

Wer cosplayt eigentlich?

Wenig überraschend, wenn man sich durch Foren und über Conventions bewegt, ist die Tatsache, dass das Hobby extrem stark durch Cosplayerinnen geprägt ist. Rund 88% aller Teilnehmenden, die die Umfrage vollständig ausgefüllt haben, ordnen sich dem weiblichen Geschlecht zu. Dagegen stehen knapp 10% Männer und ca. 2% Teilnehmende, die sich keinem der binären Geschlechter zuordnen können oder wollen. Damit sinkt der Anteil von Cosplayern im Vergleich zur Vorjahresumfrage um 3%. Das kann jedoch eine statistische Ungenauigkeit sein, gerade bei einer Teilnehmeranzahl von unter 1.000.

Von den Teilnehmern sind die meisten Angestellte, nämlich 42%. Das bestätigt unseren Wert der ersten Umfrage. Dicht darauf folgen Schüler, Studenten und Azubis, die mit fast 36% einen sehr hohen Anteil haben. Das ist deutlich höher als beim durchaus verwandten Hobby LARP, wo sie nur einen Anteil von 23% stellen. Mit im Schnitt 25 Jahren sind CosplayerInnen zudem unseren Statistiken zufolge sieben Jahre jünger als LarperInnen. Sehr ähnlich wiederum ist das Bildungsniveau, CosplayerInnen scheinen ebenfalls zu höheren Bildungsabschlüssen zu tendieren.

Wer cosplayt, versucht das dann auch häufiger zu machen und geht im Schnitt drei bis sechs Mal pro Jahr auf eine Convention. Knapp 15% gehen im Schnitt etwa einmal im Monat.

Der Blick ins private Umfeld

Aber wie steht es denn nun mit den Erfahrungen im privaten Umfeld? Dazu haben wir unsere Fragen nach engen Verwandten, entfernten Verwandten, Partnern und dem Freundeskreis getrennt. Unsere Betrachtungen beginnen mit den Menschen, die man sich am wenigsten aussuchen kann, mit denen man aber dennoch viel Zeit verbringt: Der Familie.

Die liebe Familie

Die ersten Zahlen sind dabei wenig überraschend, denn Eltern und Geschwister wissen zumeist von den eigenen Hobbys. Zumindest ist das bei 95% der Befragten der Fall. Zum einen dürfte es schwer sein, diese Art von Hobby vor Eltern und Geschwistern geheim zu halten. Zum anderen dürfte allgemein nur sehr wenige Hobbys geben, bei denen man sich nicht traut, sie seinen engsten Verwandten mitzuteilen. Dennoch haben einige TeilnehmerInnen angegeben, Eltern und/oder Geschwistern nichts über ihre Freizeitbeschäftigung Cosplay verraten zu haben. Hier müsste man allerdings ein Interview führen um die Gründe zu erforschen.

Der größte Teil, runde 58%, hat auch versucht, sein Hobby den Eltern möglichst genau zu erklären, 22% haben dabei die handwerkliche Arbeit in den Vordergrund gestellt. Fast 10% haben es den Eltern hingegen gar nicht erklärt. Bei den Geschwistern sieht es hingegen anders aus, hier erklärten nur noch 36% möglichst genau das Hobby und ein mit 20% recht großer Anteil hat darauf verzichtet, das Hobby überhaupt zu erläutern.

Schaut man sich nun Zahlen zu entfernten Verwandten ab, nimmt die Kommunikation spürbar ab. Dennoch wissen zumindest die meisten Verwandten vom Hobby und bekommen es ähnlich genau erklärt wie Geschwister. Interessant hingegen ist, dass einige Teilnehmer es eher ihren entfernten Verwandten zu erklären versucht haben als ihren Geschwistern.

Sorgen und Erfahrungen

Interessant war für uns vor allem, warum manche TeilnehmerInnen ihren Verwandten nicht von ihrem Hobby berichten. Ein knappes Viertel gibt hier an, dass es entweder keine Lust habe sein Hobby zu erklären oder der Meinung ist, die betroffenen Verwandten gehe es einfach nichts an. 10% vermuten hingegen, dass Verwandte kein Verständnis für das Hobby aufbringen würden und 9% sind sich sogar sicher, dass Verständnis fehlen würde. Dieser Wert ist merklich niedriger als bei LarperInnen, die wesentlich besorgter sind oder sicherer, dass es an Verständnis fehlen könnte.

Verwandte jedoch, die von dem Hobby wissen, scheinen sich mehrheitlich dann auch dafür zu interessieren. Starke 67% der TeilnehmerInnen haben diese positive Erfahrung gemacht und konnten in einigen Fällen sogar Verwandte für die Szene oder gar das Hobby begeistern.

Leider gab es aber auch viele andere Fälle. Über 11% der TeilnehmerInnen wurden Ziel von Spott und Kränkungen im familiären Umfeld und genauso vielen wurde sogar angeraten, das Hobby aufzugeben, da es vermeintlich gesellschaftlich nicht anerkannt sei. Vergleicht man diese Zahlen mit den Erfahrungen von CosplayerInnen im beruflichen Umfeld, gibt es hier signifikante Unterschiede. Zwar wurden die UmfrageteilnehmerInnen im beruflichen Umfeld öfter Ziel von Spott, aber viel seltener hat man dazu geraten das Hobby aufzugeben. Das deutet klar darauf hin, dass Verwandte die Auswirkungen des Hobbys auf die gesellschaftliche Akzeptanz im Vergleich zum beruflichen Umfeld vermutlich überbewerten. Oder einfach gesagt: Verwandte machen sich vermutlich unnötige Sorgen.

Der Freundeskreis

Freunde kann man sich in der Regel aussuchen und daher steht zu erwarten, dass die meisten Cosplayer bedenkenlos im Freundeskreis über ihr Hobby sprechen. Oder?

Tatsächlich wissen auch bei den meisten CosplayerInnen alle Freunde vom Hobby, nämlich bei 75% der Teilnehmenden. Dieser Anteil liegt aber dennoch niedriger, als man es vielleicht vermutet hätte. In über 20% der Fälle beschränkt sich das geteilte Wissen tatsächlich nur auf Freunde, die selber in der Szene aktiv sind und vielleicht noch ein paar andere.

Fragt man nach dem „Warum“ unter jenen, die es nicht allen Freunden erzählt haben, geben 31% an, nicht jedem von ihren Hobbys zu erzählen. 15% fürchten um das Verständnis für das Hobby und ein Viertel derjenigen, die diese Frage beantwortet haben, ist sich sicher, dass Freunde kein Verständnis für ihr Hobby haben werden.

Blickt man dann jedoch in die tatsächlichen Erfahrungswerte, sind die Erfahrungen überwiegend positiv. Deutlich weniger der TeilnehmerInnen haben im Freundeskreis schlechte Erfahrungen gemacht als zum Beispiel im Arbeits- oder Familienumfeld. Der einzig ausgeprägte Wert bei den schlechten Erfahrungen ist dann auch nicht auf mangelnde Akzeptanz des Hobbys im Freundeskreis zurückzuführen, sondern dass es 17% der TeilnehmerInnen schwer fällt, Freundschaften außerhalb des Hobbys zu pflegen.

Es überwiegen aber auch im Freundeskreis ganz klar die positiven Erfahrungen. Nicht nur sind über 80% der Teilnehmer auf Interesse im Freundeskreis gestoßen, sondern 44% haben Freunde gleich selbst zum Cosplay motiviert. Eine so hohe Aktivierungsquote dürften wenige Hobbys haben.

Und die Liebe?

Hobbys nehmen nicht selten auch Einfluss auf Partnerschaft und Partnerwahl. Das ist bei Cosplay nicht anders. Aber wie sieht das im Detail aus?

Gleich die erste Frage bringt dabei etwas Interessantes zu Tage, denn fast 6% der CosplayerInnen, die bereits eine Beziehung hatten oder haben, haben laut Umfrage keinem oder nicht jedem Partner von ihrem Hobby erzählt. Ein hoher Wert, bedenkt man die Intimität einer solchen Beziehung. Daher wundert es auch nicht, dass von der Gesamtheit aller Teilnehmer rund 4% eine Trennung oder Scheidung auf Cosplay zurückführen.

In der Partnerschaft hatten die Teilnehmenden dann auch die wenigsten schlechten Erfahrungen im Vergleich zu Verwandtschaft und Freundeskreis. Das dürfte aber auch daran liegen, dass man Partner noch viel häufiger nach der Kompatibilität mit seinen Hobbys auswählt. Die Umfrage zeigt dabei, dass PartnerInnen nicht unbedingt selber in der Szene aktiv sein müssen. Für weniger als die Hälfte der Befragten ist das ein Kriterium.

Bedeutung für die Szene

Erneut zeigt sich: Oftmals scheinen Sorgen nicht begründet. Schlechte Erfahrungen gibt es zwar, aber diese sind in allen angefragten Beziehungsverhältnissen in der Minderheit. Das bedeutet natürlich nicht, dass eine grundsätzliche Offenheit keine schlechten Erfahrungen nach sich zieht, aber es ist dann doch seltener der Fall, als man zunächst befürchten könnte.

Gerade der Vergleich zu den Erfahrungen im beruflichen Umfeld sollte hier ermutigen, denn wenn Verwandte besorgt um die Auswirkungen des Hobbys sind, denken sie dabei vermutlich meistens an Beruf und Karriere. Diese sind aber, zumindest unseren Umfragen nach, eher selten ernsthaft in Gefahr durch Cosplay.

Cosplay hat in den letzten Jahren eine zunehmende mediale Aufmerksamkeit erfahren und die Berichterstattung beschäftigt sich auch merklich seriöser mit diesem kreativen Hobby. Ein offener Umgang unter Freunden und Familie kann dabei ein weiterer Baustein sein, um die negativen Erlebnisse weiter zu reduzieren.

Statistische Daten

Umfragezeitraum: 14.02.2018 – 17.07.2018 
Fragebögen: 436, davon 358 vollständig 
Frauen: 314 
Männer: 38 
Anderes Geschlecht: 6

Analysen zum Umgang und Erfahrungen mit phantastischen Hobbys: 

LARP & Berufswelt Teil 1
LARP & Berufswelt Teil 2
LARP & privates Umfeld

LARP-Zensus 2018
Cosplay & Berufswelt

 

Artikelbild: © bagiuian | depositphotos.com, Bearbeitung: Melanie Maria Mazur

 

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