Vom 16. bis 18. Mai 2025 fand in Oberhausen nun zum zweiten Mal die RolePlay Verse (RPV) statt und möchte ein Nachfolger der seit 2019 nicht mehr stattfindenden Role Play Convention sein. Wir waren für euch vor Ort und berichten, ob die Nachfolge klappt.
Zwar ist die RPV eine eigene Veranstaltung, die Bezüge zur RPC sind jedoch deutlich spürbar. Als erstes fällt vermutlich der Name auf, der zweite Punkt ist die thematische Ausrichtung der Veranstaltung: Tischrollen- und Brettspiele, Cosplay, Larp, ein Mittelaltermarkt und fantastische Literatur tummeln sich in und um das Backsteingebäude, das einst ein Fabrikgelände war. Die Messe findet nämlich in der 1909 erbauten Turbinenhalle in Oberhausen statt, welche heute hauptsächlich als Konzert- und Veranstaltungsort genutzt wird.
Gleichzeitig ist aber der Veranstalter ein anderer: Skald, welcher wiederum zu Burgschneider gehören, die vor einigen Jahren auch schon Live-Adventure und damit das Conquest of Mythodea übernahmen, versuchen in diese – vielleicht etwas romantisierten – Fußstapfen zu treten. Dabei befanden sie sich auch im Austausch mit den vorigen Veranstaltern und bekommen unter anderem Unterstützung von Pegasus Spiele, welche einige Erfahrung mit Messen und eigenen Veranstaltungen aufweisen können.
Keine typischen Trigger
Inhaltsverzeichnis
Eine neue Messe für die Nerdwelt
Mit dem Ende der Role Play Convention endete auch eine Ära. Für viele war dies vielleicht der Startpunkt ins Hobby oder die erste große Messe. Zumindest ist das der Fall bei einigen Teilzeithelden und ganz konkret auch mir.
Einlass mit Hürden
Die RolePlay Verse findet 2025 zum zweiten Mal statt. Auch dieses Jahr wieder auf dem Gelände der Turbinenhalle in Oberhausen, Nordrhein-Westfalen. Damit hat man die Heimat der Role Play Convention verlassen, welche in der Koelnmesse liegen. Oberhausen liegt ein gutes Stück nördlicher und bedeutet damit für alle, die von Süden kommen, eine weitere Anreise als früher. Während die Koelnmesse sogar direkt mit dem ICE erreichbar ist, ist Oberhausen nicht ganz so gut angebunden und das Veranstaltungsgelände vom Hauptbahnhof mit Tram oder Bus erreichbar.
Auf dem Gelände angekommen ist um kurz vor 10 schon so einiges los. Doch bevor man durch die Tore treten kann, muss das Ticket gescannt werden. Die Personen, die dafür zuständig sind, sind leider nicht allzu gut erkennbar – mit einer Warnweste oder einer auffälligeren T-Shirt-Wahl wäre der Veranstalter hier vermutlich etwas besser unterwegs. Stattdessen ist das weiße T-Shirt unter den – zugebenermaßen zur Veranstaltung passenden – Klamotten teilweise nur schwer auszumachen und so gehen diese Personen leider zwischen all den Larper*innen und Cosplayer*innen in ebenfalls entsprechenden Outfits etwas unter. Man erkennt sie aber auch wiederum an den kleinen Menschentrauben, die sich dort bilden. Daneben gibt es die Tageskasse an der auch noch Tickets vor Ort gekauft werden können, wenn man online keine erworben hat.
Nachdem diese Hürde passiert ist und man einen Stempel eingesammelt hat, folgt die zweite Einlass-Schlange. Diese ist zumindest morgens um 10, also zum Öffnen der Messe, durchaus sehr lang. Dort stehen zwar Ordner*innen und Security und es gibt kleine Durchgänge aus Metallgittern, aber neben dem Stempel wird dort nichts kontrolliert. Es stellt sich da die Frage, wieso man das Scannen der Karten nicht dort machen kann, zumal danach noch ein Gang zum Bonstand in der Turbinenhalle selbst notwendig ist, um ein Bändchen abzuholen. Wobei sich da später herausgestellt hat, dass dieses Bändchen nur notwendig ist, falls man vorhat, das Gelände zu verlassen und wiederkommen möchte. Dies war aber nicht ganz klar, weshalb sich vermutlich mehr Personen als nötig Bändchen geholt haben.
Mit einem Schritt in verschiedenen Welten
Ist der Einlass geschafft, steht man auf einem großen Schotterplatz und schaut eine Treppe nach oben auf ein Backsteingebäude, das schon irgendwie zum insgesamten Charme der Veranstaltung passt. Kommt man morgens direkt zum Einlass, kann man all die Cosplayer*innen und Walking Acts bewundern, die aufgereiht die Treppe hinauf die Besucher*innen begrüßen. Ein wahrhaft großartiger Anblick, der direkt einstimmt und Lust macht die verschiedenen „Verses“ zu erkunden.
Diese „Verses“ sind die thematischen Bereiche der RPV und sollen demnach auch unterschiedliche Themen darstellen. Zum einen gibt es NERD VERSE 1, in welchem sich größtenteils Pen-and-Paper wiederfindet sowie NERD VERSE 2, wo es mit mehr Tischrollenspiel aber auch Larp und anderen Kleinigkeiten weitergeht. Im FIRE VERSE befindet sich die Main Stage und ein paar weitere Stände. Im EXPLORER VERSE gibt es verschiedenes zu Literatur, aber auch Würfel, Artists und Cosplayer*innen wie Mia Shinda oder die 42nd Armatura Germania. Gegenüber von NERD VERSE 1 liegt das CANTINA VERSE, wo es doch etwas schade war, dass hier nicht durchgehend Star Wars-Musik lief. Zwar gab es hier Musik, aber die hat das ansonsten schön umgesetzte Star Wars-Thema eher gestört als unterstrichen.
Etwas kleiner gab es noch im Innenbereich eine Area für Autor*innen, welche man eher durch Zufall fand, wenn man die zwei Stände auf dem Balkon über NERD VERSE 2 entdeckte oder in der Ecke des CANTINA VERSE die Treppe hinaufstolperte. Schade eigentlich, denn dort gab es doch ein paar Schätze und Lesungen zu finden.
Dafür kam man auf dem Weg nach draußen fast automatisch am CRAFTER‘S VERSE vorbei, wo es einiges zu bestaunen gab. Von Schmuck über 3D-Geducktes und kleine Pilzlampen war dort eine Menge zu finden. Direkt darüber, jedoch wieder etwas versteckt, lag das ARTIST’S VERSE mit vielen Künstler*innen, die dort verschiedene Kunstwerke, Postkarten und Sticker anboten oder sogar vor Ort direkt zeichneten.
Auf dem Außengelände fand sich schließlich das MEDIEVAL VERSE und damit ein schöner Mittelaltermarkt, auf dem man flanieren und verschiedene Händler*innnen entdecken konnte. Inmitten dessen stand die Outdoor Stage auf der es über den Tag verteilt verschiedene Konzerte von zum Beispiel Tommy Krappweiss, Sören Vogelsang aber auch Saltatio Mortis gab. Am FREE VERSE und damit der Area von Rotten Raptor, einer Endzeitgruppe, vorbei gelangte man schließlich ins GAMING VERSE, wo sich vor allem alles rund um Tabletop sammelte.
Gut gelungen sind die verschiedenen Umsetzungen der Verses. Während es im CANTINA VERSE eher dunkel, nur leicht beleuchtet und ein bisschen wie in einem Raumschiff anmutet, ist im NERD VERSE direkt ein anderes Gefühl, ganz zu schweigen vom MEDIEVAL VERSE und dem Mittelaltermarkt. Wer dabei den Weg klug wählt, kann von einer Welt zu der nächsten reisen, ohne dazwischen durch das ARRIVAL GATE zu müssen: den großen Flur der Turbinenhalle, der die Immersion etwas aufbricht.
Was es alles zu entdecken gibt
Eine Menge zu entdecken auf den ersten Blick, aber tatsächlich, wenn man nur zum Stöbern und Gucken da ist, nichts durch das man an einem Tag durchhetzen muss. Während es bei Messen wie der SPIEL in Essen schwer ist, an einem Tag alles zu sehen, ist dies bei der RPV durchaus möglich. Dabei hat man auch Zeit, sich hier und dort mit den Standbesitzer*innen zu unterhalten oder sich auch länger beraten zu lassen.
Wer aber einige Programmpunkte sehen will, plant besser zwei Tage ein. Von denen gab es auf insgesamt drei Bühnen eine Menge: Pen-and-Paper Runden bei Ulisses oder Pegasus, verschiedene Konzerte und einige Panels zu verschiedenen Themen. Werfen wir doch darauf einen genaueren Blick.
Programm
Auf insgesamt drei Bühnen und einem Lesebereich gab es jeden Tag eine Menge Programmpunkte zu entdecken. Die Mainstage hatte verschiedene Panels unter anderem von Larp-Veranstaltern, Live-Schminken oder verschiedene Autor*innen, darunter Liza Grimm und Tommy Krappweiss, die von Ideenfindung und ihren Werken berichten. Ein Highlight war sicherlich der Costume Contest am Samstagnachmittag.

Auf der Bühne im NERD VERSE 1 war CONspiracy on Tour von Pegasus Spiele aktiv. Hier gab es Live-Pen-and-Paper-Runden, Talks sowie ein Quiz am Samstagnachmittag. Gerade die Actual Plays waren gut besucht.
Draußen im MEDIEVAL VERSE stand die Outdoor Stage, auf der es nahezu im Stundentakt einen Auftritt gab. Mit von der Partie waren unterschiedliche Artists, der größte dabei wohl am Samstag um 12:30 Uhr Saltatio Mortis, wo auch einiges los war.
Ausprobieren auf der RPV
Sowohl bei Pegasus Spiele als auch bei Ulisses Spiele gab es eigene Areas zum Spielen. Bei Pegasus erstreckte sich dies sowohl auf die Tischrollenspiele als auch auf die Brettspiele, welche alle natürlich auch vor Ort erworben werden konnte.
In kleinen abgetrennten Bereichen war man etwas isoliert vom Messetummel, um dort beispielsweise Shadowrun, Humblewood oder auch Avatar Legends zu spielen. Die Treppe nach oben gelangte man in die Brettspielarea und konnte an verschiedenen Tischen diverse Spiele ausprobieren. Außerdem hatte man von dort neben dem Spielen einen super Blick auf die Bühne darunter.
Der Stand von Ulisses und damit die Pen-and-Paper-Area war wie so oft auf Messen sehr gut am charakteristischen grün-schwarzen Boden zu erkennen. Wer eine Runde Das Schwarze Auge spielen wollte, musste nicht lange nach dem durchaus sehr gut sichtbaren Stand im NERD VERSE 2 suchen.

Daneben konnte man an verschiedenen Ständen unterschiedliche Dinge ausprobieren. Sei dies nun Musik für den Spieltisch hören, mit den Adligen von Toussaint an der Tafel sitzen, den neuesten Met probieren oder auch bei Kryolan eine Erklärung für gutes Make-up bekommen.
Und wer von alldem ein wenig flüchten wollte, der konnte in den kleinen Lesebereich über dem CANTINA VERSE gehen. Hier fanden Lesungen verschiedener Fantasy- und Sci-Fi-Autor*innen statt, darunter auch Liza Grimm, Bernhard Hennen und auch hier darf natürlich Tommy Krappweiss nicht fehlen. Und wer wären wir bei Teilzeithelden, wenn wir nicht auch auf unseren ehemaligen Fotografen Karsten Zingsheim hinweisen würden, der dort auch Lesungen seiner Leroy Phoenix Romane gab und das zugehörige Pen-and-Paper dabeihatte.
Vielversprechende Veranstaltung mit ein wenig Verbesserungspotenzial
Insgesamt hat sich der Besuch der RPV sehr gelohnt. Zwar ist das Gelände nicht sehr groß, aber dafür eben genau groß genug, damit alles unterkommt und man nicht zu lang von A nach B läuft. Gerade die Ausgestaltung der Verses ist eine gute Idee. Hier und dort gibt es da sicherlich noch Optimierungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel eine bessere Beschilderung zum Lesebereich oder der Artist Area, aber insgesamt ist dies durchaus gelungen.
Schade war, dass man gemerkt hat, dass die Turbinenhalle eher eine Konzert- als Messelocation ist. In manchen der Hallen war die Beleuchtung ideal für ein Konzert, doch zu dunkel, um in Regelwerken und Büchern zu blättern. Doch das ist eben eine Gegebenheit der Location, an der der Veranstalter nur schwerlich etwas ändern kann. Dies jedoch wirkte sich positiv auf die Akustik aus: Nirgends schien es trotz vieler Menschen zu laut und das ist ein klarer Vorteil gegenüber den meisten Messehallen, in denen es schnell sehr laut wird.
Ändern kann man dagegen etwas am Einlasssystem, das zu verteilt ist. Wieso Ticketscannen und Bändchenausgabe nicht am gleichen Ort stattfinden, an dem auch der Einlass an der Security vorbei ist, erschließt sich nicht gänzlich. So klappert man erst verschiedene Stationen ab, bevor man so richtig ankommt. Hinzu kommt der Ticketpreis, der für Samstag bei 45 EUR und Sonntag bei 30 EUR liegt und es doch schon ganz schön in sich hat. Zum Vergleich: Ein Tagesticket für die SPIEL 2024 kostete 24 EUR.

Auch die Informationen auf der Homepage sind nicht einfach zu finden. Ein Bereich mit „Praktischen Informationen“ wie Anfahrt, Parken oder Öffnungszeiten wurde etwas vermisst. Die problematische Informationslage erstreckte sich auch auf Content Creator und Presse: Es gab einen kleinen, gut bestückten Aufenthaltsraum, der von einem Mitarbeiter aufopfernd versorgt wurde – aber man erfuhr teils nur durch Zufall davon.
All dies ist nun aber eher Meckern auf hohem Niveau und hier und da auch etwas, dass eher mit einem Auge auffällt, das darauf achtet, wie wir es eben bei einem Bericht tun. Abseits dessen muss auch nochmal gesagt sein, dass die RPV eben erst zum zweiten Mal stattfand und sich daher natürlich noch viel entwickeln kann. Von einigen Personen hörte man auch schon, dass sich im Gegensatz zum letzten Jahr einiges getan hat – daher sind wir sehr gespannt auf die nächsten Jahre.
Artikelbilder: © RolePlay Verse
Layout und Satz: Norbert Schlüter
Lektorat: Nina Horbelt
Fotografien: Verena Kröger


















