Black Cat ist eine schurkische Diebin, doch in ihrer neuen Reihe versucht sie sich mal als Superheldin. Zeitgleich im ultimativen Universum knistert es im Finalband von Ultimate Spider-Man zwischen Black Cat und Peters Sohn Ben. Und bei den X-Men deutet sich das Age of Revelation an.
Black Cat ist mehr als nur die Catwoman von Spider-Man. Während Selina Kyle als elegante Diebin in Gotham City unterwegs ist, stürzt sich Felicia Hardy als wilde Draufgängerin in das Katz-und-Maus-Spiel mit den Verbrechensbekämpfern. Sie hat im Gegensatz zu Catwoman echte Superkräfte: Sie bringt ihren Feinden Pech. Dennoch kam sie nie an den Charme und das Ansehen der Batman-Verbündeten heran. Mit einer neuen Reihe versucht die Ms. Marvel-Autorin G. Willow Wilson eine Neuinterpretation der kessen Diebin. Sie schreibt die Schurkin vor allem mit einer großen Portion Humor. Ob das Konzept aufgeht?
Im Ultimate Universe gibt es bereits eine jüngere Neuinterpretation von Black Cat. Diese flirtet stark mit Peter Parkers Sohn Ben, der inzwischen im schwarzen Spider-Man-Kostüm unterwegs ist. Doch am Ende des letzten Bandes ist er in ihre Falle getappt und muss sich jetzt dem Kingpin stellen. Dies löst eine Kette von Ereignissen aus, die im großen Finale der ganzen Reihe münden. Auf ein großes Ereignis arbeitet auch der neue X-Men-Band hin, bei dem Revelation, früher bekannt als Cypher, sich entscheiden muss, wie er mit dem Erbe Apocalypse’ umgehen soll. Wir haben uns die drei neuen Comics angeschaut und berichten.
Gewalt
Inhaltsverzeichnis
Black Cat #1 – Die freundliche Katze aus der Nachbarschaft
Das Leben als Diebin ist schwer geworden: Seit Spider-Man sich nicht mehr so recht um die kleinen Schurken kümmern will, hat sie zu viel Konkurrenz und gerät mit etlichen Schurken aneinander. Als Black Cat sich von Night Nurse die Wunden versorgen lässt, entscheidet sie sich, selbst die vakante Position als Vigilantin einzunehmen, damit sich die Bevölkerung wieder in Sicherheit wiegt und sie dadurch ungestört ihrer Leidenschaft, dem Diebstahl, nachgehen kann. Dabei trifft sie auf einen Vampir und Daredevil und gerät mit Tombstone und Sandman aneinander. Schafft sie es, den Gangsterboss zu Fall zu bringen oder bringt sie sogar der Vlog von J. Jonah Jameson aus dem Tritt?
Die Handlung ist sehr humorvoll erzählt und gerät dabei oft ins Alberne. Dass ihren Gegnern allerlei Missgeschicke passieren, sorgt für einige Lacher, aber auch ihre eigene Eitelkeit steht Black Cat oft im Weg. Leider fehlt das Persönliche, das beispielsweise Ms. Marvel zu einem so populären Comic gemacht hat. Stattdessen nimmt der Humor jeglichen Ernst aus allen Situationen. Gerade das passt aber auch wunderbar zu einem Charakter wie Black Cat, der immer mit überheblicher Leichtigkeit in jeden Konflikt geht. Da kann man verkraften, dass die Logik teilweise etwas zu kurz kommt und bekannte Figuren wie Sandman etwas sehr von der bisherigen Entwicklung abweichen.
Ist die Katze zu sexy?
Der Zeichenstil ist entsprechend dem Humor auch sehr cartoonesk. Figuren wie Lizard, der sich vor kurzem vollkommen von Dr. Connors getrennt hat, Frog-Man oder Giraffe-Man sind entsprechend überzeichnet und passen ins Bild. Black Cat selbst trägt ihr klassisches Outfit, das diesmal aber einen besonders tiefen Ausschnitt hat. Immer wieder posiert sie in lasziven Posen, sodass man glaubt, wieder im Zeitalter übersexualisierter Frauenfiguren angekommen zu sein. Eine Figur wie Black Cat darf sexy sein, aber hier wird es manchmal übertrieben.
Insgesamt macht dieser Comic Spaß. Der Humor zündet zwar nicht immer, aber immer wieder erzeugt er absurde Situationen, die überraschen und mich zum Lächeln gebracht haben. Man sollte hier keine große Charaktertiefe erwarten. Black Cats Idee, zur Superheldin zu werden, ist hier ebenso hanebüchen wie das Verhalten einiger anderer Figuren. Dieser Comic ist vor allem seichte Unterhaltung, kommt dabei aber nicht an Titel wie Ms. Marvel oder Matt Fractions Hawkeye heran. Wer über die Logiklöcher hinwegsehen mag, kann gerne einen Blick riskieren.
Die harten Fakten
- Verlag: Panini Comics

- Autor*in: G. Willow Wilson
- Zeichner*in: Gleb Melnikov
- Seitenanzahl: 120
- Preis: 16 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
X-Men #4 – Gefährliche Allianz
Zu Zeiten von Krakoa gab es jedes Jahr eine eigene Hellfire Gala, bei der die Mutanten ihre eigene Nation gefeiert haben. Nun ist Krakoa vergangen, doch die Mutanten wollen das Andenken nicht vergessen. Das Hellfire Vigil ist eine Mahnwache, bei der Ms. Marvel und andere Mutanten im Central Park zusammenkommen: ein gemeinsamer Traum von einer besseren Welt in schicken Kostümen. Dieses erste Kapitel dient auch ein wenig dazu, einmal den aktuellen Status aller X-Men zu durchleuchten. Er springt von einem Protagonisten zum nächsten und wechselt dabei auch immer wieder das Kreativteam. Hier gibt es einige Vorausdeutungen auf das, was kommen mag und besonders Storms Zukunft ist besonders spannend.
Danach springt der Comic aber zurück zum Alaska-Team um Cyclops, wo der Konflikt mit dem O*N*E-Agenten Lundqvist so eskaliert, dass Cyclops und Lundqvist eine Nacht im Gefängnis verbringen müssen. In dieser Zeit übernimmt Magik das Team und startet einen Alleingang gegen die Upstarts um Trevor Fitzroy. Doch auch Revelation muss sich einer BlackOps-Truppe stellen und entscheidet sich daraufhin, sich den X-Men anzuschließen. Diese Entscheidung setzt Ereignisse in Bewegung, die zum Age of Revelation führen werden.
Ein Band der kleinen Geschichten
Der ganze Comic ist ein Kleinod aus vielen persönlichen Geschichten. So erleben wir die langsam erwachende Liebe zwischen Beast und der Neumutantin Jennifer Starkey oder erfahren mehr über Revelations Gedankenwelt zu Apocalypse’ Erbe. Hier passiert nichts Großes, aber eben solche Erzählungen, welche die Marvel-Comics schon immer zu einer Mischung aus Seifenoper und Superhelden-Comics gemacht haben. Das ist sehr sympathisch und verleiht den Figuren Charaktertiefe. Dabei kommen Action und Konflikte dennoch nicht zu kurz. Das Episodenhafte macht es teilweise aber schwer, der Handlung zu folgen.
Dieser Comic ist klar ein Band für Fans, die bereits in der Reihe sind. Zu viele Entwicklungen werden hier vorangetrieben, die in den ersten drei Bänden bereits aufgegriffen wurden. Dazu wirkt das Ganze auch wie eine Vorschau auf kommende Ereignisse. Allein dadurch ist dieser Band nicht jedem zu empfehlen. Die Hellfire Vigil ist charmant, lässt aber einen konkreten Fokus vermissen. Für X-Men-Fans ist der Comic zu empfehlen, er ist aber nicht notwendig, um dem folgenden Event Age of Revelation zu folgen.
Die harten Fakten
- Verlag: Panini Comics
- Autor*innen: Jed MacKay, Collin Kelly, Gail Simone, Jackson Lanzing

- Zeichner*innen: Netho Diaz, C. F. Villa, Declan Shalvey, Javier Garron, Sara Pichelli
- Seitenanzahl: 144
- Preis: 19 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Ultimate Spider-Man #4 – Das letzte Gefecht
Wir starten genau dort, wo die letzte Ausgabe endete: Ben Parker tappt in die Falle des Kingpin, die von Black Cat ausgelegt wurde. Ben verwandelt sich in Venom und kämpft um sein Leben, bis Kingpin anschließend mit dem Rücken zur Wand steht. Er will Spider-Man töten, doch sein letzter Verbündeter, Mr. Negativ, will seine Position. MJ will von Peter in alle Geheimnisse eingeweiht werden, während Harry Osborn immer mehr von der KI, die in der Stimme seines Vaters spricht, eingenommen wird. Gwen Stacy, die sich als Mysterio geoutet hat, wird in ihren Methoden immer radikaler und das Team um J. Jonah Jameson und Onkel Ben will mit Guerilla-Journalismus den Kingpin zu Fall bringen. Zeitgleich plant aber auch Otto Octavius seine ganz eigene Agenda.
Das Tempo in diesem Band zieht massiv an, wodurch sich alles zu einem großen Finale manifestiert. Letztendlich wirft der Comic das bisherige Pacing über Bord, bei dem jedes Kapitel einen Monat umfasst und erzählt stattdessen eine Geschichte, die sich über wenige Stunden erstreckt. Dieses Finale hat es in sich. Eine Wendung folgt der nächsten und Bündnisse werden oft nur für wenige Augenblicke geschmiedet. Da dies der letzte Comic der Reihe ist, ist auch klar, dass die Handlungen Konsequenzen haben und nicht jede Figur die Geschichte überlebt. Der Comic schafft es, einen runden Bogen zum Anfang der Reihe zu spannen und die Handlung zufriedenstellend zu beenden.
Ein gelungenes Finale
Es ist schade, dass die Reihe hier schon enden muss. Der Comic feuert aber nochmal alles heraus, was diese Serie besonders gemacht hat: tolle Zeichnungen, starke Charaktermomente, Einblick in die Vergangenheit einzelner Figuren und fesselnde Dialoge. Es ist außergewöhnlich, dass die Kämpfe keine zentrale Rolle einnehmen. Die Action ist vorhanden, aber das wirklich Fesselnde ist das, was außen herum passiert. Jede Figur hat eigene Ziele und dadurch ergibt sich ein Gesamtbild, das zu jedem Zeitpunkt nachvollziehbar ist.
Wer Ultimate Spider-Man noch nicht gelesen hat, sollte das schnellstmöglich nachholen. In nur vier Bänden schafft er es, den Mythos um Spider-Man neu zu erfinden und eine absolut runde Geschichte zu erzählen, bei der es um Verantwortung, Unterdrückung und Familie geht. Es wird empfohlen, die ersten drei Bände vorher gelesen zu haben, die zu diesem Zeitpunkt noch im Handel verfügbar sind. Es ist nicht nötig, einen anderen Comic gelesen zu haben und man erlebt eine der besten Comic-Reihen, die Marvel in den letzten Jahren herausgegeben hat.
Die harten Fakten
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in: Jonathan Hickman

- Zeichner*innen: Marco Checchetto, David Messina
- Seitenanzahl: 176
- Preis: 24 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Lidia Strauch
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