Ultimate Spider-Man schafft es, eine Figur ganz neu zu interpretieren: denn diesmal ist Peter Parker Vater. Im Hauptuniversum geht Hulk derweil auf Monsterjagd und bekommt es mit einem neuen Ghost Rider und einer Serienkillerin in New Orleans zu tun. Wir sagen euch, ob sich die neuen Comics lohnen.
Jonathan Hickman darf bei Marvel momentan alles machen. Nachdem er bereits die Mutanten umkrempelte, hat er mit Ultimate Invasion ein neues ultimatives Universum erschaffen. Dabei war er es, der das alte ultimative Universum mit seinen Secret Wars in erster Instanz vernichtete. Das neue Universum ist aber anders als die bekannten Welten: Es wurde dadurch erschaffen, dass der Maker die Entstehung sämtlicher Superhelden verhinderte. Doch er hat nicht mit Tony Stark gerechnet, der nun beginnt die Superhelden zurück zu bringen. Allen voran: Spider-Man. Doch dieser hat, anstatt zum Superhelden zu werden, inzwischen Mary Jane geheiratet und eine Tochter und einen Sohn. Schafft es auch ein älterer Familienvater, zum Helden zu werden oder scheitert er an der Unvereinbarkeit von Heldentum und Familie?
Nach dem tollen Auftaktband der neuen Hulk-Reihe kommt nun der zweite Band heraus. Auch dieser besteht wieder aus zwei unabhängigen Geschichten, die jeweils ein Monster im Fokus haben, dem sich Hulk stellen muss. Die Älteste ist ihm weiterhin auf der Spur und einzig seine Begleiterin Charlie hält das Monster in ihm selbst davon ab, ganz die Menschlichkeit zu verlieren. Doch die Monster haben es nicht nur auf Hulk abgesehen, sondern auch auf Charlie.
Gewalt
Inhaltsverzeichnis
Ultimate Spider-Man #1 – Familenvater
Peter Parker und Mary Jane sind verheiratet und haben zwei gemeinsame Kinder. In dieser Welt ohne Superhelden bekommt Peter ein Angebot, ein Superheld zu werden, in Form einer radioaktiven Spinne. Er willigt ein und bekommt es mit dem Green Goblin und dem Kingpin zu tun. Doch in dieser Welt ist alles ein wenig anders, als wir es gewohnt sind. Sein Onkel Ben und dessen Freund J. Jonah Jameson wollen als unabhängige Journalisten die Wahrheit ans Licht bringen. Und Peters Tochter May kommt ziemlich schnell hinter das Geheimnis ihres Vaters.
Der Comic benötigt keinerlei Vorwissen. Ultimate Invasion war nur der Auftakt des Universums, wird aber nicht benötigt, um hier einsteigen zu können. Daher haben wir hier zum ersten Mal seit langem wieder einen Superheld*innen-Comic, den ich uneingeschränkt Lesenden empfehlen kann. Dennoch funktioniert der Band am besten, wenn man Vorwissen zu Spider-Man hat. Dass J. Jonah Jameson ein vollkommen anderes Verhältnis zu Peter Parker hat, überrascht nur, wenn man etwas anderes erwartet. Ebenso wie das Auftauchen von alten Bekannten wie Gwen Stacy oder Harry Osborn.
Tolle Figuren und eine mitreißende Geschichte
Jede der neuen Figuren wird liebevoll eingeführt und man schließt sie gleich ins Herz. Dabei beruhen alle Charaktere, bis auf die beiden Kinder, auf bekannten Gestalten aus dem weiten Spider-Man-Umfeld. Hickman schreibt sie aber so, dass schnell klar wird, dass die Figuren eigene Interpretationen sind. Doch auch die Geschichte ist spannend: Peter steht zwischen den Fronten eines Kampfes zwischen dem Green Goblin und dem Kingpin. Unsicher, was es heißt, ein Held zu sein und wie er dieses Leben mit seiner Familie vereinen kann. Dazu ist auch Wahrheit ein großes Thema. Leider hat man das Gefühl, einen Teil der Handlung zwischen Ultimate Invasion und diesem Comic verpasst zu haben: Die Geschichte von Tony Stark wird im US-Comic Ultimate Universe erzählt, der uns hoffentlich auf Deutsch noch nachgeliefert wird.
Abgerundet wird dieser Comic durch die tollen Zeichnungen von Marco Checchetto und David Messina. Beide schaffen es, den Fokus auf die Figuren zu legen, die diesen Comic ausmachen. Das trägt viel dazu bei, dass man mit den Charakteren mitfiebern kann oder sie als Antagonisten akzeptiert. Die Bilder schaffen es, sowohl längere Dialoge als auch schnelle Actionszenen spannend zu gestalten. Dabei fällt auch der Zeichnerwechsel nicht zu sehr ins Gewicht.
Wir haben hier einen rundum empfehlenswerten Comic, der es schafft, Nostalgie mit einem Neuentdecken zu verbinden, das wirklich Lust auf mehr macht. Fans des Wandkrabblers sollten in jedem Fall einen Blick riskieren und man darf gespannt sein, ob die anderen Neuinterpretationen aus dem Ultimativen Universum ebenso gut sind und ob sie auch den Weg in die heimischen Comicläden finden.
- Autor*in: Jonathan Hickman
- Zeichner*innen: Marco Checchetto, David Messina
- Seitenanzahl: 160
- Preis: 19 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini
Der unglaubliche Hulk #2 – Geister der Rache
Bruce Banner und Charlie Tidwell ziehen als einsame Wanderer durch die Vereinigten Staaten. In Texas treffen sie auf einen Ghost Rider aus dem zweiten Weltkrieg, der auf Monsterjagd geht. Das gejagte Monster ermächtigt sich des Körpers anderer Personen und führt sie in den Abgrund. Und so geraten Bruce und Charlie zwischen die Fronten, was dazu führt, dass nur der Hulk die Situation noch lösen kann… Oder wird sie durch ein weiteres Monster nur noch schlimmer?
In der zweiten Geschichte landen Bruce und Charlie in New Orleans und geraten dort in die Schusslinie eines Serienmörders, der schon seit den 1850ern unterwegs ist. Ein Geister-Ermittler hilft ihnen bei dieser Jagd, die irgendwo zwischen Detektivgeschichte und Horrorstory liegt. Dazu trifft Hulk auf Betty, die als Harpie ebenfalls mit der Ältesten im Bunde steht, die ein besonderes Auge auf den Hulk als eines der mächtigsten Monster geworfen hat.
Episoden, denen das große Ganze fehlt
Die Geschichten stehen für sich und sind gut ohne weitere Informationen konsumierbar. Beide Handlungen spielen ein wenig mit dem Fakt, dass nicht ganz klar ist, woraus die Bedrohung besteht. Gleichzeitig wird schnell klar, dass eine Bedrohung existiert: Ein klassischer Aufbau einer Horrorgeschichte. Und für Fans von Monster-Horror ist auch dieser Band eine Empfehlung. Spätestens ab dem zweiten Kapitel fehlt aber die übergeordnete Handlung. Es wird angedeutet, dass alle Monster eine Verbindung mit der Ältesten haben. Dieser Faden wird aber nicht weit genug gesponnen. Die Episoden versuchen, zu unabhängig zu sein, so dass man hier klassische Monster of the Week Folgen hat. Es wäre schön gewesen, wenn jede zweite Geschichte die verbindende Handlung weiterverfolgen würde, so dass man das Interesse daran behält, der Reihe weiter zu folgen.
Ich würde die Reihe noch nicht aufgeben, gerade auch weil eben das Horrorelement sehr gut funktioniert. Es ist auch spannend wie unterschiedlich die einzelnen Episoden gezeichnet sind. Nic Klein hat richtig Spaß daran, das Feuer und die Ketten des Ghost Rider über ganze Seiten auszubreiten und erzählt die Origin seines Monsters in wahrlich fantastischen Bildern. Der Schrecken aus New Orleans wird von Danny Earls dagegen fast ausschließlich in Blautönen und mit dicken Outlines präsentiert, so dass man fast das Gefühl hat einen alten Schwarz-Weiß-Comic-Strip zu lesen. Hier wird typischerweise viel mit Schatten gespielt, was der mysteriösen Geschichte zu Gute kommt.
In Summe macht dieser Comic vieles richtig. Ich würde mir trotzdem wünschen, dass er weniger episodenhaft daher kommt und in Zukunft ein größerer Fokus auf die Geschichte rund um Charlie oder der Ältesten gelegt wird.
- Autor*in: Philip Kennedy Johnson
- Zeichner*innen: Danny Earls, Alberto Alburquerque, Nic Klein
- Seitenanzahl: 152
- Preis: 19 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini
Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Andreas Hübner
Lektorat: Laura Pascharat
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