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Loki war lange der Gott der Lügen, doch inzwischen ist er König der Eisriesen und nennt sich Gott der Geschichten. Und steckt nicht in jeder Geschichte ein Funken Wahrheit? So berichten wir euch heute, wie Loki durch die Welten reist und wie der unglaubliche Hulk das Zeitalter der Monster einleitet.

Die Hulk-Reihe von Al Ewing war vermutlich das Beste, was dem Hulk passieren konnte. Nach dem Ende der Serie versuchte sich Donny Cates mit einer Neuinterpretation, die aber nicht den Geschmack der Lesenden traf. So startet mit dem Zeitalter der Monster nun ein erneuter Neustart, der sich sowohl inhaltlich als auch stilistisch bei Ewing bedient und vor allem Horror, Mystik und den Kampf gegen Ungeheuer in den Vordergrund stellt. Dabei werden alte Monster wie Giganto und Man-Thing hervorgeholt, gleichzeitig wird sich aber auch beim Cthulhu-Mythos bedient.

Bei Loki geht es derweil um das Schiff Naglfar, das zuletzt bei den Asgardians of the Galaxy vorkam, aber auch der nordischen Mythologie entlehnt ist. Das Schiff, das aus den Fingernägeln der Toten geformt wurde, möchte nichts als Zerstörung und Chaos anrichten und stürzt direkt in Yggdrasil, die Weltenesche. Dabei lösen sich ein paar Teile, die von ihren Findern zu Waffen geformt werden können und Chaos anrichten. Nun liegt es an Loki, die zehn Welten vor größerem Unheil zu bewahren.

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Der unglaubliche Hulk #1 – Das Zeitalter der Monster

Bruce Banner und der Hulk streiten sich wieder einmal, um die Herrschaft über ihren Körper. Banner ist allein unterwegs und will so wenig Schaden wie möglich anrichten. Doch eine Frau, die sich „die Älteste“ nennt, ist auf der Suche nach ihm und macht dabei alle Monster der Welt auf ihn aufmerksam. Zeitgleich trifft Banner auf einen Teenager namens Charlene, die sein Sidekick werden möchte. Es wird schnell klar, dass es der Hulk ist, dem sie nacheifert und Bruce ihr egal ist. Und der Hulk plant, Bruce ein für alle Mal den Körper wegzunehmen.

Von der Stimmung und Atmosphäre her könnte dieser Comic der direkte Nachfolger der Reihe von Al Ewing sein. Die meisten Geschichten spielen nachts, es gibt Body Horror und eine mystifizierte Geschichte, die am Ende jedes Kapitels sogar mit Berichten angereichert wird, welche direkt aus einem religiösen Werk oder einem Märchenbuch stammen könnten. Während die erste Geschichte ein Monster namens Brother Deep und eine Gruppe Zombies behandelt, geht es im zweiten Teil um eine Sumpfhexe, welche Personen ins Verderben lockt. Hier ist Man-Thing als Unterstützung dabei. Jede der Handlungen ist stimmig und schafft es, sowohl Hulk als auch Bruce Banner sinnvoll zu integrieren, während gleichzeitig die zusammenhängende Geschichte um die Älteste weitererzählt wird.

© Panini Comics

Monster bekämpfen Monster

Der Hulk ist kein Held, doch Bruce Banner gerät in Situationen, in denen er sich und Unschuldige nur mit der Kraft des Hulk retten kann. Charlene (oder Charlie, wie sie sich nennt) ist dabei ein Fokuspunkt der Geschichte, der sowohl für Banner als auch für Hulk zu jemandem wird, den sie beschützen wollen. Dabei ist sie taff und hat mehr zu verbergen, als sie bereit ist zuzugeben. Dass diese Figur gut geschrieben ist, trägt maßgeblich dazu bei, dass dieser Comic gut funktioniert. Zusätzlich gibt es noch eine weitere Erzählung um eine Gruppe junger Leute, die eine Reportage über Hulk drehen will und dabei selbst ins Schussfeld gerät.

Die beiden Geschichten unterscheiden sich stark in Bezug auf ihre visuelle Gestaltung. Während die Zombie-Erzählung mit Cthulhu-Anleihen von Nic Klein illustriert ist, zeichnet sich der Teil mit der Sumpfhexe durch Bilder von Travel Foreman aus. Während mir Nic Kleins Stil schon jeher zugesagt hat, kann ich mit den wilden Strichzeichnungen von Foreman wenig anfangen. Klein hat ein gutes Gespür für Komposition und die richtigen Farben, sodass man tief in die Geschichte abtauchen kann. Die Bilder von Foreman wirken dagegen flach und gleichzeitig so überdreht, dass schwer zu erkennen ist, was gerade passiert. Dennoch ist auch sein Stil ungewöhnlich und setzt sich von vielen Marvel-Comics ab. Daher gibt es hierfür keinen Punktabzug.

© Panini Comics

Somit gebe ich dem ersten Band der neuen Reihe eine optimistische Höchstwertung. Ich bin gespannt, welche Geschichten der mir unbekannte Phillip Kennedy Johnson noch zu erzählen hat, denn die Handlung um die Älteste ist noch längst nicht abgeschlossen und ich möchte wissen, wie es mit Hulk und Charlie weitergeht.

Die harten Fakten

  • Autor*in: Phillip Kennedy Johnson
  • Zeichner*innen: Nic Klein, Travel Foreman
  • Seitenanzahl: 164
  • Preis: 20 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini Shop

 

Loki – Der Lügner

Diese Geschichte wird uns von Naglfar erzählt, dem Boot der Toten, das Loki im Ragnarök steuern soll und so das Ende der Welt einleitet. Erschaffen aus den Finger- und Fußnägeln der Toten wird es als das größte Schiff der Welt beschrieben. Doch da die Wikinger den Verstorbenen immer die Nägel schneiden, sind es ausschließlich die Nägel von ungeliebten Menschen und so ist auch das Schiff voller Niedertracht. Als zwei Eisriesen, die mit Lokis Herrschaft unzufrieden sind, das Gefährt rauben, steuern sie es direkt in die Weltenesche, die alle Welten zusammenhält. Thor macht sich auf zu seinem Bruder, um diesen zu bitten, das Unheil, das er über die Welt gebracht hat, zu beseitigen.

In jedem Kapitel macht sich Loki auf die Suche nach einem Bruchstück des Schiffes. Eines ist in Nidavellir, der zerstörten Welt der Zwerge, gelandet. Ein Zwerg namens Semir Strohbart erschafft aus dem Bruchstück eine Axt und löst damit einen Bürgerkrieg aus. Ein weiteres Fragment gerät in den Zeitstrom und erscheint bei einem Kree-Krieger im Kree-Skrull-Krieg. Dies bringt Imperator Hulkling in der Jetztzeit in ein moralisches Dilemma, das Loki für ihn lösen wird. Der letzte Splitter des Schiffes ist natürlich auf der Erde gelandet, wo ein bekannter Schurke nichts als Unheil damit anrichtet.

© Panini Comics

Wahrheit ist eine Waffe

Mir hat besonders die letzte Geschichte gefallen, die ich hier nicht spoilern werde. Sie macht aber die gesamte Handlung rund und formt sie zu einem Ganzen. Man erfährt etwas über die Figuren, die in diesem Comic eingeführt wurden, aber auch über Loki selbst. Loki ist als Bösewicht in die Marvel-Comics gekommen. Ein Held ist er aber auch hier nicht. Er handelt egoistisch und trickst herum – genau so, wie man es von ihm erwarten würde. Das macht Laune und sorgt für überraschende Handlungszweige. Gleichzeitig führt es dazu, dass es selten wirkt, als ob Loki wirklich in Gefahr wäre, wodurch die Spannung auf der Strecke bleibt.

Die Zeichnungen von Germán Peralta sorgen für die richtige Stimmung. Jede Welt hat andere Farben und eine andere Atmosphäre. Selbst Lokis Gestalt passt sich den verschiedenen Welten an und er wechselt das Geschlecht und sein Aussehen in jedem Kapitel. Es macht oft einfach Spaß, die Bilder und den Einfallsreichtum darin zu betrachten.

Trotzdem kann ich den Comic nicht uneingeschränkt empfehlen. Der Comic ist dünn und die Geschichte schnell erzählt. Dabei hat er trotz einiger Wahrheiten über Loki selbst wenig Futter, das ihn langfristig interessant macht. Wer aber den göttlichen Trickser mag, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren. Denn auch wenn die Geschichte etwas zu leicht für den Protagonisten verläuft, ist sie doch originell erzählt und voller interessanter Wendungen.

© Panini Comics

Die harten Fakten

  • Autor*in: Dan Watters
  • Zeichner*in: Germán Peralta
  • Seitenanzahl: 108
  • Preis: 14 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini Shop

 

Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Gloria Puscher

Diese Produkte wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.

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