Doctor Doom gibt Ben Grimm von den Fantastic Four sein menschliches Aussehen zurück, Spider-Man startet mit einer ganz neuen Serie und Daredevil erlebt als alter Mann einen kalten Tag in der Hölle. Letzteres erinnert an Die Rückkehr des dunklen Ritters, kann es mit dem Klassiker mithalten?
Wir besprechen einige neue Marvel-Comics: Von den Fantastic Four wurde in Deutschland in letzter Zeit wenig Neues veröffentlicht. Doch da Doctor Doom in dem gelungenen Event Doom: Herrscher der Welt die Weltherrschaft erlangt hat, ist besonders spannend, welche Auswirkungen das auf Marvels erste Familie haben wird. Besonders Ben Grimm, auch bekannt als das Ding, muss sich der neuen Situation stellen, ohne seine Kräfte zurechtzukommen und wieder ein normales Leben zu führen. Zeitgleich startet bei uns Spider-Man mit einer neuen Nummer 1 und einem anderen Kreativteam, wenn auch alten Bekannten. Die Stories sind nun von Joe Kelly, den man von I Kill Giants kennt und der aus Deadpool den sarkastischen Charakter machte den wir heute kennen. Kelly war schon immer Spider-Man-Fan und schrieb auch für die Reihe Spider-Man/Deadpool Abenteuer mit dem Wandkrabbler. Gezeichnet werden die neuen Abenteuer von den alten Bekannten Pepe Larraz und John Romita Jr. Daredevil schafft es nur selten zu Veröffentlichungen im deutschen Raum. Ein kalter Tag in der Hölle von Steve McNiven und Charles Soule ist hier aber eine Ausnahme. Diese Geschichte spielt in einer düsteren Zukunft, die von Krieg überschattet ist und in der Matt Murdock schon lange nicht mehr als Held unterwegs ist, doch als plötzlich die Hoffnung in Form eines jungen Mädchens erscheint, zieht er noch ein letztes Mal die alte Uniform an. Wir sagen euch, welche dieser Comics ihr unbedingt anschauen müsst.
Gewalt, Gedankenkontrolle
Inhaltsverzeichnis
Fantastic Four – Doom: Herrscher der Welt

Doom hat als Oberster Zauberer die Vereinten Nationen davon überzeugt, ihn als Herrscher der Erde zu akzeptieren. Reed Richards kann das nicht hinnehmen, er sucht gemeinsam mit seiner Frau Sue Storm einen Weg um das Schutzschild um Dooms Reich Latveria zu brechen. Dabei benötigt er die Hilfe von Black Knight, der einen etwas anderen Blick auf Magie hat. Daneben sehen wir, wie Dooms Herrschaft Vampire gesellschaftlich als Sündenböcke nutzt und als Wurzel allen Übels darstellt. Der letzte Teil des Bandes dreht sich um die Frage, wie Ben Grimm mit seiner neuen Situation umgeht. In der Hauptreihe hat Doctor Doom einen Zauber gesprochen und ihm das gegeben, was Mister Fantastic jahrelang nicht geschafft hat: Kein Ding mehr zu sein, sondern wieder ein Mensch. Doch Ben hat es geliebt ein Held zu sein und so suchen unsere Held*innen nach einer Möglichkeit diesen Zauber rückgängig zu machen.
Der Comic ist voller spannender Ideen, die jeweils in einem Kapitel abschließend erzählt werden. Jede Handlung hängt mit dem Metaplot um Dooms Herrschaft zusammen, kann aber auch ganz für sich gelesen werden. Daraus ergibt sich eine episodenhafte Erzählung, die sich aber am Ende bei den Versuchen, Ben wieder zum Ding zu machen, verdichtet und kontinuierlich spannender wird. Dabei geht es auch um Zeitreisen, wobei die Logik von Zeitreisen, die bisher in Marvel Comics etabliert wurden, stark gedehnt wird. Diese Kapitel haben einen stärkeren Fokus auf dem Science-Fiction-Aspekt der Reihe. Die persönlichen Geschichten am Anfang des Bandes können dagegen wesentlich mehr emotional fesseln, da hier universellere Themen angesprochen werden. Der Band bekommt es aber sehr gut hin, fast alle Charaktere (mit Ausnahme der Fackel) gut einzubinden.
Doom spielt als Herrscher nur eine Nebenrolle
Eine Figur, die dabei ungewöhnlich abwesend ist, ist Doctor Doom selbst. Der eigentliche Konflikt mit dem Schurken wird in der Event-Hauptreihe behandelt. Doom hat nur vereinzelte kleine Auftritte – und das ist gut. So hat der Comic mehr Chancen, die Geschichten zu erzählen, die in der Hauptreihe untergehen würden. Illustriert ist der Band dabei hauptsächlich von Cory Smith, der es wunderbar schafft, die Emotionen der Figuren deutlich zu machen. Erzählerisch am interessantesten ist dabei das letzte Kapitel, bei dem H.E.R.B.I.E. , der Robo-Butler der Fantastic Four, der Protagonist ist und das sich innerhalb von Nanosekunden abspielt. Optisch wurde dies mit sehr langgezogenen Panels gelöst, die eine Parallelmontage von Close-Ups darstellen, die wiederum von den Gedankengängen des Roboters untermalt sind.
Der Comic macht sehr viel richtig und ist für jeden Fan der Fantastic Four eine klare Empfehlung. Er funktioniert sogar, wenn man sich mit dem großen Event Doom: Herrscher der Welt nicht beschäftigen möchte. Für die Lesenden des Crossovers bietet der Band zusätzliche Einblicke in das Leben während Dooms Herrschaft. Abzüge gibt es für die etwas unlogisch erzählte Zeitreisegeschichte und dass am Ende der emotionale Fokus in den Hintergrund gerät. Hier wäre es spannender gewesen, mehr darüber zu erzählen, was Bens Verwandlung mit den anderen Figuren macht. Dennoch gefällt mir der Comic sehr gut und er macht Lust auf mehr Abenteuer mit Marvels erster Familie.
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in: Ryan North
- Zeichner*innen: Cory Smith, Steven Cummings
- Seitenanzahl: 136
- Preis: 18 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Spider-Man #1 – Neue Abenteuer

Peter Parker braucht nach seiner Wiederbelebung am Ende der letzten Reihe einen neuen Job. Er hat bereits einen großen Konzern geführt und ist daran phänomenal gescheitert. Sein Doppelleben als Superheld erfordert höchste Flexibilität, so dass er es schwer hat, eine passende Anstellung zu finden. Doch ein alter Bekannter aus der Unterstufe namens Brian Nehring vermittelt ihm einen Job bei der Rand Corporation. Dazu muss er sich mit Rhino herumschlagen, der eigentlich auf dem Weg der Läuterung war. Doch Roderick Kingsley, der Hobgoblin, scheint hier seine Finger im Spiel zu haben. Gleichzeitig ist Norman Osborn, der ehemalige Grüne Kobold, nach den jüngsten Ereignissen vermutlich zum ersten Mal seit Jahrzehnten bei klarem Verstand und versucht seine Firma Oscorp umzuformen. Doch direkt bei der ersten Pressekonferenz kommt es zu einem Zwischenfall.
Neben dem ersten Comic der neuen Reihe, beinhaltet dieses Heft noch die Spider-Man-Comics des amerikanischen Gratis-Comic-Tags, bei dem wir einem Kampf zwischen Spider-Man und Lord Deathstrike beiwohnen. Beide Comics bestehen aus etlichen sehr kurzen Szenen, eine wirkliche Handlung zeigt sich in diesem Heft daher noch gar nicht. Alles wirkt wie ein Teaser für die neue Reihe. Sich vorzustellen, dass dies für manche Lesenden der erste Comic sein könnte, zeigt die Schwächen dieses Formats: Jede Szene ist zu kurz, um ernsthaft Spannung aufzubauen. Es werden einige Figuren etabliert, aber keine bekommt genug Platz, dass Lesende Interesse an ihnen entwickeln. Der Hauptantagonist Kingsley steht wie ein klassischer Bösewicht in seinem Hochhaus und erzählt einem Diener von seinen Plänen. Alles wirkt, als ob man hier etwas verpasst hat, anstatt dass die Handlung von vorne beginnt. Es wäre daher besser gewesen, wenn statt dem Gratis-Comic das zweite Kapitel der Haupthandlung ergänzt worden wäre.
Neue Abenteuer, aber wenig Originelles
Dazu wirkt hier nichts besonders neuartig. Peter sucht nach einem geheimnisvollen Drahtzieher, während Norman einen ähnlichen Schritt macht wie Tony Stark in seiner Origin-Story. Es hilft auch nicht, dass dabei sehr bekannte Zeichner hervorkommen. John Romita Jr. hat schon so oft Spider-Man gezeichnet, dass es auch nicht aufgefallen wäre, wenn hier 20 Jahre alte Zeichnungen wiederbenutzt worden wären. Es ist daher eine gute Wahl, dass die Abenteuer von Peter von Pepe Larraz stammen, der bisher viele X-Men-Comics gezeichnet hat, während die Handlung um Norman Osborn von Romita gezeichnet wird. Beide machen eine gute Arbeit, auch wenn die Gesichter von John Romita Jr. weiterhin etwas steif aussehen.
Das Comicheft ist nicht schlecht. Es fühlt sich wie ein klassischer Spider-Man an und auch der Plan um den Hobgoblin ist interessant genug, dass man mehr darüber erfahren will. Doch darüber hinaus erzeugt das Heft keinen weiteren Sog, der dazu führen könnte, dass man die neue Heftreihe sofort abonnieren möchte. Die Handlung muss sich noch weiter entfalten, um wirklich spannend zu werden und die extrem kurzen Episoden des Heftes helfen nicht, einen durchgängigen Spannungsbogen aufrecht zu halten. In Summe bin ich von diesem Neustart eher enttäuscht und würde mir wünschen, dass hier noch mehr kommt. Spider-Man-Fans können trotzdem reinschauen, vor allem, wenn sie ohnehin Interesse daran haben, die ganze Heftreihe zu lesen.
- Verlag: Panini Comics
- Autor*innen: Joe Kelly
- Zeichner*innen: Pepe Larraz, John Romita Jr.
- Seitenanzahl: 48
- Preis: 5,99 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Panini
Daredevil – Ein kalter Tag in der Hölle

Die Welt, wie wir sie kennen, ist untergegangen. Wie genau wird nicht erklärt. Doch man sieht die Trümmer von New York und mittendrin ist der blinde Matt Murdock. Er hat keine besonderen Fähigkeiten mehr, aber das Herz am rechten Fleck: Er betreut eine Suppenküche. Doch dann explodiert eine radioaktive Bombe und seine Fähigkeiten sind augenblicklich wieder da. Matt glaubt an ein Zeichen Gottes und geht in die Trümmer. Dort trifft er auf Captain America, der ein junges Mädchen beschützt. Mit letzter Kraft rettet Matt das Mädchen und muss zusehen, wie Cap stirbt. Er beschließt wieder als Daredevil aktiv zu werden, um seine letzte Mission zu erfüllen. Doch ein Schurke aus seiner Vergangenheit zieht im Hintergrund die Fäden und plant, die Zukunft nach seinen Vorstellungen zu gestalten.
Der Comic bricht mit diversen Klischees. Zunächst ist Daredevil nicht wirklich der klassische Held der Geschichte. Andere Figuren wie der Punisher oder Elektra haben viel eindrucksvollere Held*innenszenen. Es gehört zu Daredevils Reise, sich einzugestehen, dass er nur den Weg für andere Figuren bereitet. Der Schurke wirkt wie ein mächtiger Bösewicht, dessen Identität erst sehr spät enthüllt wird. Doch die Enthüllung, um wen es sich handelt, ist letztlich beliebig und hat keine Bedeutung für die Geschichte. Doch dieser Schurke spiegelt die Entwicklung des Protagonisten perfekt. Der Comic erinnert an Die Rückkehr des dunklen Ritters oder Old Man Logan. Doch im Gegensatz zur Batman-Dystopie wird hier nichts über die Gesellschaft erzählt und im Gegensatz zum Wolverine-Abenteuer ist dies keine Rache-Geschichte. In diesem Comic geht es um Hoffnung in einer Welt, die dem Untergang geweiht ist.
Die Hoffnung auf ein Wunder
Es ist sehr passend, dass der katholische Daredevil eine fast religiöse Erzählung am Ende seiner Tage spendiert bekommt. Die Handlung wirkt, als ob sie einer Erzählung von Jeff Lemire entsprungen ist, der wie bei Sweet Tooth gerne von Endzeit-Szenarien erzählt, in denen ein Kind die letzte Hoffnung ist. Das Besondere an solchen Geschichten ist, dass hier viel mehr über die Motivationen der Figuren erzählt wird als in einer klassischen Held*innen-Geschichte. Trotz all des Drecks und der Brutalität schimmert dabei ein Funke Hoffnung mit, der inspirierend wirkt.
Dreck und Brutalität werden dabei von Steve McNiven selbst illustriert. Die Bilder sind hässlich und an der Grenze des Angenehmen. Doch genau dadurch schafft es der Comic aus dem Bekannten auszubrechen und einen Kontrast zwischen dem Hoffnungsvollen und dem widerwärtigen Rest zu schaffen. Aus den Farben hätte mehr gemacht werden können, die Kolorierung wirkt etwas zu eintönig. Wäre er schwarz-weiß, wäre die Illusion perfekt, es könnte sich hier um einen Indie-Comic der 80er oder 90er handeln. Dieser Comic ist ganz klar nicht für jeden. Doch wer Geschichten über gealterte Held*innen, eine dystopische Zukunft und einen Funken Hoffnung liebt, kommt an diesem Band nicht vorbei. Eine klare Empfehlung für alle, die etwas Ungewöhnliches suchen.
- Verlag: Panini Comics
- Autor*innen: Steve McNiven, Charles Soule
- Zeichner*in: Steve McNiven
- Seitenanzahl: 104
- Preis: 14 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Laura Pascharat
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