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Über 400 Monster, düstere Gefahren und mehr: Die Dark Fantasy-Welt von Etharis ist nichts für schwache Nerven. Im Grim Hollow Monster Grimoire von Ghostfire Gaming finden Spielleitungen eine Reihe an fürchterlichen Kreaturen, welche teils tödliche Herausforderungen bereithalten. Welche Stärken und Schwächen der Quellenband hat, erfahrt ihr hier.

Zivilisationen am Abgrund, bizarre Wesen, die durchs Dunkel streifen, der Tod als ständiger Begleiter: Mit Grim Hollow brachte das Team von Ghostfire Gaming 2020 nach einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne ihr eigenes düsteres Fantasy-Setting auf den Markt. „Noch eins?“, könnten jetzt einige Rollenspiel-Interessierte denken. Denn in der Popkultur gibt es schon seit den 1980er Jahren immer wieder bekannte Beispiele von gefährlichen Welten, in denen nur die stärksten und gerissensten Charaktere ihr eigenes Überleben sichern können. In der jüngeren Vergangenheit haben vor allem Videospiele wie Dark Souls oder Elden Ring diesen Trend wieder mit Leben gefüllt. Fans dieses Genres will das Team von Grim Hollow anzusprechen. Im Monster Grimoire des D&D 5e-kompatiblen Settings finden sich hunderte Monsterbeschreibungen mit Werteblöcken, Illustrationen und kleinen Details für eine Einbindung in die jeweilige Kampagne.

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Die Welt von Ehtaris ist gemäß den Genre-Vorgaben von Verlust, Gefahr und Hoffnungslosigkeit geprägt. Nach einem verheerenden Krieg der Götter untereinander, einer tödlichen Seuche und anderen schlimmen Ereignissen steht die Zivilisation am Abgrund. Mehrere größere Nationen kämpfen um ihr Fortbestehen. In dunklen Wäldern, Sümpfen und Einöden lauern Monster, und jede Reise abseits der größeren Ortschaften gleicht einem Spiel mit dem Feuer. Lediglich die Hoffnung, dass es irgendwann besser werden wird, hält einige Wesen noch am Leben…

Wer als Spielleitung noch Ideen für „noch eine“ Geschichte voller Horror und Bedrohungen sucht, kann einen Blick auf den Quellenband werfen. Aber seid gewarnt: In den Schatten lauern einige Dinge, denen die Charaktere eher bei vollem Tageslicht begegnen wollen – oder besser gar nicht, wenn ihnen ihr Leben lieb ist. Mehr zur Hintergrundwelt und erweiterte Ressourcen gibt es im Campaign Guide, der ebenfalls noch eine Rezension erhalten wird. Wer nach dem Ausflug nach Etharis wieder eine Welt mit mehr Hoffnung entdecken möchte, kann einen Blick auf Journeys through the Radiant Citadel werfen.

Triggerwarnungen

Body Horror, Gewalt, Tod, Gefährdung von Kindern, Gore

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Inhalt: Horror in allen Farben und Formen

Den überwiegenden Teil des Monster Grimoires nehmen, wie am Titel schon zu erkennen ist, die düsteren Wesen ein, welche die Welt von Etharis bevölkern. Das Team von Ghostfire Gaming hat sich dabei an einer Reihe an unterschiedlichen Einflüssen im Horror-Genre bedient. Im Buch finden sich etwa verschiedene menschlich (wirkende) Fraktionen, die ganz eigene Ziele verfolgen und als Verbündete wie Feind*innen der Gruppe auftreten können. Hinzu kommen unterschiedliche Wesen, die aus einer Geschichte entsprungen scheinen, mit der jemand Kindern Angst einjagen möchte. Der Unterschied zu diesen Märchen ist, dass die Charaktere tatsächlich gegen diese Hexen, lebendige Puppen, Trolle und Teufel antreten müssen.

Je weiter die Herausforderungs-Bewertung steigt, desto tödlicher werden die Kreaturen. Dazu zählen unter anderem Untote und andere Abscheulichkeiten, deren Anblick kaum lange ertragen werden kann. An der Spitze dieses Ökosystems steht „The Great Beast“, ein mythischer Schrecken. Reisende berichten von einem gigantischen Schatten mit einem Hirschkopf und Geweih sowie einem unnatürlichen Körper, der im Nebel umherzieht. Tiere in der Umgebung werden durch die bloße Präsenz korrumpiert und zu grausigen Biestern, die ohne Rücksicht auf Verluste angreifen. Im Gegensatz zu anderen Einträgen wird bei „The Great Beast“ bewusst auf feste Werte und Fähigkeiten verzichtet. Vielmehr ist die Spielleitung dazu angehalten, das Monster als Story-Element zu nutzen. Es soll Chaos und Verderben verbreiten, wo auch immer es gesichtet wird…

Ein großes Biest streift durch die Nacht, erzählen die Reisenden...
Ein großes Biest streift durch die Nacht, erzählen die Reisenden…

Vampirbaukasten und intelligente Monster

Das zweite Kapitel des Quellenbands widmet sich einer ganz besonderen Gruppe an Kreaturen: Vampiren. Auf mehreren Seiten wird beschrieben, was Vampire in der Welt von Etharis ausmacht, wie sie agieren und was Charaktere über sie lernen können. Ergänzt wird dies um eine Reihe an Werteblöcken je nach Alter der düsteren Blutsauger*innen. Spielleitungen erfahren außerdem, wie die unterschiedlichen Völker durch den Fluch des Vampirismus beeinflusst werden können.

Gefährlich wirkende Eigenschaften und Werte sind zwar schön, aber sie müssen auch richtig ausgespielt werden. Tipps und Tricks dafür finden sich im dritten Kapitel. Hier erfahren Spielleitungen, wie sie die Werteblöcke richtig einsetzen können, um den Charakteren das Leben wortwörtlich zur Hölle zu machen. Neben der Wahl des Kampffelds geht es beispielsweise um Taktiken, Schutz, vorbereitete Aktionen und fokussierte Angriffe auf ein Ziel – einige wichtige Punkte, die auch die Gruppe für ihr Überleben im Blick behalten sollten. Das vierte Kapitel führt eine Reihe an magischen Items ein, die durch die Verwertung von Monstern generiert werden können. Im fünften Kapitel schließlich wird erklärt, wie verschiedene monströse Völker für Spielcharaktere einzubinden sind.

Der vermeintliche Realismus in den Darstellungen lässt einige Monster wirklich alptraumhaft aussehen.
Der vermeintliche Realismus in den Darstellungen lässt einige Monster wirklich alptraumhaft aussehen.

Vorbereitung ist die halbe Miete

Die Welt von Etharis belohnt diejenigen, die umsichtig vorgehen und wissen, wie gefährlich jede Begegnung sein kann. Das spiegelt sich im Spielsystem durch zwei Dinge wider. Erstens lassen sich die meisten Monster „ausschlachten“ und mit ihren Hinterlassenschaften nützliche Dinge generieren. Je nach Anforderung können die Charaktere aus Häuten, Krallen, Sekreten und mehr Items zwischen den Kämpfen herstellen, sofern sie über das nötige Wissen und die Werkzeuge verfügen. Zweitens gibt es in der Welt einiges Wissen über die Gefahren jenseits der Städte und Dörfer. Spielleitungen können der Gruppe verschiedene Wissenswürfe erlauben, die ihnen Hintergrundinformationen zu Kreaturen liefern. Das reicht von möglichen Schwächen bis hin zu besonderen Eigenschaften, vor denen es sich zu schützen gilt. Durch die Hinweise sowie das Ressourcenspiel wird das Setting insgesamt sinnvoll erweitert und bekommt einen realistischeren Eindruck. Die Monster wirken nicht wie Eintagsfliegen, die den Spielenden zum Zeitvertreib vorgesetzt werden. Im Gegenteil: Sie sind Teil eines bestehenden Ökosystems, welches dadurch mehr Tiefe erhält.

Aus den Monstern lassen sich teilweise wertvolle Materialien gewinnen, um daraus Items zu erschaffen.
Aus den Monstern lassen sich teilweise wertvolle Materialien gewinnen, um daraus Items zu erschaffen.

Sicher bleiben am Lagerfeuer und am Spieltisch

Grim Hollow greift mit beiden Händen tief in die Horror-Klischee-Kiste hinein. Das bedeutet, dass nicht nur die Charaktere ein starkes Nervenkostüm brauchen, sondern auch die Spielenden am Tisch. In der Einleitung raten die Verantwortlichen deshalb dazu, dass die Spielleitung im Vorfeld ein offenes Gespräch über Präferenzen und Grenzen mit den Beteiligten an der Kampagne führt. Neben Blut und Gekröse können auch psychologisch belastende Themen eine Rolle in der Handlung spielen. Dies gilt es gemeinsam auszuloten, denn der Spaß aller am Spieltisch ist und bleibt das oberste Ziel. Dafür eignen sich beispielsweise Sicherheitsmechanismen, die auch in anderen Rollenspielen wie Etwas zu verbergen bekannt sein können.

Selbst Puppen sind in der Welt von Etharis nicht davor sicher, als mordende Marionetten Unheil zu verbreiten.
Selbst Puppen sind in der Welt von Etharis nicht davor sicher, als mordende Marionetten Unheil zu verbreiten.

Erscheinungsbild

Nicht kleckern, sondern klotzen: Dieses Sprichwort haben sich die Macher*innen des Monster Grimoires zu Herzen genommen. Auf 424 Seiten finden sich nahezu ebenso viele Werteblöcke und Beschreibungen für fast jede alptraumhafte Kreatur, die sich ein Mensch vorstellen kann. Damit die Spielleitung nicht alles der Fantasie der Spielenden überlassen muss, finden sich im Schnitt auf etwa jeder zweiten Seite Illustrationen zu den Monstern und Antagonist*innen. Dabei reicht die Variation von enorm groß bis winzig – aber für Normalsterbliche ebenso tödlich. Stilistisch sind die Bebilderungen aufeinander abgestimmt und überzeugen neben der durchgängigen Qualität vor allem mit einem großen Realismus. Das macht gerade die scheußlichen Schrecken im Buch zu einer Augenweide, sofern damit eine Pflanze gemeint sein soll, die dem Gegenüber mit tausend Augen unverhohlen in die Seele starrt…

Bei der Struktur der Einträge können Spielleitungen auf ein übersichtliches Schema vertrauen. Nach einigen allgemeinen Informationen, welche die Kreaturen in das Grim Hollow-Setting einordnen, folgt ein Salvage-Eintrag über mögliche Schätze und Hinterlassenschaften der Kreaturen und wie diese genutzt werden können. Unter Lore werden anschließend allgemeine bis spezifische Hinweise gegeben, welche Fähigkeiten die Wesen besitzen oder was mögliche Resistenzen und Schwächen sind. In einem zusätzlichen Kasten werden außerdem ab und an Tipps für die Spielleitung gegeben, um eine spannende Bedrohungs-Situation zu schaffen.

Was die Orientierung angeht, muss der Quellenband einige Federn lassen. Zwar findet sich zu Beginn ein Inhaltsverzeichnis, welches alle Monster einmal auflistet. Ein Index oder eine Sortierung, beispielsweise nach Herausforderungslevel oder Art der Monster, wäre bei dem sonst hohen Grad an Mühe noch wünschenswert gewesen. Dies tut im Allgemeinen dem Lesefluss der englischen Texte keinen Abbruch. Wer ohnehin Lust hat, seine Spielenden durch ein Grimdark-Setting streifen zu lassen, bringt offenbar genug Zeit mit, die Texte gründlich zu studieren.

GH - Umschlag

Die harten Fakten:

  • Verlag: Ghostfire Gaming
  • Autor*in(nen): Shawn Merwin
  • Illustrator*in(nen): Suzanne Helmigh, Martin Hughes, Brent Howell u. a.
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • Sprache: Englisch
  • Format: Hardcover/PDF
  • Seitenanzahl: 424
  • Preis: 41,99 USD (Hardcover); 24,99 USD (PDF)
  • Bezugsquelle: Fachhandel, DriveThruRPG

 

Fazit

In düsteren Zeiten voller Konflikte und Schrecken sehnen sich Menschen nach Kontrolle. Sie wollen selbst zum metaphorischen Schwert greifen und damit die Entscheidungsgewalt über ihr Handeln erreichen. Es ist also kein Wunder, dass in den vergangenen Jahren düstere und brutale Fantasy-Welten im Mainstream Millionen Fans erreichen und begeistern. Genau diese Sparte bedient auch Ghostfire Gaming mit dem Grim Hollow-Setting. In der Welt von Etharis wartet der Horror in jeder Nische darauf, unbedarfte Wesen zu töten.

Im Monster Grimoire finden Spielleitungen über 400 Kreaturen, die sie nach Belieben für die nächste Runde einsetzen können. Fast jeder Eintrag besteht aus einem D&D 5e-kompatiblen Werteblock. Die Auswahl reicht dabei von ekligem Schleim und abartiges Biest über gefährliche Feys und Teufel bis hin zu riesigen Monstrositäten. Geliefert werden allgemeine Infos, was die (magischen) Wesen ausmacht und wo sie (im eigenen Grim Hollow-Setting) zu finden sind. Hinzu kommen Beschreibungen, wie Materialien für Items aus den Hinterlassenschaften der Monster gewonnen werden können. Ein weiterer Part sind nützliche Informationen für den Kampf, die durch eine Reihe an Wissenswürfen herausgefunden werden können.

Vampire erhalten im Monster Grimoire ein ganzes Kapitel.
Vampire erhalten im Monster Grimoire ein ganzes Kapitel.

Optisch besticht das Monster Grimoire durch zahlreiche Darstellungen von Kreaturen, die von gruselig bis vollends verstörend reichen. Spielende mit schwachen Nerven werden ihre wahre Unfreude haben, gegen diese Wesen anzutreten. Darum wird zu Beginn des Quellenbands auf Sicherheitsmechanismen verwiesen, die im Vorfeld etabliert werden sollten. Bei aller Liebe zum Detail wäre ein Index oder eine Übersicht, bei welchen Monstern es sich um Untote, Biester oder andere Dinge handelt, noch hilfreich gewesen. Der Spielleitung bleibt abgesehen vom Inhaltsverzeichnis nicht viel übrig, als alle Einträge einmal zu sichten – und danach hoffentlich gut zu schlafen.

Abschließend bleibt zu sagen: Das Monster Grimoire von Grim Hollow erfüllt die Erwartungen. Durch die Varianz finden Spielleitungen sicherlich das ein oder andere Wesen für ein spannendes Abenteuer. Auch preislich gibt es bei der Menge an Inhalt nichts zu meckern.

  • Über 400 Kreaturen und Vampir-Baukasten
  • Ressourcenspiel mit Monstern und Lore-Infos
  • Hübsche Illustrationen
 

  • Index oder zusätzliche Einteilung fehlt

 

Artikelbilder: © Ghostfire Gaming
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Alexa Kasparek
Fotografien: Andreas Schellenberg

Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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