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Bei Marvel begann alles mit den Fantastic Four. Ihre Abenteuer drehen sich um die Erkundung des Unbekannten. Doch sie sind auch immer eine Familie. Wir wollen hier zum Start des neuen Films einmal auf alle vier Held*innen in den Comics blicken und klären, was sie so fantastisch macht.

Nachdem DC Comics in den 50ern das silberne Comiczeitalter mit einem neuen Flash einleitete und 1960 mit der Justice League of America einen Superhit landete, bekamen Stan Lee und Jack Kirby den Auftrag, die Superheld*innen bei ihrem Verlag Atlas Comics neu zu beleben. Frühere Helden wie Captain America, Namor oder die menschliche Fackel waren längst nicht mehr in Produktion. Und sie wollten ein neues Team. Ihre Idee war es, ein Gruppe von ganz normalen Personen zu erstellen, die Superkräfte bekamen. 1961, Mit der ersten Ausgabe von Fantastic Four wurde der Verlag in Marvel Comics umbenannt, und dies war der Anstroß zu einem gigantischen Erfolg. Im nächsten Jahr folgten dann Hulk, Spider-Man, Ant-Man, Thor und Iron Man. Doch in diesem Artikel soll es um Marvels erste Familie gehen, das Team, mit dem ihr Erfolg begann. Das Besondere waren nicht ihre Superkräfte, sondern ihre persönlichen Geschichten, mit denen die Leserschaft mitfühlen könnte. Und deshalb soll es hier auch nicht um ihre größten Leistungen gehen, sondern um die Charaktere, die immer mehr Familie als Superheld*innen waren.

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Mister Fantastic

Reed Richards ist der Sohn des Wissenschaftlers und Zeitreisenden Nathaniel Richards und seiner Mutter Evelyn, die starb als er sieben Jahre alt war. Als Teenager war Reed bereits in mehreren Universitäten eingeschrieben. Während er an der State University of New York seinen fünften Abschluss machen wollte, lernte er dort seine Kommilitonen Victor von Doom und Benjamin Grimm kennen. Zu ersterem bildete sich eine Rivalität, zu Ben eine echte Freundschaft. Mit Alyssa Moy, einer ehemaligen Kommilitonin aus Wien, erlebte Reed zu dieser Zeit seine ersten Abenteuer in der ganzen Welt. Doch sie lehnte seinen Heiratsantrag ab.

Reed Richards
Reed Richards

Wieder in Amerika begann er Susan Storm, die Nichte seiner Vermieterin, zu daten. Danach sicherte sich Reed Forschungsgelder für den Start eines experimentellen Raumschiffes namens Marvel-1. Er überredete Ben, das Raumschiff zu fliegen. Sue Storm und ihr kleiner Bruder Johnny bestanden darauf mitzukommen. Im Weltall gerieten sie in einen Sturm kosmischer Strahlung, der sie zu einer Notlandung zwang. Doch die Strahlung veränderte ihre Körper. Reed erlangte die Fähigkeit, seinen Körper auf extreme Weise zu dehnen, und nannte sich fortan Mister Fantastic. Doch die Verwandlung seiner Freunde, vor allem Bens Transformation in das Ding, sorgten bei ihm für Gewissensbisse, die sein weiteres Leben prägen sollten.

Reed gilt als einer der klügsten Köpfe des Universums. Er entdeckte beispielsweise die Unstabilen Moleküle, aus denen sie ihre Superheld*innen-Outfits erschufen, die ihren Fähigkeiten trotzten. Er ist auch einer der wenigen, die erfolgreich mit dem Weltenverschlinger Galactus verhandelt haben, um ihren Planeten zu retten. Doch Reed legt auch immer eine gewisse Arroganz an den Tag. So stellte er sich im Civil War auf die Seite von Tony Stark, welcher der Auffassung war, dass Superheld*innen ihre Geheimidentität der Regierung offenbaren sollten. Dadurch zerstritt er sich zeitweise mit dem Rest des Teams, das zur anderen Seite wechselte.

Reed gegen Victor
Reed gegen Victor

Reed wurde auch Teil der Illuminati, einem Bund der klügsten Köpfe der Welt, die sich mit weltbedrohenden Situationen beschäftigen. Als es zu den Inkursionen kam, bei der verschiedene Welten des Multiversums aufeinander prallten, entwickelte Reed Methoden, um andere Welten zu vernichten, aber ihre Bewohner*innen zu retten. Doch bei der finalen Inkursion mit dem Ultimativen Universum starb seine ganze Familie, und es kam zu den Secret Wars. In dieser von Doom geschaffenen Realität wurden alle Welten zu einer großen Battleworld vereinigt. Als es zu Aufständen kam, übergab Doom Reed die Fähigkeiten eines Gottes mit der Aufforderung, es besser zu machen. Mit dieser Macht stellte er die Realität wieder her.

Die Unsichtbare

Während Reed der Kopf der Fantastic Four ist, ist Sue das Herz. Sie ist diejenige, welche die Familie zusammenhält und bereit ist, die Verantwortung zu tragen. Schon früh starben ihre Eltern, und sie musste sich um ihren kleinen Bruder Johnny kümmern. Zusammen lebten sie im Boarding-House ihrer Tante, wo sie sich in einen Mieter, den älteren Reed, verliebte. Sue studierte  Archäologie, was ihr dabei half, die lebensverändernde Reise als wissenschaftliche Beobachterin zu begleiten. Durch die kosmische Strahlung erhielt sie nicht nur ein Fähigkeit, sondern gleich zwei. Zum einen kann sie das Licht so brechen, dass sie für andere unsichtbar erscheint. Sie ist auch in der Lage, andere Personen oder riesige Objekte wie Hochhäuser unsichtbar zu machen. Dazu kann sie Kraftfelder erzeugen, die als Schutzschild fungieren.

Die Unsichtbare
Die Unsichtbare

Trotz einiger Avancen durch Namor hielt sie zu Reed und heiratete ihn schon recht bald. Die beiden bekamen einen Sohn, der, nach Sues verstorbenen Vater, Franklin genannt wurde. Dieser stellte sich aber schon bald als mächtiger Mutant heraus. Es ist kein Zufall, dass sie sich mit Agatha Harkness eine Hexe als Kindermädchen suchten. Als Franklin bereits als Kleinkind mit seinen unkontrollierbaren Kräften die Realität zu verformen begann, musste Reed seinen Sohn in ein Koma versetzen. Sue, die dadurch das Gefühl bekam, ihr Mann würde über ihren Kopf hinaus entscheiden, verließ die Fantastic Four für einige Zeit.

Sue Storm als Malice
Sue Storm als Malice

Nachdem sie sich wieder versöhnten, wurde sie zum zweiten Mal schwanger. Leider kam es zu einer Fehlgeburt. Emotional gebrochen wurde sie danach anfällig für den Psycho-Man und dessen Lakaien Hate-Monger. Dieser manipulierte ihren Geist, sodass sie unter dem Pseudonym Malice auftrat und die Fantastic Four außer Gefecht setzte. Nur dadurch, dass Reed sie dazu brachte, ihn aufrichtig zu hassen, konnte er das Verdrehen ihrer Gefühle außer Kraft setzen.

Jahre später traf sie Valeria von Doom, ihre Tochter aus einer alternativen Zukunft. Diese wuchs in dem Glauben auf, die Tochter von Victor von Doom zu sein, der in dieser Zukunft mit Sue verheiratet war. Es stellte sich aber heraus, dass Valeria das zweite ungeborene Kind war, das durch Franklins Kräfte in eine andere Realität gelangte. Durch Comic-Magie wurde dies revidiert und Valeria gelangte als Kind zurück in den Bauch von Sue. Nur mit Hilfe von Doctor Doom konnte sie ihre Tochter auf die Welt bringen. Doom nannte sie so wie eine verflossene Liebe aus seiner Jugend: Valeria.

Das Ding

Benjamin Jacob Grimm stammt aus der New Yorker Yancy Street, was er immer wieder betont. In ärmlichen Verhältnissen führte er eine Kindheit mit einem trunksüchtigen Vater und einem älteren Bruder namens Daniel, der in einer Gang aktiv war und durch kriminelle Machenschaften die Familie ernährte. Als Daniel in einem Bandenkonflikt das Leben verlor, arbeitete sich Ben selbst zum Anführer der Yancy Street Gang hoch. Als seine Eltern starben, wurde er von seinem Onkel Jake und seiner Tante Alyce aufgenommen. Doch auch Alyce starb früh, und Jake heiratete Petunia. Die beiden halfen Ben dabei, sein Leben in den Griff zu bekommen und einen Studienplatz in Physik zu ergattern, wo er Reed traf.

Das Ding
Das Ding

Ben Grimm traf es durch die kosmischen Strahlen besonders hart, da sich sein Aussehen dauerhaft veränderte. Er war nicht nur unnatürlich stark und ausdauernd, sondern hatte buchstäblich eine Haut aus Stein. Immer wieder suchte er Möglichkeiten, sich von diesem Fluch zu befreien, doch jeder Erfolg war nur von kurzer Dauer. Das Ding war von Beginn an die beliebteste Figur bei den Fantastic Four. Was nicht nur daran liegt, dass er mit seinem Aussehen mit dem üblichen Held*innenklischees brach, sondern auch daran, dass er ein sehr lockeres Mundwerk hat und in seinem ganz eigenen Slang redet.

Jetzt geht's rund
Jetzt geht’s rund

Eines Tages traf er eine blinde Bildhauerin namens Alicia Masters. Diese gab sich im Auftrag ihres Vaters, einem Schurken namens Puppet Master, als Sue Storm aus. Alicia konnte mit ihren feinen Sinnen die Unsichtbare wahrnehmen und ihrem Vater dabei helfen, diese gefangen zu nehmen. Sie widersetzte sich aber seinem Willen und wurde stattdessen eine Freundin des Teams. Schnell erkannte sie die feine Seele von Ben, und die beiden wurden ein Paar. Ben fragte sich immer wieder, ob er Alicia wirklich verdienen würde, und das Paar trennte sich nicht nur einmal. Doch erst vor kurzem heirateten sie und adoptierten sogar zwei Kinder namens N’Kalla und Jo-Venn, ein Skrull-Mädchen und einen Kree-Jungen.

Nachdem das Hauptquartier der Fantastic Four, das Baxter Building zerstört wurde, wohnen die Fantastic Four im Fantastic Farmhouse, dem alten Bauernhof von Bens Tante Petunia. Dort adoptierte er einen streunenden Hund, den er Princess nannte. Ben mag aussehen wie ein Monster, doch er hat das Herz am rechten Fleck und findet auch oft die richtigen Worte zur richtigen Zeit.

Die Fackel

Johnny ist das jüngste Mitglied der Fantastic Four. Als er in eine menschliche Fackel verwandelt wurde, ging er noch zur Highschool. Er war schon immer ein Hitzkopf, doch nun war er ein Junge, der in der Lage war, in Flammen aufzugehen und dadurch leichter zu sein als Luft, sodass er fliegen konnte. Schon früh hatte er großes Interesse daran, an Autos zu schrauben und mit Mädchen zu flirten. Ein Konflikt mit Mike Snow, einem Sportler an seiner Schule, resultierte darin, dass Johnny ihm das Gesicht verbrannte. Es dauerte Jahre, bis er für diesen Zwischenfall die Verantwortung übernahm. Im College lernte er den Native American Wyatt Wingfoot kennen, der zu einem der besten Freunde der Familie wurde. Johnny arbeitete immer wieder als Schauspieler oder Rennfahrer, auch wenn ihm seine Schwester einmal den Job als Finanzdirektor im Familienunternehmen gab.

Die Fackel
Die Fackel

Seine erste Freundin hieß Dorrie Evans. Doch diese beendete die Beziehung, als sie genug von seinem Superheld*innenleben hatte. Nahezu augenblicklich danach begann Johnny Crystal zu daten, die als Inhuman ebenfalls ein Held*innenleben hatte. Dennoch hielt ihre Beziehung nicht lange. Crystal heiratete Quicksilver und bekam sogar ein Kind mit ihm. Johnnys nächste Beziehung war mit einer Frau namens Frankie Raye. Diese ist die Stieftochter von Phineas Horton, dem Erfinder der ersten menschlichen Fackel Jim Hammond. Jim ist ein Android (und der allererste Held aus dem Verlag, der später zu Marvel werden sollte). Frankie entwickelte daher eine Pyrophobie, was sich in der Beziehung mit Johnny als schwierig erwies. Es stellte sich aber heraus, dass sie ähnliche Fähigkeiten wie die Fackel hatte. Zusammen mit Johnny konnte sie lernen, damit umzugehen und ihre Angst zu überwinden. Doch als Galactus die Welt ein weiteres Mal bedrohte, willigte sie ein, als Nova seine neue Heroldin zu werden.

Die Fackel im Kampf gegen seine Ex Lyja
Die Fackel im Kampf gegen seine Ex Lyja

Bedeutungsvolle Beziehungen zu führen ist das Hauptthema in Johnnys Leben, und bisher ist es ihm nur selten vergönnt, lange mit einer Frau zusammen zu sein. Die längste Beziehung hatte er vermutlich mit Alicia Masters, der Freundin von Ben Grimm. Diese Beziehung endete sogar in der Hochzeit von Johnny und Alicia. Doch es stellte sich heraus, dass es nicht die echte Alicia war, sondern eine gestaltwandelnde Alien-Skrull namens Lyja. Im anschließenden Konflikt wurden große Teile des Campus der Empire State University zerstört. Reed musste einige Patente verkaufen, um den Schaden zu reparieren. Als Lyja behauptete, sie sei von Johnny schwanger und sich das ebenfalls als Lüge herausstellte, beendete Storm die Beziehung.

Einer der Orte, die von den Fantastic Four immer wieder aufgesucht werden, ist die Negativzone, eine Art Paralleluniversum das von Annihilus regiert wird. Als dieser wieder einmal von dort versuchte, die Welt zu erobern, fand Franklin eine Möglichkeit, die feindliche Armee zu vernichten. Johnny opferte sich, um das Tor für immer zu verschließen. Dort starb er unzählige Male, wurde aber immer wiederbelebt, bis er sich mit einer Gruppe von Aussätzigen befreien konnte.

Freunde & Familie

Eine Familie wie die Fantastic Four findet sich immer wieder zusammen. Trotzdem gibt es auch Zeiten, wo die eine oder andere Person eine Pause oder etwas Abstand braucht. In solchen Fällen konnten sie immer auf Ersatz und Hilfe von ihren vielen Freund*innen zählen. Crystal wurde hier schon einmal erwähnt. Sie sprang für Sue ein, als diese ihr erstes Kind zu Welt brachte. Medusa, die Königin der Inhumans und ehemaliges Mitglied der Frightful Four, ersetzte Sue, nachdem Reed Franklin unmenschlich behandelte. Als das Ding einmal seine Kräfte verlor, nahm Luke Cage dessen Rolle auf. Ein anderes Mal sprang She-Hulk als Ersatz für das Ding ein. Sie datete in dieser Zeit Wyatt Wingfoot, den langjährigen Freund von Johnny Storm aus dem fiktiven Keewazi-Stamm. Es kam auch zu einem Kampf mit der damaligen Miss Marvel Sharon Ventura. Sharon wurde ebenfalls ein Mitglied der Fantastic Four und später durch Strahlung selbst in ein She-Thing verwandelt. Nachdem Reed vermisst war, ersetzte Ant-Man Scott Lang ihn als Wissenschaftler des Teams. Auch Spider-Man, Iceman, Storm, Black Panther (der seinen ersten Auftritt in einem Fantastic-Four-Comic hatte) und der Popstar Darla Deering (als Miss Thing) waren schon mal Teil des Teams.

Viele dieser Freund*innen sind ebenfalls Teil der Future Foundation, zu der auch die Kinder Franklin und Valeria gehören. Diese Stiftung unterstützte die Fantastic Four regelmäßig, bildet neue Talente aus und erlebt auch eigene Abenteuer in immer neuen Welten.

Leseempfehlung

Fantastic Four – Galactus

Die bekannteste Geschichte der Fantastic Four ist ihr erstes Aufeinandertreffen mit dem Silver Surfer und Galactus. Diese wird in diesem Sammelband erzählt. Selten befassen sich die Held*innen wirklich mit der Rettung der Erde. Hier wird es aber mit einer typischen Science-Fiction-Geschichte und persönlichem Drama aufgebrochen, sodass diese Erzählung auch heute noch funktioniert. Darüber hinaus enthält der Band noch zwei weitere Geschichten: Unter anderem die, in welcher Johnnys Freundin Frankie zu Nova wird.

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Fantastic Four – Unfassbar

Doctor Doom ist der ikonischste und bekannteste Feind der Fantastic Four. Als er dabei half, Valeria auf die Welt zu bringen, belegte er sie mit einem Zauber. In diesem Geschichte versucht er diese Macht auszunutzen, um sich endgültig an Reed zu rächen und dessen Familie zu zerstören. Dieser Comic schafft es besonders gut, eine Abenteuergeschichte mit einem Familiendrama zu verbinden und zeigt, wie man die Fantastic Four erzählen muss, damit dieses Gleichgewicht auch funktioniert. Dazu bietet es auch einen guten Einblick in die Rivalität zwischen Reed und Victor.

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Fantastic Four – Tödlicher Kreislauf

Ein Grund, warum die früheren Comics so eine Faszination ausgeübt haben, waren die Entdeckungen von neuen Welten und fantastischen Technologien. Alex Ross lässt in diesem Comic ein wenig die Magie der alten Zeit wiederaufleben, indem er an eine alte Geschichte, die in der Negativzone spielt, anschließt. Er präsentiert die Geschichte in einem für ihn ungewöhnlichen, aber dennoch faszinierenden Stil, der Anleihen an Pop-Art nimmt. Der Comic hat gerade durch seine eher naive Geschichte eine starke Sogwirkung, die zu dem Besten zählt, was in den letzten Jahren zu den Fantastic Four herausgekommen ist.

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Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Rick Davids

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