Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Die Filme von Studio Ghibli bilden inzwischen auch in Deutschland einen wichtigen Teil der Filmkultur und auch aus unseren Streaming-Diensten sind Das wandelnde Schloss oder auch Mein Nachbar Totoro nicht mehr wegzudenken. In der brandneuen Auflage der Ghibliothek sind alle Werke versammelt, die das talentierte Filmstudio hauptsächlich ausmachen.

Triggerwarnungen

Darstellungen von Blut (Prinzessin Mononoke)

[Einklappen]

Inhalt

In diesem kompakten Nachschlagewerk bieten die beiden leidenschaftlichen Ghibli-Fans Michael Leader und Jake Cunningham einen umfassenden Einblick in alle 25 Spielfilme des bekannten japanischen Filmstudios Studio Ghibli. Dabei berichten sie im Vorwort zunächst davon, wie der eine den anderen in die Welt der Ghibli-Filme einführte und wie sie auf die Idee kamen, einen (inoffiziellen) Guide zu den beliebten Filmen zu erschaffen. Dabei werden ihr Interesse für Filme, insbesondere für jene von Filmemacher Hayao Miyazaki, dem Vater von Studio Ghibli, und auch ihre berufliche Erfahrung im Film-Bereich sehr deutlich – so begann ihre gemeinsame Reise durch das Werk des Studios mit ihrem gemeinsamen Podcast „Ghiblioteque“.

Sehr viele kennen Studio Ghibli spätestens seit Chihiros Reise ins Zauberland

In farblich unterteilten Kapiteln steigen die beiden Autoren dann nach dem Vorwort auch direkt mit den Filmen ein. Chronologisch wird in den Kapiteln jeweils ein Film vorgestellt, zunächst die Geschichte zur Produktion, zur Idee und Inspiration des Filmes an sich. Sie gehen darauf ein, wie sich das Projekt vielleicht auch verändert hat, welche Mitarbeitende hinzugeholt und auch welche dann aus strategischen Gründen nicht mehr an einem Projekt mitarbeiteten.  Denn tatsächlich wird an manchen Stellen deutlich, dass ein Film nicht immer in der vorher geplanten Besetzung entstand.  Welche Entscheidungen hier warum getroffen wurden, ist ebenfalls Teil der im Buch beschriebenen Entstehungsgeschichten zu den Filmen.

Oft der Publikumsliebling: der Waldtroll Totoro aus Mein Nachbar Totoro

Hier kommt auch stark Miyazakis Eigenart zu Tage, dass er häufig „seinen letzten Film“ macht und dann doch mit voller Kraft wieder zurück kommt, das Filmprojekt wieder an sich nimmt und (meistens) erneut ein erfolgreiches Meisterwerk erschafft. Doch das Studio Ghibli ist ohne seinen Ziehvater nicht dasselbe, was sich unter anderem an dem Film „Aya und die Hexe“ zeigte. Hier führt sein Sohn Goro Regie und leider spaltet dieser Film die Ghibli-Fangemeinde stark.

Das Buch enthält die harten Fakten zu den einzelnen Filmen (Länge, Erscheinungsdatum, Regie, Drehbuch), Informationen zur Machart, zu Besonderheiten (z.B. ob der Film eine Adaption war oder die Story komplett selbst geschrieben wurde) und auch zu Plot und Filminhalt an sich. Danach schließt sich dann ein Kommentar zum Film selbst an, mit einigen Interpretationsversuchen und der Benennung von wiederkehrenden Mustern, die in mehreren Filmen auftauchen. Diese sind zum Beispiel häufig vorkommende Anlehnungen an bestimmte Themen, an andere Ghibli-Titel oder auch -Charaktere.  Ebenfalls kommt die künstlerische Machart zur Sprache jedoch hauptsächlich der Unterschied zwischen CG, also Computeranimation und traditioneller, gezeichneter Animation. Insgesamt sind die Kapitel wirklich kurzweilig, informativ und abwechslungsreich geschrieben.

Die Geschichte und auch das Heranwachsen des Studios in den 80ern zu einem heutzutage sehr bekannten Filmstudio wird immer wieder eingeflochten, die Beteiligten kommen in Zitaten zu Wort und auch die gesellschaftlichen und politischen Anlehnungen der Filme werden immer wieder erläutert.

Das Schloss im Himmel war einer der ersten Filme

Hierbei lernt man sowohl die Vorgehensweise des Studios als auch wissenswerte Info kennen, wie zum Beispiel, dass einer der ersten Filme des Studios, Das Schloss im Himmel, sehr stark von englischen Minenarbeitern inspiriert wurde.

Das Buch schließt mit einem Nachwort und weiterführenden Lektüreangaben. Natürlich wird auch erwähnt, dass der Ghibli-Hype inzwischen groß ist, es gibt unzählige Merch-Artikel, Pop-Up Stores, Themenparks und vieles mehr in der Welt der Studio-Ghibli-Filme. Aber was wirklich zählt: Die Magie der Filme lebt weiter, auch heute noch – denn wer weiß, wann Miyazaki und sein Sohn wirklich den letzten Ghibli-Film machen?

Erscheinungsbild

Das Hardcover-Buch umfasst ca. 19 x 24,3 cm. Das Papier ist reinweiß, matt und griffig. Das Nachschlagewerk besteht aus 192 Seiten und enthält sehr viele farbige Abbildungen, die zum Teil auch eine ganze Seite einnehmen. Das Layout ist übersichtlich und ordentlich, lediglich die Schrift ist zum Teil etwas klein geraten und nicht immer so gut lesbar, beispielsweise weil die Teaser in Großschrift verfasst wurden.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Panini Books
  • Autor*in(nen): Michael Leader, Jake Cunningham
  • Zeichner*in(nen): –
  • Erscheinungsjahr: 2021 (erste Auflage), 2. Auflage April 2024
  • Sprache: Deutsch
  • Format: 19×24,3 cm
  • Seitenanzahl: 192
  • Preis: 30 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo

 

Bonus/Downloadcontent

Die zweite überarbeitete Auflage enthält ein neues Kapitel zum neuen Film Der Junge und der Reiher aus dem Hause Ghibli.

Fazit

In diesem wertvollen Guide sammeln sich alle unsere Lieblinge, von Das wandelnde Schloss bis Ponyo. Aber nicht nur das, es umfasst eben alle wichtigen Spielfilme des Studios in einem Buch. Und damit auch Filme, die vielleicht nicht jede*r auf dem Schirm hat, wenn er das Stichwort Ghibli hört, wie zum Beispiel Meine Nachbarn die Yamadas oder Der Mohnblumenberg.
Insbesondere die Kommentare/Besprechungen der Filme enttäuschen nicht und versuchen die Magie der Animation der Filme, wie z.B. ein besonders schmackhaft aussehendes Ghibli-Essen oder eine besonders faszinierende Szene, in der die Elemente verrückt spielen, in Worten auszudrücken.

Auch Miyazakis Leidenschaft für Flugzeuge oder die korrekte Aussprache von Ghibli, werden im Buch aufgegriffen. Und so vereint es interessantes Wissen mit netten Anekdoten und Hintergrundinformation in einem Band. Hier und da wäre mehr Input zum künstlerischen Prozess (Line-Arts, Skizzen etc.) oder auch noch mehr Interpretationsversuche zu den Themen und Geschichten schön gewesen. Die vielen bildlichen Ausschnitte aus den Filmen sind genial, so kommt gleich Lust auf, sich einen der vielleicht sogar weniger bekannten Spielfilme anzusehen. Hier eignet sich die Ghibliothek wunderbar, um den betreffenden Film schnell nachzuschlagen und tiefer in die Ghibli-Hintergründe abzutauchen.

 

  • Kurzweilige einzelne Kapitel
  • Viele ansprechende Abbildungen
 

  • Recht viel Info zu unternehmerischen Hintergründen
  • Wenig zum künstlerischen Aspekt der Filme (z.B. Zeichnungen, Grafiken etc.)

 

Artikelbilder: © Panini Books
Layout und Satz: Andreas Hübner
Lektorat: Hendrik Pfeifer
Fotografien: Verena Tribensky

Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Durch einen Einkauf unterstützt ihr Teilzeithelden, euer Preis steigt dadurch nicht.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein