Manga und Anime haben längst die globale Popkultur erobert und Millionen von Fans begeistert. Doch hinter den bekannten Gesichtern von Helden wie Son Goku, Naruto oder der One Piece-Crew verbirgt sich ein Universum voller Geschichten, kurioser Fakten und kultureller Besonderheiten. Unnützes Wissen über Manga und Anime geht diesen Themen nach.
Das Buch Unnützes Wissen über Manga und Anime von Jasmin Dose, Jan Lukas Kuhn und Stefan Mesch widmet sich auf charmante und erfrischende Weise dem Kosmos der japanischen Popkultur. Es lädt nicht nur Fans, sondern auch Einsteiger*innen dazu ein, tiefere Einblicke in die Welt von Manga und Anime zu gewinnen – gewürzt mit einer Prise Humor und vielen Anekdoten. Aber wie viel Substanz steckt hinter dem Titel?
keine Trigger
Inhaltsverzeichnis
Inhalt
Das Buch versteht sich als Sammlung unterhaltsamer Trivia und Anekdoten aus der Welt der Manga und Anime. Dabei reicht das Spektrum von historischen Fakten über kulturelle Einflüsse bis hin zu interessanten Details, die selbst eingefleischte Otakus überraschen dürften. Der Inhalt wurde auf 191 Seiten und in 28 Kapitel unterteilt.
Die Kapitel sind dabei meist in chronologischer Reihenfolge (50er, 60er, 70er und so weiter), doch wurde hin und wieder auch eine thematische Unterteilung versucht. Was bereits beim Vorgänger (Unnützes Wissen für Marvel-Nerds) kritisiert wurde, ist auch im vorliegenden Werk zu bemerken: Einige Fakten stehen in keinem Zusammenhang zu dem Kapitel, in welchem sie aufgeführt werden. Beispielsweise wird im Kapitel „Weltweit beliebt“ von dem Dragon Ball–Charakter Krillin berichtet, der, da er keine Nase hat, den Gestank seines Gegners Bakterian nicht riechen kann und auf diese Weise den Kampf gewinnt.
Vorab wird erklärt, dass die Autor*innen bei der Auswahl der Fakten subjektiv vorgegangen sind, aber auch, dass die Fakten sachlich und neutral sind, was nicht immer der Wahrheit entspricht. Die Leser*innen sind daher angehalten, den Inhalt mit Vorsicht zu genießen. Nicht immer handelt es sich um Fun oder um Facts. Beispielsweise wird das Kapitel „Die 70er“ mit dem Mishima-Vorfall eröffnet, völlig zusammenhangs- und kontextlos werden hier Meinungen und Deutungen niedergeschrieben, die als Fakten präsentiert werden. An anderer Stelle wird Japan 1853 als abgeschottet beschrieben, was einen geschichtlich ziemlich komplexen Sachverhalt auf eine unzureichende Art zusammenfasst, auch wenn der Ausdruck leider allzu üblich ist. Auch wird an einigen Stellen die nicht ganz neutrale und sachliche Ansicht der Autor*innen deutlich. Etwa in ihrer Wahrnehmung über das Ende des Manga Attack on Titan. „Ein Held verübt einen Massenmord, damit sich die Welt gegen ihn vereint und friedlich wird. Hm.“ Zu einem späteren Zeitpunkt wird der US-Roman Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara auf eine Stufe mit Boys-Love-Klischees gestellt.
Nach manchen Absätzen folgen Begriffe wie „Rape Culture“ oder „Misogyn“, die die Leser*innen vermeintlich dabei unterstützen sollen, die gelesene Information in den dafür vorgesehenen politischen Kontext zu setzen. Schöner wäre es gewesen, den Leser*innen zu gestatten, selbst zu denken und die Information eigenständig zu verorten.
Positiv zu verzeichnen ist, dass dennoch Informationen beispielsweise über die Hintergründe der Anime- und Manga-Industrie vermittelt werden. Selbst eingefleischte Fans können hier Neues entdecken. Die vielen Fakten werden in einen geschichtlichen Kontext gesetzt. Mit den kurzen und knappen Absätzen, die schnell zwischen den Themen springen, ist es aber leider nicht einfach, alle Infos aufzunehmen. Dennoch ist es notwendig. Dass hier Profis am Werk sind und nicht „nur“ Fans, merkt man an dem Umgang mit den kritischen Fakten, wie etwa der japanischen Aufarbeitung des zweiten Weltkrieges und dem Umgang mit sexueller und sexualisierter Gewalt.
Besonders gelungen ist das Näherbringungen von Manga und Anime abseits des großen Shōnen- und Shōjo-Kanons. Fans, aber auch Anfänger*innen, können auf 191 Seiten Neues entdecken und ihre Leseliste oder Watchlist erweitern. Durch das kompakte Format ist das Buch leicht mitzunehmen und lädt zum Schmökern unterwegs ein. Die Präsentation in kurzen Absätzen macht es besonders geeignet für Zwischendurch. Das Layout ist klar und übersichtlich, und die Texte sind so geschrieben, dass sie auch für Nicht-Expert*innen verständlich sind, ohne oberflächlich zu wirken.
Die Autor*innen
Die drei Autor*innen sind tief in der Szene verwurzelt und bringen unterschiedliche Perspektiven und Fachkenntnisse mit. Jasmin Dose, eine bekannte Persönlichkeit in der deutschen Manga- und Anime-Community, organisiert die Connichi, eine der größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland. Jan Lukas Kuhn, Manga-Übersetzer, und Stefan Mesch, Kulturjournalist, runden das Trio ab und steuern ihre Expertise als Sprachmittler und Story-Experten bei. Die Verbindung von Wissenschaftlichkeit und Unterhaltung verleiht dem Buch Tiefe und sorgt dafür, dass auch die größten Manga-Enthusiasten noch Neues entdecken können.

Die harten Fakten:
- Verlag: riva Verlag
- Autoren: Jasmin Dose, Jan Lukas Kuhn, Stefan Mesch
- Erscheinungsjahr: 2024
- Sprache: Deutsch
- Format: Softcover 186 mm (Höhe) x 123 mm (Breite)
- Seitenanzahl: 192
- Preis: 10,00 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Verlagseite, Amazon, idealo
Fazit
Unnützes Wissen über Manga und Anime bietet genau das, was der Titel verspricht – ein Kaleidoskop aus skurrilen Fakten und Anekdoten, die in einem gut lesbaren und unterhaltsamen Format dargeboten werden, aber mit Vorsicht zu genießen sind.
Die lockere und humorvolle Art der Darstellung macht das Buch zu einem idealen Begleiter für zwischendurch, und die thematische Vielfalt – von historischen Hintergründen über popkulturelle Referenzen bis hin zu kuriosen Trivia – ist breit gefächert. Besonders positiv hervorzuheben ist der Einsatz der Autor*nnen, ihre Fachkenntnis mit einem erkennbaren Enthusiasmus zu verknüpfen, der an vielen Stellen durchschimmert und das Buch lebendig macht.
Dennoch gibt es einige Schwächen, die erwähnt werden sollten. Beim Marvel-Vorgänger erklärten die Autoren im Vorwort, dass sie Dinge zeigen, die sie spannend finden. Unnützes Wissen über Manga und Anime erklärt aber, dass es sachliche und neutrale Fakten nennen würde. Einige Textstellen hinterlassen aber einen nicht ganz so neutralen Eindruck. Manche Abschnitte wirken sogar bewusst subjektiv, was an einigen Stellen den informativen Gehalt relativiert. Und vor allem der Selbsterklärung widerspricht, anders als im Marvel-Buch.
In manchen Passagen hätte ein tieferer, analytischerer Blick statt reiner Trivia dem Buch zusätzliche Tiefe gegeben. Auch die Kapitelgestaltung, die sich stark auf kurze Absätze stützt, kann den Eindruck hinterlassen, dass der Inhalt manchmal zu sehr „hüpfend“ wirkt und weniger auf einer stringenten Linie erzählt wird.
Alles in allem ist Unnützes Wissen über Manga und Anime dennoch eine lesenswerte Ergänzung für Fans und Interessierte, die auf der Suche nach einem heiteren Zugang zu ihrer Leidenschaft sind. Es lädt zum Stöbern, Schmunzeln und Diskutieren ein, bleibt jedoch eher als unterhaltsames Schmankerl denn als tiefgründige Analyse der Manga- und Anime-Welt in Erinnerung. Wer leichte Unterhaltung sucht, wird nicht enttäuscht, während diejenigen, die nach einer fundierten oder sachlicheren Lektüre suchen, eventuell nicht in vollem Maße auf ihre Kosten kommen.

- Themenvielfalt
- Unterhaltsame Darbietung
- Inhaltlich oft subjektiv
- Fakten, die man selbst fact-checken muss
- Manchmal thematisch oder chronologisch unstrukturiert
Artikelbilder: © riva Verlag
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Rick Davids
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