Gemütlich am Brettspieltisch sitzen, dabei mit Plättchen der Landschafts-Legeliebe frönen, zwischendrin Schachteln mit neuem Spielinhalt öffnen und die wunderschönen Illustrationen im Japan-Thema genießen: All das gibt es bei Dorfromantik: Sakura. Für wen sich der Nachfolger der gelungenen Brettspiel-Umsetzung vom gemütlichen Computerspiel Dorfromantik lohnt, haben wir für euch getestet.
2023 hat sich das erfolgreiche kooperative Brettspiel Dorfromantik – Das Brettspiel die Auszeichnung Spiel des Jahres verdient, ist seitdem über zahlreiche Kassen gegangen und hat viele Brettspieltische mit Plättchen-Spaß belegt. Kurze Zeit später kam mit Dorfromantik – Das Duell eine kompetitive Team-Variante auf den Markt und seit 2024 gibt es mit Dorfromantik: Sakura einen weiteren Teil. Wir haben uns gefragt: Wer braucht das?
keine typischen Trigger
Spielablauf
Der Spielablauf von Dorfromanik: Sakura lässt sich (wie schon bei Dorfromantik – das Brettspiel) in einem Satz zusammenfassen: Aus zwei verschiedenen Plättchen-Stapeln eine große Landschaft legen, um dadurch mit möglichst vielen Punkten neue Inhalte freizuschalten. So heruntergebrochen mag das fast schon langweilig klingen, bringt aber so viel Spielspaß mit sich, dass nach einer Partie sicher schnell die nächste folgt.
Das liegt zum Beispiel an den Aufträgen, die es zu erfüllen gilt. Zu jeder Zeit liegen davon drei in der Landschaft auf dem Tisch. Sie eröffnen auch das Spiel. Dafür werden drei Auftragsplättchen und drei zum entsprechenden Gebiet passende Auftragsmarker gezogen. Diese geben an, aus wie vielen – vier, fünf oder sechs – zusammenhängenden Plättchen das angegebene Gebiet exakt bestehen muss, um den Auftrag zu erfüllen. Aus einem Vierer-Gebiet lässt sich natürlich leichter ein Fünfer- und dann später bestenfalls ein Sechser-Gebiet machen als andersherum (nämlich gar nicht). Deswegen hoffen schon zu Spielbeginn alle gespannt auf gute Auftragsmarker mit niedrigen Werten.

Denn sobald ein Auftrag abgeschlossen wurde, muss ein neuer in die Landschaft integriert werden. Bis dahin werden die Landschaftsplättchen gezogen und regelkonform angelegt: Kante an Kante, Fluss und Straße passend fortsetzend.

Dabei können Optimierer*innen sich voll und ganz ausleben. Neue Gebiete können zum Beispiel für mögliche neue Aufträge vorbereitet und Plättchen wie Puzzleteile symbiotisch aneinandergelegt werden, um das Beste aus allen Hexagon-Pappen herauszuholen. Für alle mit fotografischem Gedächtnis gibt es die gute Regelung, dass zu Beginn des Spiels drei zufällige Plättchen verdeckt aussortiert werden, sodass auch die wahren Profis nichts vorplanen können. Alle anderen spielen einfach gemütlich mit der Zufälligkeit des Plättchenziehens vor sich hin. Das funktioniert wunderbar solo, aber jedes zusätzliche Auge ist hilfreich, vor allem, je mehr freigespieltes Material auf den Tisch kommt. Sicherlich bleibt die Spielenden-Anzahl aber eine Frage des Geschmacks und der Gruppendynamik. Mögliche Probleme mit Alpha-Spielenden regelt das Spiel so: Wer an der Reihe ist, hat die endgültige Entscheidung darüber, wo das aktuelle Plättchen angelegt wird.
Ob solo oder mit mehr Spielenden: Sobald die Landschaft fertig gelegt ist, freuen sich alle über Punkte, die am Ende der Partie auf dem Wertungsbogen notiert werden können. Punkte gibt es bei Spielende zum Beispiel für jeden abgeschlossenen Auftrag, die längste Straße oder den längsten Fluss. Dank der erreichten Punkte dürfen dann auf dem Kampagnenblatt Kreuze gemacht und dadurch weitere Spielinhalte freigeschaltet werden. Auch diese Belohnungen führen zu dem „kurz noch eine Partie“-Gefühl, das sich nach jeder gerade fertig gelegten Landschaft breitmacht. Und dann heißt es: neue Landschaft, neues Glück.
Was ist anders?
Soweit, sogleich. Was macht Dorfromantik: Sakura also anders als sein Vorgänger? Die andere Landschaftsgestaltung mit namensgebenden Kirschblüten oder thematisch eingebetteten Reisfeldern ist sicherlich hübsch, aber das allein wäre als würdiger Nachfolger nicht ausreichend. Das, was den Unterschied macht, steckt in den Schachteln. Mit jeder Partie steigt der Anspruch, der sich nach und nach von dem des Vorgängers abhebt. Viele Ziele gilt es zu beachten, die erfahrene Landschafts-Legende sicher leichter unter einen Hut bekommen als Neulinge und uns dabei nochmal mehr an das digitale Spielgefühl erinnern. Wer einen Spoiler will, kann hier in die Schachtel gucken:

Einer der größten Unterschiede, der schon auf dem Kampagnenblatt ersichtlich ist, sind die Kirschblüten, die dem Spiel seinen Namen geben. Durch freigespielte Inhalte können diese durch gelungenes Plättchenlegen erspielt und dann zum Beispiel genutzt werden, um Kreuze auf dem oberen Teil des Kampagnenblatts zu setzen.
Was bei Dorfromantik – Das Brettspiel die Herzen waren, ist bei Sakura der Tempel. Wurde dieser freigespielt, kann er während einer Partie auf ein Landschafts-Plättchen gestellt werden. Stimmen im weiteren Verlauf die Kanten der angelegten Plättchen überein (zum Beispiel Kirschbäume an Kirschbäume), können weitere Punkte gemacht werden. Anders als bei den Herzen kommt Sakura mit dem Tempel dem Computerspiel noch näher, indem außerdem zusätzliche Plättchen in der laufenden Partie hinzugefügt werden können.
Ausstattung
Dorfromantik: Sakura ist vor allem mit viel hübscher Pappe ausgestattet. Alle Plättchen, Auftragsmarker und weiteres freispielbares Material sind aus stabiler, dicker Pappe und versprechen auch wegen der Illustrationen mit Liebe zum Detail viele Stunden Spielspaß. Außerdem bereichern ein paar hübsche Holzmarker das Spiel.

Im Insert lassen sich alle Plättchen gut sortiert in drei Fächern (Aufträge, Landschaften und Sonderteile) aufbewahren. Auch für die sechs Schachteln mit dem freispielbaren Inhalt gibt es vorgesehene Plätze, sodass alles seine Ordnung behält. Wer das Spiel vertikal im Regal lagert oder auch zum Brettspielabend transportiert und dabei ein Durcheinander vermeiden möchte, muss nicht auf Zipp-Beutel zurückgreifen. Denn das (freigespielte) Material lässt sich auch wunderbar in den Schachteln aufbewahren.
Die Anleitung ist leicht zu verstehen und mit vielen Beispielen versehen. Wer bereits Dorfromantik – Das Brettspiel gespielt hat, kann direkt ohne Regelstudium losspielen und sich nach der ersten Partie mit dem neuen Kampagnenblatt auseinandersetzen. Weil die Anleitung mit so vielen detaillierten und bebilderten Beispielen versehen ist und damit einen schnell verständlichen Standard setzt, erscheinen manche neu hinzukommenden Regeln dagegen recht kurz. Hinten auf dem Regelheft wurde der Platz wertschätzend genutzt, um den Spielemachern Raum zu schenken, über die hier mehr zu erfahren ist.
Die harten Fakten:
- Verlag: Pegasus Spiele
- Autor*in(nen): Lukas Zach, Michael Palm
- Illustrator*in(nen): Paul Riebe
- Erscheinungsjahr: 2024
- Sprache: deutsch
- Spieldauer: 30-90 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: 1 bis 6 (Empfohlen mit 2)
- Alter: ab 10 Jahren
- Preis: circa 40 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon
Bonus/Downloadcontent
Neben der deutschen Anleitung gibt es auch Wertungs- und Kampagnenblatt zum Download auf der Seite von Pegasus Spiele.
Bei BoardGameGeek gibt es einen alternativen Wertungsbogen, auf dem sich 20 Partien übersichtlich auf einem DinA4-Blatt festhalten lassen.
Fazit
Wer schon die Plättchen-Legerei bei Dorfromantik – Das Brettspiel mochte und sich daran erfreuen konnte, immer wieder andere Landschaften zu erschaffen, wird auch mit Dorfromantik: Sakura vollumfänglich Spaß haben. Wie schon bei der ersten Brettspiel-Umsetzung, werden auch hier Optimierer*innen und Gemütlichkeitsspielende gleichermaßen angesprochen.
Denn das Maß an Anforderungen und damit auch das Tempo der Kampagne können die Spieler*innen selbst bestimmen. Wer in einer Partie viele Ziele erfüllt, kann mehr Kreuze machen und damit schneller neue Inhalte freischalten. Wer es lieber gemächlicher mag, hat dafür länger etwas vom Spiel.

Dabei sorgen das kompakte Spielprinzip und das belohnende Bewertungssystem nach nahezu jeder Partie für den Ausruf: “Noch mal!”, was auch durch die vielen schönen Überraschungen und das gute Spielmaterial unterstützt wird.
Dorfromantik: Sakura ist anspruchsvoller als der Vorgänger. Wer zwischen beiden schwankt und es lieber etwas komplexer mag, sollte zu den Kirschblüten greifen. Oder doch lieber erst mit Dorfromantik – Das Brettspiel anfangen, um dann nacheinander “kurz noch eine Partie” zu spielen.
Wir sind jedenfalls Fans beider Brettspiele und haben an Dorfromantik: Sakura nichts auszusetzen, außer vielleicht, dass das Spielfeld manchmal so lebendig sprießt wie eine Wildkirsche. Aber das ist wohl eher ein Tisch-, als ein Spielproblem. Deshalb blühen bei uns fünf von fünf rosaroten Kirschblüten.

- Kompaktes Spielprinzip
- für optimierende und gemütliche Spieler*innen
- mit schönen Überraschungen
- Unplanbares Spielfeld
Artikelbilder: © Pegasus Spiele
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Lidia Strauch
Fotografien: Nele Peetz
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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