Du begeisterst Dich für den Cthulhu-Mythos? Du bist ein*e geborene*r Kult-Führer*in? Du liebst Aufbaustrategie? Dann solltest Du weiterlesen! Mit Worshippers of Cthulhu trägst Du Deinen Teil dazu bei, Cthulhu selbst zu erwecken und die Welt im Chaos neu zu ordnen.
Anno 1602 aus dem Jahre 1998 darf wohl als Begründer der modernen Aufbaustrategie betrachtet werden. Diesem folgten neun unterschiedlich erfolgreiche Titel für PC, Konsole und Mobilgeräte, das letzte davon 2019 mit dem beliebten Anno 1800. 2025 soll dann mit Anno 117 der nächste Teil folgen, der uns in die Antike führen wird. Wer nicht bis dahin warten will, sollte sich Worshippers of Cthulhu anschauen.
Folter, Sklaverei, Tod, Bodyhorror, Blut, Monster
Inhaltsverzeichnis
Ich will einen Kult-Umhang!
Anno 1602 hatte nicht nur zahlreiche Ableger, sondern auch viele Nachahmer. Worshippers of Cthulhu will sich hier nicht einfach einreihen, sondern versucht, dem erprobten Spielsystem einen interessanten Twist zu geben. Wer einen Teil der Anno-Reihe gespielt hat, wird sich schnell zurechtfinden. Es gilt, nach einem Schiffbruch zunächst eine Insel zu besetzen, dort eine Siedlung zu bauen, Ressourcen zu erschließen und seine wachsende Bevölkerung mit allerlei Gütern zu versorgen. Doch schon beim zweiten Blick erkennt man den Unterschied und damit ist nicht nur das ständig regnerische Wetter der Spielwelt gemeint. Ein bekapuzter Berater mit sinisterer Stimme empfiehlt, sich die Insel zu nehmen, um dort einen Kult zu Eroberung der Welt und Befreiung Cthulhus selbst zu schaffen.

Holz, Wolle, Blutopfer
Wie in seinem gedanklichen Vater gibt es auch hier ein komplexes Ressourcensystem, das sowohl dem Bau von Gebäuden, der Befriedigung von Bedürfnissen der Einwohner*innen als auch kultischen Ritualen dient. Bereits bei den Basisbedürfnissen erkennt man schnell, woher die Tentakel schlagen. Mit Holz baut man seine ersten Gebäude, mit Muscheln und Brei, der aus dem angebauten Mais gewonnen wird, füllt man die Mägen der Kultist*innen. Doch was wäre ein*e anständige*r Kultist*in ohne mysteriösen Kapuzenumhang? Recht früh fordern die undankbaren Kultmitglieder nach solch einem Überwurf. Kein Wunder, da es wirklich immer regnet. Damit ist der Ton gesetzt und wenn man Sinn für Makabres hat, führt das schon zu dem ein oder anderen Schmunzler. Angeleitet von einem Berater und später auch einem gesandten Wesen des Erlösers höchst selbst beginnt nun ein wahnsinniges Abenteuer. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es gilt den steten Zustrom Anhänger*innen zu erhöhen, um diese dann wiederum in den verschiedenen Gewerken arbeiten zu lassen, aber auch Glauben, eine der zentralen Ressourcen, zu generieren. Glaube entspricht am ehesten dem Gold anderer Simulationen und wird benötigt, um Gebäude zu bauen, Monster zu beschwören oder finstere Rituale durchzuführen. Mit diesen kann man sich dann neue Möglichkeiten im Spiel freischalten. Apropos Rituale: Mit genau so einem erschafft man auch sein Militär und für diese Rituale benötigt es zum Beispiel auch Blut, welches man wiederum von Opferlämmern gewinnt.
Das ultimative Opfer
Was wäre so ein schöner Kult ohne Opfer? Bereits spektakulär anzuschauen sind Opferungen ritueller Gegenstände, grausig wird es beim Erschaffen von Monstern. Denn stilecht baut man hier keine klassische Armee auf, um armen Ungläubigen den Garaus zu machen, sondern beschwört Monster. Doch diese werden nicht einfach herbeigerufen, sondern erfordern nebst Ressourcen, wie Blut und Glaube, auch eine*n „Freiwillige*n“, der dann nach ordentlichem Ritus in ein vorher ausgewähltes Monster mutiert.

Wahnsinn mit System
Ein erheblicher Teil des Spiels entfällt auf cleveres Ressourcenmanagement. Welche Ressource benötige ich zur Herstellung welcher Ware? Wo gilt es, Engpässe zu vermeiden, und wie kann ich Transportwege optimieren? Auch in Worshippers of Cthulhu braucht es besondere Gebäude, um seine Anhänger*innen zufriedenzustellen, doch statt einer Kirche ist es ein Tempel und statt dem Theater die Umerziehungsstätte, um Gefangene zu bekehren. Hier ist der Unterschied zu anderen Aufbausimulationen marginal. Wie so oft sind es aber die Details. Den Gewerken werden feste Arbeiter*innen zugewiesen, die auch alle einen initialen Beruf haben. Jeder kann im Grunde alles, nur eben nicht so gut, wie wenn es gelernt wurde. Aber kein Problem, in der Zeremonienhalle kann mit einem finsteren Ritual, bei dem mit einem Messer okkulte Zeichen in die Haut des*der Kultist*in geritzt werden, die Profession geändert werden.

Für den militärischen Teil spannend ist, dass beschworene Monstrositäten in unserer Welt nicht ewig existieren, sekündlich schwindet die Lebenskraft und man kann also nicht einfach eine riesige Armee aufbauen und dann zuschlagen. Hier wird taktisch durchaus etwas abverlangt, denn jedes Monster kostet nicht nur Anhänger*innen, sondern auch erhebliche Ressourcen. Gekämpft wird in Echtzeit gegen andere Inseln, die noch nicht die Herrlichkeit von Tentakeln erkannt haben. Gefechte finden dabei nur auf See statt bzw. von See gegen Ziele an Land. Zerstört man den feindlichen Hafen, fällt auch die ganze Stadt und man darf die Insel besiedeln. Der Kampf ist so zwar etwas taktischer als bei Genre-Verwandten, bietet aber auch keinen allzu großen Tiefgang.

Im Story-Modus gilt es zudem noch spezielle Kultstätten zu erobern und man wird regelmäßig vor Entscheidungen gestellt, die unterschiedliche Auswirkungen haben. Zusätzlichen Druck gibt hier auch noch Cthulhus Geduldsbalken, der mit der Zeit abnimmt, jedoch durch Handlungen im Spiel auch wieder gefüllt werden kann. Ist der Balken jedoch auf 0, ist das Spiel verloren. Wem das zu stressig ist, kann diese Mechanik aber jederzeit an- und ausstellen.

Die Grafik ist schön anzusehen, wenn auch nicht mehr ganz zeitgemäß, dafür aber auch nicht so ressourcenhungrig. Einzig das ständige Regenwetter wird mit der Zeit fad, wie auch der etwas eintönige, aber stimmige Soundtrack.
Das Spiel befindet sich im Early Access, sodass noch nicht alle Story- und Spielelemente verfügbar sind. Performance-Probleme gab es in mehreren Testspielen zu keiner Zeit.
Die harten Fakten:
- Entwicklerstudio: Crazy Goat Games
- Publisher: Crytivo
- Plattform: PC
- Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
- Mindestanforderungen:
- Betriebssystem: Windows® 10 (64-bit)
- Prozessor: Intel i5-4460 3,2 GHz oderAMD Ryzen 3 1200 3,1 GHz, 8 GB RAM, NVIDIA GTX 670 2 GB VRAM oder AMD Radeon R9 270X 2 GB VRAM
- 10 GB verfügbarer Speicherplatz
- Genre: Aufbaustrategie
- Releasedatum: Oktober 2024 (Early Access)
- Spielstunden: 20+
- Spieler*innen-Anzahl: 1
- Altersfreigabe: FSK16
- Preis: 14,99 (MMOGA)
- Bezugsquelle: MMOGA, Steam
Fazit
Wer Anno mochte, wird Worshippers of Cthulhu schnell ins Herz schließen. Obwohl noch im Early Access, ist der lovecraftsche Horror gut spielbar und bietet interessante neue Elemente für das Genre. Sicher nichts Bahnbrechendes, aber schöne Ideen, die den Cthulhu-Mythos schön in dieses Spielgenre einfügen. Ein bisschen Grausamkeit sollte man schon vertragen können, denn hier ist man nicht ein*e nette Fürst*in. Hier dient man dem Bösen und das sollte einem bewusst sein. Dennoch stellt das Spiel einem auch immer wieder vor die Frage, ob es immer grausam sein muss oder auch andere Wege zum Ziel führen. Denn wer es mit Bösartigkeit übertreibt, findet sein Inselreich schnell in Scherben wieder und Cthulhu ist kein gnädiger Gott. Wer sich unsicher ist, findet auch eine Demo-Version, was fast schon eine Seltenheit ist. Diese bietet ausreichend Spielzeit und Spieltiefe, um festzustellen, ob einem das Spiel gefällt. Einziger Wermutstropfen bleiben die triste Grafik und der etwas fade Soundtrack. Aber das Spiel ist eben auch noch im Early Access.

- Interessante Mechaniken
- Spannendes Kampfsystem
-
Fade Grafik und Sound
Artikelbilder: © Crytivo
Layout und Satz: Konstantin Paessler
Lektorat: Gloria Puscher
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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