Die Jagd nach den Großen Alten geht weiter. Während sich andere halb wahnsinnig in eine Ecke verkriechen, blasen wir bei Death May Die zum Angriff auf die kosmischen Entitäten, die Schrecken über die Menschheit bringen wollen. Bis uns der Tod oder der Wahnsinn verschlingen, ist das ein großes Abenteuer.
Inzwischen hat das Spiel rund um den Großen Alten, der schlafend in R’lyeh liegt, bereits sechs Jahre auf dem Buckel. 2019 berichteten wir bereits über Cthulhu – Death May Die. Damals erhielt das Spiel die Höchstnote. Nun liegt uns die vierte Erweiterung vor.
Der Cthulhu-Mythos von H.P. Lovecraft erfreut sich unter Freund*innen des Cosmic Horror-Genres nach wie vor großer Beliebtheit. Man kann sagen, Cthulhu ist Teil der Nerd-Popkultur geworden. Unbenommen geht von dem literarischen Meisterwerk eine starke Faszination aus, da es, obgleich in den 1920er-Jahren des letzten Jahrhunderts geschrieben, stilistisch recht modern daherkommt.
Ist das Spiel nach all den Jahren immer noch so gut, oder konnten ihm andere Genrevertreter*innen den Rang ablaufen? Was es nach wie vor gut macht, wo seine Schwächen liegen und was für die Zukunft zu hoffen bleibt, möchten wir euch im folgenden Artikel näherbringen.
keine besonderen Trigger
Inhaltsverzeichnis
Spielablauf
Nach sechs Jahren und der vierten Erweiterung können wir sagen, dass Death May Die nach wie vor ein hervorragendes Spiel ist, obwohl es mit der Tradition klassischer Lovecraft-Spiele, wie Villen des Wahnsinns bricht. Während andere Titel auf schleichenden Wahnsinn und Hoffnungslosigkeit setzen, liefert Death May Die ein explosives Action-Spektakel, das sich eher wie ein spielbarer Blockbuster anfühlt.
Die Spielenden übernehmen die Rolle von Ermittler*innen, die den kultistischen Machenschaften der Anhänger*innen der Großen Alten auf die Schliche gekommen sind. Mit ihren individuellen Fähigkeiten rücken sie den Bestien, in bester Actionheld*innen-Manier, unter Einsatz von Feuerwaffen und Magie gehörig auf die Pelle.

Die vierte Staffel enthält sechs neue spielbare Episoden. Häufig handelt es sich um Aufgaben wie Rituale zu unterbrechen oder Beweise zu sammeln. Gelingt es den Ermittler*innen, das Ziel zu erreichen, erscheint der Große Alte und kann angegriffen werden.
Hier kommen wir zu einem der größten inhaltlichen Knackpunkte des Spiels: der Entmystifizierung der Großen Alten. Diese werden im Cthulhu-Mythos unantastbar wie alte Götter dargestellt. Bei Death May Die rücken die Ermittler*innen den übermächtigen Monstern tatsächlich zu Leibe und töten diese sogar schlussendlich. Hier bricht das Spiel bewusst mit der Vorlage. Wer auf ein thematisch tiefgreifendes Spielerlebnis hofft, wird in mehrerlei Hinsicht enttäuscht sein. Denn außer Flavor-Texten zu den Investigator*innen oder den Großen Alten findet sich nicht viel Story im Spiel. In der vierten Erweiterung sind wenigstens kleinere Erklärungen zu den Episoden in den Regeln enthalten.

Dafür ist die Action und das kooperative Spielerlebnis, auf das man sich einlässt, hervorragend umgesetzt. Das Spiel bleibt bis zum letzten Augenblick hochspannend, denn die Episoden sind so gestaltet, dass die Spielenden immer unter enormen Zeitdruck gesetzt werden. Einen spannenderen Spielverlauf haben wir selten erlebt.
Es stehen zudem viele Ermittler*innen zur Verfügung, die sich durch ihre individuellen Fähigkeiten unterschiedlich in die Spielgruppe einbinden lassen. Außerdem kann man die Episoden mit allen verfügbaren Bossen mischen und erhält dadurch einen hohen Wiederspielwert.

In den meisten Cthulhu-Spielen ist Wahnsinn das Ende. Hier ist er der größte Verbündete, solange man nicht übertreibt. Bei den Würfelproben auf Aktionen und Angriffe sammelt man langsam Wahnsinnspunkte. Ist ein bestimmter Schwellenwert erreicht, wird die Ermittler*innen-spezifische Psychose ausgelöst. Dies kann gravierende Nachteile für die eigenen Kolleg*innen bedeuten, richtig eingesetzt kann es aber auch eine mächtige Waffe darstellen. Nur wenn man den Verstand verliert, wird man mächtig genug, um die Großen Alten zu töten. Denn mit jedem Zusammenbruch wird eine Fähigkeit im Level gesteigert, um den Endgegner besser erledigen zu können. Ist der Marker jedoch am Ende der Leiste angekommen, stirbt der Charakter. Das ist ein hervorragendes Push Your Luck Element.

Besonders der Große Alte Nyarlathotep, der im Zentrum der vierten Staffel steht, hat es in sich. Er präsentiert sich in menschlicher Form und attackiert die Ermittler*innen von Anfang an, verwandelt sich jedoch später in seine wahre Gestalt, sobald das Ritual durchbrochen wurde.
Mit sechs weiteren Ermittler*innen kommt noch mehr Varianz ins Spiel. Mit Sylvia befindet sich, spannenderweise, sogar eine Ex-Kultistin unter ihnen.

Zu Beginn eines jeden Szenarios befinden sich alle Gegner*innen bereits offen auf dem Spielplan. Seit Staffel drei gibt es die sogenannten verdeckten Monster, die erst später auf den Plan treten, was zusätzlich für Spannung sorgt. Auch die neuen Artefakte, die den Investigator*innen zur Verfügung stehen, sorgen für mehr Varianz. Außerdem sind die Standardgegner*innen, wie beispielsweise die Albinopinguine, stärker als in den vorherigen Erweiterungen. Diese sind zum Teil mit starken Reaktionsfähigkeiten ausgestattet, die das blinde Hineinlaufen in Kampfsituationen schnell ungemütlich werden lassen.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass Death May Die ein hervorragendes Actionspiel im Cthulhu-Universum ist. Die Regeln sind bewusst einfach gehalten und man kann sehr zügig losspielen.
Diejenigen, die viel Story und Hintergrund erwarten, werden es nach wie vor enttäuschend finden. Wer knallharte, kooperative Action sucht, ist aber bei Death May Die hervorragend aufgehoben.
Ausstattung:
Die Ausstattung ist auch in der vierten Erweiterung mehr als lobenswert. Neben zwei Großen Alten liefert das wuchtige Spielpaket sechs neue Ermittler*innen und sechs weitere Episoden, die darauf warten, gemeistert zu werden. Alles in allem ist die Qualität des Spielmaterials hervorragend. Besonders die fein gestalteten Miniaturen sind, wie von CMON nicht anders zu erwarten, mit das Beste, was man zurzeit in diesem Spielsegment finden kann.
Die Anleitung ist gut geschrieben, auch wenn wir uns gewünscht hätten, dass Regelfeinheiten etwas gesondert zusammengefasst wären. Dies würde das Suchen nach spezifischen Regeldetails maßgeblich verringern und die Einstiegshürde, auch wenn diese ohnehin nicht sonderlich hoch ist, senken. 
- Verlag: Asmodee / CMON
- Autor*in(nen): Rob Daviau, Marco Portugal
- Erscheinungsjahr: 2024
- Sprache: Deutsch
- Spieldauer: 90 – 150 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: 1 bis 4 Personen, am besten mit 3 Spielenden
- Alter: ab 14 Jahren
- Preis: ca. 140 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel
Bonus / Download-Content: Auf Boardgamegeek finden sich vielen Fan-Erweiterungen und Addons zu Cthulhu Death May Die.
Fazit:
Auch nach sechs Jahren und vier Staffeln bleibt Cthulhu: Death May Die eine Klasse für sich. Wer auf ein thematisch tiefgreifendes Erlebnis mit viel Story-Hintergrund hofft, wird zwar nach wie vor enttäuscht, doch das will das Spiel auch gar nicht leisten. Wo klassische Genre-Vertreter wie Villen des Wahnsinns auf die Hoffnungslosigkeit der Vorlage setzen, zündet Death May Die ein actiongeladenes Spektakel, bei dem die Ermittler*innen den Großen Alten in bester Actionheld*innen-Manier ordentlich auf die Pelle rücken.
Die bewusste Entmystifizierung der Großen Alten bleibt der größte Knackpunkt für Purist*innen, ist aber gleichzeitig der Motor für das hervorragende, kooperative Spielerlebnis. Dass man die übermächtigen Gegner*innen hier tatsächlich töten kann, bricht zwar mit der Vorlage, sorgt aber für einen spannenden Spielverlauf bis zum letzten Augenblick. Besonders clever ist die Mechanik des Wahnsinns gelöst: Er ist nicht das Ende, sondern der größte Verbündete. Nur diejenigen, deren Charaktere langsam den Verstand verlieren, werden mächtig genug, um einen Großen Alten zu bezwingen.
Mit der vierten Staffel wird die Varianz nochmals spürbar erhöht. Nyarlathotep bringt durch seine frühe Präsenz auf dem Plan neuen Druck ins Spiel, während neue Gegner*innen wie die Albinopinguine mit ihren Reaktionsfähigkeiten taktisches Fingerspitzengefühl fordern. Zusammen mit den neuen Episoden, den zusätzlichen Ermittler*innen und der gewohnt erstklassigen Ausstattung von CMON, allen voran den fein gestalteten Miniaturen, ist der Wiederspielwert enorm hoch.
Wer knallharte Action und ein zügiges, hochspannendes Spiel sucht, kommt auch 2025 an Death May Die nicht vorbei. Es ist und bleibt ein hervorragendes Actionspiel im Cthulhu-Universum.
Wir vergeben 5 von 5 Alten Zeichen.

- Knallharte Action
- Großartige Miniaturen
- Sehr spannender Spielverlauf
- Wenig thematisch
- Teuer
Artikelbilder: © Asmodee / CMON
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Giovanna Pirillo
Fotografien: Andreas Memmert
Das Spiel wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.



















Der Artikel beschreibt sehr gut unser Erlebnis mit dem Spiel. Es gibt einiges an Action und Überraschungen während des Spieleverlaufes.
Alles in allem hatten wir sehr viel Spaß bei der ersten Runde in der wir den großen Alten fast erledigt hatten.
Auch wenn der Preis echt eine Hausnummer ist, so ist es das Spiel aber schon auch wert.