Ist es „weird“, eine Schwäche für skurrile Charaktere zu haben? Gerade in dem Manga DR. SLUMP und dem Comic Die Gruftis zeigt sich, dass genau diese Kultstatus erlangen können, und dass seltsame Umstände auch zu merkwürdigen Abenteuern führen, die ein atemberaubendes Lesevergnügen ergeben – entweder vor Lachen oder vor Grusel!
Blut, Tod, Verletzung, Mobbing, abstrakte und explizite Gewalt
Inhaltsverzeichnis
DR. SLUMP – Band 1 und 2 (Massiv 1)
Handlung
Senbei Norimaki ist ein genialer, aber auch chaotischer Erfinder. Er lebt alleine und erschafft sich eines Tages einen perfekten Androiden – Arale ist da! Warum genau er sich einen mädchenhaften Roboter baut, ist nicht ganz klar, doch schon zu Beginn der Story stolpert er in allerlei Peinlichkeiten hinein und bemerkt, dass Arale nicht nur ganz eigene Vorstellungen von sich, sondern dazu noch eine eigene Meinung hat! Dass Arale mit ihrem unbedarften, weltfremden Charakter und ihrer körperlichen Wahnsinnskraft aneckt, sorgt ebenfalls für aberwitzige Situationen. Sie kann zum Beispiel weit werfen und hat unglaublich viel Kraft in den Armen. Außerdem liebt sie Monster und hat überhaupt keine Angst.
Dennoch übernimmt sie auch Verhaltensweisen aus ihrem Umfeld und vergleicht sich (vor allem körperlich) mit anderen weiblichen Personen. Über Senbei erfahren wir, dass er ein kleiner Lüstling ist, der einerseits total unsicher bei Frauen ist, aber auch sehr neugierig ist, wie ein Frauenkörper eigentlich aussieht. Das sorgt für ein paar unangenehme und schlecht gealterte Szenen im Buch.
Ansonsten baut sich die Story fortlaufend über die vielen Kapitel auf und greift Momente aus dem Alltagsleben des ungleichen Duos auf. Arale findet schnell ein paar genauso merkwürdige Freund*innen, und auch eine Art Geschwisterchen bekommt sie im Laufe der Geschichte. Einmal wird Arales Schulleben mit ihren Freund*innen thematisiert, ein anderes Mal eine Zeitreise, die ihnen dank einer Erfindung Senbeis ein unglaubliches Abenteuer beschert. Insgesamt strotzen die Storys nur so vor lustigen Erfindungen, Situationskomik und witzig gezeichneten Szenen. Arale ist trotz ihres abnehmbaren Roboterkopfs und ihren unmenschlichen Kräften ein liebenswertes Geschöpf, das oft Unfug anstellt – und darin ihrem Erfinder (und „Vater“) in der Story gleicht.
Bonus: Nach jedem Kapitel gibt es Fehlersuche-Bilder, Sammelkarten, Zeichen- oder sogar kleine Bastelanleitungen, jedenfalls immer ein netter und erfrischender Einfall, der das bunte Chaos und den Erfindergeist sowohl von Norimaki als auch des Autors wunderbar widerspiegelt.

Zeichenstil
Akira Toriyama dürfte den meisten wegen der legendären Dragon Ball-Serie und des Mangas bekannt sein. Der Zeichenstil ist sauber, handgezeichnet (traditionell mit Tinte, wir sprechen hier von einem Werk aus den 80ern) und trägt dank seiner überzeugend und übertrieben dargestellten Gestik und Mimik und den kleinen Sidenotes zur liebenswerten Albernheit des Manga bei. Die Zeichnungen sind lebendig und humorvoll, mit vielen Schwarz-Weiß-Kontrasten. Auf einer Seite wird sogar das Handwerkszeug des Zeichners und Autors aufgeführt (mit Bildern natürlich), und jedes Kapitel hat eine eigene, einzigartige Illustration erhalten.
Die harten Fakten
- Verlag: Carlsen Manga
- Autor*in(nen): Akira Toriyama
- Zeichner*in(nen): Akira Toriyama
- Seitenanzahl: 368
- Preis: 5 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon
Die Gruftis
Handlung
Clara und Colins Eltern sind Bestatter und pflegen einen Friedhof mit modernen Gräbern und alten Gruften. Leider finden das die Mitschüler*innen der beiden total schräg, und sie werden daher gemieden und verspottet. Zu allem Unglück haben ihre Eltern eine stressige Phase und sind eher unfreundlich und kalt zu ihren Kindern. Da ist es kein Zufall, dass sie in Pitti, dem lokalen Graveur, einen Freund finden, denn er lässt ihren Hang zum Fantasieren und Herumblödeln nicht nur zu, sondern erzählt ihnen auch abenteuerliche Gruselgeschichten um sie aufzumuntern.
Eines Tages zeigt er ihnen auf dem Friedhof daher ein merkwürdiges eingeritztes Zeichen auf einem Grabstein. Der Abenteuerdrang der beiden Geschwister ist sofort geweckt. Doch nie im Leben hätten sie sich ausgemalt, dass sie in ein gefährliches Krimi-Komplott hineingezogen werden und ihr Leben auf dem Spiel steht!
Sie knacken den Code, der hinter dem geheimen Zeichen steckt, und entdecken einen echten Schatz in einer alten Gruft. Doch da ist auch eine Menge Blut, und irgendwas wurde an dem Grab verändert. Clara und Colin merken nicht, dass ihre Ermittlungen beobachtet werden. Zu allem Überfluss sind ihre Eltern absolut verärgert über ihre Kinder, als sie dem Fund nachgehen und dabei nur noch Beweismittel zu Lasten der Kinder vorgefunden werden. Aber Colin und Clara lassen nicht locker, vor allem da plötzlich Pitti verschwindet und dieser ihr erster Verdächtiger wird. Dass ein eigentlich harmlos erscheinender Charakter bereits Jagd auf sie macht, ist ihnen nicht klar… In diesem gruseligen Krimi wird ein Familiendrama gezeigt, in dem eine realistische Geschwisterbeziehung dargestellt wird, die sich auch mal streiten, im Notfall aber auf jeden Fall zusammenhalten.
Clara und Colin sind sehr mutige Kinder, die zwar ein wenig skurril und frech sind, aber für die Gerechtigkeit und Ehre des Friedhofs kämpfen und zeitweise nicht mal von ihren Eltern ernst genommen werden. Mit ihrer überaus großen Fantasie kommen sie den zwielichtigen, bösartigen Tätern auf die Spur und merken, dass sie viel stärker sind, als sie vermutet haben.

Zeichenstil
Mazé zeichnet kräftig mit orange-blauen Stiften und einem zackigen Strich. Sie hat ein beeindruckendes Gespür für große und actionreiche Szenen, und die Farbpalette ist schön einladend. Sie schafft es, verschiedene Stimmlagen und die Atmosphäre durch verschiedene Wortlautmalerei oder auch sehr variable Sprechblasen darzustellen. Das Cover ist eher unscheinbar, was einen im Comic erwartet ist eine gruselig-spannende Atmosphäre, die einen in den Panels nur so durchs Geschehen zieht.
Die Zeichnerin arbeitet mit Sepia (zum Beispiel für Rückblenden), Schraffuren, Texturen, die die Szenerien lebendig machen. Mit überzeugend dargestellter Mimik drückt sie auch die vielen verschiedenen Gefühle und Regungen im Comic aus. Die zum Teil warme, zum Teil düstere Farbgebung macht das Lesen zu einem abwechslungsreichen Vergnügen. Am Ende gibt es noch ein paar Skizzen der Charakterdesigns und eine ausführliche Widmung der Autorin.
- Verlag: Splitter-Verlag (Toonfish)
- Autor*in(nen): Léa Mazé
- Zeichner*in(nen): Léa Mazé
- Seitenanzahl: 240
- Preis: 39,95 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon
Fazit des Monats
Was beide Comics vereint, ist, dass sie nicht unbedingt für Kinder gemacht sind, oder eben vor allem für ältere Kinder. Die sexuellen Andeutungen und leichten Tabuthemen (unter anderem Fäkalhumor) wie in DR.SLUMP und die zum Teil gewaltvoll-gruseligen Szenen in Die Gruftis sprechen sicher nicht jede*n an. In beiden Fällen sind die Protagonist*innen Weirdos, die jedoch grade durch ihre aneckenden Eigenschaften interessant sind und einfach „ihr Ding“ machen. Die Gruftis ist ein spannender Krimi mit Gruselfaktor und einer Prise Psychothriller, in dem die Storyline sehr ereignisreich aufgebaut ist. DR.SLUMP überzeugt durch skurrile Erfindungen und Slice-of-Life-Erzählungen mit einer dicken Schicht Übermut, Blödeleien und abstrusen Einfällen. Zwei völlig unterschiedliche, gezeichnete Werke für alle, die Geschichten über merkwürdige und absurde Charaktere lesen möchten!
- Bestens für die Lachmuskeln und geniale Einfälle (DR. SLUMP)
- Spannend und sehr temporeich (Die Gruftis)
- Geniale Zeichnungen (beide Werke)
- Viele Szenen leicht sexistisch und albern (DR. SLUMP)
- Teils zu erwachsene Gewalt (Die Gruftis)
Artikelbilder: © Carlsen-Verlag, Splitter-Verlag
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Rick Davids
Fotografien: Verena Tribensky
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