Mit dem neuen Comic Predator 2: Das Reservat eröffnet Panini Comics die Jagdsaison. Diesmal haben die jagdbesessenen Predator-Aliens einige der gefährlichsten Menschen der Welt in ein Reservat auf einem fremden Planeten gesteckt. Können die Menschen im Heimrevier der Aliens den Spieß umdrehen und die Jäger zu Gejagten machen?
Der erste Band der neuen Predator-Comics war ein schwacher Start für die neue Predator-Ära. Die Grundidee, dass die Überlebenden einer Predator-Jagd aus Rache wiederum die Predators jagt, war zwar eigentlich solide, aber nicht gut ausgeführt. Predator 2: Das Reservat will weniger Experimente wagen und sich an einem der besten Predator-Filme orientieren: Predators von 2010. Gelingt der neue Ansatz?
Gewalt, Verstümmelung, Tod von Protagonist*innen, Gefangenschaft
Handlung
Der Comic beginnt tatsächlich wie der Film Predators im Schnelldurchlauf. Eine zusammengewürfelte Gruppe von Soldat*innen, Söldner*innen und sonstigen Killer*innen flieht durch einen Dschungel. Sie werden von Predators verfolgt – brutalen, echsenartigen Aliens, deren Lebenszweck die ehrenvolle Jagd auf „würdige“ Beute ist. Nachdem einige der Menschen der ersten Verfolgungswelle entkommen, zeigt sich aber der erste Unterschied zum Film: Alle stammen aus einem anderen Jahr. Der gutmütige englische Mafiakiller Allen wurde 1987 aus seinem Pub entführt, der US-Soldat Beau 1997, die PALF-Mitglieder Isla und Lucas 2022 und der zwielichtig Kiyoshi Yakusbo sogar 2055.
Isla und Lucas gehören zur PALF, der Regierungsorganisation, die im Film Predator: Upgrade von 2018 auf der Erde gegen Predators kämpft. Daher können sie den anderen die Predators erklären – ein elegant eingebauter Loredump, der auch Neuleser*innen in das Setting einführt. Dabei stellt sich heraus, dass die Predators für ihre Jagdreservate nicht mehr nur Leute entführen, die sie als „würdige“ Beute ansehen. Sie legen die Leute in den Kryoschlaf, sozusagen auf Vorrat, und frieren sie nach Bedarf und in beliebiger Kombination wieder auf. Das ist eine coole Erweiterung der Jagdreservats-Idee aus dem Film Predators und bietet viel Potenzial für spannende Kombinationen von Überlebenskämpfer*innen.
Kurz danach kommen Theta Berwick und ihr Kumpan Paolo auf dem Jagdplanet an. Ihr Ziel ist aber in erster Linie nicht die Rettung der Gejagten, sondern die Predators auszulöschen. Zwischen den Menschen kommt es daher bald zu Spannungen: Einige wollen sofort fliehen, einige Theta helfen und alle misstrauen einander. Bald geht es nicht nur um einen Kampf gegen die Predators, sondern auch um das Überleben untereinander.
Insgesamt ist Predator 2: Das Reservat eine deutliche Verbesserung gegenüber dem ersten Band. Die Gruppe der sehr unterschiedlichen Superkiller, die sich gegenseitig misstrauen, funktioniert deutlich unterhaltsamer als Theta zuvor. Theta selbst hat sich aber auch deutlich gebessert. In den fünf Jahren, die seit den Ereignissen von Predator 1: Tag des Jägers vergingen, ist sie deutlich reifer geworden. Sie ist immer noch keine sympathische Person, aber jetzt funktioniert sie gut als genau der Typ Figur, als die sie eigentlich gedacht war: die grimmige, von Rache getriebene Veteranin. Der Wissenschaftler Paolo, den sie im ersten Band kennenlernte, ist ihr auf ihrem Kreuzzug gegen die Predators beigetreten und fungiert quasi als ihr Gewissen. Zusammen sind sie ein passendes Protagonist*innen-Team für die Predator-Comics.
Predator 2: Das Reservat ist 30 Seiten kürzer als der erste Band, besteht im Original aus fünf statt sechs amerikanischen Heften. Das ist aber eindeutig besser, denn diesmal ist die Handlung straff und spannend, ohne die gedehnten Leerstellen des ersten Bands. Kev Walkers Zeichnungen im ersten Band wirkten damals gut, schneiden im Rückblick aber um einiges weniger gut ab. Walker ist ein kompetenter Zeichner, sein cartoonhaft-stilisierter Stil passt aber deutlich schlechter zu Predator-Comics als der von Netho Diaz. Diaz zeichnet realistisch und detailliert, lässt der Action viel Platz, um sich zu entfalten. Passend für einen Predator-Comic gibt es dabei explizite Gewaltszenen. Dabei nehmen die hellen Farben und der leicht cartoonhafte Touch aber die schlimmsten Ekelmomente. Predator 2: Das Reservat ist nicht ohne, bleibt aber passend im Stil von 80er-Jahre-Actionfilmen mit ein paar härteren Momenten, ohne übermäßig grotesk-brutal zu werden.
Die harten Fakten:
- Verlag: Panini
- Autor*in(nen): Ed Brisson
- Zeichner*in(nen): Netho Diaz
- Erscheinungsjahr: 2024
- Sprache: Deutsch/Englisch
- Format: Softcover
- Seitenanzahl: 132
- Preis: 16 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini Comics, idealo
Fazit
Predator 2: Das Reservat ist eine eindeutige Steigerung zum ersten Band. Die neue Idee ist gut, aber besser ausgeführt. Die Handlung fließt besser, ohne Pausen oder unpassende Momente, wo sich Charaktere unlogisch dumm verhalten, um den nächsten Schritt der Handlung zu erzwingen. Es gibt nicht nur mehr Charaktere, diese sind auch noch besser und interessanter geschrieben. Theta Berwick war im ersten Band eine unangenehme Versagerin. In Predator 2: Das Reservat wurde sie aber zu einer coolen Anti-Heldin, die ihre Führungsrolle in den Predator-Comics verdient hat. Für Predator-Fans, die so etwas interessiert, bietet Predator 2: Das Reservat einige harmlose Anspielungen auf die Ereignisse der Filme, die das Comic besser in das Franchise integriert.
Insgesamt ist Predator 2: Das Reservat nichts Einzigartiges oder Herausragendes, aber gute, solide, gekonnte Genre-Unterhaltung. Fans von Science-Fiction-Action oder Predator machen hier nichts falsch. Außerdem macht der Comic Hoffnung, dass der dritte Band die gute Qualität weiter hält.

- Spannende Story
- Gute Zeichnungen, gerade realistisch genug
- Genrestandard, geht keine großen Wagnisse ein
Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel Comics, Disney
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Alexa Kasparek
Fotografien: Paul Menkel
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