Die Panzerschlachten auf dem Planeten Tallarn sind unter den Fans der Horus Heresy-Reihe legendär. Der Panzerkrieg auf dem verseuchten Planeten bildet den Hintergrund für den zweiten Themenband von Legions Imperialis. The Devastation of Tallarn bietet eine actionreiche Hintergrundgeschichte, aber vor allem eine Reihe neuer Spielarten und Regelergänzungen.
Wie es aussieht, lässt Games Workshop alte Angewohnheiten wieder aufleben und so finden sich auch in diesem Band wieder exklusiv Spielwerte neuer Einheiten, die Spieler*innen sonst nur auf ebenfalls kostenpflichtigen Datenkarten finden. Neben den neuen Detachments und Formationen bietet das Buch eine Reihe witziger Zusatzregeln und Kampagnenmöglichkeiten. Diese sind zwar unterhaltsam aber nicht unbedingt bahnbrechend. Zumindest in Teilen beziehen sie sich auf die Hintergrundgeschichte. Und diese ist, wie könnte es anders sein, voller Tod und Verderben.
Keine bekannten Trigger
Inhaltsverzeichnis
Viren, Panzer und Kanonen – die Hintergrundgeschichte
Wie geneigten Leser*innen sicher schon aufgefallen ist, knüpfen die Geschehnisse nicht an den ersten Band The Great Slaughter an, sondern findet zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort statt.
Tallarn, ein blühender Agrarplanet und eine bedeutende Ressource für das Imperium, scheint auf den ersten Blick kein vorrangiges Ziel in der Horus-Häresie zu sein. Doch Perturabo, der grausame Primarch der Iron Warriors, hat andere Pläne. Er vermutet, dass sich auf Tallarn eine mächtige Waffe befindet, welche für den Ausgang des tobenden Bürgerkriegs von immenser Bedeutung sein könnte. Diese Vermutung treibt ihn dazu, mit Virusbomben einen der verheerendsten Angriffe in der Geschichte des Krieges zu starten.
Innerhalb von Minuten wird alles Leben auf der Planetenoberfläche ausgelöscht. Die einst fruchtbare Landschaft verwandelt sich in eine verseuchte lebensfeindliche Wüste. Millionen von Menschen sterben, und die wenigen Überlebenden flüchten sich in unterirdische Bunkeranlagen, während die Atmosphäre des Planeten unbewohnbar wird.
Nachdem das Virus seine zerstörerische Wirkung entfaltet hat, landen die Truppen der Verräterlegionen auf dem verwüsteten Planeten. Doch der Planet ist nicht so wehrlos wie gedacht. In den weitreichenden Bunkeranlagen formieren sich die überlebenden planetaren Verteidigungskräfte zu einem schlagkräftigen Widerstand. Stationierte loyale Astartes organisieren gemeinsam mit verbliebenen Solar Auxilia eine verzweifelte Verteidigung. Sie nutzen die Ruinen der Städte und die unterirdischen Bunkersysteme, um den Invasoren einen hohen Blutzoll abzuverlangen.
Vom Virus verseucht, der sich sogar durch die Rüstungen der Space Marines frisst, sind es vor allem Panzerregimenter, die sich in den verwüsteten Weiten und städtischen Ruinen Tallarns gegenüberstehen. In diesen brutalen Panzerschlachten wird jeder Meter Boden hart umkämpft. Die Wüsten von Tallarn werden von den Kettenfahrzeugen zerrissen, während Artillerie und Laserfeuer die Luft durchschneiden. Am Ende bleibt der Planet zwar in der Hand der Loyalist*innen, jedoch bis zur Unkenntlichkeit zerstört als Schatten seiner selbst zurück.
Neben einer generellen Übersicht vermittelt der Band punktuell auch detaillierte Einblicke in konkrete Schlachten. Insbesondere die Schlacht um Sapphire City wird mit einer genauen Abfolge von Manövern und dazugehörigem Kartenmaterial dargestellt. Die beschriebenen Erzählungen werden lebendig geschildert und halten gute Unterhaltung wie auch Inspiration für die eigenen Spiele bereit. Generell bleibt die Geschichte aber oberflächlich und stark verkürzt, was sonst auch den Rahmen des Bandes sprengen würde. Wer umfassend in die Ereignisse einsteigen möchte, wird um den Band Tallarn: Der Krieg um eine tote Welt nicht herumkommen, der als Band 45 in der Buch-Reihe Horus Heresy erschienen ist.
Die Panzerschlachten von Tallarn – Kampagnen, Missionen und Erweiterungen
Wie schon der vorangegangene Band enthält auch Legions Imperialis. The Devastation of Tallarn einige Kampagnenvorschläge und Zusatzregeln bereit.
Von Festungen und Fahrzeugen – die Kampagnen
Zunächst trifft man auf alte Bekannte, wie die Warfront-Kampagne und die optionalen Erweiterungen Campaign Roster (feste Armeelisten für den Feldzug) und Victory Boons (Sondereigenschaften, die an besonders heldenhafte Spieler*innen vergeben werden können). Die Warfront-Kampagne bedeutet ganz simpel, dass sich zwei Fraktionen gegenüberstehen, für Siege und Gleichstand Punkte verteilt werden und am Ende einer bestimmten Anzahl von Spielen die Seite mit den meisten Punkten gewinnt.
Jedoch auch neue Kampagnenspielarten gesellen sich zum Repertoire dazu. In der Breakthrough-Campaign (Durchbruchskampagne) stehen sich eine gleiche Anzahl Spieler*innen gegenüber. In der Regel werden Gefechte zwischen den loyalen und den verräterischen Truppen der Horus Häresie ausgefochten. Jede Seite besitzt eine Festung. Über Siege versucht man auf unterschiedlichen Wegen der Festung der Gegenseite näher zu kommen. Liegt man mit genügend Armeen vor den Toren der gegnerischen Befestigung, kann diese in einer speziellen Mission eingenommen werden, womit die Kampagne endet.
Vernebelte Schlachtfelder und ehrenhafte Taten – die Zusatzregeln
Neben den bereits bekannten Regeln kann man mithilfe des Bandes seinen Spielen noch weitere neue Würze verleihen. Der aus dem Computerspielgenre bekannte Fog of War findet so auch seinen Weg auf die Schlachtfelder von Legions Imperialis. Dieser sorgt dafür, dass die eigenen Truppen vom Gegner verdeckt aufgebaut werden und beschränkt die Waffenreichweite aller Waffen auf 18 Zoll. Dieser Mechanismus kann, passend zur Geschichte, zusätzlich die Eigenschaft „Giftig“ erhalten. Alle auf dem Spielfeld befindlichen Modelle müssen jeweils am Ende der Runde einen Rüstungswurf bestehen. Tun sie das nicht, erleiden sie einen Schadenspunkt, was in der Regel deren Ende bedeutet. Der Mechanismus basiert vor allem auf Würfelglück, wobei Infanterie und Kavallerie einen Nachteil haben. Die verheerenden Folgen spiegeln die Schlachtfelder Tallarns aber sehr gut wider.
Die Battle Honours ähneln den Victory Boons, sind aber nach Einheitentyp aufgeschlüsselt und lassen sich von allen Einheiten über Erfahrungspunkte verdienen. So lassen sich die Deckungswürfe von Infanterie verbessern, die Trefferwürfe von Panzern wiederholen oder die Bewegungen von Knights erhöhen. Alle Battle Honours haben zeitgleich auch Auswirkungen auf den Punktewert der Modelle, um eine Balance im Spiel zu gewährleisten.
Die Zeichen stehen auf Sturm – die Spearhead Assault Battles
Bei den Spearhead Assault Battles handelt es sich nicht um eine ganz neue Spielart, wie es bei der neuen Edition von Age of Sigmar der Fall ist, sondern lediglich um die Zusammenstellung dreier neuer Missionen und sechs Sekundärziele. Das Hauptziel besteht darin, bei allen Missionen möglichst viele feindliche Detachments auszulöschen und möglichst viele eigene Einheiten in die gegnerische Aufstellungszone zu bringen. Die Missionen zielen vor allem auf Panzergefechte ab, da hohe Geschwindigkeit in den Hauptmissionen und Scale Werte von 2 oder höher in den Sekundärzielen gefragt sind. Im Gegensatz zu den Missionen sind die Sekundärziele sehr abwechslungsreich. So muss eine Person von der Spielfeldmitte gerettet werden oder es müssen möglichst viele Spielfeldviertel besetzt werden. Die unterschiedlichen Ziele können selbst in der eigenen Fraktion zu spannenden Abwägungen führen.
Tonnen an Stahl – neue Formationen und Detachements
Passend zu den Schlachten auf Tallarn haben sich die Autor*innen von Legions Imperialis: The Devastation of Tallarn sogenannte Formations of Legend einfallen lassen. Entsprechend den Hauptfraktionen können Spieler*innen bestimmte Formationen für die Iron Hands, Iron Warriors, Alpha Legion, loyale und verräterische Solar Auxilia ins Feld führen, die jeweils ausgewählte Sondereigenschaften besitzen. Die Terminatoren der Iron Warriors besitzen nach Ausstieg aus ihren Transporten beispielsweise einen erhöhten Nahkampfwert, während die Truppen der Alpha Legion Formation die Fähigkeiten Outflank und Scout erhalten.
Dazu werden noch allgemeine neue Formationen und Detachments eingeführt. Im Legion Heavy Assault Spearhead werden verpflichtend Terminatoren mit Transportern und Dreadnoughts eingesetzt, begleitet von optionaler Feuerunterstützung. Beim Legion Subterran Assault kommt alles Gute nicht von oben, sondern aus der anderen Richtung. Die hier enthaltenen Infanterieeinheiten werden alle mit Termites versehen und stoßen mittels Deep Strike plötzlich aus dem Erdboden heraus und in die feindlichen Truppen hinein.
Legion Sicaran Punisher Squadron: Sicaran mit Schnellfeuerkanone, effektiv gegen Infanterie
Legion Sicaran Arcus Squadron: Sicarian, der sich vor allem gegen Fahrzeuge und Flieger wendet
Legion Sabre Squadron: leicht gepanzert, kann mit „Shock Pulse“ Titanen und Fahrzeuge verlangsamen
Legion Termite Detachment: Transporter, die dank Deep Strike überall auftauchen können, dann aber recht langsam sind
Auch die Solar Auxilia bekommen Verstärkung. In der Solar Auxilia Titan Hunter Company werden die schweren Shadowsword-Panzer eingesetzt, um auf Titanenjagd zu gehen.
Der Solar Auxilia Leman Russ Spearhead führt, wenig überraschend, vor allen Leman Russ Panzer ins Feld. Durch die neue Bandbreite an Leman Russ Modellen bietet sich eine breite Auswahl.
Auxilia Shadowsword Squadron: Sehr widerstandsfähig, mit Engine Killer (2) sorgt seine 70 Zoll weitreichende Waffe für betretene Gesichter auch bei widerstandsfähigen Modellen
Auxilia Stormsword Squadron: Sehr widerstandsfähig, Demolisher kann Gebäude zerstören und ignoriert Deckung
Auxilia Stormblade Squadron: Sehr widerstandsfähig, seine Plasmakanone sorgt mit 2 Würfeln und hoher AP für leuchtende Augen und Löcher in den Panzerungen
Leman Russ Executioner Squadron: Setzt seine Plasmakanone vor allem gegen leichte Einheiten ein.
Leman Russ Demolisher Squadron: Ignoriert Deckung und wird Gebäuden gefährlich
Leman Russ Annihilator Squadron: Panzerjäger
Leman Russ Exterminator Squadron: Kurze Reichweite mit hoher Schussfrequenz gegen leicht-gepanzerte Einheiten
Recht überraschend, aber passend tauchen am Ende noch sogenannte Tank Commanders auf. Diese Predator, Sicarian und Kratos Panzer besitzen verbesserte Moral- und Nahkampfswerte und können HQ-Slots füllen. Leider sind diese Panzer nur den Legionen der Astartes vorbehalten.
- Verlag: Games Workshop
- Erscheinungsjahr: 2024
- Sprache: Englisch
- Spieler*innen-Anzahl: 2
- Alter: ab 12
- Preis: Devastation of Tallarn Buch 41,00 EUR, Armeekarten 21,50 EUR, Shadowswords/Stormblades/Stormswords 41,00 EUR, Leman Russ Executioner/Demolisher/Annhilator/Exterminator 41,00 EUR, Sicaran Arcus/Punisher 41,00 EUR, Termites 41,00 EUR, Sabre 41,00 EUR [UVP]
Fazit
Es ist bedauerlich, dass Games Workshop anscheinend darauf setzt, dass man jede Publikation oder zumindest die dazugehörigen Armeekarten erwerben muss, um die gesamte Bandbreite der eigenen Fraktion auszunutzen. Während in anderen Systemen ein Grundregelbuch und eine fraktionsspezifische Veröffentlichung Voraussetzung sind, benötigen wir bei Legions Imperialis drei nicht unbedingt günstige Bücher. Tendenz steigend. Von den Formations of Honour mag man dabei einmal absehen, die Entwicklung insgesamt ist jedoch etwas betrüblich. Aufgrund der (wahrscheinlich) etwas kleineren Auflage ist der Band zudem wieder nur in englischer Sprache erhältlich.
Von diesen zu schluckenden Kröten abgesehen bietet das Buch Spaß und Unterhaltung für sein Geld. Bei der thematischen Kampagne wäre vielleicht noch etwas Luft nach oben gewesen, vergleicht man sie mit dem Eroberungsszenario des ersten Bandes. Auch die Spearhead Missionen wirken uninspiriert. Insgesamt bekommt man jedoch ein solides Kampagnenpaket, das auch ohne exklusive Spielwerte seine Berechtigung in der Hobbysammlung haben würde.

- Kampagne passend zum Hintergrund
-
Neue unterhaltsame Sonderregeln
- Kaufzwang auf Grund exklusiver Spielwerte
- Nur auf Englisch erhältlich
-
Hintergrundgeschichte stark verkürzt
Artikelbilder: © Games Workshop Ltd.
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Hendrik Pfeifer
Fotografien: Geoffrey Förste
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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